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  1. Avatar von Kitty1670
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    Deutschland - Wieso zwei Diktaturen hintereinander?

    Kurz zum Hintergrund meiner Frage.

    Ich war lange im Ausland und bin vor zehn Tagen nach Deutschland zurueckgekehrt. Politisch und historisch interessiert war ich ueber das gewoehnliche Mass, sich ueber das aktuelle Tagesgeschehen zu informieren und ab und zu mal ueber eine brisante Entwicklung zu diskutieren, frueher nie. Nun bin ich in Berlin. Und werde auch mit meiner eigenen Vergangenheit (Eltern aus ehem. DDR "gefluechtet") konfrontiert. Der letzte Film, den ich mir vor meiner Abreise aus den USA angesehen habe, war interessanterweise "Das Leben der anderen". Und nun stapfe ich durch die Stadt und werde nachdenklich ...

    Es gab innerhalb kuerzester Zeit in Deutschland zwei Diktaturen, kaum waren die Nazis weg, wurde ein anderer Ueberwachungsstaat hochgezogen, wieder mit einer unheimlichen Akribie von Ueberwachung und Protokollen. Und wieder schaute die Mehrzahl der Politiker weg. Wieder liessen sich Menschen "einfangen" von einem menschenverachtenden System, das doch so offensichtlich dem anderen glich. Brauchten die Menschen ein System, dem sie folgen koennen? Ist oder war das (denn wie anders ist es heute) "typisch deutsch"?

    Kitty
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    AW: Deutschland - Wieso zwei Diktaturen hintereinander?

    Die DDR war besiegtes Gebiet und wurde von Russland mit Panzern "demokratisiert " . So viel sich dagegen wehren war da nicht . Ansonsten denke ich daß die meisten Menschen führerlos rumdümpeln bis einer kommt und sagt wo es lang geht , besonders dann wenn es keine moderate Alternative gibt unter der es sich leben lässt . Solange genug Futter da ist und alle satt sind wird das weniger ein Thema sein wenn nicht denke ich mir absolut daß auch wir hier wieder in so einer Diktatur versinken könnten . Jedenfalls würde ich das genauso für möglich halten wie einen 3.Weltkrieg . Ganz nach dem Motto " alles ist möglich " . So selbstverständlich wie wir das heute als Menschen sehen die in relativer Freiheit aufgewachsen sind ist Demokratie jedenfalls nicht.

  3. Avatar von Kitty1670
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    AW: Deutschland - Wieso zwei Diktaturen hintereinander?

    Zitat Zitat von Dwix Beitrag anzeigen
    Die DDR war besiegtes Gebiet und wurde von Russland mit Panzern "demokratisiert " . So viel sich dagegen wehren war da nicht .
    Ich meine auch eher spaeter - als es zum Aufbau und Konsolidierung der DDR kam. Wie eine Einflussnahme haette aussehen koennen, weiss nicht: Europaeischer Gerichtshof?

    Nach langjaehrigem USA Aufenthalt empfinde ich Deutschland im Vergleich teilweise schon als politisch sehr rege und interessiert ... Also an ein weiteres Aufkommen einer Fuehrerpersoenlichkeit kann ich nicht recht glauben. Ich habe lange in einem Sektenberatungsumfeld gearbeitet - laenderuebergreifend - Deutschland war da immer am staerksten in der Ablehnung - hier geht es ja auch meist um das Einfangen von Leuten durch Gurus und aufgesetzte totalitaere Strukturen. Aber: Ich war ja auch viele Jahre weg ...

    Kennt jemand von euch vielleicht auch Buecher zum Thema?

    Kitty
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  4. gesperrt
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    AW: Deutschland - Wieso zwei Diktaturen hintereinander?

    Zitat Zitat von Kitty1670 Beitrag anzeigen
    Ich meine auch eher spaeter - als es zum Aufbau und Konsolidierung der DDR kam. Wie eine Einflussnahme haette aussehen koennen, weiss nicht: Europaeischer Gerichtshof?
    Später haben es die Menschen geschafft sich zu " befreien " und selbst zu dieser Zeit stand es auf der Kippe dass die Demonstrationen brutal niedergeknüppelt werden.Das war knapper als gedacht. " Verschuldet " haben die Amis die Misere nach dem Krieg da sie einfach vor den Russen eingeknickt sind was auf der anderen Seite irgendwo auch verständlich war .

    Wie schon gesagt uns geht es nach wie vor blendend wir sind satt und deshalb müde und bequem . Wenn das in den kommenden Jahren knallt und uns die Schulden und der Euro um die Ohren fliegen packe ich mein Zelt und flieg an den Yukon. Da würde ich dann glauben daß man vieles nicht mehr so kritisch und differenziert sieht wie heute . Griechenland und Spanien sind bereits am lodern und das waren ja auch immer friedliche Gesellschaften noch werden dort die Aufstände niedergeknüppelt . Aber wie lange können die das dort halten ? Kürze heute hier alle Sozialleistungen und die Rente habe 50% Arbeitslosigkeit bei den jugendlichen wie z.B. in Spanien und erlasse den Reichen die Steuern dann haben wir den selben Salat ich würde sogar eher vermuten dass dann richtig die Post abgeht .

  5. Inaktiver User

    AW: Deutschland - Wieso zwei Diktaturen hintereinander?

    Zu Zeiten der DDR war es ja ein "sozialisistischer Staat" keine Diktatur *g* Der Kapitalismus war Staatsfeind Nr. 1 - es lebe der Kommunismus....nun ja...

    Es waren sich nur einige bewußt das es sich dabei auch nur um eine Diktatur handelte, der Rest wurde geführt, brauchte nicht nachdenken, nicht selbständig etwas machen - alles supi....

    Heute noch - ich kenne einige aus der ehemaligen DDR - wird ja noch gejammert, dass "Damals" alles leichter war...

    Es sind immer zwei Seiten würde ich sagen. Schlimm finde ich, dass wir einfach die Augen zumachen können. Im dritten Reich genauso wie in der DDR. Und nicht zu vergessen selbst die Diktatur in Portugal ging bis 1974!!

  6. Avatar von Kitty1670
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    AW: Deutschland - Wieso zwei Diktaturen hintereinander?

    Zitat Zitat von Dwix Beitrag anzeigen
    Später haben es die Menschen geschafft sich zu " befreien "
    Ja, eine Minderheit nach 40 Jahren

    Ich rede auch eher von den anderen Staaten/Gesellschaften/polit. Systemen. Dass der Einzelne jetzt nicht viel tun konnte, der sich dann quasi ueber Nacht in einem abgeschotteten Gebiet befand, klar. Aber in Westdeutschland blendete man die DDR doch weitraeumig aus, wenn man nicht gerade Verwandte oder andere Beziehungen nach "drueben" hatte. Und selbst dann war es doch eher eine Mischung aus Mitleid und Weggucken. Wie unter Adolf eben ...

    Kitty
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  7. Avatar von Kitty1670
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    AW: Deutschland - Wieso zwei Diktaturen hintereinander?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Schlimm finde ich, dass wir einfach die Augen zumachen können. Im dritten Reich genauso wie in der DDR. Und nicht zu vergessen selbst die Diktatur in Portugal ging bis 1974!!
    Genau das meine ich!

    Kitty
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  8. Inaktiver User

    AW: Deutschland - Wieso zwei Diktaturen hintereinander?

    Zitat Zitat von Kitty1670 Beitrag anzeigen
    Genau das meine ich!

    Kitty
    Schon klar. Aber da kannst du die Geschichte rauf und runter gucken, dass war nie anders.

    Wir - und ich meine damit die Menscheit an sich - würde wohl anders nicht überlebt haben. Augen zu und durch... oder "es könnte noch schlimmer sein" - solche Parolen lassen uns durchhalten.

    Und nicht nur uns - guck die Chile an, oder Rumänien, oder Rußland (und das noch heute!)

  9. Inaktiver User

    AW: Deutschland - Wieso zwei Diktaturen hintereinander?

    Zitat Zitat von Kitty1670 Beitrag anzeigen
    Ja, eine Minderheit nach 40 Jahren

    Ich rede auch eher von den anderen Staaten/Gesellschaften/polit. Systemen. Dass der Einzelne jetzt nicht viel tun konnte, der sich dann quasi ueber Nacht in einem abgeschotteten Gebiet befand, klar. Aber in Westdeutschland blendete man die DDR doch weitraeumig aus, wenn man nicht gerade Verwandte oder andere Beziehungen nach "drueben" hatte. Und selbst dann war es doch eher eine Mischung aus Mitleid und Weggucken. Wie unter Adolf eben ...

