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Thema: Ägypten
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08.07.2013, 09:06Inaktiver User
AW: Ägypten
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08.07.2013, 10:53
AW: Ägypten
nun, auch eine Demokratie ist nie zu 100 % gerecht, weder dort noch bei uns, noch sonst wo.
Bei diesen Bemerkungen von dir will ich nicht grundsätzlich widersprechen.
Ich bestreite jedoch, dass die Denkweise dort von der Religion geprägt ist, wie du schreibst.
Eher umgekehrt ist es richtig: die Denkweise (von Männern und männlichen Interessen) hat die Interpretation der Religion beeinflusst.
Das ist die berühmte Frage nach dem Huhn und dem Ei.
Wobei ich hier einfach auch denke, dass es die Scharfmacher sind und die geringe Bildung, die es dann den Scharfmachern natürlich erleichtert, den Menschen was vorgeben, was die dann einfach nachschreien.
Ob es "besonders auch Frauen sind, die die anderen Frauen nieder machen" ist eine Meinung von dir, die du nicht belegen kannst - ich das Gegenteil allerdings auch nicht.
Ist aber auch egal, die Ereignisse haben entschieden - der Weg in den Islamismus wurde von den Menschen in Ägypten gestoppt, die islamistisch geprägte frauenfeindliche Verfassung wurde außer Kraft gesetzt.
Es ist nicht davon auszugehen, dass Ägypten jemals wieder diesen Weg einschlagen wird.
Dann schränke ich ein, ich sehe es jeden Tag bei mir in der Nachbarschaft.
Die Millionen von Menschen, die in den letzten Tagen auf den Strassen in Ägypten waren, haben die Antwort darauf gegeben, wer über wen lacht.
Ich hoffe für die Ägypter, dass sie auch in einem Monat noch was zu lachen haben werden.
man darf bei der gegenwärtigen Situation nicht vergessen, wie es vor einigen Jahren in Algerien zuging, auch die Moslembrüder eine Wahl gewonnen, das Militär geputscht, jahrelanger Bürgerkrieg.da ich meinen Blog nicht mehr erwähnen darf, das sei Werbung, ich weiß zwar nicht, wieso das Werbung sein sollte, aber gut. Also, ich habe einen Strickblogcarpe diem
Alles wird gut
Lieber groß gemustert, als keinkarriert
BVB 
Cuba oder Kuba
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08.07.2013, 11:08Inaktiver User
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08.07.2013, 11:15
AW: Ägypten
Nun ja - deine Bemerkung bezieht sich auf diese Sätze der Userin Seven:
Die Aegypter werden aehnlich den Türken mehr
der Familie zugewandt sein.Wohingegen die Europaer
doch mehr auf den Individualismus aus sind...das
allein macht schon eine Menge aus.
Natürlich wird die Religion mehr oder weniger gross eine
Rolle spielen in ihrem Leben.
Und das Leben wird dann auch unter religiösen Aspekten
betrachtet.
Das heißt: gem. Auffassung von Userin Seven bestehen allein zwei Unterschiede zwischen bspw. der deutschen und der ägyptischen Gesellschaft:
- Familie/versus Individualismus
- die Rolle der Religion
Wobei es aus meiner Sicht keinen grundlegenden Unterschied gibt bzgl. der Sichtweise Familie - denn dafür ist das Lebensmodell Familie nach wie vor viel zu sehr verankert in der deutschen Gesellschaft, als das man von einem diesbezüglichen fundamentalen Unterschied zwischen der deutschen und ägyptischen Gesellschaft sprechen könnte.
Bleibt also übrig die Religion ...
VanDyckEs gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
American Beauty
Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
Daniel Kahneman
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08.07.2013, 11:38Inaktiver User
AW: Ägypten
Das sehe ich anders als Du.
Das religiöse Denken prägt das Familienbild, die Familien sind sehr viel größer, und leben oft in mehreren Generationen zusammen.
