Ich bin eigentlich kein Anhänger von Verschwörungstheorien.
Dennoch mache ich mir gerade Gedanken, wie das eigentlich so läuft auf Bundes- oder auch EU-Ebene.
Nach der Finanzkrise von 2007-2008 hat, soweit ich das überblicken kann, eine wirklich Regulierung des Finanzsektors nicht statt gefunden, trotz aller Klagen über undurchsichtige, verschachtelte Finanzprodukte, falsche Beratung von Kleinanlegern, undurchsichtige Inter-Banken-Kredite etc.
Seit etwa Frühjahr 2010 ist von der Euro-Krise die Rede, immer größere Rettungsfonds werden aufgelegt, es ist aber keinerlei Besserung in Sicht.
Mehrstellige Milliardendefizite in den Haushalten werden im Zweifel dem Steuerzahler zur Last gelegt und Versuche gemacht, durch Einschnitte ins soziale Netz, im Vergleich vermutlich Kleinbeträge einzusparen - in Griechenland war zuletzt davon die Rede, Mindestlöhne von 750 auf 550 Euro(!) zu kürzen.
Trotz einer gewissen Unruhe lassen sich die Bevölkerungen diese Politik weiter verkaufen, zuletzt wurde hier über angeblich supererfreuliche Arbeitsmarktdaten gejubelt.
Obwohl immer größere Anteile von sozialem Abstieg und nicht zuletzt Altersarmut bedroht sind, werden im Zweifel in der Krise meist konservative/neoliberale Parteien gewählt.
Ich frage mich derzeit: in welchen Kreisen wird eine solche Poltik und vor allem Politikverkaufe eigentlich genau ausgeheckt?
Wo sind die Schnittstellen zwischen Politik und Wirtschaft?
Gibt es irgendwelche Zirkel, Konferenzen, die eher nicht öffentlich sein wollen?
Wie funktioniert die Lobbyarbeit der Neoliberalen?
lg lenita
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Ergebnis 1 bis 10 von 18
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08.01.2012, 14:38
Think Tanks, Politikberater etc.
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08.01.2012, 15:02Inaktiver User
AW: Think Tanks, Politikberater etc.
das würde mich auch brennend interessieren.
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08.01.2012, 15:49Inaktiver User
AW: Think Tanks, Politikberater etc.
Die Lobbyarbeit der Neoliberalen wurde stark forciert - und wird es immer noch mehr denn je - ab dem Jahre 2000, soweit sie nicht bereits mehr im Untergrund gemacht wurde, nach Gründung der INSM
-> Wikipedia :
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ist eine im Jahr 2000 vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall gegründete sowie von weiteren Wirtschaftsverbänden und Unternehmen getragene Denkfabrik. Nach ihrer Eigenaussage verfolgt sie das Ziel, ihre ordnungspolitischen Botschaften bei Entscheidern und in der Bevölkerung zu verankern. Dies erfolgt durch Öffentlichkeitsarbeit.
Kaum einer vermutet dahinter Meinungsmanipulation !
Die Aktivitäten und die Lobbyarbeit der INSM für ihre Initiatoren erstrecken sich weitreichend in den Medien, nehmen Einfluß bei politische Diskussionen (Anne Will, Plasberg uva.), und in den Printmedien. Sie sollen ganz gezielte Meinungsbildung erreichen. Dieses Ziel haben sie zu 80-90% (nach meiner Meinung) erreicht.
Es bedeutet gleichzeitig in diesem Fall Meinungsmanipulation.
Dies zu vielen Themen, ob es Hartz IV ist (Unterschicht
) oder viele andere Themen die sie beeinflußt hat und immer noch beeinflußt.
Gleichzeitig spielt sie die verschiedenen Bevölkerungsschichten gegeneinander aus.
Die Sponsoren/Initiatoren der INSM wollen damit erreichen daß die Politik gemacht wird die ihnen zum Vorteil gereicht, ausgeführt von den Parteien die an der Macht sind oder waren...
Damit wird gleichzeitig forciert daß die Parteien an die Macht kommen die dies ermöglichen. Das haben wir.
Gleichzeitig müssen im Gegensatz zu Parteispenden über 50000/pro Einzelspende diese Spenden keiner Partei zugeordnet werden, erreichen aber dasselbe, also das puschen von bestimmten Parteien. Die INSM mit einem Riesenetat hat bedeutend mehr Möglichkeiten - gezielt "Fachleute" und "Experten" in den div. Medien zu Wort kommen zu lassen, ohne daß die Zuschauer und Leser wissen daß diese lediglich Lobbyarbeit machen, so z.B. Raffelhüschen für die Versicherungswirtschaft aber auch viele viele mehr!
Diese "Experten" lassen es für den nicht Informierten Zuschauer und Leser so aussehen als ob es unabhängige Fachleute wären, weshalb diesen auch weitgehend geglaubt wird.
