Der Brauch der Beschneidung bei den Juden kommt wohl daher, dass symbolisch die "Haut", die zwischen Gott und den Menschen nach der Vertreibung aus dem Paradies steht, wieder entfernt wird und Gott mit dem Menschen wieder vereint ist. Paulus sagte später, dass Christen nicht körperlich beschnitten sein müssen, sondern es eine "Beschneidung des Herzens" geben soll, indem jede/r nach christlichen Maximen lebt und dadurch mit Gott verbunden wird.
Bitte jetzt keine Haue, wenn ich das nicht politisch korrekt geschildert habe, ich bin keine Jüdin und habe mir diese Information angelesen.
Ist ja alles ganz schlüssig. Wenn das so ist, könnte man einen doch recht weitreichenden Eingriff (der in vielerlei Hinsicht letztendlich nicht risikolos ist), dem erwachsenen Menschen überlassen !
In unserer Gesellschaft wird der Schutz eines Kindes sehr hoch geachtet. Meiner Meinung nach muss das Priorität haben (was ein Erwachsener in eigener Verantwortung macht, ist seine eigene Sache). Wir sind eine Gesellschaft, in der gemeinsame Standards wichtig sind, die mehrheitlich Konsens sind. Unsere Gesellschaft ist nicht ein nebeneinander verschiedener Religionsgemeinsachaften, wo jeder seine Traditionen pflegt ohne Rücksicht auf die gesellschaftlichen Gepflogenheiten/Standards.
Religionsausübung muss -auch und gerade bei Religionsfreiheit (auch ein sehr hohes Gut)- gelebt werden, indem die Religion in die Gesellschaft "eingebettet" ist. Und nicht umgekehrt. Durch ein Verbot kann man letztendlich nichts verhindern, wie es kein Gesetz kann, egal worum es geht. Aber es ist ein Signal, was geht und was nicht. Und damit eine Anregung zur Diskussion.
Der Vergleich hinkt, aber bei uns waren Abtreibungen lange Zeit strafbar. Inzwischen sieht es anders aus, wenngleich es (auch religiöse) Gruppen gibt, die das nach wie vor recht "eng" sehen. Und die, denen das Gesetz nicht weit genug geht, gehen ins Ausland beispielsweise.
Ich halte es für wichtig, dass das Thema "Beschneidung von Kindern" offen diskutiert wird. Häufig werden solche Themen nicht angesprochen aus Angst, als antisemitisch bzw. islamfeindlich zu gelten. In diese Ecke werden ja Kritiker gerne gestellt.
Rituale sind wichtig für den Menschen, nicht nur bei der Religionsausübung. Aber Rituale sind entwicklungsfähig und nicht in Zement gegossen: eine Taufe war bei uns ganz früher auch das Untertauchen des ganzen Körpers im Wasser. Früher musste (zumindest bei den Katholiken) die Taufe innerhalb weniger Tage nach der Geburt geschehen oder beide Taufpaten mussten zwingend katholisch sein, auch das wird heute offener gesehen.
Gruß, Elli
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03.07.2012, 17:55Inaktiver User
AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen
Geändert von Inaktiver User (03.07.2012 um 18:05 Uhr)
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03.07.2012, 18:30
AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen
Und da glaube ich eben, daß dem Islam eine Art Reformation (noch?) fehlt.
Eben die Freiheit des Gläubigen, eigene Interpretationen vorzunehmen, "die heiligen Schriften" mehr symbolisch als wortwörtlich zu deuten und damit einer sich verändernden Gesellschaft anzupassen.
In der Bibel gibt es Polygamie, Geschichten über Sünde und Wunder. Bis auf ein paar ganz sektiererische Orthodoxe/Fundamentalisten schlägt man sich aber über das Verständnis nach vielen Jahrhunderten inzwischen nicht mehr die Köpfe ein, jedenfalls nicht untereinander. Das ist ja aber auch bei uns eine neuere Entwicklung. Meine Großeltern konnten nicht in der Heimatgemeinde heiraten, weil er katholisch, sie aber protestantisch war.
