Doch, genau das tust Du meiner Meinung nach. Du versuchst, ein Unrecht durch ein anderes zu relativieren, diese Rechnung geht aber nicht auf.
Schade auch, dass Du meine Frage nicht beantwortet hast. Vielleicht hast Du sie überlesen, deshalb frage ich nochmal: Gilt Stress auch als Erklärung für einen Mann, der seine Frau prügelt?
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28.04.2014, 10:52Inaktiver User
AW: Ist Deutschland Kinderunfreundlich? Warum gibt es soviel Kindermisshandlung?
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28.04.2014, 11:05Inaktiver User
AW: Ist Deutschland Kinderunfreundlich? Warum gibt es soviel Kindermisshandlung?
Wie es auch selten vorkommt, daß Freunde und Bekannte für Widerworte angeschrien oder gar geohrfeigt werden.

Sie werden auch nicht angeschrien, weil sie z.B. ihre Jacke über den Stuhl hängen, obwohl man ihnen schon dreimal gesagt hat, daß sie in der Garderobe abzulegen ist. Und war der Arbeitstag noch so lang und stressig.
Vielleicht wäre es eine ganz gute Übung für manchen, sein Kind mit soviel Achtung und Wertschätzung zu behandeln wie den besten Freund.
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28.04.2014, 11:05Inaktiver User
AW: Ist Deutschland Kinderunfreundlich? Warum gibt es soviel Kindermisshandlung?
Ich denke, das Thema ist auch eines, das sich historisch einfach verändert - zum Glück.
Eltern, die früher ihre Kinder geschlagen haben waren sicher nicht immer 'böse' Menschen, sondern sie hielten das für eine richtige Erziehungsmaßnahme - das war das Denken der Gesellschaft.
Es gab daher kein Unrechtsbewusstsein bei Eltern, sondern im Gegenteil, viele dachten sicher, das ist das richtige um ein Kind auf den richtigen Weg zu bringen. Tatsächlich scheint elterliche Gewalt erst seit 1980 verboten, das 'Züchtigungsrecht' gegenüber Schülern wurde erst 1973 wirklich abgeschafft.
Ich habe hier mal eine Übersicht aus Wikipedia reinkopiert:
Körperstrafe
Trotzdem haben natürlich nicht alle Eltern geschlagen.
Meine Eltern, in den 1940er Jahren geboren, sind nie geschlagen worden.
Ob es in der Schule so etwas gab, weiß ich nicht, das muss ich einmal nachfragen.
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28.04.2014, 11:15Inaktiver User
AW: Ist Deutschland Kinderunfreundlich? Warum gibt es soviel Kindermisshandlung?
Ich vermute die Ursache woanders. Der gesellschaftliche Überbau ist das eine: Er erlaubte die "Züchtigung".
Aber wie Du schon sagst, haben dennoch nicht alle Eltern geprügelt. Ich vermute, die Ursache liegt im mangelnden Mitgefühl. Das wiederum kommt dadurch zu Stande, dass jemand selber geprügelt wurde und die damit verbundenen Gefühle verdrängt hat. Das wiederum passiert, weil Kinder auch notfalls durch Selbtstverleugnung ihre Eltern schützen.
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28.04.2014, 11:16Inaktiver User
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28.04.2014, 11:19Inaktiver User
AW: Ist Deutschland Kinderunfreundlich? Warum gibt es soviel Kindermisshandlung?
Das kann gut sein - also sozusagen die psychologische Erklärung.
Die aber wiederum aus der gesellschaftlichen Akzeptanz resultiert - schlagen war weit verbreitet und Verdrängen demnach also das normale und "erstrebenswerte".
Das soll nicht - vor allem heutige - Gewalt entschuldigen und Verantwortung abnehmen.
Tatsächlich gibt es aber eben diesen Kreislauf von eigener Gewalterfahrung, die sich weiter fortsetzen kann.
Und darum ist es eben kein schwarz-weiß Thema oder sollte zumindest keines sein.
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28.04.2014, 11:32Inaktiver User
AW: Ist Deutschland Kinderunfreundlich? Warum gibt es soviel Kindermisshandlung?
Ja, man sehe sich die Erziehungsziele im Dritten Reich zum Beispiel an. Kindern wurde jegliches Autonomiebestreben regelrecht ausgeprügelt, sie wurden zum "Kadavergehorsam" erzogen.
Ein schlimmes Zeugnis ist auch der "Struwwelpeter". Schwarze Pädagogik pur und schon viele Jahrzehnte vorher geschrieben. Dort werden Kinder für Fehlverhalten (was nichts anderes als typisch kindliche Verhaltensweisen waren) grausam bestraft. Kinder haben in ihrem Kindsein genervt.
