Mich würde interessieren ob der Anteil der Organspender unter Sterbebegleitern und dem Personal aus der Transplantationsmedizin höher oder niedriger ist als bei der Durchschnittsbevölkerung.
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Thema: Organspendeausweis
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07.08.2012, 23:24
AW: Organspendeausweis
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07.08.2012, 23:34Inaktiver User
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07.08.2012, 23:44
AW: Organspendeausweis
Ja.
Ich nehme an, da gibt es (noch) keine belastbaren Zahlen.
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08.08.2012, 11:20
AW: Organspendeausweis
Pflub ... ich arbeite seit ca. 25 Jahren im medizinischen Bereich, und ich weiß, dass man Ärzten berechtigterweise vieles vorwerfen kann. In erster Linie und auch immer wieder, was auch Tomsten ansprach: mangelnde Kommunikationskompetenz. Dann: mangelnde Sensibilität für Menschen in Grenzsituationen, Karrierefixiertheit, materielle Interessen, Duckmäusertum (gegenüber dem eigenen Chef), mangelndes Erkennen der eigenen Grenzen und daraus folgend Maximaltherapie-auf-Teufel-komm-raus. Was ich tatsächlich noch nie erlebt habe, ist, dass Ärzte einen Patienten sehenden Auges hätten sterben lassen. Das geht nicht nur gegen jedes ärztliche Ethos (dem sich ja leider nicht alle immer verpflichtet fühlen), sondern auch gegen das ärztliche Selbstwertgefühl, die Macher und Retter zu sein.
Ich kenne natürlich die medizinische Situation nicht, in der der Mensch war, von dem du sprichst, und möchte dir auch nicht zu nahe treten.
Ich kann mir aber bei dem, was du schreibst, nur vorstellen, dass es eine Sitation war, in der die Ärzte mit ihrer Kunst am Ende waren.
Ärztliche Kunst ist begrenzt. Als Betroffener, also als Patient und mehr noch als Angehöriger, kann man das aufgrund der besonderen Situation, in der man sich befindet, oft nicht sehen und klammert sich an das letzte Fitzelchen Hoffnung. Und Ärzte tun das ihrige dazu, um dieses Fitzelchen aufrechtzuerhalten, oft aus Feigheit, weil sie nicht wissen, wie sie die Wahrheit verpacken sollen, damit es den Betroffenen nicht den Boden unter den Füßen wegzieht. Und man erlebt es sehr sehr selten, dass ein Patient von sich aus deutlich auf Ehrlichkeit drängt.
Was ich damit sagen will: ganz häufig ist die Situation wesentlich aussichtsloser, als sie vom Arzt dargestellt und vom Patienten und dessen Angehörigen verstanden wird. (Und oft sind es gerade die Angehörigen bzw. das soziale Umfeld, das sich an letzte Hoffnungen klammert, während man dem Patienten anmerkt, dass er sehr gut weiß, wie es um ihn steht, das nur nicht direkt kommuniziert, um seine Nächsten zu schonen.)
Sorry, dass ich soviele Worte mache um ein Nebenthema. Aber es sprang mich gerade an.
Es gibt in der Medizin nie Garantien oder Gewissheiten fürs Überleben.
Es ist schon so: ein Transplantierter bleibt ein chronisch Kranker. Das ist ein Aspekt, der in der Öffentlichkeit viel zu wenig bewusst ist, und auch die Transplantationsmedizin tut in ihrer öffentlichen Darstellung ja so, als sei der Mensch ein Auto, dem nur ein neuer Motor eingebaut werden muss, und dann läuft alles prima, als wäre nie eine Krankheit dagewesen.
Transplantierte müssen lebenslang Immunsuppressiva einnehmen, damit ihr neues Organ vom Körper nicht als fremdes erkannt und abgestoßen wird, sie befinden sich dadurch, ähnlich wie z.B. HIV-Positive, im Zustand einer permanenten Immunschwäche, im Prinzip kann ihnen jeder Infekt gefährlich werden.
