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Thema: Biermann und die Linken
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13.11.2014, 11:02
AW: Biermann und die Linken
Körperlich Distanz
Sozial zusammen
You'd have to be here
I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
It's northerly facing and close to an open fjord
The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
Calling so slowly from summer's before
Kari Bremnes
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13.11.2014, 11:03
AW: Biermann und die Linken
Da isser. :-)
http://www.youtube.com/watch?v=kUheTVZTPNIEine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag. -- A. Tschechow
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13.11.2014, 11:24Inaktiver User
AW: Biermann und die Linken
Das war eine parteiinterne Angelegenheit, das andere eine offizielle Einladung. Vergleichbar wäre es, wenn Lammert kein Hausverbot verhängt, sondern z.B. duldend geschmunzelt hätte darüber. (Mir ist klar, daß eine scharfe Rüge an Biermann nicht gegangen wäre. Aber einen zweiten Anlauf hätte ich von Lammert eigentlich schon erwartet).
Mobbing ist schon ein gutes Wort an der Stelle. Ich gehe davon aus, wäre, aus irgendeinem Sinneswandel heraus, die Biermann'sche Attacke gegen Merkel und Gabriel gegangen, es wäre mehr als eine Anweisung von Lammert gekommen, sie wäre penetrant wiederholt worden, und wenn er eine Diskussion mit Biermann hätte starten müssen. Auch wären Merkel und Gabriel nicht anschließend zu ihm gegangen, um ihm zu danken.
So hinterläßt es leider das bittere G'schmäckle, daß man auch in Deutschland die Opposition so gut als möglich mundtot machen möchte.
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13.11.2014, 12:05
AW: Biermann und die Linken
Beim Lesen des Interviews mit W. Templin, welches hier ja zitiert wurde, fiel mir wieder auf, wie verschieden die Wahrnehmung der Partei der Linken in Ost und West ist (oder sein kann).
Für Templin, für Biermann, für Gauck (und auch für mich) sind die Linken nicht eine der Parteien der Bundesrepublik. Sondern DIE Nachfolgepartei der SED. Nicht das politische Programm der Linken bereitet Unbehangen, sondern die partielle personelle Kontinuität nach 1989. Wer sich wie die oben genannten viele Jahre mit SED Funktionären in nicht selten existenzieller Weise auseinandersetzen mußte, wer deren Arroganz der Macht zu spüren bekam, wer heute ihre Uneinsichtigkeit wahrnehmen muß, für den ist die Linke emotional ein rotes Tuch. Diesen Fluch der Vergangenheit, den die Linke von der PDS geerbt hat, wird sie so schnell nicht loswerden. Immer noch sind die meisten Parteimitglieder der Linken ehemalige SED Mitglieder, und nicht wenige von ihnen sind im Herzen immer noch Stalinisten. Sie spielen in der aktuelle Parteipolitik keine Rolle, aber ihre Existenz vergiftet den Raum, in dem sich die Linke bewegt.
Man stelle sich als Gedankenspiel vor, die NSDAP hätte sich 1945 in z.B. LDPD umbenannt und allen ihren ehemaligen Führungskadern verboten, in dieser Partei in Zukunft eine Führungsrole zu übernehmen. Die Politik dieser fiktiven Partei wäre wahrscheinlich konservativ, aber nicht unbedingt nationalsozialistisch geworden. Trotzdem hätte jeder wirkliche Demokrat in Deutschland Berührungsängst mit dieser Partei gehabt - aus dem Wissen um die Herkunft (und die verschwiegenen Ansichten) der schweigenden Mehrheit der Parteimitglieder.
Durch die juristische und personelle (und auch materielle) Kontinuität von SED zur Linken (und auch das war "Volkseigentum", welches dem DDR-Volk nach 1989 weggenommen wurde) ist diese Partei (zumindest für viele ehemalige DDR Bürger) zu einem Paria geworden. Rational ist das nicht gerechtfertigt, doch die Gefühle sind immer noch stark.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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13.11.2014, 12:15
AW: Biermann und die Linken
Biermann entstammt einer Hamburger Arbeiterfamilie. Sein Vater war kurz vor Kriegsende im KZ von den Nazis ermordet worden. Er kam in die DDR als glühender Kommunist. Hinzu kommt, daß er durch seine Familie Verbindungen zu Honecker hatte, er kannte Margot Honnecker sehr gut. Seine Kritiken an der DDR kamen (wie ja auch die von Havemann oder Bahro) immer von links, ihm war die DDR nicht kommunistisch genug. Daher war auch seine Kritik der Bundesrepublik ähnlich ätzend und scharf.
Da es den Mächtigen in der DDR aber nicht um den richtigen Weg zu einer beseren Gesellschaft, sondern um ihren Machterhalt ging, war Kritik von links eher noch gefährlicher, weil subversiver (und eventuelle auch glaugwürdiger). So überrascht es nicht, daß schon Stalin mit Vorliebe die linke Opposition einsperren ließ, und Ulbricht und Honecker waren da gelehrige Schüler.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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13.11.2014, 12:32Inaktiver User
AW: Biermann und die Linken
Das ist sie für mich immer noch in gewisser Weise.
