Für meine minderjährigen Kinder? Natürlich entscheide ich das.
Das habe ich auch gelesen. Einfach mal *initiative kao* googlen, da kann man die Berichte der Eltern lesen. Seitdem habe ich keinen Organspendeausweis mehr (den ich bis dahin über 20 Jahre lang hatte).
Bei mir auch nicht. Ich denke, ich würde kein fremdes Organ haben wollen. Wir müssen alle sterben, der eine früher, der andere später. Warum kann das nicht einfach so hingenommen werden?
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03.03.2012, 20:25
AW: Organspenden - Recht und Moral
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03.03.2012, 20:34
AW: Organspenden - Recht und Moral
Schön, dass Du den Artíkel nennst.
Tatsächlich haben auch schon manche der schwer hirngeschädigten Patienten nach dem Abschalten der Geräte begonnen, spontan zu atmen. Allerdings ist das eher selten. Und dann geht´s ja erst lo mit dem Horror!
Nun weiß ich definitiv für mich selbst, dass ich lieber rechtzeitig in den OP gefahren werden möchte, damit meine Organe entnommen werden können. Dann bin ich definitiv tot. Wenn aber nach dem Abschalten tatsächlich die Spontanatmung einsetzt, der Hirnschden jedoch bestenfalls ein Wachkoma zulässt aber kein selbstbestimmtes Leben, dann bin ich eine Art lebender Leichnam, der gewendet und gewaschen wird. Noch schlimmer, wenn ich vielleicht noch irgendetwas spüre und meinen Zustand mitbekomme. Dann bleibt nur, auf die früher oder später sicher kommende Lungenentzündung zu hoffen.
Wie gesagt: Ich weiß für mich definitiv, was ich möchte. Hätte ich noch Angehörige, würde ich sie wieder und wieder bitten, ihren Willen in einer Patientenverfügung zu dokumentieren. Läge keine vor, würde ich in oben genannter Situation pro Organspende entscheiden.Thank you for observing all safety precautions.
(aus Dark Star von John Carpenter)
Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
sonst normale Userin
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03.03.2012, 20:38Inaktiver User
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03.03.2012, 20:41Inaktiver User
AW: Organspenden - Recht und Moral
Ganz genau. Ich würde wohl auch bei anderen Erkrankungen nicht alles medizinisch nur mögliche ausschöpfen wollen. Aber im Unterschied zur Organspende tangiere ich eben nicht andere Personen damit.
Wie man gut damit leben kann, das Organ eines Toten in sich zu tragen kann ich mir schwer vorstellen. Ich finde das einen Alptraum. Aber so geht es mir auch bei vielen Dingen in Sachen Reproduktionsmedizin. Nach Jahren aufgetaute und eingepflanzte Embryonen zum Beispiel.
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03.03.2012, 21:36
AW: Organspenden - Recht und Moral
So ist es. Und das dürfte auch der Grund sein, warum niemand das Thema Organspende ansprach, bevor deine Mutter starb, Jofi. Alten Menschen würde man keine Organe mehr entnehmen. Eine offizielle Altersgrenze gibt es nicht, aber das postoperative Risiko steigt für den Empfänger natürlich an, in je schlechterem Zustand das Spenderorgan bei Tranplantation ist.
Der Personenkreis, der für eine Spende in Frage kommt, ist sehr begrenzt, siehe das, was katelbach schreibt.
Ich finde das einen wichtigen Aspekt. Die Transplantationsmedizin löst ein paar Probeme, verursacht aber auch wieder neue.
In der Transplantationsmedizin wird eine Menge Geld verdient. Allein die sogenannte Evaluation (medizinischer Rundumcheck der als Organempfänger geplanten Patienten) wird von den Kassen sehr gut entlohnt, weshalb manchmal auch Patienten in den "Genuss" dieser Maßnahme kommen, die schon viel zu krank sind, als dass sie guten Gewissens noch als transplantabel eingestuft werden könnten (womit die Zahl auf den Wartelisten erhöht wird, der damit verbundene politische Effekt ist durchaus erwünscht).
Ich bin selbst zutiefst gespalten in der Frage, ob ich mich als Spenderin zur Verfügung stellen möchte, obwohl (oder vielleicht auch gerade weil) ich beruflich mit Patienten vor und nach Transplantation zu tun habe und man eigentlich meinen sollte, dass ich mir da eine dezidierte Meinung bilden kann.
Ich habe Menschen kennengelernt, denen durch eine Transplantation ein neues Leben geschenkt wurde, da sage ich: das ist eine tolle Sache, warum überlege ich überhaupt noch?
