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  1. Inaktiver User

    AW: würdet ihr euren netten nachbarn, trainer, onkel oder uropa als ex-ss mann verrat

    Zitat Zitat von _Fado_ Beitrag anzeigen
    ...Wenn z. B. Eichmann oder Mengele der Nachbar (gewesen) wären, würde ich nicht zögern, diese den Behörden zu übergeben und ich würde mir wahrscheinlich eine neue Wohnung suchen, weil ich mich durch die räumliche Nähe zu diesen "Menschen" beschmutzt, angeekelt fühlen würde...
    Na ja, diesen Gedanken finde ich reichlich akademisch. Die beiden Herren haben sicher nicht unter ihrem richtigen Namen in ihrer Nachbarschaft gelebt, das mal zum ersten. Sie verhielten sich wie du und ich, haben sich über das Wetter unterhalten, den Nachbarshund gestreichelt etc. etc.

    Ich glaube eher nicht, dass Gespräche über die Nazi-Zeit bzw. en Detail über die Judenvernichtung Gegenstand von Gesprächen mit dem Nachbarn auf der Treppe sind oder bei einer Unterhaltung am Kaffeetisch. Immerhin konnten viele dieser Leute jahrzehntelang unerkannt in Südamerika oder anderen Ländern leben. Manche sogar in Deutschland.

    Wie will man also unterschieden zwischen "den Behörden melden" und sagen "nee, die leiden genug durch ihr langes Leben" ?

    Womit ich immer noch nicht weiss, wie ich mich verhalten würde bei Taten, die vor nicht allzu langer Zeit passiert sind und ich erfahre, dass eine mir nahestehende Person in irgendeiner Form sich strafbar gemacht hat...

    Gruß, Elli

  2. gesperrt

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    AW: würdet ihr euren netten nachbarn, trainer, onkel oder uropa als ex-ss mann verrat

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wenn jemand Dir oder Deinen Kindern Gewalt antut, oder jemanden aus Deiner Familie ermordet, und Du diesen Täter, obwohl die Tat vorbei ist, zur Anzeige bringst, damit das dafür zuständige System sich der Sache annimmt, ist das Rachsucht?
    In dem konkreten Fall handelt es sich eben nicht um dich selbst oder gar um deine Kinder. Sondern um Leute, von denen die meisten auch schon längst gestorben sind, auch jene, die das Lager überlebt hatten und danach noch alt und greis wurden.

    Und auch wenn es um meine Familie geht, oder um meine unmittelbare Umgebung: die Justiz soll dafür sorgen, dass Menschen in Frieden leben können. Solange der 90-Jährige nicht mit einer Knarre rumrennt und Leute bedroht, ist es nicht mein Bier, was dieser Mann vor 60 Jahren machte.


    Nur weil eine Tat Jahrzehnte zurück liegt, wird sie dadurch nicht relativiert.
    Doch, wird sie. Die Nähe zur Tat, bzw die Distanz dazu, spielt durchaus eine Rolle.

    Es hat Gerichtsfälle gegeben, damals - die waren vielleicht nicht genügend, aber ich meine, das war ein Strich unter die Sache und dann ein neuer Anfang, eine neue Chance. Und ja, es spielt sehr wohl eine Rolle, was Menschen mit dieser Chance angefangen haben, meine ich.


    Ja, Baes Welt war schon immer etwas anders. Und solange sich Deine Definitions-Allmacht darauf beschränkt, ist das ja auch in Ordnung.
    ich bin sehr froh, nicht in deiner Welt leben zu müssen. Sie scheint mir nicht viel Menschlichkeit zu haben.

    Da grüsse ich doch lieber den alten Nazi um die Ecke, wenn ich ihn auf der Strasse sehe. Er ist auch ein Mensch.

    gruss, barbara

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    AW: würdet ihr euren netten nachbarn, trainer, onkel oder uropa als ex-ss mann verrat

    Zitat Zitat von Elsilein Beitrag anzeigen
    Um ausschließlich die Frage der TE zu beantworten: Nein würde ich nicht. Und zwar, weil dies für mich die einzige Möglichkeit wäre, aktiv - wenn auch durch passives Verhalten - endlich mit der unendlichen Spirale von Schuld und Sühne abzuschliessen.
    unterschrieben.

