@Eusebia, das ist richtig.Zitat von Inaktiver User
Niemand hier bestreitet das.
Aber - Die Fragestellung "Was ist schlimmer - fundamentalistische Christen oder fundamentalistische Moslems?" erübrigt sich für einen denkenden Menschen.
@Pia hat bereits deutlich auf die grundlegenden Gemeinsamkeiten aller fundamentalistischen Bewegungen hingewiesen!
@Horus hat sich dankenswerterweise beteiligt,
denn von Horus weiss ich auch, dass diese Tendenzen im Grunde allen monotheistischen Religionen innewohnen.
Im Internet gibts nette Atheisten-Foren, die sich sehr ausführlich und mit viel Sachkenntnis mit dem Kreationismus und anderen sinnfreien "Glaubenswahrheiten" auseinandersetzen.
@Khan muss ich Recht geben in seiner Skepsis gegenüber der Demokratie (unserer einzigen Chance):
Was tun, wenn die Mehrheit fundamentalistisch wählt, und zwar ohne Zwang?????
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Ergebnis 41 bis 50 von 56
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24.08.2006, 14:33
AW: Re: Fundamentalisten und die Politik
Geändert von Elwyn (24.08.2006 um 14:42 Uhr)
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24.08.2006, 20:57Inaktiver User
AW: Re: Fundamentalisten und die Politik
Also, als erstes sollte ich mal erklären: Dieser Strang ist schon was älter.
Zitat von Eusebia
Ach und was die Karikaturen betrifft, Jyllands-Posten wollte eine christliche Karikatur veröffentlichen, darauf erhob sich ein massiver Protest der Kirche. Und sie ließen es bleiben.
Zitat von Inaktiver User
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24.08.2006, 21:17Inaktiver User
AW: Re: Fundamentalisten und die Politik
Das ist auch eher retorisch gefragt. Mir geht es auf den Nerv hier ständig zu lesen wie schlimm der Islamismus ist, das er sich ausweiten will und auch tut, das es im Koran steht das alle irgendwann Moslems sind, das alle Moslems das glauben u.s.w.
Zitat von Elwyn
Fakt ist, das sich der christliche Fundamentalismus mindestens genauso schnell ausweitet, das DIE genauso den Anspruch auf "Weltherrschaft" erheben.
Wir, Demokraten, wir verteidigen unsere Werte wie freie Meinungsäusserung, freie Wahlen und GLEICHBERECHTIGUNG.
Ja, aber dann in alle Richtungen, denn eines haben sie gemeinsam die Fundamentalisten dieser Welt:
die Frau hat Kinder zu bekommen, zu beten, zu kochen und:
die Klappe zu halten.
Darin sind sie sich einig. Und mir persönlich ist es dann egal ob ich den Gott, so oder so nennen soll. Ich halte meine Klappe jetzt schon nicht.
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24.08.2006, 21:40
AW: Re: Fundamentalisten und die Politik
Aber Eusebia,
ddie Unterschiede sind grösser als die Gemeinsamkeiten. Wo bitte rufen christliche Fundamentalisten zum Umsturz der Regierung auf?
Zeige mir bitte christliche Fundamentalisten, die ihre Hierokratie herbeibomben wollen?
Zeige mir christliche Fundamentalisten, die Frauen und Kinder im Namen ihrer Ideologie töten?
Zeige mir christliche Fundamentalisten, die die Beseitigung der amerikanischen Verfassung planen?
Du wirft alles in einen Topf, rührst herum und glaubst, das gäbe eine geniessbare Wahrheit.
Tatsache ist , dass der christliche und der islamische Fundamentalismus sich in mehreren Dingen fundamental unterscheiden, vor allem, was ihre politische Ausrichtung angeht.
Morgen schreibe ich dazu einen längeren Excurs.
Haruchika
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25.08.2006, 09:13Inaktiver User
AW: Fundamentalisten und die Politik
@ Eusebia
Wenn du behauptest, heimlich würde doch missioniert, möchte ich deine Quellen kennen. Vermutlich schöpfst du aus irgenwelchen trüben Gerüchteküchen. Genauso, wie die Demonstranten gegen die Mohammedkarrikaturen keine Ahnung hatten, was da wirklich veröffentlicht worden war, sondern abwegige Vermutungen hatten.
