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    AW: Biermann und die Linken

    Mir ist es nicht wichtig, an der Stelle "Recht zu haben".
    Man kann nur Eindrücke haben. Mehr ist es nicht.
    Ich bin ja nicht Wolf Biermann.
    The original Karla
    est. 2006


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    AW: Biermann und die Linken

    Zitat Zitat von HansDampf Beitrag anzeigen
    Indirekt hat Biermann für das Ende der DDR eine sehr wichtige Rolle gespielt. Seine Ausbürgerung hat das bewirkt, was die Linken in Frankreich den "Gulag-Schock" nennen: die Selbstdemaskierung eines totalitären Systems. Nicht die Ausbürgerung Biermanns (der in der DDR als arrogant verschrien und recht unbeliebt war) war das Problem, sondern die Reaktion des Staates DDR auf die Solidarisierung mit Biermann.
    Hans
    Vielen Dank für Deine Erklärung. Das rückt aber schon etwas gerade, was hier behauptet wurde, nämlich, dass Biermann eine Ikone war. Es geht also gar nicht so sehr um seine Person, sondern darum, dass im Zuge der Ausbürgerung auch viele Künstler, die einem Sozialismus nahe standen als Idee, von der DDR Führung völlig desillusioniert wurden.

    Und sich danach abwandten und Nischen suchten, die zum Teil in einen Protest gegen den Staat mündeten.
    Körperlich Distanz
    Sozial zusammen


    You'd have to be here
    I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
    It's northerly facing and close to an open fjord
    The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
    Calling so slowly from summer's before

    Kari Bremnes

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    AW: Biermann und die Linken

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wobei diese Abrechnung auch noch völlig ohne Fokus auskommt. Lukulla hat bereits darauf hingewiesen.
    Biermann hat, ebenso wie Gauck, anscheinend noch gar nicht gemerkt, dass in der Linkspartei auch Menschen aus dem Westen arbeiten, dass viele in der Linkspartei alte Sozialdemokraten sind, die von der Schröder'schen Politik aus der SPD getrieben wurden. Ramelow und Lafontaine sind nur zwei davon.
    Nebenbei bemerkt: ich finde die ostdeutsche Linke Petra Pau hochanständig und sehr seriös. Sahra Wagenknecht gehört zu den brilliantesten PolitikerInnen in Deutschland. Und Gysi war ein echter Gewinn für unsere Parteienlandschaft.
    Rundumschläge wie die von Gauck und Biermann sind also nicht nur äußerst ungerecht, sondern auch sehr dumm.
    Ich stimme in der Bewertung der Linken als Partei und auch der Linken-Politiker nicht mit dir überein. Allerdings stimme ich Dir zu, daß wir in D eine Partei dieser Couleur brauchen: links von der Sozialdemokratie und den Grünen. Das ist ein Bereich, den eine größere Partei abdecken sollte, damit man diese Themen nicht radikaleren Kräften überlässt.
    Leider hat die Partei der Linken in meinen Augen kein gesellschaftliches Konzept, nur Bruchstücke und diese auch nicht konsistent. Es gibt sehr viele Strömungen innerhalb der Linken, die sich wie schon in den 70er Jahren über den Weg zum "wahren" Sozialismus streiten, anstall Realpolitik zu machen. Und manches Personal (wie die Stalinistin und Gulag-Leugnerin Sahra Wagenknecht) möchte ich eigentlich nicht in der deutschen Politik sehen, da ich ihre Einstellung zum Grundgesetz mehr als ambivalent empfinde. Gregor Gysi nehme ich davon aus, er ist wirklich eine rethorische Bereicherung der deutschen Politik (und seine Eitelkeit, sich reden zu hören, sei ihm verziehen).

    Natürlich ist die Linke als Partei kein uniformes Gebilde und damit ist jedes Pauschalurteil fragwürdig. Allerdings zeichnet sich die Polemik der Linken auch nicht immer durch Differenzierungsfähigkeit aus.