  4. Inaktiver User

    AW: würdet ihr euren netten nachbarn, trainer, onkel oder uropa als ex-ss mann verrat

    ich möchte an dieser Stelle mal eine Aussage von Immanuel Kant einstreuen:

    "Richterliche Strafe [...] muß jederzeit nur darum wider ihn [den Verbrecher] verhängt werden, weil er verbrochen hat. [...] Selbst, wenn sich die bürgerliche Gesellschaft mit aller Glieder Einstimmung auflöste (zum Beispiel das eine Insel bewohnende Volk beschlösse, auseinanderzugehen und sich in alle Welt zu zerstreuen), müßte der letzte im Gefängnis befindliche Mörder vorher hingerichtet werden, damit jedermann das widerfahre, was seine Taten wert sind, und die Blutschuld nicht auf dem Volke hafte, das auf diese Bestrafung nicht gedrungen hat; weil es als Teilnehmer an dieser öffentlichen Verletzung der Gerechtigkeit betrachtet werden kann."

  5. Inaktiver User

    AW: würdet ihr euren netten nachbarn, trainer, onkel oder uropa als ex-ss mann verrat

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    In dem konkreten Fall handelt es sich eben nicht um dich selbst oder gar um deine Kinder. Sondern um Leute, von denen die meisten auch schon längst gestorben sind, auch jene, die das Lager überlebt hatten und danach noch alt und greis wurden.

    Und auch wenn es um meine Familie geht, oder um meine unmittelbare Umgebung: die Justiz soll dafür sorgen, dass Menschen in Frieden leben können. Solange der 90-Jährige nicht mit einer Knarre rumrennt und Leute bedroht, ist es nicht mein Bier, was dieser Mann vor 60 Jahren machte.
    Mich beschleicht das Gefühl, dass wir es Menschen mit Deiner Denke zu verdanken haben, wenn Dinge im großen Stil aus dem Ruder laufen. Mit Menschlichkeit hat das wenig zu tun. Mit Bequemlichkeit eine Menge.

    Doch, wird sie. Die Nähe zur Tat, bzw die Distanz dazu, spielt durchaus eine Rolle.
    Wie gesagt - in Baes Welt. Für sehr viele Opfer kann sich die von Dir bemühte Distanz gar nicht einstellen.

    Es hat Gerichtsfälle gegeben, damals - die waren vielleicht nicht genügend, aber ich meine, das war ein Strich unter die Sache und dann ein neuer Anfang, eine neue Chance. Und ja, es spielt sehr wohl eine Rolle, was Menschen mit dieser Chance angefangen haben, meine ich.
    Manche haben ihr Heil in der Flucht gesucht, vertuscht, bestochen, alte Seilschaften bemüht. Und nein, ich finde nicht, dass man das als "Strich" oder gar einen neuen Anfang bezeichnen kann. Die Seilschaften bestehen teils auch heute noch - es gibt ja genügend Nachwuchs.

    ich bin sehr froh, nicht in deiner Welt leben zu müssen. Sie scheint mir nicht viel Menschlichkeit zu haben.

    Da grüsse ich doch lieber den alten Nazi um die Ecke, wenn ich ihn auf der Strasse sehe. Er ist auch ein Mensch.

    gruss, barbara
    Ja, das passt.

    In meiner Familie bezieht man Stellung und setzt sich ein. Das ist unsere Definition von Menschlichkeit.

  6. Inaktiver User

    AW: würdet ihr euren netten nachbarn, trainer, onkel oder uropa als ex-ss mann verrat

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Was sagen wir aus, wenn wir von der Polizei ausdrücklich gefragt werden ?
    Die Frage stellt sich ja nun gar nicht, weil die Antwort klar ist: Immer die Wahrheit. Du mußt Dich lediglich nicht selbst belasten, und bei Verwandten hat man glaube ich auch Schweigerecht.
    Geändert von Inaktiver User (24.11.2013 um 17:22 Uhr)

  7. Inaktiver User

    AW: würdet ihr euren netten nachbarn, trainer, onkel oder uropa als ex-ss mann verrat

