Muss kurz etwas richtigstellen:
Diese Idee mit dem Urteil erster, bzw. zweiter Klasse wurde nicht von Kachelmann, sondern von Hans-Hermann Tiedje eingeführt. Ziemlich unglücklich und verquer, finde ich:
"Hans-Hermann Tiedje, der frühere Chefredakteur von "Bild", sagte Kachelmann ins Gesicht: Andreas Türck habe im Gegensatz zu ihm einen "Freispruch erster Klasse" bekommen, wegen erwiesener Unschuld."
Jauch-Talk: Kachelmanns Richter - SPIEGEL ONLINE - Kultur
Nichtsdestotrotz finde ich das Aufgreifen dieser verqueren Idee durch Kachelmann noch sehr unglücklicher und verquerer.
Wie Dharma sagte: Freispruch ist Freispruch.
Darauf kann sich der Freigesprochene in seiner Argumentation doch stützen!?
Klar steht der Zweifel immer noch im Raum und kann einem "in dubio pro reo"-Freigesprochenen viel Schaden bringen. Aber dafür kann das Gericht nichts. Das hat seine Arbeit getan, so gut es eben konnte, wobei hier sicher auch Fehler passiert sind, die nicht hätten sein müssen, wie z.B. das Weitergeben bestimmter Informationen durch die Staatsanwaltschaft an die Medien.
Und dass Kachelmann nun durch sein Buch versucht, sich zu rehabilitieren, finde ich schon berechtigt, aber ob er sich damit tatsächlich einen Gefallen getan hat, bezweifle ich, denn er hat anscheinend Fakten mit sehr viel Emotionen und einer unangenehmen Flapsigkeit vermischt, die dem Thema nicht gerecht wird . Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis des Buches auf Amazon hat mir gereicht.
Übrigens finde ich, dass dieser Artikel die gestrige Sendung ganz gut beschreibt:
Jörg und Miriam Kachelmann bei Günther Jauch - SPIEGEL ONLINE
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Thema: Kachelmann gestern bei Jauch
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15.10.2012, 13:47
AW: Kachelmann gestern bei Jauch
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15.10.2012, 13:58Inaktiver User
AW: Kachelmann gestern bei Jauch
Juristisch ist Freispruch Freispruch und natürlich hat Kachelmann das Recht, seine ganz persönliche Geschichte zu erzählen.
Allerdings scheint das Ehepaar Kachelmann wohl darauf hinaus zu wollen, dass Falschbeschuldigung durch Frauen an Männern ein Massenphänomen sei.
Mich würde sehr sehr interessieren, wie sie das begründen wollen. Dazu müssten sie Tausende von Gerichtsakten durchforsten und die Urteilsbegründungen lesen und verstehen und zum Ergebnis kommen, dass das Gericht - oder bereits die Staatsanwaltschaft - überzeugt gewesen sei, der Angeklagte sei falsch beschuldigt worden.
Dies müssten sie in Verhältnis setzen zu Freisprüchen bzw. Verfahrenseinstellungen, die mit dem Grundsatz "aus Mangel an Beweisen" begründet wurden und natürlich mit Verurteilungen.Geändert von Inaktiver User (15.10.2012 um 14:01 Uhr)
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15.10.2012, 14:02
AW: Kachelmann gestern bei Jauch
Tiedjes Ausspruch von einem Urteil "erster Klasse", das auf das damalige Urteil Andreas Türcks anspielt, ist zudem schlichtweg falsch ,weil Türck damals ebenso mit einem "im Zweifel für den Angeklagten" freigesprochen wurde.
Urteil - Freispruch für Andreas Türck - Panorama - sueddeutsche.de
Man kann ja viel gegen Kachelmann einwenden. Dann sollte man sich aber soweit informiert haben, dass das, was man sagt,auch Hand und Fuß hat. (Was mir weiter oben ja auch passiert ist...sorry!)
(Ups. jetzt verteidige ich den Kachelmann ja fast schon... dabei ist der mir wirklich alles andere als sympathisch. Naja.)
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15.10.2012, 14:07Inaktiver User
AW: Kachelmann gestern bei Jauch
Ich denke schon auch, Freispruch ist nicht gleich Freispruch.
Das liegt aber in der Natur der Sache. Selbstverständlich macht es einen gedanklichen Unterschied ob ich jemand freisprechen muss weil ich ihm die Tat nicht nachweisen kann - oder ob z.B. zweifelsfrei erwiesen ist dass jemand anderer der Täter war.