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28.04.2014, 11:49Inaktiver User
AW: Ist Deutschland Kinderunfreundlich? Warum gibt es soviel Kindermisshandlung?
Ich kenne mich nicht sehr gut aus mit der Geschichte der Körperstrafen. Das Dritte Reich ist sicher extrem gewesen, es ging vermutlich um funktionierende, militärisch gedrillte Kinder.
Die Erklärung von "Genervtsein" von Kindern greift für mich allerdings nicht weit genug - auch heutige Eltern sind von ihren Kindern manchmal genervt (und lieben sie trotzdem).
Ich denke, dass es auch um das Thema des "Grenzen setzen" ging.
Opelius Beispiel finde ich da ganz treffend. So wie ich ihn lese, hat seine Mutter ihn geliebt und in einer Situation, die sie als schlimm empfunden hat, als Strafe geschlagen - nicht aus Sadismus, sondern vielleicht weil sie dachte 'mein Kind darf nicht zum Dieb werden', ich muss ihm daher sehr deutlich beibringen, dass das der falsche Weg ist.
Grenzen setzen ist ein wichtiges Thema in der Erziehung, auch heute noch.
Allerdings werden die Grenzen anders gesetzt - vermutlich mehr über erklären, aber sicher auch noch über Strafen wie "Wenn Du nicht ruhig bist, gibt es kein Eis".
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28.04.2014, 12:10
AW: Ist Deutschland Kinderunfreundlich? Warum gibt es soviel Kindermisshandlung?
Ich habe keine Ahnung ob das stimmt, es ist eher eine Beobachtung aus Erzählungen meiner Großeltern…
Ich habe das Gefühl Kinder zählten früher eben noch nicht als vollwertige Menschen. Sie sind noch nicht erwachen, haben keinen Job, haben sich noch nicht profiliert…
Dieser Glaube an ein vertikales Hierarchiedenken in der Gesellschaft, dass es bessere und schlechtere Menschen gibt ist in D. durchaus ausgeprägt. Kinder fallen da automatisch ins untere drittel,denn mit was sollen sie Punkte sammeln für ihre "Hierarchieplatzierung"…ich glaube auch, dass einiges von diesem Denken durch das dritte Reich verstärkt wurde und auch nicht so einfach "weg" ist, mit dem Ende des Krieges. Autoritäre Staaten hinterlassen Spuren.
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28.04.2014, 12:13Inaktiver User
AW: Ist Deutschland Kinderunfreundlich? Warum gibt es soviel Kindermisshandlung?
Das ist es m.E., was Eltern klarsein sollte. Daß Kinder autonome Wesen sind, nur noch klein. Und daß sie ein unbedarfteres Verhalten haben als bereits gesellschaftliche Normen kennende und daran angepaßte Erwachsene. Manches Kind, das z.B. "stiehlt", nimmt einfach etwas mit, was ihm gefällt. Wie es auf der Wiese eine schöne Blume pflücken würde. Es stiehlt nicht im Sinn, wie es Erwachsene bewußt tun würden, wenn es den Eigentumsbegriff so noch gar nicht kennt. An sich kein Grund also, es dafür anzuschreien. Eine Erklärung dieser Normen wäre ausreichend.
Eltern, überhaupt Erwachsene, gehen häufig davon aus, daß gesellschaftliche Normen bereits bekannt sein müßten ab Geburt, - sonst gäbe eine Strafe für ein Übertreten ja keinen Sinn. Gleichzeitig sind sie der Meinung, daß man solche Normen "einprügeln" oder mindestens "anerziehen" muß.
Jedenfalls an sich ja ein Widerspruch, vielleicht muß man sich den nur bewußt machen.
Wenn man erkennt, daß ein Kind ein erstmal "unbeschriebenes Blatt" ist, dann ist der Umgang mit deren unbedarften und manche deshalb nervenden Verhalten vielleicht auch leichter, - und weniger "nervig". So wie man jemandem, der mal ins eigene Fachgebiet hereinschnuppert, ja auch geduldig die für ihn völlig neuen Handgriffe erklärt, und nicht genervt und patzig reagiert, wenn er etwas völlig falsch macht, weil er es einfach nicht weiß. Sondern man erklärt es ihm in der Regel schon vorher.
Kindern muß man die Welt, in der man jeweils lebt, erklären. Freundlich und interessiert am Fortschreiten ihres Verständnisses. Dann ergeben sich viele Reibungspunkte erst gar nicht. Und, wie die Japaner z.B., geduldig immer wieder von Neuem, also manchmal auch mehrfach. Eben wie einem Freund. Den schreit man auch nicht an, wenn er was vergessen hat und deshalb wieder falsch macht: Was habe ich Dir denn gesagt? Gleich kriegst Du eine! - und solche Sachen.



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