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen

    Und auch wenn es um meine Familie geht, oder um meine unmittelbare Umgebung: die Justiz soll dafür sorgen, dass Menschen in Frieden leben können. Solange der 90-Jährige nicht mit einer Knarre rumrennt und Leute bedroht, ist es nicht mein Bier, was dieser Mann vor 60 Jahren machte.
    Da widerspreche ich Dir. Justiz hat dafür zu sorgen, dass Gerechtigkeit - soweit möglich - wiederhergestellt wird. Für Ruhe und Ordnung sorgen Polizei und Ordnungsbehörden

  8. Inaktiver User

    AW: würdet ihr euren netten nachbarn, trainer, onkel oder uropa als ex-ss mann verrat

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Sie scheint mir nicht viel Menschlichkeit zu haben.

    Da grüsse ich doch lieber den alten Nazi um die Ecke, wenn ich ihn auf der Strasse sehe. Er ist auch ein Mensch.
    Bae, Deinen Appell an die Menschlichkeit gegenüber Naziverbrechern empfinde ich als weiteren Tritt ins Gesicht ihrer frühren Opfer.

    Dieser nette alte Herr hat möglicherweise vielen hundert Menschen den tödlichen Genickschuss verpasst oder in der Gaskammer den Gashahn aufgedreht. Sooo schön kann er nun seinen Hund gar nicht streicheln, dass ich das vergessen könnte. DAS waren Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die ans Licht müssen, ja immer noch. Diese Schuld verjährt nicht.

  9. Inaktiver User

    AW: würdet ihr euren netten nachbarn, trainer, onkel oder uropa als ex-ss mann verrat

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Da widerspreche ich Dir. Justiz hat dafür zu sorgen, dass Gerechtigkeit - soweit möglich - wiederhergestellt wird. Für Ruhe und Ordnung sorgen Polizei und Ordnungsbehörden
    So kann man das ausdrücken. Trotzdem hat auch Bae irgendwie recht, sie muß nichts zur Anzeige bringen, diese Pflicht hat nur ein Richter, dem etwas zu Ohren kommt, soweit ich weiß.

  10. User Info Menu

    AW: würdet ihr euren netten nachbarn, trainer, onkel oder uropa als ex-ss mann verrat

    [QUOTE=elli07;24049721
    Wie will man also unterschieden zwischen "den Behörden melden" und sagen "nee, die leiden genug durch ihr langes Leben" ?

    Womit ich immer noch nicht weiss, wie ich mich verhalten würde bei Taten, die vor nicht allzu langer Zeit passiert sind und ich erfahre, dass eine mir nahestehende Person in irgendeiner Form sich strafbar gemacht hat...

    Gruß, Elli[/QUOTE]

    ich habe geschrieben - was du leider nicht zitiert hast - ich würde in Gewissensnöte kommen, denn ich bin nicht davon überzeugt, dass die Vergehen der Nazis überhaupt mit heutigem Rechtsverständnis und Rechtsauslegung be- oder verurteilt werden können.
    Für mich wäre auch relevant: Was findet Anwendung? Das Strafrecht? Staatsrecht?
    Landet ein Verfahren beim Oberlandesgericht, oder beim Bundesgerichtshof oder läuft so ein Verfahren dann über DenHaag?
    Über den Internationalen Gerichtshof?
    Und dann denke ICH darüber nach: da wird dann - häufig in Abwesenheit des Angeklagten - ein Urteil verhängt. Gut. Und weiter? Der Mensch, um den es geht ist - evtl. um die 90 Jahre alt - wie büßt ein so alter Mensch seine Schuld ab? (wenn nicht durch sich selbst?)
    Geht es um Bestrafung dieses Menschen oder um die Reinerhaltung des eigenen Gewissens? Um eine Art Sozialhygiene?
    Dann könnte man sich aber auch fragen, weshalb hat es mit der Entnazifizierung nicht geklappt? Weshalb haben diese Leute denn überhaupt unerkannt und unbehelligt, der nette Nachbar von nebenan werden können?

    Nur Fragen, keine unterschwellige Polemik, um meine Denkweise zu rechtfertigen.

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