Das Oberlandesgericht München rückt nicht von seiner Akkreditierungsliste ab. Damit bleibt türkischen Medien beim NSU-Prozess ein garantierter Platz im Saal verwehrt.
Radio Bremen wollte seinen Sitz im Gericht den türkischen Medien überlassen. Dies ging nicht, weil die Reihenfolge anders ausschaut, es rückt immer der Platz dahinter auf und nicht Plätze die nicht vergeben werden konnten. Die Medien versuchten hier einen Keil zu schlagen, ich fragte mich noch gestern wer hier im Gericht was bestimmt, nicht die Medien!
Zitat von mir persönlich.: Dies war immer so und auch dieser Prozess ändert nichts daran, weise geurteilt.....
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29.03.2013, 12:17
NSU Prozess.: Gericht wird nichts am Vergabeverfahren für Journalisten ändern
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30.03.2013, 12:20Inaktiver User
AW: NSU Prozess.: Gericht wird nichts am Vergabeverfahren für Journalisten ändern
Ich stell jetzt mal provokant eine Frage:
Es haben etliche ausländische Medien eine Zulassung erhalten, weil sie ihren Antrag fristgerecht gestellt haben.
Wieso war kein türkisches Medium in der Lage, seine Mail rechtzeitig zu schicken?
Es gab 50 Plätze.
Das Gericht hat um 08:56 Uhr die Mail mit den Akkreditierungsbedingungen versandt.
Das Gesuch der niederländischen Nederlands Dagblat ging um 09:39 Uhr ein
09:47 Uhr RTL Niederlande
09:56 die britische Independent
11:42 Uhr war die Zeit, als der letzte freie Platz vergeben wurde (Sächsische Zeitung)
Die neue Zürcher um 12:10 Uhr bekam keinen der 50 Plätze mehr
die erste türkische Bewerbung kam um
14:34 Uhr Cihan News Agency
14:56 Uhr afp
16:13 Uhr Hürriyet (die immerhin Deutschlandbüros mit deutschsprechenden Mitarbeitern hat - also nicht behaupten kann, sie hätten erstmal nen Übersetzer für die Einladung gebraucht!)
In der Einladung war die Art des Verfahrens klar und die Anzahl der Plätze..... und daß großes Medieninteresse herrscht, war ebenfalls klar.
Antje
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30.03.2013, 16:44Inaktiver User
AW: NSU Prozess.: Gericht wird nichts am Vergabeverfahren für Journalisten ändern
Für mich bleibt ein schaler Beigeschmack auch wenn sich die türkischen Journalisten bei den Plätzen für die Öffentlichkeit anstellen können.
Es waren die Mehrheit der Opfer türkischer Herkunft.
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30.03.2013, 16:47Inaktiver User
AW: NSU Prozess.: Gericht wird nichts am Vergabeverfahren für Journalisten ändern
und den türkischen zeitungen es nicht wert sich an die regeln zu halten respektive sich zeitnah um plätze zu bewerben. ist man in den redaktionen davon ausgegangen, dass da extra-regeln gelten?
die deutsche gerichtsbarkeit ist mit gutem grund (und schlechter vergangenheit) unabhängig!
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30.03.2013, 17:20Inaktiver User
AW: NSU Prozess.: Gericht wird nichts am Vergabeverfahren für Journalisten ändern
Ich weiss nicht, was da schief gelaufen ist.
Und ich weiss auch nicht, ob sture Prinzipienreiterei die Lösung sein soll.
Ob das Gericht so jetzt unabhängiger sein soll ist auch nicht gesichert, aber ich vergass, wären nicht alle so stur gewesen und hätten mal über den Tellerrand geschaut, dann müssten diese Prozesse gar nicht sein.
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30.03.2013, 18:28Inaktiver User
AW: NSU Prozess.: Gericht wird nichts am Vergabeverfahren für Journalisten ändern
Die Tagesschau meldete, das Gericht habe es abgelehnt, dass deutsche Zeitungen ihren Platz an eine türkische Zeitung abtreten:
Die "Bild"-Zeitung erklärte sich unterdessen bereit, ihre Reservierung an die Zeitung "Hürriyet" abzutreten. Einem türkischen Kollegen solle so die Möglichkeit gegeben werden, aus dem Gerichtssaal zu berichten. Dies lehnte das Gericht jedoch ab. Jeder Journalist müsse namentlich sowie für das Medium akkreditiert sein, sagte Gerichtssprecherin Margarete Nötzel. Auch eine Nachmeldung sei nicht möglich.
Im übrigen hatte sich Hürriyet nach eigenen Angaben bereits vor Anberaumung des Prozesses und mehrfach an das Gericht gewandt und ihr Interesse erklärt. Wenn das trotz großem und frühzeitig erklärtem Interesse nicht geklappt hat, dann liegt das also nicht an den Türken, sondern an dem Gericht, das türkische Medien offenbar nicht akkreditieren wollte. - So jedenfalls meine Interpretation des festbetonierten und durch nichts abänderbaren Beschlusses dieses Gerichts.
Man darf gespannt sein, wie der Prozess als solches abläuft, wenn es bereits im Vorfeld berichtenswerte Merkwürdigkeiten gibt.
