Das ist wieder der alte Streit: an wem liegt es, dass das Gesundheitssystem sich zu einer Kostenlawine entwickelt hat - an den Ärzten, den Krankenhäusern, der Pharmaindustrie, den Krankenkassen, den Patienten .. ?
Die Antwort der PKV ist klar; was wäre naheliegender als die Schuld an der Kostenexplosion im Gesundheitswesen der Konkurrenz, den GKV, anzulasten.
Aber die GKV tragen Risiken, die die PKV wohlweislich ablehnen.
Auch sonst ist die Schuldzuweisung leider nicht so einfach. So zahlt Deutschland zum Beispiel die höchsten Pharmapreise in ganz Europa, was aber nach Meinung der Politik so bleiben soll, da die Pharmaindustrie in Deutschland ein nicht ganz unwichtiger Wirtschaftszweig ist.
Die Ärzte und Kliniken wiederum bessern ihre Einkünfte dadurch auf, dass sie eine Vielzahl unnötiger Untersuchungen und Maßnahmen durchführen - mittels teurer Geräte, versteht sich.
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11.01.2012, 10:05Inaktiver User
AW: Flucht aus der privaten Krankenversicherung
Geändert von Inaktiver User (11.01.2012 um 13:04 Uhr) Grund: gekürzt
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11.01.2012, 10:19Inaktiver User
AW: Flucht aus der privaten Krankenversicherung
Es ist schwierig für 80 Millionen Versicherte das eine vom anderen zu unterscheiden. Beim einen ist z.B. die Physiotherapie essentiell wichtig, beim nächsten ein billiges Vergnügen und bei einem Dritten der hilflose Versuch zu retten, was nicht zu retten ist.
Das ist allerdings ein Problem. Das stimmt. Und diesen Leuten hilft es auch nichts ihre Kosten von der Steuer absetzen zu können.Ich konnte mir damals die Therapien leisten ... ein Geringverdiener sicherlich nicht. Und wenn man sich heutzutage das Lohnniveau von Geringverdienern in Deutschland betrachtet, dürften diese sich nichtmal mehr die Selbsbeteiligung beim Hausarzt leisten können.
Aber schau dir die andere Seite an:
Den freiwillig in der GKV Versicherten zieht man bereits heute mehr als 500 Euro pro Monat vom Gehaltszettel ab. Inklusive Arbeitgeberbeitrag zahlt ein freiwillig Versicherter also schon heute mehr als 1.000 Euro pro Monat! Außerdem trägt er Zahnbehandlungen zur Hälfte selber und zahlt für jedes Medikament.
Und wir reden hier nicht von Superreichen, die im Geld schwimmen, sondern von Mittelschicht, d.h. von Ingenieuren, Betriebswirten, Fachleuten diverser Branchen sowie Gruppenleitern.
Da fragt man sich, wo es hin führen soll, wenn die Bemessungsgrenze wegfällt und obendrein die Bemessungsgrundlage erweitert wird - ohne dass irgend welche Maßnahmen ergriffen werden, die das System wirksamer als bisher kontrollieren.Geändert von Inaktiver User (11.01.2012 um 10:51 Uhr)
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11.01.2012, 10:47
AW: Flucht aus der privaten Krankenversicherung
Es gibt eine ziemlich übersichtliche Grafik über die Ausgabenposten der GKV.
http://www.sozialpolitik-aktuell.de/...en/abbVI25.pdf
Danach ist der größte Posten der Ausgaben Krankenhausbehandlung, dicht gefolgt von Medikamenten und Honoraren für Ärzte.
Mit dem jetzt wieder angedrohten Streik der Klinikärzte (Marburger Bund) werden dort die Kosten weiter ansteigen oder die Mehrkosten von der Pflege abgezogen.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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11.01.2012, 11:31Inaktiver User
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11.01.2012, 11:44Inaktiver User
AW: Flucht aus der privaten Krankenversicherung
Ja - aber wer 4000 € brutto verdient, kommt netto vielleicht auf 2100.
Wer 1500 brutto verdient, auf 1200.
Die Abzüge sind gerade bei den nur halbwegs hohen Einkommensklassen brutal.
Und es wäre natürlich eine Bestrafung, diers bei den Krankenkassenbeträgen endlos fortzusetzen.
Das ist in meinen Augen typische deutsche Gleichmacherei .... Am besten kürzt man den, der studiert hat und 12 h am Tag im anspruchsvollen Job arbeitet, soweit runter, daß er netto soviel hat, wie ein ungelernter Arbeiter - dann sind alle glücklich im Germanenland.
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11.01.2012, 12:03
AW: Flucht aus der privaten Krankenversicherung
Die Mehrzahl von Anekdote ist nicht Statistik. Aber wo wir dabei sind:
Was ich im Laufe der Zeit an verschleppten Krankheiten und unangemessener Selbstmedikation gesehen habe, weil kein Geld für die Praxisgebühr, geschweige denn für Medikamente da war (mal ganz von dem Risiko abgesehen, daß der Arzt einen krankschreiben könnte und man dann den Job los ist) -- da entsteht ein Maß an Elend, das ich in meiner Umgebung einfach nicht haben möchte. Und da mir das Kleingeld fehlt, in ein ummauertes Reichenghetto zu ziehen, bin ich entsprechend für Progression oder zumindest Linearität der Beiträge, und gegen Selbstbeteiligung.
(Außerdem, als Schreibtischarbeiterin, die sich wegen einer kaputten Schulter in den Mantel helfen lassen muß und Ibus zum Einschlafen nimmt -- die Grenze zwischen "Wellness" und Arbeitsfähigkeit ist fliessend.)Geändert von wildwusel (11.01.2012 um 12:10 Uhr)
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11.01.2012, 12:10
AW: Flucht aus der privaten Krankenversicherung
Technischer Fortschritt. Früher sind die Leute preiswert jung gestorben. Die gestiegene Lebenserwartung und bessere Gesundheit bis ins hohe Alter gibt es eben nicht für lau. Nur, je mehr Geld man nach einem Problem wirft, desto bessere technische Lösungen kriegt man dafür. Man kann also unendlich viel Geld in technischen Lösungen versenken...
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11.01.2012, 12:12Inaktiver User
AW: Flucht aus der privaten Krankenversicherung
Die unangemessene Selbstmedikation kostet doch auch einiges. Wenn man stattdessen gleich zum Arzt geht, passt es finanziell wieder.
Jetzt kommen wir der Wahrheit schon näher. Wobei es völlig egal ist, wie die KK-Beiträge erhoben werden, wenn man Angst hat, aus Krankheit seinen Job zu verlieren (und je größer die Angst, desto größer die Verschleppung, desto sicherer der Jobverlust).
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11.01.2012, 12:16Inaktiver User
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11.01.2012, 12:24Inaktiver User
AW: Flucht aus der privaten Krankenversicherung
Das ist die eine Seite der Medaille - die andere sind Leute, die sich wegen einem quersitzenden Pups eine Darmspiegelung - und bei Kopfschmerzen ein CT machen lassen.
Gutes Beispiel, habe ich nämlich auch. Nur lasse ich eben nicht zig Therapien machen, sondern versuche(Außerdem, als Schreibtischarbeiterin, die sich wegen einer kaputten Schulter in den Mantel helfen lassen muß und Ibus zum Einschlafen nimmt
a. ergonomischer zu arbeiten, indem ich z.B. die Maus weitgehend weg lasse und
b. im Fitnessstudio gezielt Übungen zu machen, um die betroffenen Muskelgruppen zu stärken



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