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04.10.2013, 17:30Inaktiver User
AW: Pflege zu teuer - Rentner auf den Müll?
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04.10.2013, 17:34
AW: Pflege zu teuer - Rentner auf den Müll?
Man sediert nicht nur verwirrte Menschen. Menschen werden durch dieses Zeug erst verwirrt.
Meinem Vater hat man im KH Valium verabreicht. Zu der Zeit konnte er noch einigermaßen gehen, auch zur Toilette. Im Kopf war er völlig klar, las noch ganze Bücher über Geschichte. Dann hat man ihm im KH Valium als Schlafmittel verabreicht. Er hat vorher nie Schlafmittel genommen, war das nicht gewöhnt und hat die nie gebraucht. Daraufhin ist er auf dem Weg zur Toilette gestürzt. Deshalb wurde er mit Bettgittern "geschützt" und mit Windeln versorgt. Er kam gar nicht mehr aus dem Bett raus, verwechselte Abend mit Morgen, war völlig benebelt und seitdem süchtig nach dem Zeug.
Zuhause passierte dann nochmal dasselbe: abends die "Schlaftablette" genommen, danach wollte er zur Toilette. Dort begann das Teufelszeug zu wirken. Er stürzte, lag total mit Kot verschmiert im Flur auf dem Boden, völlig weggetreten. Wir konnten ihn reinigen und auf eine Matratze umlagern. Aber ins Bett haben wir ihn nicht gekriegt. Mein damaliger Lebensgefährte konnte und durfte nicht schwer heben und ich habe es auch nicht geschafft. Und was macht der Pflegedienst am nächsten Morgen? Ruft den Rettungsdienst, dabei war er unverletzt. So landete er erst mal wieder im KH. So kann man anderer Leute Geld auch schön weghauen!
Ein Buch hat er danach nie wieder gelesen!
Könnt ihr euch vorstellen wie das ist, wenn man zur Tür reinkommt um nach Vater zu sehen und er liegt total verkackt im Flur und ist völlig breit?
Tolles Krankenhaus aus dem die Leute in deutlich schlechterem Zustand entlassen werden, als bei der Einlieferung! Und sowas kostet alles unsere Beiträge!
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04.10.2013, 17:41Inaktiver User
AW: Pflege zu teuer - Rentner auf den Müll?
Dein Bericht ist traurig und aufrüttelnd. Da ich weiß, dass PolitikerInnen gerne in den Social Media mitlesen, bin ich froh, dass du über deine erschütternden Erlebnisse und das Leiden deines Vaters schreibst. Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit, die mit derlei Vorkommnissen (noch) nicht befasst ist, von jenen, die sie hautnah erlebten, erfährt, wie es einem/einer damit geht.
Und auch, wie Geld an den falschen Stellen falsch eingesetzt wird.
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04.10.2013, 18:11
AW: Pflege zu teuer - Rentner auf den Müll?
Ich glaube nicht, dass wir mit der Geschichte ein Einzelfall waren. Ich glaube, solch ein Vorgehen ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Es geht nur darum, möglichst reibungslos Umsatz zu erzeugen. Die ganze Pflegeindustrie ist nicht besser als die windigen Anlageberater. Abschlüsse machen, Umsatz, Gewinnmaximierung. Immer schön auf Kosten der Kundschaft. Am liebsten alt und dumm!
Ich hoffe, mich vor dieser Branche fernhalten zu können! Da programmiere ich lieber den eigenen Pflegeroboter, als dass mir solche Leute auf die Pelle rücken. Und springe rechtzeitig von einer Brücke!
Ach so, eine Nachbarin hat das auch nicht mehr ertragen und hat dann die lebensnotwendige Dialyse verweigert. Pflege und Lebensqualität sind bei vielen Senioren ein Widerspruch, nicht nur bei meinem Vater. Sie hatte übrigens einen anderen Pflegedienst.
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04.10.2013, 18:23Inaktiver User
AW: Pflege zu teuer - Rentner auf den Müll?
In meiner Region dauert die Ausbildung 3 Jahre - und dann gibt es das Einjährige und noch so ne Form von Abschluß wie ne bestimmte Anzahl von Ausbildungsstunden - ist so ein bestimmter Schein den Frauen und Männer dann erhalten.
Ich finde die Bezahlung nicht so schlecht.
Aber die Arbeitsbedingungen.
Dieses komische module System von Pflegeeinheiten.
Diese Arbeit kann man auch nicht mit der Arbeit von Ärzten vergleichen.
Die Liebe zum Beruf kann vergehen wenn die Bindung zum Patienten nicht gewährleistet wird.
Wenn irgendwelche wildfremden Menschen zu Frau X oder Y reinschneien und ne Viertelstunde für Augentropfen verabreichen schreiben oder ne Stunde fürs Baden.
Das ist Fließbandarbeit.
Erschreckend hoch ist gerade im Bereich der Pflege insbesondere der Altenpflege die geringe Verweildauer im Beruf.
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04.10.2013, 18:48
AW: Pflege zu teuer - Rentner auf den Müll?
Ebayfan, was mit deinem Vater passiert ist, ist sicher kein Einzelfall.
Es ist schwer, sich aus der Entfernung ein Urteil zu bilden, da wir ja viele Details nicht kennen. Was ich aufgrund des von dir Geschriebenen schon mal sagen kann, ist dass a) Valium kein Schlafmittel ist, und b) es bei jemandem, der gar keine Mühe mit dem Schlafen hat, natürlich auch nicht angezeigt ist, eines zu geben. Außerdem hat Valium tatsächlich ein hohes Suchtpotential.