    Hans
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    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

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    AW: Biermann und die Linken

    Zitat Zitat von Lukulla Beitrag anzeigen
    Vielen Dank für Deine Erklärung. Das rückt aber schon etwas gerade, was hier behauptet wurde, nämlich, dass Biermann eine Ikone war. Es geht also gar nicht so sehr um seine Person, sondern darum, dass im Zuge der Ausbürgerung auch viele Künstler, die einem Sozialismus nahe standen als Idee, von der DDR Führung völlig desillusioniert wurden.

    Und sich danach abwandten und Nischen suchten, die zum Teil in einen Protest gegen den Staat mündeten.
    In meinen Augen hat Biermann noch eine zweite Funktion: er verwendet klare Worte. Er nennt ein Schein ein Schwein, einen Verbrecher einen Verbrecher und die Stasi nennt er Stasi. Keine anbiedernde Political Correctness. Damit tappt er häufig daneben, das ist war. Aber den Mut erkenne ich an.

    Hans
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    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

  5. Inaktiver User

    AW: Biermann und die Linken

    Zitat Zitat von VanDyck Beitrag anzeigen

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Man hätte aber auch zusammen was Neues anfangen können.Tja, hätte hätte ...

    Die Frage in diesem Zusammenhang ist ja aus meiner Sicht: traf diese Art von Vereinigung, wie wir sie 1990 erlebt haben, auf den (großen) Mehrheitswillen der gesamtdeutschen Bevölkerung?
    Die Antwort kann nur heißen: Eindeutig Ja.

    Und daher ist auch das Wesentliche, was den Auftritt von Wolf Biermann im Bundestag betrifft, m.E. folgendes: dass nämlich das Lied 'Ermutigung', welches so vielen Leuten in der früheren DDR tatsächlich Mut gegeben hat, im Parlament der deutschen Demokratie gespielt wurde, anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls - und selbstverständlich von dem, der dieses Lied 'erfunden' hat und der auch selbst zu den Mutigen gehörte.

    VanDyck
    @VanDyck
    Ich teile Deine Sichtweise.

    Und die große Frage ist doch: Was hätte man denn neues *gemeinsam* anfangen sollen?
    In der BRD gab es Demokratie, in der DDR ein totalitäres System, das sich als Demokratie ausgegeben hat. Dort gab es wirklich keine Meinungsfreiheit.
    Wenn ein System gestürzt wird, dann soll man gleich ein zweites mit verändern?
    Ich bin doch sehr erstaunt über manche Sichtweisen, die ich hier lese.

    Natürlich ist die Linke nicht die SED aber es gibt eben doch Überschneidungen.

    Die Linke will auch den starken Staat und lockt mit den vermeintlichen Sicherheiten die der starke Staat bietet. Mir fällt auch die zunehmende Staatsgläubigkeit auf, die ich sehr bedauerlich finde. (Wobei ich ein absoluter Verfechter von einer sozialen Marktwirtschaft bin).

    Die Linke ist zum Beispiel noch heute extrem intolerant gegenüber Religionen, Kirchen und anderen Gemeinschaften - so intolerant dass Bodo Ramelow, selbst aktiver Protestant, dass Bundesprogramm nicht unterschreiben konnte und sogar sagt "DIE SED war toleranter".

    Bodo Ramelow über Linke und Religion:

    Hier noch einmal zur Diskriminierung von Christen in der DDR:
    Christen und Kirchen in der DDR

    Ein starker Staat bitte ohne Korrektiv und Konkurrenz, nein danke, sage ich da.

    Es ist kein Zufall, dass selbst in der nahezu entchristlichten DDR (Die Mitgliedzahlen der Kirchen sanken vor allem durch die massiven Repressionen gegenüber Christen von 92 % auf wenige Prozent) dennoch die Kirchen Räume boten, die die Wende ermöglichten.

