+ Antworten
Seite 1 von 6 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 56
  1. Inaktiver User

    Fundamentalisten und die Politik

    Ich möchte euch hier einmal die etwas andere Art von Fundamentalismus vorstellen.
    Nachdem ja in der letzten Zeit immer wieder der Koran Thema von Diskussionen war, finde ich es an der Zeit, mal die Augen auf einen anderen Fundamentalismus zu richten.

    Die Auslegung der Bibel nach Art der Evangelikalen, prominentestes Mitglied und deshalb auch im Politik-Forum: Georg W. Bush

    Die Evangelikalen stellen sich die Welt so vor, erschaffen von Gott vor 6000 Jahren, in sechs Tagen. Diese These wird auch im Biologieunterricht an den Schulen gelehrt. Sexualkunde? Die Menschen kommen direkt von Gott, Jungfräulichkeit bis zur Ehe. Verhütungsmethoden? An Schulen kein Thema. Aids und andere bösen Krankheiten sind eine Strafe Gottes für unkeusche.

    "True Love Waits" (Wahre Liebe wartet, bis zur Ehe) heißt die Losung für die Jugendlichen der Evangelikalen. Nicht küssen, kein "Krabbeln" und schon gar kein Sex lautet der Eid den sie schwören. So sollen uneheliche Kinder, ungewollte Schwangerschaften, Abtreibungen und sexuell übertragbare Krankheiten verhindert werden.

    "Denn wer nach der Bibel lebt braucht dies alles nicht zu fürchten."

    Ihre These das die Welt bald untergeht, erklären sie in gerne schon ihren Kindern. In dem Buch Left Behind von LaHaye, der bereits erste Zeichen für den Untergang erfüllt sieht.

    1. Rückkehr der Juden nach Israel
    2. UNO als Instrument des Antichristen
    3. Einführung des Euro

    wobei er sich auf die Offenbarungen des Johannes stützt.



    Die Lektüre. Kurz von Wikipedia

    Auch an das Freizeitvergnügen wurde gedacht.Kreuzigung täglich versteht sich wohl von selbst.

    Holyland Freizeitpark


    Der Einfluß der Evangelikalen auf die Politik ist groß, denn Georg W. Bush ist ihr treuester Jünger. So hat er mit der Ernennung von Alito, als Obersten Richter ein Wahlversprechen an seine "Kirche" erfüllt.

    Oberster Richter

    Ein Auszug:
    Christliche Fundamentalisten frohlocken

    Alitos Bestätigung gilt als einer der größten innenpolitischen Siege des sonst nicht gerade von Erfolgen verwöhnten Bush. Der Präsident hatte seinen Anhängern bereits vor sechs Jahren im Wahlkampf einen konservativen Supreme Court zugesichert und beteuert, dass „Aktivisten auf der Richterbank“ bei ihm keine Chancen hätten. Mit Alito hat er sein Versprechen nun eingelöst.

    Vor allem christliche Fundamentalisten, die zu Bushs treuesten Fans zählen, setzten große Hoffnungen in den verheirateten Familienvater (zwei Kinder) und den künftig konservativ dominierten Gerichtshof. Sie erwarten klare Entscheidungen zugunsten traditioneller Werte – darunter ein Verbot der Abtreibung sowie die Ächtung der Homosexuellen-Ehe.


    Und sie missionieren, nicht nur im eigenen Land:

    Alle Menschen sollen zu Christen werden, an ihren Gott und ihre Bibel glauben, welche für sie wortwörtlich stimmt", heißt es bei der Southern Baptist Convention. Sie ist ein Teil jener evangelikalen Bewegung der USA, deren prominentester „Wiedergeborener" Präsident George W. Bush ist. Etwa 40 Prozent aller Amerikaner nennen sich Evangelikale oder Wiedergeborene. Auch Scott Rourk hat ein klares Ziel: Er will eine Kirche am Times Square gründen und ganz New York missionieren. Dafür ist er aus dem Süden der USA angereist, dem so genannten „Bibel-Gürtel". Hier haben die evangelikalen Kirchen mit erzkonservativen Moralvorstellungen das Sagen. Scotts Vorhaben ist nicht der Alleingang eines Fanatikers. Es ist Teil einer großen „nationalen Missionierungs-Kampagne" der Southern Baptist Convention, der größten der evangelikalen Kirchen der USA.
    Quelle: arte


