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Thema: Ägypten

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    AW: Ägypten

    Ein sehr guter Artikel zu Ägypten und den Verständnisproblemen zwischen Europa und Nordafrika:

    Ägypten und die Revolution:
    Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten.....

    „Denn keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft.“ (Abschiedsrede von Helmut Schmidt im Bundestag am 10. September 1986)

  2. Inaktiver User

    AW: Ägypten

    Zitat Zitat von scorpiane Beitrag anzeigen

    Aber ich denke, dass im Moment das Militär trotz aller Fehler die einzige Kraft in Ägypten ist, die Schritt für Schritt die Wirtschaft wieder aufbauen kann.

    Das Militär versteht sich nur als "Übergangsregierung", daher hoffe ich noch, dass es langfristig in Ägypten gut ausgeht.
    Das glaube ich nicht, leider!
    ich glaube eher, dass wieder die alten Seilschaften an die Macht kommen, und jene, die ausgeschlossen sind, wie eh und je mit diktatorischen Druckmitteln ruhig gehalten werden.
    Das Militär wird vordergründig und aus Klugheit eine vollkommene Zivilregierung einrichten, aber die Fäden in der Hand halten.
    Da besonders das reiche Saudi Arabien an Ruhe in der Region interessiert ist, aber auch Israel, da der Westen um eine Ausdehung des Konfliktes und Probleme mit dem Erdöl fürchtet, steuert der Demokratisierungsprozess dem Ende zu.
    Womit ich nicht Demokratie nach europäischem Muster meine, sondern Demokratie ohne allmächtige Geheimdienste, ohne ein Militär, das die Aufgaben der Polizei übernimmt, ohne Gefangene, die bis zum Sankt Nimmerlein-Tag festgehalten werden können, obwohl es keine stichhaltigen Gründe dafür gibt, und mit einer gewissen Sicherheit der StaatsbürgerInnen, sich auf Gesetze berufen zu können.

    Der verlinkte Artikel sagt nach meiner Auffassung nicht viel Neues aus: Nassers Putsch war gegen einen despotischen, unfähigen König (Faruk) gerichtet, dessen Interesse sicherlich nicht dem Wohl Ägyptens diente.
    Klar, dass die Menschen zuerst einmal den Blick auf Nasser (und seine Mitstreiter) richteten.
    Klar auch, dass es Unterstützung aus dem Ausland gab.
    Es ist auch logisch, dass in einem Staat, der wirkliche Demokratie nicht kennt, die Uhren anders gehen, als bei uns.
    Aber die Umgebung solcher Staaten, die Verbindung der BürgerInnen in die Welt, all das hat sich grundlegend verändert und ist mit den 1950er, 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht zu vergleichen.
    Insofern sind die Menschen nicht mehr damit zufrieden, an der Staatsspitze einen charismatischen Präsidenten zu haben, sie fordern mehr; nur eine Diktatur gegen den Willen der Mehrheit kann diese Forderungen vorerst zum Verstummen bringen.
    Geändert von Inaktiver User (22.08.2013 um 11:38 Uhr)

  3. gesperrt

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    AW: Ägypten

    Kaum ist die Revolution vorbei, wird von gescheiterten Demokratie-Versuchen philosophiert. Dabei wird außer Acht gelassen, dass die französische Revolution, die Mutter der Demokratie, über Jahrzehnte zum Gedeihen brauchte. Die Analysen zu Arabien sind viel zu kurzfristig geführt. Ein Nachteil der Medien, die immer mehr in immer kürzerer Zeit verbreiten und damit die kleinen Schritte nicht mehr sehen.

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    AW: Ägypten

    Zitat Zitat von alexnoa Beitrag anzeigen
    Kaum ist die Revolution vorbei, wird von gescheiterten Demokratie-Versuchen philosophiert. Dabei wird außer Acht gelassen, dass die französische Revolution, die Mutter der Demokratie, über Jahrzehnte zum Gedeihen brauchte. Die Analysen zu Arabien sind viel zu kurzfristig geführt.
    Zustimmung zu diesen Sätzen.

    VanDyck
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    AW: Ägypten

    Das sehe ich genauso.

    Die Ägypter brauchen Zeit und vor allem Ruhe vor der Einmischung der Amerikaner, Russen oder wem auch immer.

    Desto mehr ich mich informiere und mit Ägyptern spreche, desto mehr denke ich, dass das Problem sehr vielschichtig ist.

    Was die Amerikaner (und Briten) mit ihrem Eingreifen in Syrien anrichten, wird man sehen.
    Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten.....