Vermutlich gibt es auch darum in der arabischen Welt so viele Aufstände - es gibt viel mehr junge Leute, als bei uns.
Ich denke, dass es tatsächlich zwei grundlegend unterschiedliche Weltanschauungen sind, die vorherrschen.
Die Einflüsse des Westens werden daher auch von den Fundamentalisten extrem abgelehnt, vermutlich aus Angst vor einem Werteverfall.
Die Wahrheit liegt vermutlich mal wieder irgendwo in der Mitte oder es gibt eben verschiedene Wahrheiten.
Aber sie kann auch nur funktionieren, wenn auch der Westen Haltungen dort (natürlich keine Gewalt und anderes) repektiert und einzelne Werte dort anerkennt.
Denn wir leben ja nicht nur in einer "freien" Welt, sondern auch in einer kapitalistischen, die auch ihre Schattenseiten hat.
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08.07.2013, 13:08
AW: Ägypten
Da ich selbst aus einer Großfamilie komme und auch gemäß meiner Liebe zum Gewusel einer Großfamilie viele andere kenne muss ich hiermit im Strang die OT-Beobachtung loswerden, dass 100% der Großfamilien (15-20 + Leute in 2-3 Generationen) alle durch die Bank weg areligiös/atheistisch sind.
Während alle Gläubigen, die ich kenne, in 3-4 Personen-Familien leben. Persönliche Beobachtung.
Großfamilien gibt es hierzulande jedoch wenige, das stimmt.
Ich denke sehr, dass "Werteverfall" häufig als ein politisch eingesetzter Euphemismus für "Machtverfall" herhalten muss.Vermutlich gibt es auch darum in der arabischen Welt so viele Aufstände - es gibt viel mehr junge Leute, als bei uns.
Ich denke, dass es tatsächlich zwei grundlegend unterschiedliche Weltanschauungen sind, die vorherrschen.
Die Einflüsse des Westens werden daher auch von den Fundamentalisten extrem abgelehnt, vermutlich aus Angst vor einem Werteverfall.
Wer diktiert denn, was "wert" ist und was nicht?
Das halte ich für eine Schlüsselfrage.
Zustimmung.Denn wir leben ja nicht nur in einer "freien" Welt, sondern auch in einer kapitalistischen, die auch ihre Schattenseiten hat.
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08.07.2013, 14:04
AW: Ägypten
User Seven sagt;die Familie bedeutet den Türken alles
und so nimmt sie schwer an dass es bei den Aegyptern
kaum anders ist.
Es ist ein berghoher Unterschied zwischen deutschem
Familienbewusstsein und dem von Türken z.B.
Für einen Deutschen hört es mit Familie irgendwann
mal auf,spaetestens ab dem 18.Lebensjahr.
Ein Deutscher heiratet oder bindet sich sehr wohl ohne
die Erlaubniss seiner Altvorderen.
Etc.etc.mehr Details brauchts jetzt nicht denke ich.
Ergo ist das Denken,die Wunschvorstellungen etc.
der Eltern für diese Menschen wichtig.
Sie werden sich in der Regel daran halten.
Die Religion tut das Übrige.
Dernach sind die Eltern anzuhören,wertzuschaetzen,
selbst wenn diese mal Fehler machen oder sich unnett
verhalten.
Und dieses bis zu ihrem Lebensende.
Du kannst Dir gar nicht vorstellen wieviele Menschen
sich vollkommen daran halten.Ich bin ein Capulcu
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08.07.2013, 14:07
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08.07.2013, 19:05Inaktiver User
AW: Ägypten
Ersteres mag in Deinem Umfeld so sein, aber generell geht der Trend in unserer Gesellschaft hin zur Individualisierung und zur Kleinfamilie mit loseren Bindungen. Das ist ja auch nicht nur schlecht, oder?
Es ist halt anders und es ist bei uns über Jahrhundert so gewachsen.
