Ist aber schon ein Unterschied ob man die weiche Droge Cannabis legalisiert
und dadurch der damit einhergehenden Kriminalität den Nährboden entzieht
oder den Waffenhandel legalisiert und dadurch Mord und Totschlag fördert.
Mit Cannabis werden keine Menschen getötet - mit Waffen schon.
Es kommt schon auch darauf an, um welches Produkt es sich handelt
das man legalisieren will.
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Ergebnis 11 bis 16 von 16
Thema: Drogen legalisieren?
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07.12.2011, 16:43
AW: Drogen legalisieren?
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08.12.2011, 08:47
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08.12.2011, 11:20
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08.12.2011, 22:51
AW: Drogen legalisieren?
Vorweg: ich befürworte nach dem jetzigen Stand meiner Überlegungen eine generelle Freigabe von Drogen (gleich welchen Härte- bzw. Weichgrads), aber nicht weil ich Drogenkonsum befürworte, sondern weil ich glaube, dass die bisherige weltweite Prohibitionspolitik gescheitert ist und gravierende nicht akzeptable Folgen hat.
Natürlich gibt es Ähnlichkeiten zwischen Drogenhandel und Waffenhandel, aber keine, die die gleiche Konsequenz (Freigabe) erforderte. Eine Freigabe von Waffenhandel ließe eine Eskalation von Kriminalität erwarten, eine Freigabe von Drogenhandel eher nicht.
Der Unterschied liegt darin, dass die Kriminälität des Drogenhandels eine Kriminalität "an sich" ist, eine zunächst "nur" nominelle Kriminalität, die ja erst durch das Verbot entsteht und deren kriminelle "Eigendynamik" dann Folge dieses Verbots ist.
Demgegenüber ist Waffenhandel (außerhalb staatlicher Kontrolle) nicht nur nominell ein Verbrechen, sondern von Anfang bis Ende in ein kriminelles Umfeld eingebettet. Waffenhandel dient der Kriminalität, ist die eigentliche Logistik des Verbrechens.
Dass ein bestimmtes Vorgehen in einem Fall B völlig falsch wäre, besagt nicht, dass es in einem Fall A, der eine gewisse Ähnlichkeit zu B aufweist, auch falsch wäre.
Es ist doch nicht so, dass Verbrecher durch die Gegend laufen, aufmerksam auf der Suche nach einem geeignetem Geschäftsmodell. Es ist eher so, dass sich die Geschäftsmodelle die geeigneten Akteure suchen. Das ist im Drogenhandel nicht anders als im Investmentbanking.
Ja, so ist es. In diesem Zussammenhang empfehle ich Don Winslows Tage der Toten, ein seriös recherchiertes Meisterwerk der Kriminalliteratur, das jenen Witz namens War on Drugs in epischer Breite thematisiert. Nichts für zarte Gemüter allerdings.
Nebenbei: allein der Gedanke, welche - Pardon! - üblen Arschlöcher man mit einem harmlosen Opiumpfeifchen subventionierte, wäre geeignet, mir den Spaß daran von Grund auf zu verderben...
Verbote brauchen eine Begründung, Freiheiten nicht. Ein Einschränkung von Freiheitsrechten kann nicht deshalb aufrecht erhalten werden, bloß weil sie Tradition hat. Es reicht auch nicht als Begründung für ein Verbot, dass eine Aufhebung des Verbots keine ersichtlichen Vorteile brächte.
Soweit die Theorie. Im konkreten Fall glaube ich sogar, dass die Freigabe von Drogen tatsächlich die paradoxe Folge hätte, die Nachfrage und den Konsum zu reduzieren!
Und zwar hat das damit zu tun, wie die Leute süchtig werden. Normalerweise nämlich nicht, weil sie die Entscheidung treffen, Drogen zu nehmen, so läuft das nicht. Leute werden süchtig, weil sie bei entsprechender Disposition über ihre Peer Groups funktional akquiriert werden.
Mir läuft gerade die Zeit weg. Muss das morgen weiterführen.
...praeter gallum, qui cantat.
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13.12.2011, 09:56Inaktiver User
AW: Drogen legalisieren?
Ebenso wie eine Freigabe des Waffenhandels eine Eskalation des Waffengebrauchs erwarten ließe, so ließe eine Freigabe des Drogenhandels eine Eskalation des Drogenkonsums erwarten.
