Stimmt.
Es wird sich wohl mit der Zeit die Erkenntnis durchsetzen: jeder Mensch macht irgendwann mal einen Blödsinn, und sei es nur ein peinliches Partyfoto, das sich ins Netz verirrt hat (was auch ohne eigenes Zutun passieren kann). Die Zeiten der aalglatt perfekten Oberflächen sind ein für allemal vorbei. Wir sind alle Menschen und Menschen irren sich. Und auch wenn wir unseren überschäumenden jugendlichen Idealismus und die in dessen Geist produzierten Texte zehn Jahre später womöglich nur noch peinlich finden, es ist halt jugendlicher Idealismus... ist doch schön, dass es das gibt.
Ebenso wird sich die Erkenntnis durchsetzen: was immer du ins Netz schreibst, sind nur jene Dinge, die alle wissen und sehen dürfen. Es gab mal in der Schweiz einen Fall, wo eine junge Frau dermassen über eine Lehrerin hergezogen hat auf social media, dass sie die Lehrstelle, die ihr zugesagt wurde, gleich wieder verlor, weil dies durch irgendwelche zufälligen Wege bekannt wurde.
Wer findet denn das? Ich kenne durchaus Leute, die mit reichlich Gedankenlosigkeit ihre Datenspuren säen. Aber ich kenne niemanden, der/die den demokratischen Rechtsstaat entmachten will und gleichzeitig die Macht- und Datensammlungen privater Firmen in Ordnung findet.wenn sie all das (Datensammlung durch Unternehmen, Internet-Kampagnen) in Ordnung finden, aber glauben, den Staat (auch den demokratischen Rechtstaat) ent-machten zu müssen.
Da das Internet ein globales Phänomen ist, werden sicher je länger je mehr auch globale politische Lösungen wichtiger werden. Aber da Politik nach wie vor national orientiert ist, wird dies noch eine Weile dauern, bis sich die entsprechenden globale Institutionen etabliert haben. Ganz besonders dann, wenn es in einem demokratischen Prozess geschehen soll und nicht von einer kleinen Elite der Internetweisen von oben herab verordnet.
grüsse, barbara
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Ergebnis 31 bis 40 von 52
Thema: Bürgerrechte im Internet
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30.05.2012, 09:03
AW: Bürgerrechte im Internet
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30.05.2012, 13:09Inaktiver User
AW: Bürgerrechte im Internet
Der gläserne Mensch als Ideal.

Privat war gestern! Konformität ist gefragt, und zwar paradoxerweise gepaart mit dem Bedürfnis als "Individuum" wahrgenommen zu werden. Jedem seine eigene Website, jede Biographie, jedes Partyfoto, jede Lästerei und jeder Fehltritt muss ins Internet.
Man ist selber schuld, wenn man in einen Shitstorm gerät (siehe den Fall Kuttner und Farinellis Antwort darauf).
Und natürlich ist man auch selber schuld, wenn man Lehrstellen verliert oder bei Bewerbungen ausgesiebt wird, weil Personalmanager beginnen sich regelmäßig in Facebook und Google über einen Bewerber zu informieren.
Was kann die Datenkrake dafür, dass man sich auf sie einlässt.
Schau dir nur an, was du schreibst oder was Farinelli und Satyr im Parallelstrang schreiben. Es ist die ganz normale Durchschnittsmeinung derer, die piratenaffin bzw. internetaffin sind.(...)ich kenne niemanden, der/die den demokratischen Rechtsstaat entmachten will und gleichzeitig die Macht- und Datensammlungen privater Firmen in Ordnung findet.
Geändert von Inaktiver User (30.05.2012 um 13:23 Uhr)
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30.05.2012, 14:49
AW: Bürgerrechte im Internet
nicht als Ideal. Aber es ist eine Realität, mit der wir leben müssen. und mit der wir uns arrangieren müssen, auf die eine oder andere Weise. Bloss eins geht nicht: die Uhr zurückdrehen.
müssen muss nicht, aber können kann immer. Und zwar auch ohne dass die abgebildete Person davon weiss, und das kann auch passieren, wenn die abgebildete Person noch nicht mal einen Internetanschluss und Computer hat.Privat war gestern! Konformität ist gefragt, und zwar paradoxerweise gepaart mit dem Bedürfnis als "Individuum" wahrgenommen zu werden. Jedem seine eigene Website, jede Biographie, jedes Partyfoto, jede Lästerei und jeder Fehltritt muss ins Internet.