Ein gesetzliches Verbot der Beschneidung wird sicherlich in den jeweiligen Religionsgemeinschaften zu Diskussionen führen, aber eher in dem Sinne, daß man sich - wieder mal - ausgegrenzt fühlt.
Darüber hinaus wird es wohl kaum Eltern von etwas abhalten, was ihnen einfach selbstverständlich und vor allem unverzichtbar erscheint.
Ich weiß nur von ganz wenigen Strömungen im Islam, die versuchen, ihre Religion etwas moderner zu leben, z.B. den türkischen Alewiten. Weiß jemand, ob es da zum Beispiel Erwachsenenbeschneidung gibt?
lg lenita
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03.07.2012, 18:32
AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen
Es gibt eine Menge Initiativen, in denen sich nicht ausschließlich Juristen und Mediziner organisieren. Ich wüßte auch nicht, warum speziell Juristen ein besonderes Interesse daran haben sollten.
Inwieweit einzelne Männer, die sich dort organisieren, selber zu den Betroffenen zählen, ist den Websites nicht zu entnehmen, aber es wäre ungewöhnlich, wenn sich dort nur unbetroffene zu Wort melden würden. Ganz davon abgesehen, daß es vielen Männern schwer fallen dürfte, mit einer so heiklen Angelegenheit an die Oeffentlichkeit zu gehen und Einzelheiten über ihr Leiden zu schildern.
Hier allerdings ein paar Erfahrungsberichte auf deutsch:
"Beschneidung" von Jungen, Erfahrungsberichte
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03.07.2012, 19:01
AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen
Die Strangeröffnerin hat es in ihrem ersten Post schon angedeutet, dass in den Foren der großen Zeitungen mit geradezu grober Gehässigkeit diskutiert wird. Der Bricom ist wie immer hoch anzurechnen, dass derartige Beschimpfungen hier nicht laufen.In unserer Gesellschaft wird der Schutz eines Kindes sehr hoch geachtet. Meiner Meinung nach muss das Priorität haben (was ein Erwachsener in eigener Verantwortung macht, ist seine eigene Sache). Wir sind eine Gesellschaft, in der gemeinsame Standards wichtig sind, die mehrheitlich Konsens sind. Unsere Gesellschaft ist nicht ein nebeneinander verschiedener Religionsgemeinsachaften, wo jeder seine Traditionen pflegt ohne Rücksicht auf die gesellschaftlichen Gepflogenheiten/Standards.
Religionsausübung muss -auch und gerade bei Religionsfreiheit (auch ein sehr hohes Gut)- gelebt werden, indem die Religion in die Gesellschaft "eingebettet" ist. Und nicht umgekehrt. Durch ein Verbot kann man letztendlich nichts verhindern, wie es kein Gesetz kann, egal worum es geht. Aber es ist ein Signal, was geht und was nicht. Und damit eine Anregung zur Diskussion.
Aber ich sehe nicht, dass das Beschneiden eine umfassende Diskussion auslöst. Niemand weiß so recht, weshalb es das im Judentum und im Islam gibt, aber es wird vorwiegend als menschenverachtend betrachtet. Juden und Muslime diskutieren das hier nicht mit (soweit ich das überblicke). Wäre ich einer würde ich mich hier auch nicht mehr äußern.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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03.07.2012, 19:19
AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen
Als christlich geprägter Mensch leuchtet einem eben nicht ein, was an der Kinderbeschneidung so unverzichtbar sein soll, warum man es nicht mindestens ins Religionsmündigkeitsalter (14 - für uns) oder in die Volljährigkeit verlegen können soll.
Wenn es für die meisten Juden/Moslems einfach eine Selbstverständlichkeit ist, die man nicht hinterfragen kann/darf, dann wird es halt schwierig mit dem Diskutieren.
lg lenita
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03.07.2012, 19:22Inaktiver User
AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen
Weshalb es die Beschneidung gibt, kann man hinreichend nachlesen. Eine stark vereinfachte Darstellung habe ich in meinem letzten Beitrag geliefert.