Und dann gibt es diejenigen, die schwerstkrank monatelang im KH verbracht haben, permanent wechselnd zwischen Intensiv- und Normalstation, dann schließlich transplantiert wurden, die OP nur knapp oder gar nicht überlebt haben. Was auch oft nicht bedacht wird: Transplantierte sind weiterhin chronisch krank. Sie müssen lebenslang Medikamente nehmen, die oft verheerenden Nebenwirkungen haben, sie sind lebenslang immunsupprimiert, jeder kleine Infekt kann für sie lebensbedrohlich sein (ähnlich wie bei HIV-Positiven). Der Mensch ist eben doch kein Auto.
Gut, auch da könnte man sagen: Es war wenigstens einen Versuch wert. (Und doch kommt mir da manchmal die Frage: wo ist da die Grenze? Solch ein Patient kann den Krankenkassen mit allen Vorbereitungs-, Operations- und Folgekosten Kosten in Millionenhöhe verursachen. Wären diese Gelder vielleicht an andere Stelle sinnvoller verwendet? - Nur mal als vorsichtige Frage formuliert.)
Und dann die Fälle, die ich als fragwürdig einstufen würde. Z.B. die Lebertransplantation bei einem Menschen mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung (à la Steve Jobs). Oder die an den Alkoholiker, der zum Zeitpunkt der Transplantation noch nicht lange trocken war und seine neue Leber munter weiter begießt. Oder ein Fall, von dem ich weiß, in dem das passiert ist, was in dem von jofi hier verlinkten Interview als Gefahr erkannt wird:
Man muss darauf achten, dass Menschen nicht von ihren Familien gezwungen werden zu spenden. Von Ländern wie Afghanistan oder Pakistan ist beispielsweise bekannt, dass dort praktisch nur Lebendspenden gemacht werden, weil das Hirntodkriterium nicht anerkannt wird. Allerdings werden in der Regel Frauen gezwungen, für männliche Familienangehörige zu spenden. Zum Beispiel Frauen, die noch nicht verheiratet sind, die nicht zu verheiraten sind oder auch Witwen – also Frauen, die in diesen Ländern keinen gesellschaftlichen Wert darstellen. Den umgekehrten Fall, also eine Lebendspende von Mann zu Frau, gibt es hingegen so gut wie nie. Lebendspenden können also höchst problematisch sein.
Und um an dieser Stelle auf dein Anliegen zurückzukommen, Blairwitch: Wenn es schon bei Lebendspenden innerhalb einer Familie schwierig ist, einwandfrei festzustellen, dass die Spende freiwillig und nicht auf moralischen (oder sogar ökonomischen) Druck hin passiert (der von mir oben erwähnte Fall hing durch die klinikinterne Ethikkommission!) - wie willst du das bei Menschen, die sich nicht nahe stehen, sicherstellen? Dazu schreibst du leider überhaupt nichts.Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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03.03.2012, 21:47
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03.03.2012, 21:48
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03.03.2012, 21:52Inaktiver User
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03.03.2012, 21:59Inaktiver User
AW: Organspenden - Recht und Moral
Auch nicht, analuisa hat es ja ausführlich beschrieben.
Ich wiederhole mich, ich finde es wirklich propagandamäßig, was derzeit in Sachen Transplantationsmedizin geschieht.
Es wird dir eben nicht - wie beim Auto - einfach ein neuer Motor eingesetzt und weiter geht's - das wird aber immer suggeriert. Als ob man einfach ein Ersatzteil beim einen ausbaut, dem anderen einbaut und alles ist bestens.
Und das stell ich eben in Frage.
Ich weiß auch nicht, analuisa hat es angesprochen, ob es vertretbar ist für einen einzigen Menschen, den man dadurch nicht gesund machen kann, derart viel Geld auszugeben - während man gleichzeitig vielen anderen viel kleinere Maßnahmen verweigert.
Auch da kann man doch überlegen, welche Interessen dahinterstehen, und ob es wirklich immer der Mensch und seine Gesundheit sind oder nicht vielmehr ganz handfeste finanzielle Aspekte, und/oder ein durch keine ethischen Grenzen gehinderter Forschungsgeist.
Ich glaube nicht, dass alles was getan werden kann auch getan werden soll oder darf.
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03.03.2012, 22:13Inaktiver User
AW: Organspenden - Recht und Moral
Doch, der Körper ist nichts anderes als eine komplizierte Maschine, die aber in erster Linie durch einen Energieumwandlungsprozess (wie eben im Auto) in Funktion gehalten wird. Nun ist vieles andere, das nötig ist, um aus dem puren, physischen Handlungs- und Bewegungsprozess einen Menschen werden zu lassen, auch an oder in diesem Körper untergebracht, aber eben als eigene Systeme, die einander bedingen.
Gerade das System "Hirn" bräuchte den menschlichen Körper, so wie wir ihn kennen, am wenigsten von allen Systemen die noch dort untergebracht sind.



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