Bei Kuttners seh ich nichts, was sie hätte anders machen können, um den Shitstorm zu vermeiden. Ausser natürlich, sie hätte Buchhalterin werden können und nicht Schriftstellerin. aber das kann's ja nicht sein.Man ist selber schuld, wenn man in einen Shitstorm gerät (siehe den Fall Kuttner und Farinellis Antwort darauf).
auch das ist einfach eine Realität, mit der wir uns arrangieren müssen. Es gibt den Weg, gar nicht im Internet aufzutauchen - es gibt den andern Weg, das eigene Profil bewusst zu gestalten, und somit auch bei Shitstorms schon die eigene Gegendarstellung der eigenen Person online zu haben. und dann ist es sicher nicht schlecht, sich generell einen guten psychischen Regenschirm zu erarbeiten, im Falle eines Falles. Weil es kann über jeden hineinbrechen, und dann gibt's aber auch immer noch die vielen tausend Leute, die sich nicht auf Shitstorms einlassen und eine Person nicht deswegen verurteilen, weil eine Meute von primitiven Trotteln das tut.Und natürlich ist man auch selber schuld, wenn man Lehrstellen verliert oder bei Bewerbungen ausgesiebt wird, weil Personalmanager beginnen sich regelmäßig in Facebook und Google über einen Bewerber zu informieren.
so etwas wie eine "Durchschnittsmeinung" hab ich bei den Piraten noch nicht gefunden. mal abgesehen davon, dass alle Internet mögen und viele ihren Lebensunterhalt damit verdienen, auf die eine oder andere Weise.Schau dir nur an, was du schreibst oder was Farinelli und Satyr im Parallelstrang schreiben. Es ist die ganz normale Durchschnittsmeinung derer, die piratenaffin bzw. internetaffin sind.
Grundsätzlich müssen die besten Wege und Standards noch entwickelt werden, und es ist auch noch nicht das ganze Potenzial des Internets ausgeschöpft. Da gibt es noch viel herauszufinden und zu gestalten.
grüsse, barbara
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30.05.2012, 14:57Inaktiver User
AW: Bürgerrechte im Internet
Das ist eine anpasserische Denkweise, die ich nicht teile. Ich will gar nicht mit historischen Vergleichen kommen und damit, wo wir stünden, wenn jeder so dächte ...
Auf jeden Fall muss ich den Teufel tun und mich damit "arrangieren". Die Welt kommt nicht durch die voran, die sich arrangieren und glauben, dem Zeitgeist frönen zu müssen, sondern durch die, die in Frage stellen.
Vor allem aber möchte ich unter keinen Umständen eine Partei wählen, die so eine Denke transportiert und sich nur für die Legalisierung von Schwarz-Downloads und Marihuana einsetzt.
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30.05.2012, 15:04
AW: Bürgerrechte im Internet
mooooment!
ich rede nicht davon, den gläsernen Menschen toll zu finden und die Datenbanken ja bloss zu füttern.
ich rede nur davon, dass es so ist wie es ist, und es wenig Sinn hat, so zu tun, als ob es anders wäre. Nur weil ich die Augen schliesse, ist das Problem eben nicht weg. Auch du arrangierst dich ja und denkst darüber nach, welche Daten du von dir im Internet auf welchen Plattformen preisgibst und welche nicht. Auch du benutzt Internet, deine IP wird auch gespeichert von deinem Provider und die Admins von Brigitte können nachverfolgen, von welchem Gebiet du ungefähr kommst, ausser du hast extra Vertuschungsmassnahmen eingeleitet. Das IST "sich arrangieren".