    Die Vorstellungen der heutigen Linken zur Religion sprechen in meinen Augen eine totalitäre Sprache.
    Geändert von Inaktiver User (11.11.2014 um 14:33 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: Biermann und die Linken

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die Linke will auch den starken Staat und lockt mit den vermeintlichen Sicherheiten die der starke Staat bietet. Mir fällt auch die zunehmende Staatsgläubigkeit auf, die ich sehr bedauerlich finde. (Wobei ich ein absoluter Verfechter von einer sozialen Marktwirtschaft bin).
    Deine Aussage ist widersprüchlich.
    Die soziale Marktwirtschaft erfordert einen einigermaßen starken Staat - ganz besonders heutzutage, angesichts der Begehrlichkeiten und Attacken der Neoliberalen und angesichts der globalisierten Wirtschaft.
    Die "Staatsgläubigkeit", wie du es nennst, nimmt im allgemeinen deutlich ab und nicht etwa zu, ebenso wie im Zuge dessen auch die soziale Marktwirtschaft. Heute vertreten fast nur noch Linke diejenigen Positionen, die früher von der CDU abgedeckt worden sind. Sogar Sahra Wagenknecht beruft sich auf Adenauer und Erhard.

    Die Kritik an der "Staatsgläubigkeit" findet sich außerdem normalerweise nicht im Vokabular derjenigen Menschen, die für die soziale Marktwirtschaft eintreten, sondern eher bei den Neoliberalen.

    Von daher verwundert es, dass du behauptest ein "absoluter Verfechter" der sozialen Marktwirtschaft zu sein. Offenbar ist dir nicht bewusst, dass hierfür eine ganze Menge Staat vonnöten ist - allerdings nicht im Sinne eines Überwachungsstaates, wie wir ihn heute zunehmend haben.


    Die Linke ist zum Beispiel noch heute extrem intolerant gegenüber Religionen, Kirchen und anderen Gemeinschaften - so intolerant dass Bodo Ramelow, selbst aktiver Protestant, dass Bundesprogramm nicht unterschreiben konnte und sogar sagt "DIE SED war toleranter".
    (...)
    Die Vorstellungen der heutigen Linken zur Religion sprechen in meinen Augen eine totalitäre Sprache.
    Ramelow sagte in deinem Link nicht, die SED wäre toleranter gewesen, sondern die PDS.

    Eine Verwechslung? Aber du verdrehst sogar die gesamte Aussage, wie folgendes Zitat zeigt:

    Frage: Warum hat sich die Haltung zur Religion von der PDS zur Linkspartei geändert?
    Ramelow: Das hat mit der Antiklerikalität der 68er in der Bundesrepublik zu tun, die vor allem in der Westberliner SPD einen Kristallisationspunkt gefunden hatte. Durch die Eintritte ehemaliger SPD-Mitglieder in die PDS/WASG sind solche Strömungen verstärkt in die Linkspartei vorgedrungen.


    Die westdeutsche 68er Antiklerikalität ist also der Grund für die kritische Haltung zur Religion in der Linkspartei. Damit fällt deine diesbezügliche Anklage gegen die Linkspartei hinten runter.
    Geändert von Inaktiver User (11.11.2014 um 15:45 Uhr)

  7. Inaktiver User

    AW: Biermann und die Linken

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Und die große Frage ist doch: Was hätte man denn neues *gemeinsam* anfangen sollen?
    In der BRD gab es Demokratie, in der DDR ein totalitäres System, das sich als Demokratie ausgegeben hat. Dort gab es wirklich keine Meinungsfreiheit.
    Wenn ein System gestürzt wird, dann soll man gleich ein zweites mit verändern?
    Ich bin doch sehr erstaunt über manche Sichtweisen, die ich hier lese.
    In der DDR gab es auch gesellschaftliche Entwicklungen, die im westdeutschen Bürgertum nicht vorgesehen waren und weit moderner waren. Z. B. Kinderbetreuung und die Möglichkeiten, als Frau und Familie mit Kindern zu arbeiten. Erst jetzt atmen hierzulande alle auf, weil es einen Anspruch auf einen Krippenplatz gibt. 25 Jahre danach.

