Das ist ja noch schlimmer, als ich dachte
Hierzulande gibt es fünf gesetzliche Krankenversicherungen: Eine allgemeine Gebietskrankenkasse (vergleichbar mit der AOK), eine Kasse für den öffentlichen Dienst, eine für Gewerbetreibende und Freiberufler, eine für die Bauern und eine für Eisenbahn und Bergbau.
Trotz dieser überschaubaren Menge existieren aber immer noch genügend Ungereimtheiten, beispielsweise müssen manche Kassen den Ärzten höhere Honorare zahlen als andere.
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Thema: Gleichmacherei
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19.10.2011, 11:44Inaktiver User
AW: Gleichmacherei
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19.10.2011, 12:04
AW: Gleichmacherei
Das hat lange Tradition seit der Einführung der Krankenkassenpflicht unter Bismarck. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen waren früher für alle Arbeiter die allein zugängliche. Die Angestellten hatten ihre berufsbezogene Krankenkassen (um z.B. in die Techniker KK reinzukommen, musste man nachweisen, dass man einer ist). Und große Betriebe ihre Betriebskrankenkassen. Die Handwerker ihre Innungskrankenkassen, die im Bergbau die Knappschaft, Seeleute bei der Seekasse (die letzten beiden Kassen sind inzwischen vereint).
Seit 1996 gilt die freie Krankenkassenwahl für alle.
Bei Medikamenten ist das am auffälligsten, dass so viele Krankenkassen gibt, denn jede Krankenkasse verhandelt mit den Pharmakonzernen über den Preis der gängigen Medikamente. Wenn Du auf Dauermedikamente angewiesen bist, musst Du das Medikament von der Firma nehmen, mit dem Deine Krankenkasse gerade einen Liefervertrag hat. Willst Du Dein gewohntes Medikament, musst Du oft den Differenzbetrag zum billigen Medikament selbst zahlen. Bei einigen Krankenkassen ist selbst das nicht möglich.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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19.10.2011, 12:56
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19.10.2011, 12:59Inaktiver User
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19.10.2011, 13:37
AW: Gleichmacherei
Klar, das war immer so, deshalb habe ich es auch nicht aufgeführt. Und inzwischen sind sehr viele Gutverdiener als Angestellte nach Überschreitung des Beitragsbemessungsgrenze von 49.500 Euro/Jahr 2011 in die PKV abgewandert.
Nach einem Übertritt in die PKV ist eine Rückkehr in die Gesetzliche so gut wie ausgeschlossen. Die Wiederaufnahme in die gesetzliche Krankenversicherung ist nur möglich, wenn Ihre Einkünfte als Arbeitnehmer (Arbeitsengelt) dauerhaft unter die Versicherungspflichtgrenze sinkt. Wer mindestens 55 Jahre alt ist und in den fünf Jahren vor Eintritt der Versicherungspflicht nicht gesetzlich versichert war, hat überhaupt keine Chance. Also keine Chance als Rentner zurückzukommen.
Dafür müssen allerdings die PKK einen Basistarif anbieten, der also Mindesleistungen absichert.Geändert von Opelius (19.10.2011 um 13:43 Uhr)
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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19.10.2011, 14:12Inaktiver User
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Ich fand gerade eine Info zu diesem Basistarif: Sozial ist das ganz und gar nicht. Wie sollte es auch: die Privaten sind Firmen, die gewinnorientiert arbeiten.
Zitat: Anders als in der GKV ist die Höhe des Beitrages in der PKV nicht abhängig vom Einkommen, sondern vom Umfang der versicherten Leistungen, vom Eintrittsalter und vom Geschlecht. Das gilt auch für den Basistarif.
Der Basistarif ist mit so vielen gesetzlichen Vorgaben versehen, dass die allermeisten Versicherten den Höchstbeitrag von rund 575 Euro monatlich zahlen müssen.
Dazu kommt, dass der Versicherungsschutz weder Ehepartner noch Kinder mit einschließt. Für jeden muss extra bezahlt werden. Ich frage mich, wie das beispielsweise eine allein erziehende Freiberuflerin mit zwei Kindern hin bekommen soll.