Die Überlebensrate hängt auch entscheidend davon ab, in welchem körperlichen Allgemeinzustand der Betroffene zum Zeitpunkt der Transplantation war. Der Mangel an Spenderorganen führt leider auch dazu, dass die Betroffenen zum Zeitpunkt der OP oft bereits in einem derart kritischen Zustand sind, dass ihre Überlebenschancen massiv eingeschränkt sind.
Zu dieser Problematik habe ich einen Artikel in der "Welt" von Oktober 2010 gefunden.
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08.08.2012, 12:04Inaktiver User
AW: Organspendeausweis
Analuisa,
endlich mal ein sachkundiger Beitrag in diesem Strang, den ich mit Interesse verfolge.
Wer von den Gegnern der Organspende hat denn schon mal Kontakt mit Organempfängern gehabt?
Wirklich direkt und nicht nur über Dritte?
Wer hat den schon mal erlebt, was für ein Zuwachs an Lebendqualität es ist, wenn z.B. ein Dialysepatient durch eine Spender-Niere nicht mehr 3x in der Woche an die Dialysemaschine muss?
Natürlich ist der Empänger weiter eingeschränkt und muss Medikamente schlucken. Ja und das neue Organ kann auch wieder versagen. Aber dann war es wenigstens ein paar Jahre besser.
Ich habe seit Jahren einen Organspendeausweis, allerdings schon immer mit dem Zusatz, dass meine Organe in der Region bleiben. Jetzt habe ich ergänzt, dass nur Menschen meine Organe bekommen, die vor ihrer Erkrankung bereit waren, ihre Organe zu spenden.
Es ärgert mich schon beim Blut spenden, wieviel Menschen nie bereit waren zu spenden (und sei es nur aus Gleichgültigkeit und Faulheit), aber selbstverständlich nehmen.
Ich bin alsolut für eine freiwillige Entscheidung, finde aber, dass das "Nein" zur Organspende auch als "Nein" zu Empfang gewertet werden sollte.
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08.08.2012, 12:22
AW: Organspendeausweis
Da stimme ich zu.
Wie ich schon schrieb lehen ich für mich den Empfang fremder Organe ebenso ab, wie eine Spende meinerseits.
Es gehört für mich nämlich auch zum Leben, das Ende zu akzeptieren und nicht durch das ausschlachten eines sterbenden, noch nicht toten Menschen, zu versuchen zu verlängern. Hirntod ist für mich nicht Tod. Tot bin ich dann, wenn alle meine Körperfunktionen beendet sind. Und dann sind Organe nicht mehr brauchbar.
Zumal die Entscheidungen wer weiterleben darf ja auch nicht durch medizinische Gesichtspunkte entschieden wird, was an sich schon schlimm genug ist, sondern durch den Geldbeutel. Das lernen wir ja dieser Tage.
Ethisch und moralisch verwerflich empfinde ich es den Nichtspendern durch die Hintertür ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen.
Es fallen immer wieder Sätze wie " du könntest Leben retten". Im Prinzip gemeint ist " du bist schuld wenn jemand stirbt".
Und das ist nicht nur falsch, es ist widerlich.
Niemand hat das Recht auf andere Organe.
Klar, ich kann verstehen das manche am Leben hängen und jeden Weg gehen der sich zeigt. Das ist ok. Aber man darf es nie verlangen.Geändert von Michael_Collins (08.08.2012 um 12:29 Uhr)
Há gente que fica na história
Da história da gente
Ja zur EU
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08.08.2012, 12:28Inaktiver User
AW: Organspendeausweis
Warum diese Selektivität? Sind Menschen in anderen Regionen nicht würdig Deine Organe zu bekommen, ist bei diesen Menschen die Lebensqualität auf die Du vorher abhebst dann nicht mehr relevant? Was wenn in Deiner Region kein geeigneter Empfänger vorhanden ist aber 2 km weiter nicht mehr in Deiner angegebenen Region ein junger Mensch gerade ums Leben kämpft, dem Deine Organe genau passen würden?