    Ich habe die DDR viel zu oft besucht, um den Staat sympathisch zu finden. Nur in der Art und Weise, wie die westdeutsche Denke auch die brauchbaren Entwicklungen in der DDR geschluckt hat, zeigt sich für mich das typisch kulturelle Überlegenheitsgefühl von Siegern gegenüber den Besiegten.

  8. Inaktiver User

    AW: Biermann und die Linken

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ramelow sagte in deinem Link nicht, die SED wäre toleranter gewesen, sondern die PDS.

    Eine Verwechslung? Aber du gehst sogar noch weiter und verdrehst die gesamte Aussage, wie folgendes Zitat zeigt:
    Ach Koi.
    Genau. Ich stelle einen Link ein um etwas zu verschleiern.
    Natürlich war das eine Verwechslung, ich hatte das tatsächlich falsch in Erinnerung.
    Ich habe den Link nämlich schonmal eingestellt.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die 68er Antiklerikalität ist der Grund für die kritische Haltung zur Religion in der Linkspartei. Damit fällt deine diesbezügliche Anklage gegen die Linkspartei hinten runter.
    Nein, überhaupt nicht.
    Das macht es doch nicht besser wenn Intoleranz aus verschiedenen Quellen einer Partei genährt wird.

    Ich finde tatsächlich das Parteiprogramm der Linken zum Thema Religion sehr intolerant.

    Was da unter Trennung von Staat und Kirche verkauft wird ist quasi ein Verbot des Religionsunterrichts ausgerichtet durch Kirchliche Träger überhaupt (statt dessen staatlicher Unterricht der über Religionen informiert, ausgerichtet durch staatliche Stellen) und eine Aufhebung des Verbots , der "Schmähung von religiösen Bekenntnissen" kommt für mich einem Freibrief für eine beginnende Diskriminierung von Religionen nahe.

    Für viele sehr Linke (hier nicht auf die Partei bezogen) ist Religion ein Feindbild, das darf ich als gläubiger Mensch kritisieren.

    https://www.freitag.de/autoren/der-f...die-linke-noch

    Die Linke (in diesem Fall die Partei gemeint) geht in ihren Forderungen weiter als alle linken Parteien die aus der ehemaligen BRD entstanden sind (SPD, Grüne).

    Das Denken ist natürlich stark geprägt aus der Zeit der DDR ---- mir fehlt da die kritische Distanz und eine ehrliche Aufarbeitung der Politik der SED-Zeit - im Übrigen nicht nur in diesem Bereich, ich finde da ist noch viel zu wenig Aufarbeitung passiert.
    Geändert von Inaktiver User (11.11.2014 um 15:46 Uhr)

  9. Inaktiver User

    AW: Biermann und die Linken

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nur in der Art und Weise, wie die westdeutsche Denke auch die brauchbaren Entwicklungen in der DDR geschluckt hat, zeigt sich für mich das typisch kulturelle Überlegenheitsgefühl von Siegern gegenüber den Besiegten.
    Das sehe ich ganz genauso.

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    AW: Biermann und die Linken

    Zitat Zitat von ganda55 Beitrag anzeigen
    Wie du finde ich Biermann auch an dieser Stelle unproduktiv. Der Mann hat nur Abrechnung auf dem Programm und kein Zukunftskonzept.
    Er ist in seiner Zeit gefangen. Ich denke, Menschen wie er haben sicher eine Funktion gehabt, waren "produktiv", das mag auch gewürdigt werden. Nachdem ich nun seinen armseligen Auftritt sah, - das, was von ihm übrig blieb, denke ich doch, er hat sehr gelitten.
    "Seien wir realistisch- versuchen wir das Unmögliche"
    Wie weiß ich, dass ich nicht brauche, was ich will? Ich habe es nicht. (Byron Katie)

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