    „Denn keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft.“ (Abschiedsrede von Helmut Schmidt im Bundestag am 10. September 1986)

  6. Inaktiver User

    AW: Ägypten

    Ich will nicht sagen, ich hab es gleich gesagt, aber ich hab es gleich gesagt: das Militär hat sich in Ägypten wieder häuslich eingerichtet.
    Demonstrationen müssen im Voraus bewilligt werden.
    Zivilisten können von Militärgerichten abgeurteilt werden.
    Frauen, die gegen dieses Gesetz letzte Woche protestiert hatten, wurden verhaftet und nachts in der Wüste freigelassen.
    14 junge Anhängerinnen der Muslimbruderschaft, die in Alexandria Flugblätter verteilt hatten, wurden zu 11 Jahren Haft verurteilt.
    Wegen der weltweiten Proteste kündigte Präsident Mansur am Freitag ihre Begnadigung an.
    Nachdem Mursi gestürzt worden war, wurde seine Version der Verfassung novelliert. Der Text ist nun fertig.
    Eingangs (Präambel) steht, dass Ägypten ein ziviler Staat ist. Die islamistische Richtung wurde entschärft, das Militär jedoch als unabhängiger eigenständig agierender Apparat mit einer Gerichtsbarkeit auch für Zivilisten scheint nach militaristischem Verständnis kein Gegensatz zum Status eines "zivilen" Staates zu sein.

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    AW: Ägypten

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich will nicht sagen, ich hab es gleich gesagt, aber ich hab es gleich gesagt: das Militär hat sich in Ägypten wieder häuslich eingerichtet.
    Das ist eben die Realität in Ägypten. Auch wenn es einem nicht gefällt, ohne eine starke Position für das Militär wird es nicht gehen.

  8. Inaktiver User

    AW: Ägypten

    Zitat Zitat von DerJunge82 Beitrag anzeigen
    Das ist eben die Realität in Ägypten. Auch wenn es einem nicht gefällt, ohne eine starke Position für das Militär wird es nicht gehen.
    Mag sein, dass ohne die Macht des Militärs wieder Islamisten die Oberhand gewinnen würden. Halbwegs demokratische Zustände könnten trotzdem riskiert werden.
    Frauen verhaften und nächtens in der Wüste aussetzen, scheint mir ein recht seltsames Bestrafungsgebaren, das noch dazu dienen soll, speziell Frauen einzuschüchtern.
    Dieses Ereignis ist sicherlich nur die Spitze des Eisberges, und was sich im Verborgenen tut, wahrscheinlich weit schlimmer.
    Es stellt sich die Frage, ist ein Staat da, um seinen BürgerInnen ein Leben in relativer Freiheit und Prosperität zu ermöglichen oder dazu, einen Militärklüngel mit Ausläufern reich und unantastbar zu machen? Nur um einen wankenden Teil der Region zu sichern.
    Geändert von Inaktiver User (02.12.2013 um 17:27 Uhr)

  9. Inaktiver User

    AW: Ägypten

    Beinahe unbemerkt von der Weltöffentlichkeit wird im Rekordtempo an der Erweiterung des Suezkanals gebaut.
    Die Strecke zwischen Ismailia und Port Said wird teilweise verbreitert, teilweise (etwa 35 km) wird komplett neu ausgebaggert.
    So werden die riesigen Containerschiffe, die den Kanal zwischen Mittel- und Rotem Meer passieren, nicht mehr die Schiffsparkplätze in den Bitterseen als Haltestellen nützen müssen, sondern können sowohl in der einen wie auch in der anderen Richtung aneinander vorbeifahren.
    Das bedeutet eine Halbierung der Zeit, die für die Durchfahrt benötigt wird, und die Verdoppelung des Schiffsaufkommens auf ca. 100 Stück pro Tag.
    Die Milliarden werden nur so in die ägyptischen Staatskassen gespült (2014 ca.fünfeinhalb Milliarden Dollar); laut diversen Prognosen werden sich durch das Anwachsen des internationalen Handels die Einnahmen bis 2020 auf etwa 12 bis 13 Milliarden Dollar erhöhen.

    Es sind nicht nur ägyptische Unternehmen auf der gigantischen Baustelle beschäftigt sondern auch - speziell für den Nassaushub - Firmen aus den USA, Belgien und den Niederlanden.
    Rund um den Kanal wird an einer funktionierenden Infrastruktur, die Häfen und Industriezonen umfasst, gearbeitet.
    Insgesamt wird der Um- und Ausbau dieses wichtigen ökonomischen Faktors Suezkanal der ägyptischen Wirtschaft einen Schub nach vorne bringen.

    Witz am Rande (im Standard gelesen): die Bürger konnten als Beitrag zur Finanzierung Zertifikate mit 12,5 % Zinsen erwerben.
    Im Internet wurden die Käufer aufgefordert, im Interesse ihrer Nation auf die Zinsen zu verzichten. Dazu fand sich niemand bereit.
    Im August soll eröffnet werden.

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