Interessantes Interview. Warum er eine Verjährung gut finden würde, verstehe ich allerdings nicht. Das würde ja bedeuten, dass man innerhalb dieses Zeitrahmens nachprüfen müsste und sofern man (wer auch immer) das nicht tut, sich dem Verdacht aussetzt, mit Absicht nicht geprüft zu haben.
Gut finde ich, dass er das anhand eines Beispiels noch mal hervorhebt:
Guttenberg war aber ein wesentlich massiverer Plagiator als Schavan. Aber: Nur weil jemand eine Million gestohlen hat, hat derjenige, der nur 100.000 geklaut hat, kein Bagatelldelikt begangen.
Mir geht in der Kommentierung über Schavans Doktorarbeit sehr auf den Wecker, dass immer wieder betont wird, Guttenberg hätte viel schlimmer Plagiat betrieben.
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11.02.2013, 17:56
AW: Frau Dr. Schavan - Wurde da der nächste vom Team Merkel beim Schummeln erwischt?
Körperlich Distanz
Sozial zusammen
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Kari Bremnes
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11.02.2013, 18:01
AW: Frau Dr. Schavan - Wurde da der nächste vom Team Merkel beim Schummeln erwischt?
Mir gar nicht. Ich finde das recht dümmlich, was da steht:
Es lebe der anonyme Machtbürger am Computer! So sieht sie aus, die Rechtsprechung per Computer.
Der Autor hat wohl vergessen, dass es eine Überprüfung durch die Uni gab und dass keineswegs irgendein anonymer Mensch am PC die Ministerin zurükgetreten hat.
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11.02.2013, 18:48Inaktiver User
AW: Frau Dr. Schavan - Wurde da der nächste vom Team Merkel beim Schummeln erwischt?
Das liegt schon allein daran, dass der Fall Guttenberg glasklar war, der Fall Schavan aber nicht.
Seltsam ist bei ihr etwa, dass das Prüfungsamt der Uni dem Fakultätsrat vor Beginn des 9 Monate dauernden Verfahrens(!) mitgeteilt hat, sie habe nicht vorsätzlich plagiiert, die Aberkennungs des Titels werde aber dennoch empfohlen. Nun ist es aber so, dass der Titel nur aberkannt werden darf, wenn Vorsatz nachgewiesen wurde. Verständlich ist das nicht.
Ich warte jedenfalls auf die ausführliche Begründung des Rates und hoffe auf Erhellung.
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11.02.2013, 19:12
AW: Frau Dr. Schavan - Wurde da der nächste vom Team Merkel beim Schummeln erwischt?
Nein, als Opfer muss sie sich wirklich nicht sehen, hat aber nichts mit der finanziellen Ausstattung zu tun.
Schavan hat bis zur Aberkennung durchaus von ihrem Titel profitiert, auch wenn das viele anders sehen.
Ich verstehe den Eiertanz auch nicht. Entweder hat sie eindeutig abgeschrieben und als ihres ausgegeben - oder sie hat "schlampig zitiert", was auf das Gleiche rauskommt, wenn man es genau nimmt.
In ihrer Arbeit soll beides vorgekommen sein bei überwiegend richtigem Zitieren an anderen Stellen. Deshalb wird ihr ja vorgeworfen, dass sie genau wusste, was sie tat. (Richtiges Anführen von Textstellen wird schon in der Schule beigebracht, spätestens aber bei der ersten Hausarbeit am Studienanfang.)
Hier mal ein ganz amüsanter Artikel zum Thema:
Rücktritt von Annette Schavan: Opfer des anderen Ichs - Bildung - Süddeutsche.de*
Der Adler fängt keine Mücken.
'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit
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12.02.2013, 08:32
AW: Frau Dr. Schavan - Wurde da der nächste vom Team Merkel beim Schummeln erwischt?
Hmmm ich möchte mir da kein Urteil erlauben. Ich weiß aber, dass seit ein paar Jahren weit mehr Wert auf richtiges zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten gelegt wird. Schüler und Studenten sogar geschult werden und mittlerweile zitieren an vielen Gymnasien geübt wird. Das hat sich alles in den letzten 10 - 15 Jahren entwickelt.
Für mich wäre schon entscheidend, ob Frau Schavan regelrecht gemogelt hat und andere Forschungsergebnisse für ihre eigenen ausgegeben hat oder ob sie bloß schusselig zitiert hat. Andererseits hätte der Rat ihr sicher nicht leichtfertig den Dr-Titel aberkannt....
50shades
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12.02.2013, 08:43
AW: Frau Dr. Schavan - Wurde da der nächste vom Team Merkel beim Schummeln erwischt?
aber genau darauf wurde seitens der Lehrenden wenig WErt gelegt bzw. wurde es wohl höchst selten kontrolliert. Die meisten Studenten vor 10 - 15 Jahren die ich kennenlerne durfte, konnten noch nichtmal Zitate richtig nutzen bzw. waren die Zitate oft Fehlerhaft, selbst auf Kopien von Originalen! Soviel zu Theorie und Praxis.
50shades
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12.02.2013, 09:28
AW: Frau Dr. Schavan - Wurde da der nächste vom Team Merkel beim Schummeln erwischt?
Nun ja - die Uni Düsseldorf, bzw. 13 Wissenschaftler im entscheidenden Gremium, sind sich einig, dass sie mit Vorsatz gehandelt hat; warum sie zu dieser Auffassung gelangt ist, das kann man in den hier verlinkten Artikeln nachlesen.
Aber gut - wer weiß ... vielleicht war Frau Schavan ja doch nur schusselig, das dann
aber mit Vorsatz.
VanDyckEs gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
dann durchfluten sie mich wie Regen ...
