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Thema: Uli Hoeneß Prozess
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18.03.2014, 12:05Inaktiver User
AW: Uli Hoeneß Prozess
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18.03.2014, 12:12
AW: Uli Hoeneß Prozess
Ja, hab ich doch verstanden.
Klar bleibt auch:
das ist ein Blickwinkel.
Frage ist und bleibt: ist dieser Blickwinkel der 'richtige', bzw. genügt er als alleiniger Blickwinkel, um einen 30-Millionen-Steuerhinterzieher mit einem 500-Euro-Bescheisser in einen Topf zu werfen, bzw. die beiden unter diesem alleinigen Blickwinkel sozusagen 'gleichzustellen'?
Meine Antwort ist und bleibt: Nein.
Diesen Sätzen will ich nicht widersprechen.Hoeneß hat Mist gebaut. Wie gross der wirklich ist, wissen wir nicht. Vielleicht wissen wir es bald mal.
Bis dahin gilt aber für mich: er wurde erwischt, hat die verhängte Strafe akzeptiert, wird versuchen alles rechtlich mögliche in Anspruch zu nehmen, das diese Strafe im Rahmen unserer Gesetze noch abgemildert (würde ich auch versuchen) und fertig.
VanDyckGeändert von VanDyck (18.03.2014 um 12:58 Uhr)
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18.03.2014, 12:37
AW: Uli Hoeneß Prozess
Ich sehe den Fall nicht auf der persönlichen Ebene von Hoeness habe auch keinerlei Absichten ihn persönlich anzugreifen oder zu verurteilen.
Was ich interessant finde ist eher der systematische Bezug bzw. das Rechtskonstrukt oder die verschiedenen Wahrnehmungen und Bewertungen, wie z.B. die annahme 27 Mio an Steuern zu hinterziehen wäre dieselbe kriminelle Energie wie 1000 € zu hinterziehen.
Also die abstrakte Metaebene des Ganzen nicht die persönliche Ebene.
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18.03.2014, 13:00Inaktiver User
AW: Uli Hoeneß Prozess
Wie gesagt: bezogen auf die Höhe einer hinterzogenen Summe bei der Steuer, bestimmt die Relation zum persönlichen Gesamtvermögen auch das Rechts- oder Unrechtsbewusstsein. Ich halte das allgemein für menschlich.
Nehmen wir neben Hoeneß wieder die hier schon erwähnte Schwarzer. Ich gehe davon aus, dass Schwarzer sich, ebenso wie Hoeneß, moralische Rechte aus ihrem Wirken ableitet, es mit der Steuer nicht so genau nehmen zu müssen.
Hoeneß, Schwarzer und auch der von VanDyck erwähnte "kleine Mann", der sein Auto finanzieren will, haben alle eines gemeinsam: sie leiten aus bestimmten persönlichen Gründen eine Legitimität ab einen Teil ihrer fälligen Steuern zurückzuhalten.
Natürlich muss rechtlich (egal wie der Fall zur Verhandlung kommt, ich rechne jede Selbstanzeige nun erstmal mit zum 'Erwischt werden') jeder Fall individuell bewertet werden.
Ich sehe einen Sozialhilfeempfänger nicht als Schwerverbrecher an, wenn dieser regelmässige Zuwendungen von Oma an ihre Enkel nicht dem Amt meldet ... aber ich breche auch über Hoeneß keinen Stab, wenn er durch sein erworbenes Vermögen den Blick für die Verhältnismässigkeiten eines "Normalos" nicht mehr wirklich besitzt.
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18.03.2014, 13:06Inaktiver User
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18.03.2014, 13:12
AW: Uli Hoeneß Prozess
Es gibt nicht die eine abstrakte Metaebene, wie ich finde. Es gibt viele Ebenen. Vermischung und Verwechslung jener Ebenen richten dann das Durcheinander der Interpretationen zu verschiedenen Meinungen an.
Da wäre zunächst die Sachebene: Ob ich jetzt 1000 Euro hinterziehe oder 25 Mio hinterziehe ändert am reinen Tatbestand der Hinterziehung gar nichts. Hinterziehung bleibt Hinterziehung. Das ist, wie zwei verschiedene Getränke aus zwei verschiedenen Gläsern zu trinken. Obzwar aus zwei verschiedenen Gläsern verschiedenen Flüssigkeiten getrunken werden, bleibt Trinken dennoch Trinken.
Die nächste Ebene wäre dann diese: Man schaut danach, was aus den Gläsern getrunken wurde (um mal bei der Getränke-Metapher zu bleiben): z.B. aus dem einen Wasser (1000 Euro), aus dem anderen Whisky (25 Mio).
Erst an diesem Punkt können nun Überlegungen in die verschiedensten Richtungen (= zusätzliche Ebenen) stattfinden: Ist Whisky wertvoller als Wasser? Wird der Whiskey mit einer anderen Absicht getrunken als Wasser (oder umgekehrt)? Welche Absicht, bzw welche Motivation stand überhaupt hinter der Entscheidung, einmal Wasser, bzw Whiskey zu trinken? etc. pp.