    Sondern auch bei uns:

    Ausgehend von den USA tragen Missionare ihre wörtlich verstandene Botschaft der Bibel auch nach Mitteleuropa.
    „Old Europe" ist dabei ein harter Brocken. Praktiken, die in den USA als normal gelten, tragen den evangelikalen Gruppierungen diesseits des Atlantiks schnell die stigmatisierende Bezeichnung „Sekte" ein. Europa sei in punkto Religionsfreiheit ein „Entwicklungsland", lautet eine verbreitete Ansicht in der Szene. Mehrere Staaten liegen im Rechtsstreit mit Evangelikalen. Die französische Geheimpolizei soll eine Gemeinde im Elsass aggressiv bespitzelt haben, behauptet deren Geistlicher. Im schwedischen Borgholm will ein evangelikaler Priester nichts getan haben, als aus der Bibel zu predigen. Doch nach einem neuen Gesetz zum Schutz von Minderheiten wurde er wegen Diffamierung Homosexueller zu einem Monat Gefängnis verurteilt.
    Quelle:arte


    Was macht eigentlich den Unterschied zwischen den Fundamentalisten im Islam und den Christlichen aus?
    Das in der Bibel nicht steht du darfst deine Frau schlagen? Warten wir es ab.


  2. Inaktiver User

    Re: Fundamentalisten und die Politik

    Was macht eigentlich den Unterschied zwischen den Fundamentalisten im Islam und den Christlichen aus?

    .....dass diese amerikanischen Missionare in Europa noch niemanden umgebracht oder harmlose Karikaturisten mit dem Tod bedroht haben.

    Im Übrigen ist immer wieder darauf hingewiesen worden, dass jede Art von religiösem/ideologischem Fanatismus problematisch ist. Da aber religiöser Glaube Privatsache ist, können nur strafrechtlich relevante Tatbestände beurteilt werden. Handlungen sind entscheidend, die Gedanken sind frei

  3. Avatar von meta1
    Registriert seit
    09.07.2002
    Beiträge
    9.077

    Re: Fundamentalisten und die Politik

    .....dass diese amerikanischen Missionare in Europa noch niemanden umgebracht oder harmlose Karikaturisten mit dem Tod bedroht haben.



    Nee klar, in Europa haben sie noch niemanden umgebracht, statt dessen aber im Afghanistan, im Irak und wer weiß wo noch.
    Nur haben die eben das Glück, dass sie die entsprechende Armee im Rücken haben

  4. Inaktiver User

    Re: Fundamentalisten und die Politik

    .....dass diese amerikanischen Missionare in Europa noch niemanden umgebracht oder harmlose Karikaturisten mit dem Tod bedroht haben.



    Nee klar, in Europa haben sie noch niemanden umgebracht, statt dessen aber im Afghanistan, im Irak und wer weiß wo noch.
    Nur haben die eben das Glück, dass sie die entsprechende Armee im Rücken haben
    Ach, die Taliban waren Christen? Und die US-Soldaten wollten den Irak missionieren?
    Erstaunlich, deine Erkenntisse, Meta.

  5. Avatar von Opelius
    Registriert seit
    24.04.2004
    Beiträge
    15.824

    Re: Fundamentalisten und die Politik

    relativ erfolgreich sind die Evangelikalen in der Unterstürzung der Schulverweigerer aus fundamentalistischen Baptistengemeinden. Schulverweigerer
    Der Artikel ist zwar schon ein Jahr alt, beschreibt die Situation aber recht genau. Und es hat sich im Prinzip nichts in dem letzten Jahr verändert. Die Schulbehörde und der Landrat wurden geradezu bombardiert mit emails aus den USA. Die Schulbehörde ist nicht in der Lage, die Schulpflicht durchzusetzen. Die recht teuren Anwälte, die die Belange der etwa 17 Familien vertreten, können unmöglich von den Familien selbst bezahlt werden, denn sie leben größtenteils nur von Transferleistungen.