Das kann man nicht lösen.
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15.10.2012, 14:09
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15.10.2012, 14:17Inaktiver User
AW: Kachelmann gestern bei Jauch
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15.10.2012, 14:20Inaktiver User
AW: Kachelmann gestern bei Jauch
Wie die Rollenverteilung in der Kachelmann-Ehe ist und warum die junge Frau ihn geheiratet hat, sind ebenso deren Privatangelegenheiten, wie das "komplizierte Vorleben" des Herrn Kachelmann. Dafür hat er moralisch die Verantwortung. Wem steht es zu, darüber zu richten?
Ich fand, dass in der Diskussion sehr gut dargestellt wurde, wie verwerflich es ist, wenn Internas zu einem laufenden Verfahren von Mitarbeitern der Staatsanwaltschaft an Medien weitergegeben werden (floss auch da Geld?).
Dass dann Herr K. mit/durch seinen Anwalt auch an die Medien ging, kann ich nachvollziehen. Ich denke, dass auch ein Mensch, der in der medialen Öffentlichkeit gewandt und routiniert "unterwegs" ist, wie Herr K. es war vor seiner Festnahme, von der dann in Gang gesetzten Maschinerie überrollt wurde. Dass er sich dann auch an die Medien gewandt hat, war erst nach Veröffentlichung der Informationen von Seiten der Staatsanwaltschaft. Ich kann verstehen, dass man dann (fast) alles macht, wenn man sich einer solchen Spirale machtlos gegenüber sieht.
Wahrscheinlich befindet sich Herr K. in einer Situation, in der es egal ist, was er sagt. Nur wenige hören ihm zu. Dass er versucht, sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln Gehör zu verschaffen, ist m. E. nachvollziehbar, denn er fühlt sich ungerecht behandelt. Und wenn man von dem Unrecht überzeugt ist, will man Rehabilitation. Das mit dem nicht zuhören war sehr gut zu erleben am gestrigen Gast, Herrn Baum. Dieser beteiligte sich zwar rege an der Diskussion, aber mit Themen, um die es überhaupt nicht ging. Dass Herrn Jauch hier nicht einschritt und so die doch wertvolle Sendezeit mit themenfremden Inhalten verfloss, war schwach. Die Themen, die Herrn Baum wichtig waren (und selbstverständlich wichtig sind), füllen sicherlich mehr als eine Sendung.
Die taffe Frau K. wird sicherlich ihren Weg gehen. Wahrscheinlich werden wir sie noch öfter, auch unabhängig der K-Sache, in den Medien sehen werden.
Vorverurteilungen werden schnell gefällt, da muss nur jeder bei sich schauen. Von den beiden unmittelbar "Betroffenen" hat jeder wohl seine eigene Wahrheit.
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15.10.2012, 14:24Inaktiver User
AW: Kachelmann gestern bei Jauch
Das ist ja seltsam:
Wenn es um Politiker geht, reicht es oftmals bei weitem nicht aus sich korrekt zu verhalten; vielmehr wird da eine höhere, eine ganz hohe Moral gefordert. Die Wähler glauben, dazu ein Recht zu haben.
Wenn es um Promis geht, hat es uns hingegen völlig egal zu sein, wie moralisch verwerflich sich jemand verhalten hat. Das Recht sich darüber ein Urteil zu bilden, wird einem abgesprochen, obwohl diese Leute penetranterweise ständig ihr Gesicht in irgend eine Kamera halten.
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15.10.2012, 14:29Inaktiver User
AW: Kachelmann gestern bei Jauch
Ich weiß gar nicht, ob man hier die Moral bemühen muss.
Ich denke viel schlichter: dass sich ein Mann der seine Beziehungen so gestaltet hat wie Hr K sich nicht wundern muss, wenn er damit Rachegedanken geweckt hat.
Damit sage ich nicht dass ich das für legitim halte (wenn es tatsächlich eine Falschbeschuldigung aus Rache war) - aber überraschen muss es einen halt nicht.
Und es ist - auch hier eine Frage der Klassifizierung - für mich doch noch was anderes als eine völlig willkürliche Falschbeschuldigung von jemandem, der sich völlig korrekt und fair verhalten hat und vielleicht nicht mal eine persönliche Beziehung zum Beschuldiger unterhalten hat.
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15.10.2012, 14:30Inaktiver User


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Aber niedlich ist sie, die Kleine.