Welch weitreichender Effekt durch die INSM erzielt wird ist kaum einem bewusst, zumal sie nur ein kleiner Teil der Bevölkerung bisher überhaupt wahrgenommen hat und damit auch nicht weiß als was sie fungieren.
http://www.boeckler.de/pdf/fof_insm_studie_09_2004.pdfGeändert von Inaktiver User (08.01.2012 um 15:57 Uhr)
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09.01.2012, 08:47
AW: Think Tanks, Politikberater etc.
Guuuut, dass Du vorausschickst ......
Nützt aber nix: alle Kritik, jedes Misstrauen hat zwei Gründe: entweder Neid oder Paranoia oder als Drittes vielleicht noch eine destruktive Lust am Aufmischen, der Aggression ...
Und man muss U-N-B-E-D-I-N-G-T vermeiden, dass einem das eine oder andere unterstellt werden könnte.
Das ist oberste Bürgerpflicht!
.....
Eigentlich kann man es sich ja denken .....
Aber irgendwie will man den Gedanken nicht in seiner ganzen Schärfe zulassen.
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09.01.2012, 09:25Inaktiver User
AW: Think Tanks, Politikberater etc.
Die Bundesregierung hat bereits auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm 2007 (!!!) von einer Finanzmarktregulierung gesprochen, aber sowohl Britannien als auch USA waren strikt dagegen und sind es bis heute.
Nun sind aber die meisten europäischen Politiker, trotz zunehmende Einsicht in die Notwendigkeit einer Finanzmarktregulierung, der Auffassung, dass es herzlich wenig bringt, wenn man einen Zaun punktuell verstärkt, während drei Meter weiter ganze Latten fehlen.
Britannien kommt in Europa hierbei eine Schlüsselrolle zu:
Die Wirtschaft kränkelt seit etlichen Jahren. Das Land lebt von Dienstleistungen und Binnenwirtschaft, hat kaum noch wettbewerbsfähige Industrie. Die Finanzindustrie ist das einzige, was wirklich floriert.
Daher legt Britannien nicht den geringsten Wert darauf diese Branche nach New York oder Singapur abwandern zu sehen. - Deshalb, und natürlich auch wegen der entsprechenden Lobbyarbeit - wehrt es sich mit Händen und Füßen gegen eine bessere Finanzmarktregulierung sowie gegen die europaweite Einführung einer Finanztransaktionssteuer.
Die Ursachen dieses Umstands werden leider sehr kontrovers diskutiert: während die einen finden, dass auch der größte Rettungsfonds nichts brächte, sind die anderen der Meinung, dass die Krise längst vorbei wäre, wenn man die beschlossenen Maßnahmen früh und entschlossen genug ergriffen hätte. Dass man das nicht getan hat, dafür gibt es wiederum sehr gute Gründe.Seit etwa Frühjahr 2010 ist von der Euro-Krise die Rede, immer größere Rettungsfonds werden aufgelegt, es ist aber keinerlei Besserung in Sicht.
Das Mitleid mit den Griechen hält sich sehr in Grenzen.Mehrstellige Milliardendefizite in den Haushalten werden im Zweifel dem Steuerzahler zur Last gelegt und Versuche gemacht, durch Einschnitte ins soziale Netz, im Vergleich vermutlich Kleinbeträge einzusparen - in Griechenland war zuletzt davon die Rede, Mindestlöhne von 750 auf 550 Euro(!) zu kürzen.
Denn inzwischen wissen wir, was dieses Land für einen Saustall in Politik und Verwaltung hat, wie niedrig die Steuermoral der Griechen ist (und zwar aller Griechen), wie sehr die Korruption in diesem Land grassiert und wie sehr sich das Land auf den Zinsvorteilen des Euro ausgeruht hat.
Politiker, Gewerkschaften und Öffentlichkeit haben sich lange gegen jeden Versuch gewehrt Reformen einzuführen, die die Verwaltung effektiver, die Investitionen der Wirtschaft attraktiver, die Finanzkassen voller und den Arbeitsmarkt wettbewerbsfähiger machen würden. Und bis heute bleibt die diesbezügliche Einsicht sehr begrenzt.
Lobbyarbeit diverser Interessensgruppen - von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, Industrien und Branchenverbänden bis hin zu Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden - gehört nun mal zur Politik der gesamten westlichen Welt. Das liegt vor allem daran, dass die Abgeordneten keine Spezialisten in Finanz-, Umwelt-, technischen und sonstigen Fragen sind, also auf Experten angewiesen sind.Ich frage mich derzeit: in welchen Kreisen wird eine solche Poltik und vor allem Politikverkaufe eigentlich genau ausgeheckt?
Wo sind die Schnittstellen zwischen Politik und Wirtschaft?
Und wer sind diese Experten, woher kommen sie? Genau: das sind die Lobbyisten, geschickt von den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verbänden, die sowohl das notwendige fachliche Wissen als auch ein ausgeprägtes Eigeninteresse mitbringen.
Hierbei bestimmt, wie überall, das Geld den Einfluss: je mehr Geld in der Kriegskasse liegt, je mehr Geld auf dem Spiel steht - desto höher der Lobbyaufwand, d.h. desto mehr angesehene Experten bzw. Lobbyisten bearbeiten die Abgeordneten mit Studien und Argumenten und Konzepten und vorformulierten Gesetzesentwürfen, die ihren jeweiligen Interessen dienen.
