Nach über 10 Jahren Absichtserklärung und Verhandlung mit muslimischen Verbänden in vielen Ländern ist es NRW jetzt gelungen, einen Anfang zu machen. Ab sofort gibt es einen Islamunterricht in der Schule. Noch nicht flächendeckend, da noch Lehrer fehlen.
Mit den vier im Koordinierungsrat der Muslime (KRM) zusammengeschlossenen Muslimverbänden hat sie sich auf die Einführung eines bekenntnisorientierten Islamunterrichts nun geeinigt. Bislang wurde in mehreren Ländern zwar sogenannte Islamkunde angeboten, die aber durfte nur neutral über den Islam informieren, nicht jedoch, wie der kirchliche Unterricht, auch bekennend in den Glauben einführen.
Das darf als Revolution in Sachen Integration bezeichnet werden.
Was mir aber etwas Kopfzerbrechen macht, ist der Hintergrund, warum bisher alle Bemühungen über die Einführung des Islamunterrichtes gescheitert waren.
Bis dato waren alle ähnlichen Versuche daran gescheitert, dass die Verbände erst als Religionsgemeinschaft anerkannt werden wollten, die allein und ohne staatliche Einflussnahme den Lehrplan für den Islamunterricht entwirft. Dazu war jedoch keine Landesregierung bereit – weil die Muslimverbände noch nicht alle Voraussetzungen für solch eine Anerkennung erfüllten (zu denen gehören Rechtstreue, Mitgliederstärke und die dauerhafte Existenz eines Verbands). Vor allem zwei Missstände behagten auf Landesseite kaum jemandem: Zum Islamrat und zum Zentralrat der Muslime gehören Gruppen, die der Verfassungsschutz beobachtet. Und der größte Verband, die Ditib, wird vom türkischen Staat dominiert.
Nun aber lenkten die Verbände erstmalig in einem Bundesland ein. Sie verzichten auf die vorherige Anerkennung als Religionsgemeinschaft und geben sich damit zufrieden, gemeinsam mit anderen Experten und verbandsfremden Muslimen den Lehrplan zu gestalten.
NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) [sagte], dass es sich bei der Beiratslösung um "eine zu befristende Übergangslösung" handelt, "bis auf Seiten der Muslime die Anforderungen an eine Religionsgemeinschaft erfüllt sind". Dieser Passus ist für die Verbände enorm bedeutsam, weil sie seit Jahren versuchen, über die Curriculumsfrage den Rechtsstatus einer anerkannten Religionsgemeinschaft zu erlangen.
Wie soll ich das verstehen? Wird jetzt ein Verband, der ehedem radikal war, mithilfe der Einbindung in die Gestaltung der Lehrpläne sozusagen reingewaschen und erwirbt ab einem Zeitpunkt X offiziell die Anerkennung als Religionsgemeinschaft? Oder muss ein Verband nur ein Bekenntnis ablegen, jetzt den Anforderungen zu entsprechen? Wer überprüft das?
Integration: Der deutsche Islamunterricht kommt zuerst nach NRW - Nachrichten Politik - Deutschland - WELT ONLINE
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23.08.2012, 16:15
NRW: 1. Land mit Islamunterricht in der Schule
Körperlich Distanz
Sozial zusammen
You'd have to be here
I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
It's northerly facing and close to an open fjord
The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
Calling so slowly from summer's before
Kari Bremnes
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23.08.2012, 16:23Inaktiver User
AW: NRW: 1. Land mit Islamunterricht in der Schule
Ich habe es bisher so verstanden, dass sie den Lehrplan für den Islamunterricht nicht ohne staatliche Einflussnahme erstellen dürfen. Um das zu dürfen, müssten sie anerkannte REligionsgemeinschaften sein, und das sind sie eben nicht, z.B. wegen der radikalen Verbände.
Aber Du hast schon Recht: Was müssen die Verbände tun, um die Anforderungen, von denen Löhrmann spricht, zu erfüllen.
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23.08.2012, 17:02
AW: NRW: 1. Land mit Islamunterricht in der Schule
das gefährliche an der berichtserstattung ist, dass sie den hauptpunkt ausklammert: wer bildet die lehrenden aus, und wo geschieht das? bisher ja hauptsächlich in der türkei, nur ein geringer teil der befähigung wurde zur komplettierung und beschönigung in deutschland oder österreich erworben.
das herumgetue um das curriculum ist augenauswischerei.lg
legrain
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23.08.2012, 17:08
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23.08.2012, 17:19Inaktiver User
AW: NRW: 1. Land mit Islamunterricht in der Schule
Ich finde das sehr bedauerlich, denn m.M.n. sollte nicht eine zusätzliche Religion an der Schule unterrichtet werden, sondern der Religionsunterricht grundsätzlich abgeschafft und den jeweiligen Gemeinde überlassen werden. Das ist ein Rückschlag für die Trennung von Staat und Kirche.
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23.08.2012, 17:26
AW: NRW: 1. Land mit Islamunterricht in der Schule
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23.08.2012, 19:30Inaktiver User
AW: NRW: 1. Land mit Islamunterricht in der Schule
Darum geht es mir gar nicht.
Ich bin für eine strikte Trennung von Staat und Religion. Das ist alles.
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23.08.2012, 19:46
AW: NRW: 1. Land mit Islamunterricht in der Schule
ich begrüße es , dass in den Grundschulen jetzt mit islamischen Religionsunterricht angefangen wird. Die Lehrpläne sind zwar noch nicht fertig, aber im wesentlichen können die bisherigen Lehrkräfte auf den Islamkundeunnterricht zurückgreifen.
Das ist schön, dass Du die strikte Trennung von Staat und Kirche eintrittst. Nur ist der christliche Religionsunterricht in unserer Verfassung festgeschrieben. Und jetzt fängt auch für muslimische Kinder ihr Religionsunterricht an.
Niemand muss daran teilnehmen, das entscheiden bis zum 14. Lebensjahr die Eltern, danach die Schüler selbst.
Mit der Erteilung von Religionsunterricht gemäß unserer Verfassung findet in meinen Augen keine Vermischung von Kirchen (Moscheen) und Staat statt. Die Kinder erfahren eigentlich nur den Inhalt der Religionsüberzeugung ihrer Eltern.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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23.08.2012, 19:47Inaktiver User
AW: NRW: 1. Land mit Islamunterricht in der Schule
Und ich bin froh, wenn der Religionsunterricht nicht den Gemeinden überlassen wird. So ist sichergestellt, dass die religiöse Unterweisung der Kinder nicht irgendwelchen Radikalen überlassen bleibt - und ich meine das durchaus nicht nur auf den Islam gemünzt.
Viele Eltern wollen Religionsunterricht für ihre Kinder. Wird er nicht an der Schule erbracht, schicken sie die Kinder eben in Sonntags- oder Islamschulen o.ä. Die sind beileibe nicht alle schlecht oder radikal, grundsätzlich aber sicherlich eine Möglichkeit für religiöse Radikale, Einfluss auf die Jugend zu gewinnen.
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24.08.2012, 07:30


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