Wenn das Trinken von sowohl Wasser als auch von Whiskey aus Gläsern unter Strafe steht, muss nun auch überlegt werden, inwiefern beide Getränke gleich_wertig beurteilt werden oder nicht, bzw inwiefern sie sich unterscheiden, damit ein verhältnismäßig adäquates Strafmaß festgesetzt werden kann. Was im Strafrecht doch schon in der Unterscheidung von Kavaliersdelikten und schwerwiegenderen Delikten angelegt ist. Also doch hoffentlich auch im Falle der Steuerhinterziehung so angewendet wird?! Falls das nicht so ist, würde ich es mir jedenfalls wünschen. Denn es kann ja nicht sein, dass jemand, der 1000 Euro hinterzieht genauso bestraft wird, wie jemand, der 25 Mio hinterzieht.... Und anders als so habe ich Tomsten auch gar nicht verstanden. Oder?
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18.03.2014, 13:20
AW: Uli Hoeneß Prozess
@bruenette

@Tomsten
Wer die Steuern hinterzieht ist mir - schlicht - egal. Ob Schwarzer, Hoeness, Graf, Nachbar…interessant wird es jedoch wenn persönliche Hintergründe als Rechtfertigung für die Tat geltent gemacht werden.
Dann verschwimmt die persönliche und die abstrakte Ebene.
Hoeness ist mir persönlich immer noch höchstens viertrangig. Allerdings das Thema Steuern und vor allen Dingen Zocken mit Termingeschäften in Zeiten in denen aus Versehen die Börse gecrashed ist, was uns einiges gekostet hat und auch immer noch viel kostet sind mir - persönlich- nicht egal.
Ich denke sogar, dass ein Fall wie Hoeness in den Zeiten der 90er wesentlich weniger Aufmerksamkeit bekommen hat. Da stand der Glaube in die heilige Börse noch felsenfest.
Ich finde die Hintergründe wesentlich interessanter als die Person Hoeness. Der stehe ich wie fast jedem den ich nicht kenne vollkommen neutral gegenüber. Insofern beruht meine Beurteilung auf einer Betrachtung des Zusammenhangs.
Auf der persönlichen Ebene möcht ich dir gar nicht widersprechen, würde sogar größtenteils zustimmen. Nur das Interesse ist anders gelagert bei mir.Geändert von _Farmelli (18.03.2014 um 13:28 Uhr)
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18.03.2014, 13:28Inaktiver User
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18.03.2014, 14:14
AW: Uli Hoeneß Prozess
Zwischen 2003 und 2006 hinterzog Hoeneß zirka 25 Mio. an Ertragssteuern aus Derivategeschäften am Markt. Bedeutet einen Ertrag von zirka 100 Mio. in 36 Monaten oder 159 Wochen zirka 700 Handelstagen.
Hoeneß sollte als Investmentbanker anheuern. Er wird mit dieser Traumrendite der bestbezahlteste Banker aller Zeiten.
Warum wurde für diesen Prozess nur 4 Tage angesetzt? Warum wurde keine Unterbrechung, nachdem 70.000 Seiten auftauchten, zur Prüfung genutzt?
Und …. und…. und…
Ein bisschen nachdenknotwendig sind diese Umstände schon, oder?
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18.03.2014, 14:21
AW: Uli Hoeneß Prozess
Ja, ein guter Artikel, der alles aufführt, was bei dem Prozess nicht normal war.
Ich finde es höchst erstaunlich, dass sich nur wenige darüber echauffieren, dass eben mal so eine Summe von ca. drei Mio auf ca. 28 Mio angehoben wird und es keinerlei Prozess- oder Urteilsrelevante Nachfragen gibt.
Oder man sich nicht wundert über die schon angesprochene Kürze des Prozesses, die wie der Anwalt ausgerechnet hat, zusammen sechs bis acht Stunden lang war.
Man hat den Eindruck, wären jetzt 34 Mio oder 78 Mio herausgekommen, wäre das egal gewesen, man hätte auf der Richter- oder Staatsanwaltschaftsbank nur mit den Schultern gezuckt, jo, kann passieren, wir haben aber nicht die Zeit, das alles zu sichten, beim Urteil machen wir Pi mal Daumen, oder kleinster anzunehmender Schaden für den Angeklagten versus gesellschaftspolitische Anerkennung.
Sehr interessant finde ich folgende Überlegung:
Als versiertem Taktiker muss Hoeneß klar gewesen sein, dass er sich bei einem einseitigen Rechtsmittelverzicht schutzlos einer zu erwartenden Revision der Staatsanwaltschaft ausgesetzt hätte. Der Verzicht auf die Revision ergibt nur Sinn, wenn er davon ausgehen konnte, dass auch die Staatsanwaltschaft kein Rechtsmittel durchführt. Auch wenn alle Beteiligten versichern werden, dass es keinerlei Absprachen gegeben hat.Körperlich Distanz
Sozial zusammen
You'd have to be here
I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
It's northerly facing and close to an open fjord
The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
Calling so slowly from summer's before
Kari Bremnes



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