Die hohe Gewaltbereitschaft in gewissen lateinamerikanischen Ländern zeigt sich aber nicht allein im Umfeld des Drogenhandels, sondern z.B. auch in Entführungen und bewaffneten Raubüberfällen. Umgekehrt erlebt der größte Teil der Welt außerhalb Lateinamerikas offensichtlich keine so extreme Gewalt im Zusammenhang mit dem Verbot von Drogen und Drogenhandel.Der Unterschied liegt darin, dass die Kriminälität des Drogenhandels eine Kriminalität "an sich" ist, eine zunächst "nur" nominelle Kriminalität, die ja erst durch das Verbot entsteht und deren kriminelle "Eigendynamik" dann Folge dieses Verbots ist. (...)
Es ist doch nicht so, dass Verbrecher durch die Gegend laufen, aufmerksam auf der Suche nach einem geeignetem Geschäftsmodell. Es ist eher so, dass sich die Geschäftsmodelle die geeigneten Akteure suchen. Das ist im Drogenhandel nicht anders als im Investmentbanking.
Die Zusammenhänge erscheinen mir daher nicht so eindeutig.
Das halte ich für eine recht gewagte Hypothese.Im konkreten Fall glaube ich sogar, dass die Freigabe von Drogen tatsächlich die paradoxe Folge hätte, die Nachfrage und den Konsum zu reduzieren!
Erstens fällt mit einer Freigabe der Drogen die Hemmschwelle für den Drogenkonsum, ebenso wie das Bewusstsein für dessen Gefahren.
Zweitens lassen sich Substanzen, die für Erwachsene erlaubt sind, von Jugendlichen weitaus schwerer fernhalten als Substanzen, die generell verboten sind.
Dies gilt erst recht im Falle einer etwaigen Preisreduzierung, weil dadurch die Drogen auch für Taschengeldempfänger leichter erreichbar sind.
Drittens wäre der Vermarktung nach Freigabe der Drogen kaum noch Grenzen gesetzt, so dass ich insgesamt glaube, dass die Zahl der Drogenkonsumenten deutlich steigen würde.
Im Zusammenhang mit dem Arzneimittelrecht wird die Freigabe von Drogen vollends absurd:
Während man jede Kopfwehtablette und jedes Mittel gegen Fußpilz klinisch testen und gemäß Arzneimittelrecht in einem geordneten Verfahren zulassen würde, könnten Mittel die sich für den Drogenmissbrauch eignen, frei im Markt kursieren. - Oder sollen wir etwa auch Designerdrogen klinisch testen und gemäß Arzneimittelrecht offiziell freigeben? - Und was ist mit Amphetaminen und Barbituraten? Sollen wir sie neben Ecstasy ebenfalls in den freien Handel lassen?
Nochmal: ich spreche mich hier ausschließlich gegen die Freigabe von harten Drogen und Designerdrogen aus, nicht jedoch gegen die Freigabe von Cannabis, das geringere Toxizität und geringeres Abhängigkeitspotenzial besitzt als Alkohol.Geändert von Inaktiver User (14.12.2011 um 12:07 Uhr)
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13.12.2011, 18:45
AW: Drogen legalisieren?
Wir sind uns komplett einig - WoW!

Warum:
So manch einer, der nie im Traum daran denken würde,
auch mal Koks, Heroin oder sonstige harten Drogen zu nehmen,
käme im Falle einer Legalisierung ins Grübeln, sie eventuell doch mal zu probieren. Er würde beim ersten Mal vielleicht feststellen, 'ist doch halb so wild' und es, weil es halb so wild ist, vielleicht ein zweites, drittes Mal probieren. Ehe er merkt, dass es doppelt so wild ist, kann es zu spät sein mit dem Rückzieher.
Macht er dasselbe mit Cannabis, wird er feststellen, 'ist doch halb so wild'.
Und im weiteren Verlauf, 'wilder wirds nicht'.
Nur wird er auch feststellen, mit der Zeit lässt wegen der Gewöhnung die Wirkung nach.
Deshalb muss jedem Erst-Cannabis-Konsumenten gesagt werden,
in diesem Fall die Dosis nicht zu erhöhen oder auf härtere Sachen umzusteigen, sondern immer wieder mal eine Pause einzulegen.
Derartige Hinweise könnte man auf die Packungen draufschreiben, ähnlich wie die Hinweise auf Zigarettenpackungen.
Im Übrigen weiß auch jeder Konsument von Alkohol
von dieser Thematik.Geändert von Streuner (13.12.2011 um 18:54 Uhr)



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