    Ich bin sehr erstaunt, wie sehr Teile der US-Bevölkerung daran interessiert sind, die Glaubensfreiheit, die Europa sich ja schließlich in 4 Jahrhunderten mühsam erkämpft hat, zu konterkarieren und zu unterminieren. Dabei waren die ersten Siedler auf dem nordamerikanischen Kontinent eben jene Pilgerväter, die Europa wegen der fehlenden Glaubensfreiheit verlassen haben.

    Diese Evangelikalen halte ich zusammen mit den Scientologen für eine ernsthafte Bedrohung unserer europäischen Auffassung von Freiheit und Demokratie.

  6. Inaktiver User

    Re: Fundamentalisten und die Politik

    @Opelius,

    deswegen hielte ich es für sehr wichtig, dass fundamentalistischen Bestrebungen generell entgegen gewirkt wird. Dass bestehende Gesetze strikt durchgesetzt werden - dann wird man sehen, ob zur Ergänzug noch ein paar neue her müssen (lieber nicht).

    Und ich plädiere auch dafür, genau darauf zu achten, dass nicht mit zweierlei Maß gemessen wird.
    In meiner Gegend - ländliche Gegend mit 8 % türkischem Bevölkerungsanteil - beschädigten vor ein paar Tagen einige türkische Kinder zwischen 11 und 14 Jahren eine katholische Kirche (Türen und Wände), verteilten Essensreste im Kirchenraum, spuckten ins Weihwasserbecken, beschmierten und bekritzelten Gesangbücher - man stelle sich vor, was los wäre, wenn "christliche" Kinder das in einer Moschee und mit dem Koran gemacht hätten.
    Der türkische Konsul versuchte erst, das Ganze als "Dummejungenstreich" zu verkaufen.

  7. Avatar von Opelius
    Registriert seit
    24.04.2004
    Beiträge
    15.824

    Re: Fundamentalisten und die Politik

    Eine Warnung vor einem Staat, wie ihn Georg W. Bush sich vorstellt, hat vor 10 Jahren schon die Autorin Magaret Atwood geschrieben:

    "Der Report der Magd", Margaret Atwood

    (Originaltitel: „The Handmaid’s Tale“)

    In einem fiktiven Staat Im Jahr 2195 in Nordamerika haben religiöse Fundamentalisten die totalitäre Republik Gilead errichtet. Nach einer atomaren Verseuchung ist ein großer Teil der weiblichen Bevölkerung unfruchtbar. Frauen werden entmündigt und in drei Gruppen eingeteilt: Ehefrauen von Führungskräften, Dienerinnen und Mägde. Letztere werden zur Fortpflanzung rekrutiert und sollen nach biblischem Vorbild für unfruchtbare Ehefrauen Kinder empfangen. Können sie ihre Aufgabe als Gebärmaschine nicht erfüllen, werden sie in entfernte Kolonien zu gefährlichen Arbeiten wie Giftmüllentsorgung abgeschoben.

    Desfred, Hauptfigur und Erzählerin, lebt in einer Welt, in der sie nur geduldet wird, weil sie gesund ist und gebären kann. Sonst wäre sie für ihren Widerstand gegen die herrschende Diktatur schon lange erhängt worden. Ihr Glück ist, das gebärfähige Frauen Mangelware sind: die Umwelt ist so verseucht, daß die meisten Menschen unfruchtbar sind. Darum wird sie "Magd" bei einem ältlichen Offiziersehepaar, und ihre einzige Aufgabe ist, bei den rituellen Befruchtungsakten stillzuhalten. Und bald schwanger zu werden, aber das ist nicht so einfach

    Desfred wird dem Kommandanten Fred als Zweitfrau in dessen Haushalt zugewiesen, wo regelmäßig die entwürdigende Prozedur des Geschlechtsakts in Gegenwart der Ehefrau durchgeführt wird. Ihr Zimmer darf Desfred nur zu seltenen Einkäufen und zu öffentlichen Hinrichtungen verlassen. Sie hat sich dem totalitären Regime unterworfen, dem sie nur durch Zufall entfliehen kann.

