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  1. Inaktiver User

    AW: Welche Legitimation hat Wulff eigentlich für Saudi-Arabien?

    Wie gesagt - es sollte festgehalten werden, daß Herr Wulff in dieser Mission durchaus der richtige Mann ist. Er genießt Ansehen in der arabischen Welt, er ist ein juristisch rehabilitierter Bundespräsident a.D., er übt in einer einschlägigen Organisation ein Amt aus - warum sollte er nicht geschickt werden.

    Was ich persönlich von ihm halte, tut nichts zur Sache. Ich persönlich fand, daß sein Rücktritt erforderlich war - weil zuviele Dinge passiert sind, die zwar möglicherweise nicht per se strafbar sind - nichtsdestotrotz mit dem Amt nicht vereinbar sind. Zudem war sein Folgeverhalten mehr als unklug. Aber sei es drum.

    Ich schätze jedoch unser Rechtssystem und akzeptiere, was dort entschieden wurde (und schließlich hatte sich die Staatsanwaltschaft alle Mühe gegeben, daß er verurteilt wurde - wenn das nicht gelang, war die Beweislage nunmal nicht ausreichend dafür).

    Punkt. Er gilt als unbescholtener Mann.

    Und nochmal - wohlgemerkt - er soll die Bundesrepublik repräsentieren bei einem Kondolenzbesuch und seine Person wird dort geschätzt. Dann ist er wohl der Richtige dafür und Saudi-Arabien wird seinen Besuch positiv würdigen.
    Politisch gesehen ist Prince Charles auch nicht bedeutender als Christian Wulff.

  2. Inaktiver User

    AW: Welche Legitimation hat Wulff eigentlich für Saudi-Arabien?

    Da wird allen Ernstes darüber diskutiert, ob Christian Wulff ausreichend "würdig" sei, um in Saudi-Arabien wegen des Todes des alten absolutistischen Herrschers zu kondolieren, aber niemand hat die Frage auf dem Radar, ob Saudi-Arabien würdig ist, um besucht zu werden.

    Ich fasse es nicht.

  3. User Info Menu

    AW: Welche Legitimation hat Wulff eigentlich für Saudi-Arabien?

    Deutschland wird sich dem Protokoll nicht entziehen können und Merkel ist nicht dafür bekannt, irgendwelche Differenzen wegen 'ein paar Menschenrechten' mit anderen Staatschefs auszufechten.
    Körperlich Distanz
    Sozial zusammen


    You'd have to be here
    I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
    It's northerly facing and close to an open fjord
    The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
    Calling so slowly from summer's before

    Kari Bremnes

  4. Inaktiver User

    AW: Welche Legitimation hat Wulff eigentlich für Saudi-Arabien?

    Zitat Zitat von Lukulla Beitrag anzeigen
    Deutschland wird sich dem Protokoll nicht entziehen können
    Selbst wenn es so wäre - was ich bezweifle, denn in Sachen Auschwitz-Befreiungsfeier hat man gesehen, wie "flexibel" die Protokolle anscheinend sind.
    (In Polen wird gerade die Geschichte neu geschrieben: Ukrainer werden zu Befreiern erklärt
    Hierzu auch die FAZ).

    Selbst wenn es also so wäre, dass Deutschland sich diesen Protokollen nicht entziehen könnte (wg. der Zusammenarbeit der Saudis mit USA/Nato), dann würde daraus noch lange nicht folgern, dass in einem Internetforum darüber debattiert wird, ob Christian Wulff auch wirklich würdig genug sei vor diesen Verbrechern Männchen zu machen.


    und Merkel ist nicht dafür bekannt, irgendwelche Differenzen wegen 'ein paar Menschenrechten' mit anderen Staatschefs auszufechten.
    Es geht in Saudi-Arabien um ein bisschen mehr als nur "ein paar Menschenrechte".

    Saudi-Arabien stellt die höchst unappetitliche Mischung aus absolutistischer Monarchie (d.h. erblicher Diktatur) und islamistischem Gottesstaat dar. So ziemlich nirgendwo sonst auf der Welt haben Frauen so wenig Rechte wie dort.
    Und soeben haben wir den aktuellen Fall eines Bloggers in der Zeitung gehabt, der dafür, dass er Kritik am System geäußert hat, auf einem Marktplatz auf Raten totgeschlagen werden soll.
    Auf dem gleichen Marktplatz, auf dem sonst regelmäßig "Ehebrecherinnen" gesteinigt sowie Hände oder Köpfe abgeschlagen werden.
    (Ja, auch Köpfe! Du erinnerst dich sicher, wie entsetzt du warst, dass der Islamische Staat das tat und wie notwendig du es fandst, militärisch gegen solche Barbaren einzuschreiten.)