"In Frage stellen" kann ja wohl nicht als einzige Lösung die Handlungsweise haben, sich eine einsame Insel zu suchen und dort ohne Strom zu leben.
musst du ja nicht. du darfst andere Parteien wählen, zum Beispiel solche, die durch massive Ausgabenprogramme die Staatsschulden anheizen, oder solche, die nur ihre Klientel beachten und alle andern gehen ihnen am Hintern vorbei, oder jene, die behaupten Pazifisten zu sein und die dennoch Soldaten in den Krieg schicken... es ist ganz dir überlassen, welche Sorte Dreck am Stecken du zu akzeptieren bereit bist im Gegenzug für ein bisschen politische Kompetenz.
grüsse, barbara
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30.05.2012, 17:03Inaktiver User
AW: Bürgerrechte im Internet
Das Ignorieren des Sachverhalts ist nicht der Punkt.
- Es gibt diejenigen, die sich "arrangieren" und "die Uhr nicht zurückdrehen" wollen,
- solche, die die Datensammlungen völlig unbedenklich finden - jedenfalls so lange sie kommerziellen Unternehmen dienen und nicht dem Staat.
- Und dann diejenigen, die eine Anwendung von Datenschutzgesetzen u.a. Schutzvorschriften auch auf Unternehmen wie Apple und Facebook fordern.
Ich gehöre zu letzteren.
Definiere "sich arrangieren". Dass auch ich gezwungen bin so manches im Internet hinzunehmen, bedeutet jedenfalls noch lange nicht, dass ich es billige. Ganz im Gegenteil.Auch du arrangierst dich ja und denkst darüber nach, welche Daten du von dir im Internet auf welchen Plattformen preisgibst und welche nicht. Auch du benutzt Internet (...) Das IST "sich arrangieren".
Facebook lehne ich entschieden ab. Apple sowieso. Und damit "arrangiere" ich mich auch nicht.
Vor allem will ich eine politische Lösung, die solchen Datenkraken die nicht vorhandenen Hälse umdreht, und stelle mich nicht wie andere User auf den Standpunkt, man könne die Uhr nicht zurückdrehen.
Mit Datenkrake oder ohne Strom zu leben - das sind die einzigen Alternativen, die du siehst?"In Frage stellen" kann ja wohl nicht als einzige Lösung die Handlungsweise haben, sich eine einsame Insel zu suchen und dort ohne Strom zu leben.
.Geändert von Inaktiver User (30.05.2012 um 17:15 Uhr)
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30.05.2012, 17:14Inaktiver User
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30.05.2012, 17:19Inaktiver User
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30.05.2012, 17:22Inaktiver User
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30.05.2012, 17:40Inaktiver User
AW: Bürgerrechte im Internet
Ehrlich: was einzelne Parteien in ihren Programmen fordern, interessiert mich nicht. Und das, obwohl Parteiprogramme normalerweise auf Parteitagen beschlossen werden (was für die PP meines Wissens noch nicht einmal zutrifft).
Die Piraten haben einen Katalog zusammengestellt, der zum Teil mit Copy & Paste aus allen möglichen Quellen zusammengeschnitten ist. So manches daraus ist allenfalls zum Schmunzeln geeignet.
Du, der/die angeblich mit der PP nichts zu tun hat, magst sowas ja ernst nehmen und daraus zitieren; ich aber tue das nicht einmal bei der Partei, die ich seit mindestens 15 Jahren regelmäßig wähle.
Mein Urteil gründet sich darauf, was Piraten wichtig ist. Denn mindestens so sehr wie in anderen Parteien sind es in der PP die Mitglieder und Anhänger, die die Partei zu dem machen, was sie ist. Die Frontleute, die gewählten Abgeordneten, die Fans und Wähler, die offenen und verdeckten PP-Werber in Foren wie diesem.
Leute wie diese Marina Weisband haben "natürlich" einen Facebook-Account. Für Piraten ist es selbstverständlich in sozialen Netzwerken daheim zu sein. Von einer kritischen Haltung diesbezüglich ist trotz etwaiger formelhafter Lippenbekenntnisse nichts, aber auch wirklich gar nichts zu erkennen. Im Gegenteil: sind es doch gerade diese sozialen Netzwerke, die die wichtigste Stütze der Piratenpartei darstellen.
.Geändert von Inaktiver User (30.05.2012 um 18:40 Uhr)



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