Bei jährlich zehntausenden von Pleiten in Deutschland wäre auch interessant zu wissen, was mit diesen Leuten passiert. Wenn sie keinen Job als Angestellte finden, haben sie keine Chance, aus ihrer teuren Krankenversicherung raus zu kommen.
In Österreich zahlen Selbständige und Freiberufler mit einem durchschnittlichen Einkommen bestenfalls die Hälfte dieses Betrages und bei Bedarf ist die ganze Familie mit versichert. Je weniger Einkommen jemand hat, desto weniger zahlt er, egal ob selbständig oder angestellt. Das Wort "Solidargemeinschaft" trifft für dieses System besser zu als in Deutschland, wo keiner der Großverdiener einen Cent einzahlt.Geändert von Inaktiver User (19.10.2011 um 14:19 Uhr)
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19.10.2011, 14:19
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Das ist in der Tat so. Nur die gesetzliche Krankenversicherung ist eine Solidarversicherung. Privat versichert zu sein, heißt in sehr jungen Jahren ordentlich Geld zu sparen und im Alter je nach Krankheit und Behandlungsbedarf in immer höhere Tarife zu rutschen. Man hat einen individuellen Vertrag geschlossen.
Ich habe es meinen beiden Söhnen so erklärt, aber sie sparen jetzt mit 29 und und 35 Jahren so viel Kohle und müssen in der Tat auch kaum zum Arzt. Ich wünsche ihnen, dass sie auch in 20 , 30 Jahren noch so gesund sind wie heute.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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19.10.2011, 14:35Inaktiver User
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Dein Wort in Gottes Ohr.

So lange man jung ist, sieht man das locker. Als Rentner aber kann es einen ziemlich gemein treffen und dann kann man oft nicht mehr zurück.
Interessant finde ich auch den Auffassungsunterschied des Wortes "Solidargemeinschaft". In Deutschland besteht sie aus Leuten, die wenig bis durchschnittlich verdienen, in Österreich umfasst sie alle Erwerbstätigen (egal, ob angestellt oder selbständig).Geändert von Inaktiver User (19.10.2011 um 22:33 Uhr)
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19.10.2011, 15:15Inaktiver User
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Wenn sie jetzt von dem Ersparten etwas mehr einbezahlen können sie sich auch gegen die Beitragserhöhung im Alter absichern . Der Alternativtarif der PKV bei Altersarmut ist natürlich ein Witz die mußten halt einen Tarif ausarbeiten um der Politik ein paar Knochen hinzuwerfen günstiger ist er wie du schreibst natürlich nicht wirklichIch habe es meinen beiden Söhnen so erklärt, aber sie sparen jetzt mit 29 und und 35 Jahren so viel Kohle und müssen in der Tat auch kaum zum Arzt. Ich wünsche ihnen, dass sie auch in 20 , 30 Jahren noch so gesund sind wie heute.
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19.10.2011, 21:01
AW: Gleichmacherei
tja. ich arbeite viel mit auslaendern zusammen, die sich hier in das deutsche system reinfuchsen müssen.
gerade das krankenversicherungssystem ist für die leute absolut unlogisch und bekloppt.
auf unseren seminaren sieht man es beim thema krankenversicherung jedesmal an den augen: auch diese menschen haben gerade ihr bild von deutschland radikal verändert.
ich finde es jedesmal gruselig, so deutlich rekapitulieren zu müssen, was hier für ein unlogisches, bescheuertes, und wahnsinnig kostenintensives system aufrechterhalten wird - und KEINER WEISS, WARUM!
ein ähnlicher grusel befällt mich immer beim thema "ehegattensplitting und verfügbarkeit von kinderbetreuuung"
jedenfalls ist für mich völlig klar: wir deutschen sind KEIN rationales volk. wir sind völlig durchgedreht. neu einreisende ausländer kapieren das am besten. länger im land befindliche ausländer werden laaaangsam in die system-denke reingezogen, und ticken nach zwei bis vier jahren genauso krank.Der Charakter eines Menschen läßt sich daran erkennen, wie er mit Leuten umgeht, die nichts für ihn tun können. by courtesy of ravina




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