Gegen eine Beschneidung habe ich garnichts, es sollte sich aber ein mündiger und erwachsener Mann dafür entscheiden. Und dieser Eingriff nicht bei einem Kind vorgenommen werden, das sich nicht dagegen wehren kann. Wenn alles so schlüssig ist, wird ein (religions)mündiger Mann ohne Probleme und Diskussionen eine Beschneidung vornehmen lassen würde ich mal sagen.
Das ist ja das Problem: zumachen, denen, die die Beschneidung eines Kindes in Frage stellen, Überheblichkeit vorwerfen etc. Antisemitismus schreien und Islamfeindlichkeit. Zieht immer....
Nur durch Dialog gibt es eine Lösung. Der offen geführt werden muss von beiden(!) Seiten. Etwas als in Stein gemeisselt zu sehen, ist sicher nicht hilfreich. Wir sind eine Gesellschaft, da müsste doch allen an Regeln gelegen sein, die einen mehrheitlichen Konsens bilden. Religionsgmeinschaften sind Bestandteil einer Gesellschaft und keine Parallelgesellschaften.
Eine Religionsgemeinschaft darf in meinen Augen keine Regeln über die Gesetze eines Staates stellen. Was im übrigen in anderen Ländern auch nicht möglich ist, meistens gibt es nichtmal die Religionsfreiheit so wie wir sie kennen.
Dümmliche Kommentare im Netz ? Die gibt's doch bei jedem Thema, dann bräuchten wir über garnix mehr diskutieren, wenn wir uns danach richten. Blöde Kommentare über geschiedene Leute, über Herrn Gauck und seine Lebensgefährtein, über die Katholiken, die Ärzte, was_weiss_ich. Sind natürlich eine gute Ausrede, um einen Dialog zu verweigern. Ohne gegenseitiges Interesse, permanente Diskussion und Offenheit wird eine Gesellschaft aber dauerhaft nicht in Frieden leben. Sobald sich eine Partei verweigert, wird es schwierig.....
Gruß, ElliGeändert von Inaktiver User (03.07.2012 um 19:37 Uhr)
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03.07.2012, 20:08
AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen
Wieso eigentlich? Es gibt doch jetzt eine gerichtlich beschlossene Lösung. Warum wird das hier noch so emotional diskutiert?
Diskussionsbedarf gäbe es m. E., wenn jetzt jemand eine Gesetzesänderung durchsetzen wollte. Davon habe ich nichts gehört oder gelesen. Ist mir da was entgangen?
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03.07.2012, 20:16Inaktiver User
AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen
Der Punkt ist, dass es Dir und mir auch nicht einleuchten muss! Ich denke, es ist einfach eine Tradition und wenn es kein besonderes körperliches Risiko für die Betroffenen darstellt, dann sehe einfach keinen Handlungsbedarf für ein deutsches Gericht.
Wenn der betroffene Arzt einen Fehler gemacht hat, dann ist das eine Versicherungsfrage, und wenn es sich nicht gütlich regeln lässt, dann muss, wie bei jedem ärztlichen Kunstfehler das Gericht eingeschaltet werden. Aber dann geht es um einen individuellen Fall und nicht um ein generelles Verbot.Geändert von Inaktiver User (03.07.2012 um 22:29 Uhr)
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03.07.2012, 21:46
AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen
Zum Einen mag es Gerichte geben, die es anders sehen, zum Anderen gibt es bisher keine höchstrichterliche Rechtsprechung (man möge mich korrigieren, sofern ich mich irren sollte).
Sollte die "hohe Politik" Interesse daran haben, dass es eine Grundsatzentscheidung gibt, sollte sie alles daran setzen, diese herbeizuführen.
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03.07.2012, 22:05
AW: Kölner Urteil zu Beschneidungen
Nei, du irrst nicht.
Andere Gerichte brauchen dieser Entscheidung nicht folgen.
Sie ist klug beraten sich im Moment aus dieser Sache herauszuhalten.Sollte die "hohe Politik" Interesse daran haben, dass es eine Grundsatzentscheidung gibt, sollte sie alles daran setzen, diese herbeizuführen.
Wahrscheinlicher ist es das sich in absehbarer Zeit das BVerfG damit befassen wird.
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