Und wenn schon, wird hier in Deutschland etwa nicht für den Islam missioniert? Zumindestens sind doch etliche Übertritte pro Jahr zu verzeichnen.
Religionsfreiheit ist für mich ein hohes Gut, was es bei uns gibt, in islamisch geprägten Staaten jedoch so gut wie unbekannt ist.
Wenn du hier etwa sagen willst, dass in den westlichen Zeitungen mit zweierlei Maß gemessen würde, d.h. christliche Karrikaturen fallen unter die Zensur, während man über den Islam herfallen kann, hast du schlichtweg Tomaten auf den Augen, da fehlt für mich glatt die Diskussionsgrundlage und ich verabschiede mich hier besser.
ischi
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25.08.2006, 11:13Inaktiver User
AW: Re: Fundamentalisten und die Politik
......
Zitat von Haruchika
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25.08.2006, 12:17
AW: Re: Fundamentalisten und die Politik
Ich wüsste gerne einmal so nebenbei, wie in Amerika mit dem moderaten Islam generell so umgegangen wird.
Meines Wissens ist Amerika ja (vordergründig?!) recht tolerant in Bezug auf Religionsfreiheit.
Im Zuge der Attentate vom 11. September frage ich mich, ob es dort zu Restriktionen, Überwachungen oder gar Übergriffen gegenüber islamischer Gruppen seitens der fundamentalistischeren Christen bzw. der Bevölkerung insgesamt gekommen ist?
Ich habe davon bisher nichts gehört...
Rein interessehalber...
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25.08.2006, 12:31
AW: Re: Fundamentalisten und die Politik
@Haruchika
Zitat von Haruchika
Die grundsätzliche Veranlagung dieser beiden Religionen (und anderer natürlich) zum Fundamentalismus ist religionswissenschaftlich gesehen da.
Aus der Bibel lassen sich - so wurde es im Religionsforum diskutiert - ebensoviele Stelle zitieren, die zu Angriffen auf andere Religionen aufrufen wie aus dem Koran. Und genausoviele Stellen, die diesen dann wieder widersprechen. Das ist ein ganz weites Feld. Der Koran ist offenkundig militanter und politischer, das mag sein...
aber entscheidend ist immer die Auslegung und die Lebensweise der heute lebenden Gläubigen, egal was irgendjemand mal geschrieben oder getan hat.
Insofern gebe ich dir Recht - einen "Terrorismus", wie er derzeit durch religiöse Strömungen im Islam motiviert wird, gibt es derzeit im christlichen Fundamentalismus nicht.
Das ändert aber nichts daran, dass christliche Fundamentalisten derzeit auf dem Vormarsch sind mit ihren ebenso dämlichen Glaubenswahrheiten.
Aus fundamentalistischer islamischer Sicht ist das gesamte Christentum in Form der "westlichen" Welt irgendwie ja immer und schon seit Saladins Zeiten auf einem Kreuzzug gegen Mohammed und seine Vorschriften, wie man zu leben hat. Für den Islam schliesst das wohl die "christliche" Demokratie mit ein, den Eindruck habe ich ebenfalls immer öfter.
Das hat aber mit dem, was wir hier thematisieren, wohl nur am Rande zu tun.
Mich beschäftigt der christliche Fundamentalismus aber auch, insbesondere Glaubens"wahrheiten" wie der Kreationismus/Intelligent Design, auch religiös motivierte Todesstrafe oder Diskriminierungen anderer Lebensweisen und Bevölkerungsgruppen in den USA.
Diese Gruppen machen das subtiler geschickter, denn sie wissen politische Größen aus der amerikanischen Politik und Medienwelt hinter sich. Sie benutzen die Demokratie, ja sogar die Wissenschaft für ihre Zwecke.
Übrigens in einer ähnlichen Art und Weise, wie dies der Islam letztendlich auch versucht, wenn er Religionsfreiheit mit einem Fingerzeig auf die Demokratie so weit auslegt, dass auch religiös motivierte Menschenrechtsverletzungen dazugehören.
Das Problem des christlichen Fundamentalismus sollte man zumindest kritisch im Auge behalten, meine ich.
Aber dennoch differenzieren können...
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25.08.2006, 12:41Inaktiver User
AW: Re: Fundamentalisten und die Politik
Ja, kam es damals. Moslems oder auch nur Menschen mit arabisch angehauchten Namen oder Aussehen konnten in bestimmten Landstrichen tagelang nicht das Haus verlassen bzw. wurden beschimpft, angespuckt, bedroht .....
Zitat von Elwyn
War zwischendurch mal erheblich besser, zieht aber sehr, sehr stark wieder an.
Nicht nur in Usaland, sondern auch in anderen "christlichen" Ländern. Ich muss mich gar nicht so weit umgucken bzw. aus der BriComm rausschauen.
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25.08.2006, 18:13
AW: Re: Fundamentalisten und die Politik
Hallo
Die Gemeinsamkeiten zwischen den fundamentalistischen Auffassungen sind jetzt schon oft genug herausgestellt worden.Horus hat im Religionsforum das Problem aller monotheistischen Religionen erwähnt, nämlich den Anspruch auf eine absolute Wahrheit, neben der es keine andere geben kann.
Nur sollte man sich einmal die Geschichte des Christentums anschauen.
Die Sekte des Christentums entstand aus einer jüdischen religiösen Wanderbewegung im damaligen von Römern besetzten jüdischen Land. Ursprünglich war es eine eschatologische Religion, die die Wiederkunft und das Weltende erwartete.
Daraus entstand dann im Mittelalter die christliche Kirche. Aber immer gab es in der abendländischen Geschichte eine Spannung zwischen Imperium und Sacerdotium, das heisst, weltliche und geistliche Herrschaft waren schon von der Theorie her nie in einer Hand, auch wenn beide Seiten das natürlich propagierten.
Die Reformation setzte dann diese Trennung konsequent fort und mündete im Calvinismus in die Idee, dass man weltliche Herrschaft im Namen der Religion infrage stellen könne.
Die Aufklärung schuf dann die eigentliche Säkularisierung und damit die Grundlagen der historisch-wissenschaftlichen Bibelkritik.
Das war jetzt der Schnelldurchlauf.
Der christliche Fundamentalismus entstand als Reaktion auf eben diese Aufklärung und Säkularisierung im 19. Jahrhundert in den USA. Das heisst, seine Wurzeln liegen in genau der Säkularisierung, gegen die er ankämpft, aber NICHT in einer anzustrebenden Hierokratie. Das heisst, die Wurzeln des christlichen Fundamentalismus sind demokratischer Natur.
Er käme deshalb auch nie auf die Idee, die Ausdifferenzierung des politischen und religiösen Systems aufzuheben.
Aber genau diese Entwicklung hat der Islam NIE vollzogen. Die Religion des Islam ist aus einem Krieg hervorgegangen, Mohamed war vor allem ein Krieger, der erobern wollte. Das heisst, dem Koran ist eine kriegerische Komponente essentiell inhärent.
Man setze einmal die Bergpredigt bei Matthäus und die Suren des Koran nebeneinander und man wird sofort diesen Unterschied bemerken.
Daraus folgt, dass der Islam eine Einheit von politischer und religiöser Herrschaft schon bei seiner Geburt beinhaltete. Später verkörperte das Kalifat ja genau diese Einheit.
Das heisst wiederum, dass eine Trennung von Kirche und Staat, von Imperium und Sacerdotium, wie es im Christentum von Anfang an herrschte, es im Islam nie gegeben hat. Deshalb gab es auch keinen Punkt in der Religion, von dem aus wie beim Calvinismus es eine Opposition aus religiösen Motiven gegen staatliche Herrschaft hätte geben können.
Deshalb konnte es auch keine Aufklärung, keine Säkularisierung und keine Demokratisierung im Islam geben, da Ansätze zur Trennung beider Subsysteme unmöglich waren.
Das bedeutet, dass der islamische Fundamentalismus auch immer ein politischer Fundamentalismus ist.Im Kern geht es ihm um religiös-politische Ordnungsvorstellungen, die sich gerade gegen Aufklärung, Liberalismus und Deomokratie richten, da eine Pluralisierung der Wahrheit für den Islam undenkbar ist.
Deshalb sind die USA der grosse Buhmann, denn sie verkörpern beispielhaft die Trennung dieser Sphären, schon in der Verfassung verankert, und bedrohen daher die fundamentalistisch-islamische Identität und ihre totalitäre Gesellschaftsordnung.
Dem christlichen Fundamentalismus hingegen ist diese Identität fremd, da er gerade aus dieser Trennung der Subsysteme Religion und Politik entstanden ist.
Haruchika


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