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12.02.2013, 10:20
AW: Frau Dr. Schavan - Wurde da der nächste vom Team Merkel beim Schummeln erwischt?
@van Dyck
#+
Weber: Stichproben fordere nicht nur ich schon lange. Meines Wissens nach hat dies bislang nur die Universität Klagenfurt gemacht. Dort wurden im Jahr 2006 nach drei Plagiatsfällen Stichproben veranlasst und hunderte Doktorarbeiten digitalisiert. So ein umfangreiches Unterfangen kann aber eine Universität nur schwer bewältigen - es sei denn, man richtet eigene Stellen dafür ein. Aber ich habe schon vor der Entscheidung der Uni Düsseldorf in meinem Blog geschrieben: Wenn man Schavan den Doktortitel entzieht, muss man wahrscheinlich hunderte, wenn nicht Tausende Doktorgrade aus den vergangenen Jahrzehnten entziehen.
Aus dem Tagesschau.de Interview mit Stefan Weber vom 07.02 "Schavans Plagiat war geschickt gemacht."
Genau dass sagt mir mein Gefühl auch. Denn mein Alltag zeigte mir, dass Wissenschaftler oftmals nicht mit Zitaten arbeiten können. Wie sollen sie dann selber richtig zitieren? Selbst in Verlags-Veröffentlichungen war es bis vor einigen Jahren oft ein Graus, was man an Zitaten fand. Das wurde einfach als Nebensache angesehen und mit "wird schon stimmen." abgetan. Sicher sind die Doktoranden nochmals draufhingewiesen wurden und wurden Zitate auch korrigiert, aber darauf lag doch niemals, verständlicherweise, der Hauptmerk.
Was Frau Schavan in dem Interview vorgeworfen wird, vorsätzlich getäuscht zu haben und zwar so geschickt, dass es kaum bemerkbar war und dies über die gesamte Diss hinweg, ist sie zu Recht ihren Dr. los.
Zitat aus dem o.g. Interview
Mit den damaligen Mitteln hätte man diese Form des Plagiierens von Sekundärliteratur kaum entlarven können.
50shades
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12.02.2013, 10:34Inaktiver User
AW: Frau Dr. Schavan - Wurde da der nächste vom Team Merkel beim Schummeln erwischt?
Versetze Dich einmal in die Lage des Fakultätsrates. Vorab war öffentlich angezweifelt worden, dass Schavans Zitiermodus in Ordnung war. Wenn der Rat nun zugunsten von Frau Schavan entschieden hätte - welche Meinung hätte sich die Öffentlichkeit über das Niveau der düsseldorfer Geisteswissenschaften gebildet?
So wie der Rat nun entschieden hat, stellt die Öffentlichkeit die Frage, warum Schavans Arbeit seinerzeit überhaupt so gebilligt wurde.
Der Fakultätsrat hatte also die Wahl zwischen Pest und Cholera. Und hat sich für die Option entschieden, mit der er -im besten Fall- das aktuelle wissenschaftliche Niveau der Geisteswissenschaften in Düsseldorf hervorheben konnte.
Mal ganz abgesehen davon, dass Schavans daraus logisch folgender Abgang der Uni durchaus zupasskommt.
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12.02.2013, 11:24
AW: Frau Dr. Schavan - Wurde da der nächste vom Team Merkel beim Schummeln erwischt?
Nochmal Widerspruch: Ich habe Zitieren an der Schule gelernt. An der Uni war es nochmal Thema bei jeder Seminararbeit, von den Anführungszeichen, über das Setzen korrekter Fußnoten bis zu den Auslassungspunkten bei Teilzitaten. Wir wurden durchaus über den Wert der Urheberschaft unterrichtet und dass eigenständiges Folgern oder Entwickeln von Gedanken deutlich vom Übernommenen unterschieden und erkennbar gemacht werden muss. "Zum Schutz der Wissenschaft", wie Stefan Weber in diesem informativen Link von Splendida (Tagesschau-Interview) sagt.
"Schusselig zitieren" kann mal vorkommen. Das Hauptmotiv für die Aberkennung war aber, dass sie übernommene Thesen als eigenständiges Denken "verkauft" haben soll, auf ca. 100 Seiten. Im Rest der Arbeit habe sie aber durchaus richtig gearbeitet, also die Zitate als solche gekennzeichnet. Also wurde davon ausgegangen, dass sie wusste, was sie tat. Daraus ergibt sich der Vorwurf des Vorsatzes.Für mich wäre schon entscheidend, ob Frau Schavan regelrecht gemogelt hat und andere Forschungsergebnisse für ihre eigenen ausgegeben hat oder ob sie bloß schusselig zitiert hat.
Für mich ergibt sich daraus eher die Frage, ob sie damit in einer Art Tradition gehandelt hat. Ich habe einige Professoren kennengelernt, die es mit der Übernahme fremden Gedankenguts für ihre eigenen Veröffentlichungen sträflich ungenau genommen haben. Als Beklaute weiß ich, wovon ich rede. Das galt aber als Kavaliersdelikt.


Noch nie was von Anführungszeichen gehört?
Weil damals kein Verdacht bestand. Sie ja in zwei Dritteln der Arbeit Urheber richtig angeführt. Dann wird noch die Integrität des Doktorvaters dazukommen. Diese spielt bei Prüfungskommissionen durchaus eine Rolle.
1980 hätte ein Überprüfen sämtlicher Aussagen und Zitate zu einer monatelangen Suche von Textstellen geführt. Jemand hätte Schavans Arbeit dann besser kennen müssen als sie selbst. Dass eine solch minutiöse Überprüfung niemand gemacht hat und keine Uni leisten konnte, liegt auf der Hand.*
Der Adler fängt keine Mücken.
'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit
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