    Desfreds Tonbandaufzeichnungen schildern in einfachen Worten den Alltag in einer entmenschlichten Gesellschaft mit vollständiger Überwachung und grausamer Unterdrückung. Unterbrochen werden die Beschreibungen von Desfreds Erinnerungen an die alte Zeit: an Mann und Kind, aber auch an die Errichtung des Überwachungsstaats.

    Wie es dazu kam, ist eigentlich noch interessanter: nach und nach wurden die Rechte der Frauen beschnitten. Erst funktionierten ihre Kreditkarten nicht mehr, dann durften sie nicht mehr arbeiten, usw. Die Parallele zu Nazideutschland ist subtil, aber vorhanden: auch den Juden beschnitt man nach und nach ihre Freiheiten, so langsam, daß jeder Schritt als gerade noch erträglich schien.

    Eindringlich entsteht das Bild der totalen Repression, das umso bedrückender auf die Leser wirkt, als es eine geringe Distanz zur Gegenwart aufweist: mit alltäglichen Requisiten wie Computer und Kreditkarte, die hier in den Dienst der Republik Gilead gestellt werden. Trotz offenkundiger Parallelen zu 1984 von George R Orwell ist „Der Report der Magd“ aber weniger als Utopie denn als Stellungnahme zu aktuellen politischen Strukturen und Diktaturen zu verstehen.



    Ich finde dieses Buch bis heute noch hochaktuell.

  8. Inaktiver User

    Re: Fundamentalisten und die Politik

    Der türkische Konsul versuchte erst, das Ganze als "Dummejungenstreich" zu verkaufen.
    Mich wunderts ein bischen, dass er nicht argumentiert,
    die Katholiken wären Schuld, da die Kinder
    durch das Kreuz auf dem Kirchturm provoziert wurden

  9. Inaktiver User

    Re: Fundamentalisten und die Politik

    Was macht eigentlich den Unterschied zwischen den Fundamentalisten im Islam und den Christlichen aus?


    ES gibt keinen, nur hier gibt es weniger davon und es hat keinen EInfluss (zumindest nicht in D), ob man in dem Verein ist oder nicht. Bei Islamisten oft schon, weil es in die Gesetzgebung mit einfließt.

    Ich habe weder mit dem einen noch mit dem anderen Verein was am Hut und bin froh darüber ein selbstbestimmtes Leben führen zu können und nicht auf dem Scheiterhaufen zu landen.

  10. Avatar von Opelius
    Registriert seit
    24.04.2004
    Beiträge
    15.824

    Re: Fundamentalisten und die Politik

    In jugendlichen Tagen habe ich einmal ( auf Wunsch meiner Mutter ) an einer evangelikalen Missionsveranstaltung des berühmten Billy Graham, dem Maschinengewehr Gottes, teilgenommen. Er zog alle Register einer unheimlich gut organisierten Verkaufsveranstaltung. Er hämmerte in der Tat auf seine Zuhörer ein, bis sie davon überzeugt waren, dass sie alle so etwas von sündig seien, dass sich ganz schnell unter den Schutz dieses begabten Redners geben wollten.

    Erst auf dem Nachhauseweg fragte ich mich, wovon ich mich eigentlich so hatte beeindrucken lassen und weshalb ich mein ganzes Taschengeld da gelassen hatte.

    Inzwischen kann man ähnlich begabte Prediger auch auf deustchen Fernsehkanälen im Bibel-TV empfangen. Schaut da mal rein, ihr werdet nur mit dem Kopf schütteln. Wie einfach doch die Welt ist!

    Diese Form der Relgiosität ist ein gut organisierter Seelenfang und offensichtlich ein prächtiges Geschäft. Und eine der klaren Aussagen dieser Seelenfänger ist: wer krank oder arm ist, ist bewiesenermaßen ein Sünder. Gott belohnt alle Gerechten mit Gesundheit und Wohlstand.
    Umkehrschluß dieser Behauptung ist: die Reichen und Schönen sonnen sich in Gottes Gnade und haben das Recht, die Führung über die anderen Sünder zu übernehmen.

+ Antworten
Seite 1 von 6 123 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •