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07.04.2012, 15:48Inaktiver User
AW: Günter Grass sorgt mit Israel-Gedicht für Empörung
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07.04.2012, 15:52
AW: Günter Grass sorgt mit Israel-Gedicht für Empörung
Das hat sie doch gar nicht gesagt.
Wer nichts beobachtet hat, oder persönlich nicht die Traute hatte einzugreifen, dem mache ich bestimmt keinen Vorwurf.
Angst ist menschlich, vor allem in einer Zeit bei der es genügte einen Kochtopf aus einem zerbombten Haus zu holen, um wegen Plünderns aufgehängt zu werden.
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07.04.2012, 16:01Inaktiver User
AW: Günter Grass sorgt mit Israel-Gedicht für Empörung
Es wird ein bißschen arg OT ..... Aber ok, kurz:
Viele Leute sind Anfang der dreißiger Jahre in die NSDAP eingetreten, weil sie das beruflich mußten oder sich von dieser Partei Verbesserungen erwarteten.
Die Judenhetze in ihrer vollen Form ging erst deutlich später los.
Die Abtransporte der deutschen Juden waren nicht unbedingt zu beobachten .... Ich habe mal zu den Menschen, die in meiner Staße gewohnt haben, recherchiert: Die mußten sich morgens um 8 am Bahnhof einfinden. Selber, sie wurden nicht abgeholt. Das passierte erst viel später, mit den letzten Juden.
Was soll den Nachbarn da erstmal so auffallen ?
Davon ab, war zu der Zeit von Ermordung noch keine Rede.
Die Berliner Juden der ersten Transporte wurden nach Lodz "umgesiedelt" - was das bedeutete, wußte zu den Zeit noch keiner. Es war auch noch garnicht beschlossen, die gezielten Morde in Lodz bzw. Chelmo gingen erst Monate später los.
Ich finde es selbstverständlich nicht gut, wenn Leute NSDAP Mitglieder wurden .... Aber ich würde manchem zugestehen, das nicht aus Überzeugung getan zu haben.
Bzw. zu einer Zeit, als noch in keiner Weise absehbar war, was passieren würde. Hitlers Judenhetze wurde ja nicht mal von den Betroffenen Anfang der dreißíger Jahre ernstgenommen.
Wer zur Waffen-SS ging, wußte aber schon, was er tat. Und wer das noch 1945 tat, als kaum noch einer hinter den Nazis stand .....
Und ein 17jähriger ist für mich kein Kind mehr.
Wen das Thema interressiert, dem sei das letzte Buch von Peter Longerich ans Herz gelegt.Geändert von Inaktiver User (07.04.2012 um 16:19 Uhr) Grund: Ergänzung
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07.04.2012, 16:25
AW: Günter Grass sorgt mit Israel-Gedicht für Empörung
Auch wenn ich den Kerngedanken deiner Postings hier im Strang zustimme, stimmt die Sache mit der Waffen-SS mglw. nicht; also inwiefern da ausschließlich Freiwillige gelandet sind.
Bei Wikipedia ist folgendes unter dem Eintrag Günter Grass zu lesen:
Im November 2007 ließ Grass durch seinen Anwalt eine Unterlassungsklage gegen die Verlagsgruppe Random House, zu der der Goldmann Verlag gehört, einlegen. Mit dieser Klage ging Grass dagegen vor, dass in einer aktualisierten, bei Goldmann erschienenen Fassung der Grass-Biografie von Michael Jürgs die Behauptung aufgestellt wurde, Grass habe sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet.[51] Zu einer Gerichtsverhandlung kam es nicht, Grass und Random House einigten sich jedoch auf einen Vergleich, wonach sich Jürgs verpflichtete, den strittigen Passus in einer Neuauflage dahingehend zu ändern, dass Grass in seiner Autobiographie geschrieben habe, als Siebzehnjähriger zur Waffen-SS-Division „Frundsberg“ eingezogen worden zu sein.[52] Dies entsprach auch der Darstellung von Robert Schindel, wonach Grass – nachdem er sich freiwillig zur U-Boot-Truppe gemeldet hatte und dort nicht genommen worden war – zur Waffen-SS rekrutiert wurde.[40]
Fakt ist jedenfalls: Grass diente dort von Mitte Februar 1945 bis April 1945 (Verwundung). Fakt ist offenbar aber auch: kurz zuvor hatte er sich FREIWILLIG zur U-Boot-Truppe gemeldet; und die galten ja auch als was besonderes.
Ich würde also schon sagen: G. Grass hatte als 17-jähriger offensichtlich den Drang, einer 'besonderen' Waffengattung anzugehören, und das zu einem Zeitpunkt, wo praktisch allen klar war, dass der Krieg 'verloren' ist - bis eben auf die ganz fanatischen und Hitler-gläubigen, der ihnen noch eine Wende und/oder die ultimative Geheimwaffe versprochen hat.
Aber auch das werfe ich dann Grass nicht vor, sondern da hätte er in der Tat mit dieser persönlichen Vergangenheit besser den Mund gehalten.
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07.04.2012, 16:33
AW: Günter Grass sorgt mit Israel-Gedicht für Empörung
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07.04.2012, 16:33
AW: Günter Grass sorgt mit Israel-Gedicht für Empörung
Gruß dingsda
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Der bedeutendste Mensch ist immer der, der Dir gegenübersteht.
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07.04.2012, 16:39Inaktiver User
AW: Günter Grass sorgt mit Israel-Gedicht für Empörung
Diese Art Polemik schätze ich ganz besonders. Es geht um den 17-jährigen Grass, der zur Waffen-SS rekrutiert wurde. Plötzlich werden 13-jährige Kindersoldaten, die mich abknallen könnten, in die Runde geworfen.

Als Grass 17 Jahre alt war, 1945 also, wurde man erst mit 21 Jahren volljährig. Aber davon abgesehen: Wer behauptet, 17-Jährige wissen, was sie tun, der lebt abseits jeglicher Realität. Wenn du in deiner Umgebung keinen Kontakt mit Teenagern hast, dann schau dich doch mal in einem der zahlreichen Erziehungsforen um.
Vielleicht auch das.
Und deshalb dürfen Menschen, die in der NS-Zeit sozialisiert wurden (das ist eine ganze Generation!), keine kritische Meinung zu Israels Atompolitik äußern? Wo sind wir denn?!
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07.04.2012, 16:49
AW: Günter Grass sorgt mit Israel-Gedicht für Empörung
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07.04.2012, 16:58
AW: Günter Grass sorgt mit Israel-Gedicht für Empörung
Geändert von Dani (07.04.2012 um 17:01 Uhr)
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07.04.2012, 16:59
AW: Günter Grass sorgt mit Israel-Gedicht für Empörung
Nöö. Aber wer erst Jahrzehnte schweigt, wo er mitgemacht hat und dann sowas ablässt, muss sich nicht wundern, wenn er kritisiert wird.
Und eines is mal ganz sicher: wäre der Weltöffentlichkeit bekannt gewesen, dass Grass, wenn auch nur für kurze Zeit und unter welchen Umständen auch immer, Angehöriger der Waffen-SS gewesen war, dann hätte er nie und nimmer den Nobelpreis für Literatur bekommen.
Das weiß auch Grass selbst und das hat er immer gewusst.
Ja, irgendwie sich gegen Krieg wo auch immer und gegen wen auszusprechen, bringt ja nichts; so hat das in der Geschichte der Menschheit noch niemals funktioniert.
Auch Gandhi hat nicht irgendwie und gegen alle oder niemand mit seinem zivilen Ungehorsam protestiert, sondern ganz klar die britischen Besatzer im Auge gehabt.
Nur wenn der potentielle Aggressor benannt wird, trägt es was zur guten Sache bei. Tut man das nicht, spielt man dem Aggressor letztlich nur in die Hände, selbst wenn man das gar nicht will.
Und wer der Aggressor im nahen Osten ist und wer nicht, das ist ja sonnenklar. Bspw. der Iran, bzw. seine führenden Kräfte, will Israel von der Landkarte tilgen und nicht umgekehrt!
VanDyckGeändert von VanDyck (07.04.2012 um 17:03 Uhr)
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