Ich kann nur vermuten, dass nicht das Personal zur Verfügung stand, um regelmäßig nach deinem Vater zu sehen. Da hat man dann wohl den bequemen Weg gesucht. Ein Toilettenstuhl neben dem Bett hätte es vielleicht auch getan. Konnte er denn die Patientenklingel bedienen?
Was nicht zu unterschätzen ist, ist, dass viele alte Menschen, selbst solche, die zuhause 100%ig klar sind, in fremder Umgebung Verwirrtheitszustände zeigen, vor allem nachts. Das ist auch für Angehörige oft erschreckend, die dann sagen: "Aber zuhause hat mein Mann noch nie..." - ja, zuhause. Im KH ist es dann oft was anderes.Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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04.10.2013, 19:03
AW: Pflege zu teuer - Rentner auf den Müll?
Vor kurzem habe ich eine Reportage gesehen, wo eine aeltere Dame, der man im Krankenhaus eine Demenz bescheinigt hatte, von ihrem Hausarzt davon wieder geheilt wurde, indem er von den zig Pillen, die sie jeden Tag genommen hatte, alle bis auf drei (die wirklich notwendig waren) eliminiert hat.
Seitdem bin ich davon ueberzeugt, dass der groesste Teil der Demenzerkrankungen ausschliesslich auf Nebenwirkungen von verschriebenen Medikamenten zurueck zu fuehren ist und die Aerzte sich bloss mal den Beipackzettel durchlesen muessten. Dann gaebe es auch gar nicht mehr so viele Demenzkranke und auch nicht das Problem, dass sie immer mehr werden. Nur hat leider nicht jeder einen so genialen Hausarzt, wie die oben erwaehnte Dame.
Fuer jeden Furz werden heutzutage Pillen verschrieben. Es gibt sogar Pillen, fuer die noch gar keine Krankheit gefunden wurde. Aber man hat sie schon mal. Die Nebenwirkungen werden immer unter den Tisch gekehrt.
Was die Rentnerfrage angeht, so haette ich nichts dagegen, spaeter in einem Pflegeheim auf den Phillipinen zu leben, wenns dort billiger ist. Dafuer ist auch das Wetter 10 mal geiler als hier. Ich kann mir vorstellen, dass die alten Leute da noch mal so richtig aufbluehen. Sonne und Strand statt Heizdecken und Hagebuttentee.
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04.10.2013, 19:05
AW: Pflege zu teuer - Rentner auf den Müll?
Wenn eine Klingel in Reichweite war, konnte er sie auch bedienen. Er war lebenslang ein Bastler, ein Schrauber, auch noch, als das erste Bein immer öfter unter ihm nachgab. Er hat auch im KH noch Bücher gelesen, mehrere und die auch verstanden. Wir haben über den Inhalt geredet. Er war ohne Tabletten nicht verwirrt.
Aber er meinte wohl auch, Hilfe wäre nicht nötig. Wäre sie ohne das Zeug auch nicht gewesen. Wir dachten doch alle, es wäre eine halbe harmlose Schlaftablette. Was für ein Zeug das wirklich war, erfuhr ich erst nach seinem Tod, als ein Kumpel vom LG meinte, für das Zeug bekäme man auf dem Drogenmarkt noch, ich glaube, um die 20 Euro. Da stand nicht Valium drauf, es stand nur der Wirkstoff auf der Packung.
Natürlich wollten sie es sich einfach machen. Nachts war die Station schwach besetzt. Sie hätten es mit ihm auch einfach gehabt ohne die Droge. Evtl. hätte er sie zugequatscht. Normalerweise war bei ihm nie vor 24 Uhr Schlafenszeit. Aber ist das ein Grund, jemanden süchtig machende Drogen zu verabreichen? Kann man jemandem vertrauen, der tut, als wäre sowas ein harmloses Schlafmittel?
Ich denke, die haben sich gedacht "was solls? Der stirbt sowieso bald! Ist doch egal, wenn der auch noch süchtig wird."
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04.10.2013, 19:27
AW: Pflege zu teuer - Rentner auf den Müll?
Ich fragte das deshalb, weil manche alten Leute es feinmotorisch nicht mehr hinbekommen, die Klingel zu bedienen. Oder sie könnten es zwar, denken aber nicht dran, wenn sie nachts aufwachen. Meist, weil sie zuhause ganz selbstverständlich alleine zur Toilette gegangen sind und davon ausgehen, dass das im KH dann auch klappen muss.
Naja. Ich vermute eher, dass es sich um eine inkompetente und/oder überforderte Pflegekraft gehandelt hat.Ich denke, die haben sich gedacht "was solls? Der stirbt sowieso bald! Ist doch egal, wenn der auch noch süchtig wird."Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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04.10.2013, 20:20Inaktiver User
AW: Pflege zu teuer - Rentner auf den Müll?
Unter geilem Wetter verstehe ich Schnee im Winter, Regen im Frühling und Hitze im Sommer, dazu muss und werde ich hier bleiben. Außerdem leben meine Verwandten hier und meine FreundInnen und NachbarInnen, wir werden alle die gleichen Erinnerungslücken haben und mit unseren Rollatoren auf den gleichen Wegen, die wir früher gejoggt sind, herumkurven, wir werden pflichtvergessene Pflegekräfte auf Deutsch beschimpfen und sie werden uns verstehen, und die Enkel und Großneffen und Großnichten werden sich nicht auf weite Entfernungen, die sie am Besuch hindern, ausreden können, ja, all das sind Gründe, deretwegen ich hier bleiben werde, wenn ich alt und vergesslich und quengelig und faltenreich bin.



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