.Geändert von Inaktiver User (31.03.2013 um 00:06 Uhr)
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30.03.2013, 19:21Inaktiver User
AW: NSU Prozess.: Gericht wird nichts am Vergabeverfahren für Journalisten ändern
Ich sage mal so: die Sache hat einfach 2 Seiten.
Ich verstehe durchaus den Wunsch türkischer Medien, auf reservierten Plätzen dem Prozeß zu folgen und halte ihn auch für legitim.
Ich persönlich finde zudem die Haltung des OLG fragwürdig, denke auch, daß man die Akkreditierungsregeln mit mehr Vorlauf zur Akkreditierung hätte verschicken müssen.
Ich finde zudem, daß es nicht zuviel verlangt ist vom Gericht, wenn eine Zeitung ihren reservierten Platz abtritt, diesen auf einen anderen Kollegen umzuschreiben.
Nichtsdestotrotz: 50 Redaktionen aus In- und Ausland waren in der Lage, kurzfristig genug zu reagieren auf die Akkreditierungsmail.
Und bei dem entsprechenden Verfahren wird nun mal nach dem Prinzip "wer zuerst kommt, mahlt zuerst" vergeben.
Hätte das Gericht ausgewählt, hätte man ihm auch Ungerechtigkeit vorwerfen können.
Daraus eine Diskriminierung zu machen ist nicht in Ordnung.
Daß es mir persönlich unverständlich ist, daß das OLG München für einen vorhersehbare großen Prozeß mit entsprechendem Medienaufgebot keinen größeren Gerichtssaal findet, steht auf einem anderen Blatt.
Antje
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31.03.2013, 12:21Inaktiver User
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31.03.2013, 12:25Inaktiver User
AW: NSU Prozess.: Gericht wird nichts am Vergabeverfahren für Journalisten ändern
Der Saal ist mit über 100 Sitzplätzen sehr groß. Es handelt sich um den größten Gerichtssaal in München. Ausweichen wäre nur in Konzertsäle o.ä. möglich, die aber wieder nicht um die nötigen Sicherheitseinrichtungen und andere Infrastruktur verfügen. Der Prozess wird zudem voraussichtlich lange Zeit dauern, keine so große Einrichtung wäre auf Monate oder gar Jahre verfügbar. Und erst mal bauen geht schon aus Zeitgründen nicht.
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07.04.2013, 13:49Inaktiver User
AW: NSU Prozess.: Gericht wird nichts am Vergabeverfahren für Journalisten ändern
Das rechte bis rechtsextreme Blatt "Junge Freiheit" titelt heute:
Die Statthalter der Sultane
Mit den mutmaßlichen NSU-Morden und ihrer Aufarbeitung habe die Türkei- und Islamlobby in Deutschland „ihren Reichstagsbrand gefunden“: Bernd Zellers schneidende Parallele, die der einstige Pardon-Herausgeber und Titanic-Redakteur auf seinem Blog „Tagesschauder“ zieht, ist so gnadenlos wie treffend.
Das ist erst mal die Beurteilung einer Satire (und das Blatt hält die NSU-Morde also für "mutmaßliche" NSU-Morde) -
und dann weiter:
Die künstlich hochgekochte und aus der Türkei noch angeheizte Empörung über die Nicht-Bevorzugung türkischer Medien bei der Vergabe fester Korrespondentenplätze für den Prozeß gegen Beate Zschäpe, die mutmaßliche Angehörige einer rechtsextremen Terrorzelle, stellt kaum verhüllt die Machtfrage in der Bundesrepublik Deutschland. Das zeigt schon der Kontext dieser Skandalisierung:
Erst war es der türkische Botschafter, der mit seiner im arroganten Ton eines Statthalters vorgetragenen Forderung nach einem Logenplatz an Selbstbewußtsein und Unabhängigkeit des Münchner Oberlandesgerichts scheiterte. Dann stellten türkische Verbände in Deutschland und Regierungspolitiker aus Ankara im gut eingeübten Zusammenspiel diese Unabhängigkeit mit dem Pochen auf Ausnahmerechte für türkische Medien, die bei der regulären Akkreditierung nicht zum Zuge gekommen waren, massiv weiter in Frage. ...
Ich bin darüber wirklich schockiert und empört und schäme mich unseren türkischen Mitbürgern gegenüber fremd für so etwas.
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Hier die Zeller-Satire, die "Junge Freiheit" so treffend findet:
Tagesschauder
Bei Matlock, der TV-Serie für weiße alte Männer, würde das so aufgelöst, Matlock fragt seine Mandantin: „Sehen Sie die Person, die Sie zu den Morden angestiftet hat, hier im Saal?“, und Beate Zschäpe sagt „ja“.
„Würden Sie uns die betreffende Person bitte zeigen?“
Beate Zschäpe zeigt auf eine Person auf den reservierten Sitzen im Publikum, alle erschrecken. Es ist Eimann Matzüeck. Plötzlich verstehen alle und können es doch nicht glauben, aber nur so ergibt der ganze Wahnsinn einen Sinn.
So wäre es natürlich nur in der Fiktion. In der Realität hat Eimann Matzyegg den NSU natürlich nicht erfunden, jedenfalls nicht vorab. Er und die Seinen haben nur ihren Reichstagsbrand gefunden.Geändert von Inaktiver User (07.04.2013 um 14:08 Uhr)


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