    Schon erstaunlich, wie klein die Brutalitäten in Saudi-Arabien geredet werden -
    noch dazu, wenn man bedenkt, wie empört sich Politiker, unsere "Leit"-Medien und viele Bricom-User gaben, als es um die ungeheuerliche Völkerrechtsverletzung auf der Krim ging, die darin bestand eine Volksabstimmung durchzuführen.
    .
    Geändert von Inaktiver User (29.01.2015 um 10:17 Uhr)

  5. Inaktiver User

    AW: Welche Legitimation hat Wulff eigentlich für Saudi-Arabien?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Schon erstaunlich, wie klein die Brutalitäten in Saudi-Arabien geredet werden -
    noch dazu, wenn man bedenkt,......
    .
    Fährst du ein Auto? Und wenn ja, was tankst du?

  6. Inaktiver User

    AW: Welche Legitimation hat Wulff eigentlich für Saudi-Arabien?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Fährst du ein Auto? Und wenn ja, was tankst du?
    Russisches Erdgas.

    Scherz.
    Auf den Einwand hatte ich gewartet ...

    Es soll Länder in Europa geben, die mit russischem Erdgas heizen. Zwei Schiffe sollten für Russland gefertigt werden - ein Auftrag für französische Werften im Wert von 1,2 Milliarden Euro. Röhren für South Stream: Wert 2 Milliarden, Auftragnehmer war Italien. 800 Millionen Euro pro Jahr entgangene Durchleitungsgebühren für Bulgarien, für Ungarn ist Russland der zweitwichtigste Handelspartner, britische Banken haben russische Kunden, deutsche Unternehmen wie Siemens oder Daimler machen beträchtliche Umsätze mit russischen Kunden, usw. usw.

    Das hat die EU aber nicht davon abgehalten Sanktionen gegen Russland zu verhängen - wenn auch nur nach massivem Druck durch die USA, wie US-Vizepräsident Biden verlauten ließ.

    Du fandst die wirtschaftlichen Nachteile für Europa angesichts des heldenhaften Kampfs gegen eine unerwünschte Volksabstimmung (!!) jedenfalls vernachlässigbar. Die Verteidigung der "westlichen Werte" (welcher Werte denn bitte ??) sei es wert, gewisse Opfer zu bringen.

    Nun, da es um ein Land geht, in dem eine Frau die Genehmigung und die Begleitung eines männlichen Familienmitglieds (Vater, Ehemann oder auch des eigenen Sohns) benötigt, um überhaupt das Haus zu verlassen geschweige denn zu reisen, nun, da wir wissen, dass ein kritischer Blogger zur Strafe für seine kritische Haltung totgeschlagen werden soll, der Schwager, ein Rechtsanwalt, wurde zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt ..
    kurzum: nachdem in den Fokus gerückt ist, dass derartiges in Saudi-Arabien passiert, erinnerst du mich daran, dass Saudi-Arabien fossile Treibstoffe produziert.

    Ei, was.
    Und deshalb muss man sich jeder Kritik enthalten? Darf keinen politischen Druck aufbauen? Muss hoffieren gehen, Bücklinge machen? Grübelt darüber nach, ob unser ehemaliger Bundespräsident Christian Wulff für einen Kondolenzbesuch beim Nachfolger dieses Potentaten auch wirklich würdig genug ist?
    .
    Geändert von Inaktiver User (29.01.2015 um 23:07 Uhr)

  7. gesperrt

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    AW: Welche Legitimation hat Wulff eigentlich für Saudi-Arabien?

    @Kai -Nobori,
    Danke für deine ausführliche Schilderung. Die ganze widerliche Verlogenheit der westlichen Eliten aus Politik und Medien wird auf den Punkt gebracht.

  8. User Info Menu

    AW: Welche Legitimation hat Wulff eigentlich für Saudi-Arabien?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Da wird allen Ernstes darüber diskutiert, ob Christian Wulff ausreichend "würdig" sei, um in Saudi-Arabien wegen des Todes des alten absolutistischen Herrschers zu kondolieren, aber niemand hat die Frage auf dem Radar, ob Saudi-Arabien würdig ist, um besucht zu werden.