Lobbyismus ist ein Problem, und zwar deshalb, weil man darauf so schwer verzichten kann. Die Politik sieht sich außerstande ohne Experten zu entscheiden - aber die Experten (oder deren Geldgeber im Hintergrund) sind meist genau die Frösche, deren Sumpf man trockenlegen will.
Aus alledem ergibt sich, dass es eigentlich gar keiner Verschwörungen bedarf, um die diversen Probleme zu erklären.Geändert von Inaktiver User (09.01.2012 um 11:27 Uhr)
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09.01.2012, 09:50
AW: Think Tanks, Politikberater etc.
Das erklärt noch nicht, wo Politik gedacht wird.
Auf den Parteitagen eher nicht.
In Wirtschaftskreisen? Wird da gedacht und dann mit regierenden Politikern gesprochen?
Ist die Politik die Maus, die vor der Wirtschaft- und FinanzSchlange läuft und sind alle sogenannten Entscheidungen eher Reaktionen auf Entwicklungen des globalen Finanzsystems? Hinkt die Regierung eines jeden Landes eher den Gegebenheiten hinterher?
Wird da gar nicht soviel gedacht als vielmehr auf Gipfeln hektisch versucht, irgendwie eine Stellschraube zu finden, die dann so tut, als wäre es eine durchdachte politische Entscheidung?
Ist Politik nicht nationale Entscheidung, in den wichtigen Dingen, von solchen Mätzchen wie "Herdprämie" mal angesehen, als vielmehr Minimalkonsens der beteiligten Regierungen in den jeweiligen Fragen?Körperlich Distanz
Sozial zusammen
You'd have to be here
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Kari Bremnes
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09.01.2012, 10:02Inaktiver User
AW: Think Tanks, Politikberater etc.
Ich dachte, das sei klar.
Politik ist nichts weiter als Interessensvertretung, oder genauer:
Interessensvertretung + Einfluss = Politik.
Und wer hat Interessen? Jeder. Jeder seine eigenen.
Die Politiker, die Finanzmarkt-Experten, die Gewerkschaften, die Industrieverbände, die Kirchen, die Sozialverbände, etc. pp.
Der Einfluss dieser Interessensgruppen resultiert zu einem großen Teil aus dem zur Geltendmachung von Interessen zur Verfügung stehenden Geld.
Und jedes Land hat einen eigenen Cocktail aus Interessen und Interessensvertretungen.
Da in Europa aber alle Länder mitzureden haben, haben wir hier ein dichtes und beinahe unüberschaubares Geflecht aus parallelen und gegensätzlichen Interessen.
Wo gedacht wird? Ich nehme an: überall.
Jedenfalls nicht nur in der Bricom; darauf kannst du Gift nehmen.Geändert von Inaktiver User (09.01.2012 um 11:30 Uhr)
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09.01.2012, 10:25
AW: Think Tanks, Politikberater etc.
Und warum ist Bayern München eigentlich so oft Meister?
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09.01.2012, 11:10
AW: Think Tanks, Politikberater etc.
Dort hoffentlich auch, mehr aber in den sog. Klausurtagungen der Parteien.
Auf Parteitagen wird eher die Gemeinschaft und die Linie nach außen beschworen. Der große Stammtisch mit Programmansage.^^
Folgt alles dem gleichen Muster; und wie man sogar auf Parteitagen "hektisch" auf neue Gegebenheiten eingehen muss (bis auf Rösler), so auch auf Gipfeln. Sondergipfel werden extra dazu einberufen.Wird da gar nicht soviel gedacht als vielmehr auf Gipfeln hektisch versucht, irgendwie eine Stellschraube zu finden, die dann so tut, als wäre es eine durchdachte politische Entscheidung?
Manche deiner Fragen sind schon Antworten.Ist Politik nicht nationale Entscheidung, in den wichtigen Dingen, von solchen Mätzchen wie "Herdprämie" mal angesehen, als vielmehr Minimalkonsens der beteiligten Regierungen in den jeweiligen Fragen?
Ich auch.
Die Verfassung setzt den Rahmen, die Gegenwart gestaltet in unzähligen Ausschüssen und Sitzungen nach Erfordernissen, und die Zukunft wirft alles wieder um, wenn unfähige PolitikerInnen am Werk sind.
Weil dieser Club die meiste Knete hat und dementsprechend "einkaufen" kann.*
Der Adler fängt keine Mücken.
'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit
Deutsche Tugenden: „Pünktlich wie die Deutsche Bahn, ehrlich wie die Deutsche Bank und sauber wie VW.“
Arnulf Rating
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09.01.2012, 11:58
AW: Think Tanks, Politikberater etc.
Ja, das ist meine Befürchtung: wenn der Vorsprung zu gross ist, ist er einfach nicht mehr einzuholen. Egal wieviel woanders gedacht wird ....
Zitat von balalala
Dem FC Looser bleibt die Poesie ...


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