Unbabhängig, dass das gar nicht möglich wäre in der kürze der Zeit rauszubekommen finde ich dann diese Haltung zu der sonst so kämpferisch vorgetragenen Argumentation von Dir ziemlich nachdenkenswert.Jetzt habe ich ergänzt, dass nur Menschen meine Organe bekommen, die vor ihrer Erkrankung bereit waren, ihre Organe zu spenden.
Na ja, vielleicht gibts ja auch sehr gute Gründe nicht zu spenden? Du hast Dich auch nur mit einer Seite der Medaille beschäftigt und sicherst Dich auch ab, mit Bedingungen und wirfst gleichzeitig anderen vor, dass sie konsequent sind?Es ärgert mich schon beim Blut spenden, wieviel Menschen nie bereit waren zu spenden (und sei es nur aus Gleichgültigkeit und Faulheit), aber selbstverständlich nehmen.
Interessanter Gedanke.Ich bin alsolut für eine freiwillige Entscheidung, finde aber, dass das "Nein" zur Organspende auch als "Nein" zu Empfang gewertet werden sollte.
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08.08.2012, 12:35
AW: Organspendeausweis
obwohl ich mich weder als Gegnerin noch als Befürworterin, eher als Zweiflerin, einordne: Ja, ich hatte einen sehr guten Kontakt zu meiner Freundin S., die 10 Jahre mit einer Spenderniere lebte.
Wir arbeiteten im selben Unternehmen und nachdem sie ausgeschieden war, trafen wir uns regelmäßig mindestens alle 2 Wochen. So oft, weil die gemeinsame Zeit mit ihr abzusehen war. Sie litt sehr unter den ganzen Nebenwirkungen durch die Medikamente. Sie sagte auch ganz klar, wenn sie das vorher gewußt hätte, dann hätte sie auf die Niere verzichtet.
Das mag ein Einzelfall sein, aber auch das muss man sehen. Ein neues Organ ist nicht unbedingt ein so toller Gewinn, wie man es meinen möchte.
Trotzdem hatte ich immer einen Spendeausweis. Bis mir Anfang dieser Woche Zweifel kamen.Geändert von Kunigunde (08.08.2012 um 13:04 Uhr)
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08.08.2012, 12:46Inaktiver User
AW: Organspendeausweis
Geändert von Inaktiver User (08.08.2012 um 13:15 Uhr)
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08.08.2012, 12:57Inaktiver User
AW: Organspendeausweis
Ich gehöre zu den Zweiflerinnen, die bisher keinen haben.
Aus persönlichem Anlass habe ich mich in letzter Zeit mit dem Thema beschäftigen müssen - und ich habe gelernt, dass der Ausweis sowohl die Organspende als auch die Gewebespende (z.B. Hornhäute) regelt. Für diese Spenden ist nicht der Hirntod das Kriterium, man kann sie bis zu 72 Stunden nach Todeseintritt entnehmen und sie müssen auch nicht möglichst kurzfristig beim Empfänger implantiert werden.
Ich überlege nun, einer Gewebeentnahme zuzustimmen, einer Organentnahme aber nicht.
Sollte an letzterer Front (und die betrifft die Vergabepraxis ebenso wie neuere wissenschaftliche Befunde zur Beurteilung des Hirntodkriteriums) mal mehr Klarheit in die Situation kommen, würde ich darüber wieder nachdenken.
Allerdings:
Ich würde nie und nimmer Einschränkungen im Hinblick darauf machen wollen, wer meine Organe bekommen darf. Ich hatte noch nie Spaß daran, "Lieber Gott" zu spielen.Geändert von Inaktiver User (08.08.2012 um 13:14 Uhr)


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