    Kitty
    Ja wir im Westen waren froh dass es uns nicht getroffen hatte.... ich hab heute noch Verwandte "drüben" wir fuhren zu Besuch hin. Als Kind hatte ich nie den Eindruck dass es den Menschen dort schlechter ging als uns im Wester. Gut keine Bananen oder Orange - es gibt schlimmeres....

  10. gesperrt
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    AW: Deutschland - Wieso zwei Diktaturen hintereinander?

    Einen Buchtipp zu der Fragestellung habe ich nicht. Aber was mir spontan dazu einfällt, ist, dass die Bezeichnung Diktatur für die DDR erst seit sehr kurzer Zeit im Sprachgebrauch in der Breite und öffentlich gängig ist bzw. wird.

    Warum sich die DDR etablieren konnte, lag an verschiedensten Rahmenbedingungen. Die Alliierten Situation steht dabei ganz oben, letztendlich war das geteilte Deutschland die Manifestation der beiden politischen Weltsysteme. Ich glaube, anfangs war die Bevölkerung mit anderen Dingen beschäftigt und tief traumatisiert durch die Weltkriege. Dass der eine Teil Bedingungen hatte, in der sich intensiv um eine soziale Marktwirtschaft gekümmert werden konnte und der andere Teil sich anders orientiert hat, würde ich als politisches Schicksal bezeichnen. Die Teilung war durch die Besatzungszonen "vorgegeben". Wobei ich es schon auch interessant finde, dass das dann in solcher Konsequenz und vor allem so langer Dauer durchgezogen wurde. An der Stelle habe ich auch noch Fragen. Jedenfalls war es nicht im Interesse der Alliierten, daran etwas zu verändern, im Gegenteil "Deutschland", das sowieso wackelig in sich selbst war und keine Einheit, "fügte sich" und der eiserne Vorhang ging runter. Alles weitere ist bekannt und brauchte wohl die Zeit, die es brauchte. Das geteilte Deutschland ist jedenfalls immer im Zusammenhang mit den weltpolitischen Mächteverteilung zu betrachten, man kann die Fragen meiner Meinung nach nicht isoliert stellen, nur auf die deutsche Bevölkerung bezogen - weder im Westen, noch im Osten.

    Ganz abstrakt betrachtet ist für mich die Zeit des geteilten Deutschlands und das, was in der DDR möglich war ein Phänomen und Symbol, das mir persönlich immer wieder in Erinnerung ruft, wie irrational und wie wenig menschen- und ganzheitlich orientiert das Weltgeschehen im Grunde läuft. Bis heute. Es sind Enwicklungen, die sich aus allen Einflüssen zusammen ergeben, plus eine Art der Selbstorganisation, die sich nicht bis ins Letzte erklären lässt, aber doch in ihrer Gesamtheit über die Spezies Mensch und ihrer Prioritäten viel aussagt. Wir brauchen z.B. an oberster Stelle eine "Gruppenzugehörigkeit". Wie die ausgestaltet ist, steht erst an zweiter Stelle. Wenn überhaupt. Das sah und sieht man auch in anderen Diktaturen. Und auch die "Demokratien" haben nicht die innere Kritikfähigkeit, die man sich ab und an wünscht. Insofern stellen sich für mich manche Fragen auch nicht mehr in der Intensität, wie sie sich mal für mich stellten. "Wie war das möglich?" hat für mich an Energie verloren. Es war und ist vieles möglich, weil es Menschen sind und die haben mit einem humanistischen Ideal zu oft zu wenig zu tun. Es genügt meist nur dafür, nicht ganz unterzugehen, nicht schlussendlich den roten Knopf zu drücken und wenn sich eine Gruppe auflöst, sich der anderen zuzuwenden und die zu stärken. Bis die Entwicklung wieder kippt. Im Grunde borderlinert sich der Mensch durchs selbstgemachte Weltgeschehen hindurch.
    Das war jetzt weit ausgeholt.

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