Du sprichst mir aus der Seele.
Eigentlich sollte man sich als Bürger darauf verlassen dürfen, dass auch für die digitale Kommunikation gilt, dass die Privatsphäre verfassungsrechtlich geschützt ist und nur auf richterliche Anordnung und unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit kontrolliert gestört wird.
Natürlich muss man sich gegen Internetkriminalität schützen. Aber soll ich mich allen Ernstes auch gegen meinen eigenen Staat schützen müssen? Wieso sollte man als Bürger hinnehmen, entweder von Big Brother überwacht zu werden oder sich gegen den eigenen Staat und dessen falsche Freunde aktiv schützen zu müssen (was ohnehin nur sehr begrenzt gelingen kann) ?!
Wer es für "dumm" hält sich nicht gegen die Staatsmacht digital zu verbarikadieren, scheint ein etwas gestörtes Verfassungsverständnis zu haben, denn sehr viel naheliegender wäre es sich dagegen politisch zu wehren. Stattdessen lese ich immer wieder "was bringt es denn, wenn ich protestiere..", "ist halt so". Der Gipfel: "sie wären ja doof, wenn sie es nicht täten".
Andersherum wird ein Schuh daraus: man selber wäre doof, wenn man nicht darüber nachdenken wollte, wie diesen Überwachungskraken eine gesetzliche und faktische Grenze gesetzt werden kann.
Und nein: ich bin nicht naiv, ich bin nur nicht bereit mich geschlagen zu geben ohne je gekämpft zu haben.
Auch wenn einige bei dem Vergleich wieder aufschreien werden - in solchen Fällen denke ich immer daran, wie unsere Generation Vorwürfe an frühere Generationen richtete, dass diese nicht hatten kommen sehen, dass diese nicht hatten einschreiten wollen, dass sie dumm und feige waren. - Ja, das waren sie. Und wir, die wir tatenlos zusehen, wie uns die junge Nachkriegsdemokratie wie ein Teppich unter den Füßen weggezogen wird, sind noch viel dümmer und feiger und obendrein rotzfrech und unverschämt, weil wir - im Gegensatz zu den kritisierten und verachteten Altvorderen - im allgemeinen eben nicht für Kritik an Grenzüberschreitungen der Staatsmacht unser Leben aufs Spiel setzen müssen, aber selbstgerecht von Eltern und Großeltern fordern, was wir selber nicht einmal ansatzweise zu leisten bereit sind.
Wenn ich an Manning und Snowden denke, denke ich auch immer an die Geschwister Scholl - die ganz genauso naiv hofften, mit ihren Aktionen und mit ihrer Verhaftung die Menschen ihrer Umgebung aufrütteln zu können.
Zurück zum Thema (schreibe ich für jene, die Obiges für off-Topic halten)
Jeder Bürger, der keine schweren (siehe Grundsatz der Verhältnismäßigkeit !) Straftaten plant, und jedes Unternehmen muss sicher sein dürfen, dass der Staat Besseres zu tun hat als ihm anlasslos und ohne richterliche Anordnung nachzuschnüffeln.
Jeder Bürger/jedes Unternehmen von Staat A muss sicher sein dürfen, dass seine Regierung alle Maßnahmen ergreift, die möglich und geeignet sind, um den Datenspionen von Staat B den Spaß zu verderben - und nicht etwa im Gegenteil ihnen alles bereitwillig ausliefert oder das Maul hält statt aufzustehen und Grenzen zu setzen.
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Ergebnis 71 bis 80 von 933
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26.06.2013, 10:00Inaktiver User
AW: Datenschnüffelei und Datenklau
Geändert von Inaktiver User (26.06.2013 um 10:03 Uhr)
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26.06.2013, 10:07
AW: Datenschnüffelei und Datenklau
Um mich vor AIDS zu schützen benutze ich beim GV Kondome.
Um mein Auto vor Klau zu schützen parke ich in der Garage, schließe das Auto ab und schließe die Garage ab.
Um mein Gewehr vor Klau zu schützen schließe ich es in einen Gewehrschrank ein. Die Mun kommt separat in ein Extrafach mit einem Extraschlüssel.
Um meine Emails vorm Fremdlesen zu schützen verschlüssle ich sie vor dem Absenden.
To continue.
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26.06.2013, 10:08
AW: Datenschnüffelei und Datenklau
Nicht nur Geheimdienste, sondern auch Polizeibehörden aller Länder, werden die offenen Möglichkeiten des Internets nutzen, um an möglichst viele Informationen ranzukommen. Sei es Geldtransfer, Baupläne und Bewegungsprofile.Jeder Bürger, der keine schweren (siehe Grundsatz der Verhältnismäßigkeit !) Straftaten plant, und jedes Unternehmen muss sicher sein dürfen, dass der Staat Besseres zu tun hat als ihm nachzuschnüffeln. Jeder Bürger/jedes Unternehmen von Staat A muss sicher sein dürfen, dass seine Regierung alle Maßnahmen ergreift, die möglich und geeignet sind, um den Datenspionen von Staat B den Spaß zu verderben - und nicht etwa im Gegenteil ihnen alles bereitwillig ausliefert oder das Maul hält statt aufzustehen und Grenzen zu setzen.
Jemand hat es schon angemerkt: Obwohl die US-Geheimdienste auf die Gefahr der beiden Boston-Attentäter hingewiesen wurden, haben sie die Informationen nicht genutzt - und das Attentat damit auch nicht verhindert.