Wieso ist das rational nicht gerechtfertigt? Sie erklären immer noch nicht in ausreichender Weise, daß die DDR ein Unrechtsstaat war. Oder habe ich was verpaßt? Ich akzeptiere sie trotzdem, als gewählte Partei, und schätze sie sogar, nämlich als gefühlt doch einzige momentane Opposition.Rational ist das nicht gerechtfertigt, doch die Gefühle sind immer noch stark.
Darum geht's aber nicht. Merkel gibt auch Dinge von sich, bei denen manch einem die Haare zu Berge stehen. Dennoch darf kein Gottschalk im Bundestag reden, (wie er es gerne getan hätte), der sie dann möglicherweise deshalb sogar beschimpft und alle im Bundestag dulden das. (Er hätte das wohl kaum getan, ist nur ein Beispiel).
Es geht darum, daß eine nichtgewählte Person nicht einfach im Bundestag ihre Meinung gewichtig zu machen dürfen hat. Und es bekommt nunmal mehr Gewicht, da auf jeden Fall Aufmerksamkeit. Es geht darum, daß es schon Richtung Mobbing geht, wenn anschließend noch (dafür?) gedankt wird.
Das kann ich sowieso nicht feststellen. Haben sie nicht gerade in Thüringen einen Ministerpräsidenten der Linken "bekommen", vom Himmel gefallen ist er aber nicht. (Falls er es schon ist, weiß nicht genau, stand jedenfalls ernsthaft zur Debatte).ist diese Partei (zumindest für viele ehemalige DDR Bürger) zu einem Paria geworden.Geändert von Inaktiver User (13.11.2014 um 12:39 Uhr)
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13.11.2014, 12:48
AW: Biermann und die Linken
Geht ja auch "nicht einfach". Der Anlass muss gewichtig genug sein. Hier war er es. - Und Biermann eben einer der "gewichtigsten" Protagonisten jener Zeit und politischen Situation, deren Umwälzung heute, anlässlich ihrer 25. Jährung, gefeiert wird. Und als solcher darf, nein, muss er Meinungs-Freilauf haben. Soweit stimmt das für mich.
Dein Mobbingvorwurf ist vor allem deshalb zugleich berechtigt, weil man dann immerhin dafür hätte sorgen können, dass die Größenverhältnisse im Bundestag (Bonsai-Opposition - massive Regierungskoalition) bei einem solchen Auftritt einmal mehr mitbedacht und nicht auch noch unterstrichen werden, indem der Bundestagspräsident ein rankumpelndes "Ich weiß ja, sie als Ironiker haben mich eingeladen, weil sie hoffen, dass ich den Linken ein paar Ohrfeigen verteile" unwidersprochen lässt.
Gruß,
AenEine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag. -- A. Tschechow
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13.11.2014, 12:55Inaktiver User
AW: Biermann und die Linken
Bleibt zu überlegen,
ob Biermann eingeladen wurde und die Gelegenheit genutzt hat, "den Linken ein paar Ohrfeigen zu verpassen" und ihnen zu verstehen zu geben, dass sie im Bundestag nichts zu suchen haben
oder ob Biermann eingeladen wurde mit der Aufgabe "den Linken ein paar Ohrfeigen zu verpassen" und ihnen zu verstehen zu geben dass sie im Bundestag nichts zu suchen haben.
Ich vermute das Zweite
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13.11.2014, 12:57
AW: Biermann und die Linken
Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag. -- A. Tschechow
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13.11.2014, 13:22
AW: Biermann und die Linken
Sehe ich ähnlich.
Es war die Sondersitzung des deutschen Bundestages anlässlich des 25. Jahrestag des Mauerfalls.
Im Grunde war das der Tag, an dem die Macht der SED faktisch und unwiderruflich gestürzt wurde.
Die Linkspartei ordnet sich selbst eben auch (selbstverständlich nicht nur) in die Tradition der SED ein.
Die Linkspartei ist eben letztlich auch aus der SED hervorgegangen.
Es gab niemals eine Auflösung der SED, sondern gewissermaßen eine 'Fortschreibung' inkl. mehrmaliger Umbenennung des Namens und sodann am Ende die Vereinigung mit der WASG.
Diejenigen, die einst in der SED waren, mussten niemals in eine neue Partei eintreten, um heute Linkspartei-Mitglied zu sein.
Führende Kader aus der ehemaligen SED, die mindestens eine Mitverantwortung für Willkürherrschaft, Einschränkung der Demokratie, tausende von politischen Gefangenen und alle Mauertoten haben, sind nach wie vor Mitglieder der Linkspartei.
Nimmt man das alles zusammen, dann muss die Linkspartei solch einen Auftritt von dem Biermann aushalten.
Und sie wird es auch aushalten.
VanDyckEs gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman



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