    Ich fasse es nicht.
    Ich fass es ebenfalls nicht.

    Der Besuch hat nichts mit Saudi-Arabien zu tun, sondern mit dem verstorbenen König, der im übrigen eine ganz entschiedene Meinung zum Islamismus hatte sowie etliche Friedensgespräche zwischen z.B. Fatah und Hamas initiierte. Er gründete 2011 das König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog, das 2012 in Wien eröffnet wurde.

    Widerliche Verlogenheit der westlichen "Eliten", mal munter über einen Kamm zu scheren.
    Das Idol unserer Kindheit war ein arbeitsloser Aussteiger mit hohem Bildungsgrad, der abseits gesellschaftlicher Normen im Bauwagen lebte.

  9. Inaktiver User

    AW: Welche Legitimation hat Wulff eigentlich für Saudi-Arabien?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ei, was.
    Und deshalb muss man sich jeder Kritik enthalten? Darf keinen politischen Druck aufbauen? Muss hoffieren gehen, Bücklinge machen?.....
    Nein, bestimmt nicht. Kritik soll und muss sein.

  10. Inaktiver User

    AW: Welche Legitimation hat Wulff eigentlich für Saudi-Arabien?

    Zitat Zitat von DerHeld Beitrag anzeigen
    Ich fass es ebenfalls nicht.

    Der Besuch hat nichts mit Saudi-Arabien zu tun, sondern mit dem verstorbenen König
    Den absolutistisch regierenden Herrscher über Saudi-Arabien mit Saudi-Arabien nicht in Verbindung zu bringen ist in etwa so, als wollte man behaupten, Stalin habe nichts mit dem Stalinismus zu tun.

    Aus Wikipedia:
    Saudi-Arabien ist gemäß den Artikeln 1 und 5 seiner Grundordnung eine absolute Monarchie. (...)
    Saudi-Arabien versteht sich als Gottesstaat und hat die Scharia in der Verfassung verankert.

    Diese sieht keine Gewaltenteilung vor(...) Basierend auf Artikel 12 und 50 kann er in die Legislative, Judikative und Exekutive eingreifen, die ansonsten geltende Unabhängigkeit der Gerichte nach Artikel 46 ist in diesem Falle nicht mehr gesetzlich geschützt, da der König über den Gesetzen steht.

    Der Monarch (Malik) ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef und zugleich Kustos der beiden heiligen Städte. Er ist „legibus solutus“ (lateinisch für „von den Gesetzen losgelöst“), das bedeutet, dass er den Gesetzen, die er selbst erlässt, nicht untersteht.

    Gemäß den Artikeln 60 und 61 der Grundordnung ist der König oberstes sicherheitspolitisches Gremium und der oberste Befehlshaber der Streitkräfte. Er besitzt damit die alleinige und uneingeschränkte (absolute) Vollmacht über die Polizei, die Mutawwa, den Geheimdienst (al-Muchabarat al-'Amma) und das saudische Militär.


    Es gibt in diesem Staat keine legalen politischen Parteien. Parteien, Opposition, Streiks und Gewerkschaften sind vom König offiziell verboten.

    Damit dürfte wohl die Frage beantwortet sein, wer für die Zustände in Saudi-Arabien die Verantwortung trägt.
    Wer, wenn nicht der Alleinherrscher?

    Was es sonst noch zu den saudischen Verhältnissen zu sagen gibt:

    Auch für Gastarbeiter und Diplomaten ist es bei Strafe verboten, einen Gottesdienst zu feiern, eine Taufe oder eine Krankensalbung zu empfangen. Kirchen, Synagogen oder andere nichtislamische Gebetshäuser gibt es nicht, und die Errichtung solcher ist verboten. Falls die Regeln gebrochen werden, kann dies mit Verhaftung, Auspeitschung und Folter geahndet werden

    Falls dich die Situation der arabischen Frauen interessieren sollte, kannst du dich hier informieren.


    Widerliche Verlogenheit der westlichen "Eliten", mal munter über einen Kamm zu scheren.
    Die widerliche Verlogenheit westlicher "Eliten" besteht wie ich aufgezeigt habe ganz im Gegenteil darin, eben nicht mit gleichen Maßstäben zu messen. Und nicht etwa nur mit ein wenig schiefen Maßstäben, sondern in himmelschreiender Weise.
    Geändert von Inaktiver User (29.01.2015 um 09:39 Uhr)

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