Wenn eine Firma seine Baupläne nicht in Panzerschränken sichert, sondern auf Servern lagert, die auch Verbindungen zum Internet haben, so handeln sie extrem leichtfertig.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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26.06.2013, 10:09Inaktiver User
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26.06.2013, 10:12
AW: Datenschnüffelei und Datenklau
tsts, da unterstellst du mir aber was .
aber: zur Schadensbegrenzung bin ich immer verpflichtet
und es geht soooooooooooo einfach!
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26.06.2013, 10:16Inaktiver User
AW: Datenschnüffelei und Datenklau
Das zeigt, wie fadenscheinig die Behauptung ist, es ginge bei dieser Totalüberwachung um Sicherheit vor Terroranschlägen, und Totalüberwachung würde diese Sicherheit gewährleisten.
In der FAZ hat ein Journalist ganz richtig geschrieben: Wir haben Sicherheitsgurte eingeführt, aber nicht das Autofahren verboten. Man muss mit einem gewissen Maß an Unsicherheit leben. Die totale Sicherheit gibt es nicht. Risiko gehört zum Leben dazu, und zum Erwachsensein gehört dazu, dies zu akzeptieren.
Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren. - Benjamin Franklin.
P.S.:
In einem Punkt kann man tatsächlich absolut sicher sein: den USA und China wird nicht passieren, was der Türkei, Syrien und Brasilien passiert ist. Sie werden zu verhindern wissen, dass sich Bürger über digitale Kommunikation organisieren, um gegen falsche Politik und chronische Schwerhörigkeit der Regierung zu protestieren.Geändert von Inaktiver User (26.06.2013 um 10:19 Uhr)
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26.06.2013, 10:25
AW: Datenschnüffelei und Datenklau
Natürlich ist es fadenscheinig Totalüberwachung mit Sicherheit zu begründen. Aber es macht sich gut auf Pressekonferenzen. Und um an Etatmittel heranzukommen.
Alle Geheimdienste aller Nationen zu allen Zeiten haben sich illegaler Methoden bedient, um an Informationen zu gelangen. Sonst hießen solche Einrichtungen auch nicht Geheimdienste. Und deren Leser ihrer illegal beschafften Informationen haben sich nie einen Deut gefragt, ob das legal sei: es zählten nur die Recherchen, um das eigene Handeln zu überprüfen.
Was der Bürger in einem Land tun kann, ist sich nie auf die Versprechen der Gesetzestreue zu verlassen. Ist er erst einmal ins Fadenkreuz eines Geheimdienstes gelangt, so wird er auch die Repressalien zu spüren bekommen - mal früher, manchmal erst sehr viel später.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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26.06.2013, 10:26Inaktiver User
AW: Datenschnüffelei und Datenklau
Vielleicht. Ich "unterstelle" dir nämlich, dass du nicht die Frage nach der Verfassungstreue und Gesetzestreue unserer Staatsorgane stellst, sondern dich darauf konzentrierst, dich gegen deinen eigenen Staat, gegen deine eigene Regierung zu wehren.
Wie gesagt: dass man sich gegen Internetkriminalität schützen muss, versteht sich von selbst.
Davon ist hier aber nicht die Rede.
Im übrigen halte ich es für eine Illusion, sich mittels privater Datenschutzmechanismen gegen die Staatsmacht wehren zu können. Letztlich kann man ihnen ihre Schnüffelei nur erschweren, aber nicht verunmöglichen, denn sie haben noch ganz andere Zugriffsmöglichkeiten auf Daten als ein gewöhnlicher Krimineller.
Wenn die Amis mittels ausgefeilter Algorithmen und mehr als sage und schreibe 800.000 Mitarbeitern alles ausschnüffeln und digital zu einem sehr aufschlussreichen Muster und für viele Zwecke verwertbaren hochinformativen Bild zusammenfügen, wenn sie Internet-Unternehmen zwingen ganze Datenberge regelmäßig zur Verfügung zu stellen und darüber auch noch Stillschweigen zu bewahren, wenn die Briten die Glasfaserkabel anzapfen, durch die alle interkontinentale Kommunikation läuft, und wenn Organisationen wie NSA und GCHQ auch noch eng zusammenarbeiten und die Datenlücken gegenseitig ausfüllen, dann kann der Einzelne nur sehr begrenzt etwas unternehmen.Geändert von Inaktiver User (27.06.2013 um 10:06 Uhr)
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26.06.2013, 10:31
AW: Datenschnüffelei und Datenklau
und selbst wenn sich BND, Verfassungsschutz und MAD an die Gesetze halten würden, nützte das herzlich wenig, die Daten werden von allen Geheimdiensten gelesen, das WWW ist offen.dass du nicht die Frage nach der Verfassungstreue und Gesetzestreue unserer Staatsorgane stellstDie Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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26.06.2013, 10:33Inaktiver User
AW: Datenschnüffelei und Datenklau
Aber Manning und Snowdon sind meines Erachtens zwei völlig verschiedene Fälle.
Manning hat als aktiver Angehöriger der US-Streitkräfte unter anderem auch hochsensible sicherheitsempfindliche militärische Geheimnisse verraten.
Snowdon hingegen versuchte, als ziviler Angestellter einer Firma, auf seine Art auf Missstände bezüglich Datensicherheit und Ausspähung/Überwachung der Bevölkerung hinzuweisen. Hätte er sich damit an den für ihn zuständigen Kongressmann oder Senator gewandt, wäre er auf der sicheren Seite gewesen.



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