Hier Wiki dazu:
Der Begriff der Individualisierung stammt aus der Soziologie und bezeichnet einen mit der Industrialisierung und Modernisierung der westlichen Gesellschaften einhergehenden Prozess eines Übergangs des Individuums von der Fremd- zur Selbstbestimmung. Philosophischer Ausdruck der Individualisierung ist der Individualismus.
zwei Phasen
Aufklärung und Herausbildung der bürgerlichen Gesellschaft
Der Prozess der Individualisierung wird von manchen Autoren in zwei Phasen unterteilt: Die erste wird gesehen im Individualisierungsprozess, der mit der Herausbildung einer modernen bürgerlichen Gesellschaft zu Zeiten der Industrialisierung beginnt, seine philosophisch-kulturgeschichtliche Grundlage jedoch schon in der Aufklärung hat. Dieser Prozess, bei dem eine erweiterte Arbeitsteilung gleichzeitig mit einer Schwächung sozialer Bande einhergeht, wird unter anderem von Georg Simmel und Emile Durkheim beschrieben. Dies zeigte sich in der Zunahme von ökonomisch und utilitaristisch (Utilitarismus) geprägten Beziehungen einerseits und dem damit einhergehenden Rückzug der Großfamilie und dem Zerfall der dörflichen Gemeinschaften. Dem Zerfall traditioneller Bindungen steht eine zunehmende Selbstbestimmung des Individuums gegenüber: Autobiographien werden vermehrt geschrieben, das Konzept der romantischen Liebe entwickelt sich, die Beziehung zu Gott wird im Protestantismus personalisiert.
Pluralismus der Lebensstile
Viele Soziologen beschreiben einen zweiten, den ersten überlagernden und modifizierenden Individualisierungsprozess seit Ende der 1950er Jahre. Nach Anthony Giddens und Ulrich Beck entwickelt sich in der gegenwärtigen postmodernen Gesellschaft eine qualitativ neue Radikalisierung und Universalisierung dieses Prozesses. Alte gesellschaftliche Zuordnungen wie Stand und Klasse würden obsolet, zunehmender Zwang zur reflexiven Lebensführung gehe mit einer Steigerung der Bildung einher, die Pluralisierung von Lebensstilen nehme weiter zu, Identitäts- und Sinnfindung werde zur individuellen Leistung. Dies werde durch eine Veränderung des staatlichen und ökonomischen Rahmens weiter gefördert.
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08.07.2013, 19:36
AW: Ägypten
@ Axana
Es gibt jede Menge soziologischer Forschungen, die zwar den Trend zur Individualisierung keinesfalls bestreiten, jedoch bspw. diesen Satz aus dem Wiki-Artikel:
Alte gesellschaftliche Zuordnungen wie Stand und Klasse würden obsolet ...
Denn es gibt sehr wohl neue 'Zuordnungen' - sozusagen 'modernisierte Klassen'.
Das ist auch meine Auffassung: wir leben nicht in einer Gesellschaft, in der gewissermaßen eine 'Atomisierung' aller Individuen stattfindet und jeglicher Zusammenhalt und Solidarität von Gruppen in der Gesellschaft verschwunden ist.
Nun gut - ich schrieb ja in Beitag 49 folgende Bemerkung:
Die Auffassungen und Werte der Menschen in Ägypten sind im Grunde die gleichen wie bei uns: die wollen einfach friedlich und in Freiheit leben und ein anständiges Leben führen.
Aus meiner Sicht sind unsere beiden Sichtweisen durchaus 'kompatibel' - in Ägypten werden die Menschen ihre Sehnsucht nach einem friedlichen, freiheitlichen und anständigen Leben nicht aufgeben zugunsten von Familie und Religion, bzw. umgekehrt gilt das gleiche.
VanDyckGeändert von VanDyck (09.07.2013 um 10:27 Uhr)
Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
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