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    AW: Landtagswahl MeckPomm

    Die Wahlbeteiligung sinkt seit Jahrzehnten kontinuierlich in allen westlichen Ländern.
    Während in der noch jungen Bundesrepublik in den 50er bis 80er Jahren bei Bundestagswahlen die Wahlbeteiligung immer deutlich über 80 % lag, sank mit der Wiedervereinigung die Quote auf unter 80 %.
    Die erste freie Wahl nach der Wende in den neuen Bundesländern lag bei 93 %, ein Wert, der bei den nachfolgenden Landtagswahlen nie mehr erreicht wurde.
    Da die "blühenden Landschaften" sich nicht binnen von Tagen einstellten, sank eindeutig das Interesse an Wahlen (das meine ich nicht einmal böse).

    Die Wahlbeteiligung in der Schweiz sank im 20. Jahrhundert. Lag diese bei den ersten Nationalratswahlen nach dem Proporzsystem 1919 noch bei 80,4%, waren es 1999 nur noch 43,4% der Stimmberechtigten, die sich an der Wahl beteiligten. Die grössten Verluste waren in den drei Legislaturperioden von 1967 bis 1979 zu beobachten - die Wahlbeteiligung sank von 65,7% (1967) um mehr als ein viertel auf 48,0% (1979), was unter anderem auch mit der Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts 1971 zusammenhängen dürfte. Die Wahlbeteiligung in der Schweiz gilt als die niedrigste in einem demokratischen Land
    . Aus Wikipedia
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  2. Inaktiver User

    AW: Landtagswahl MeckPomm

    Opelius -

    es ist richtig, dass die Wahlbeteilgung kontinuierlich sinkt, und nicht nur bei uns.

    Aber wichtig sind die Gründe für die Wahlenthaltung: Die Leute verzichten ja nicht auf ihr Wahlrecht, weil ihnen alles perfekt erscheint! Sie sind aus den verschiedensten Gründen frustriert. Unter anderem auch, weil in den Augen vieler Nicht-Wähler die etablierten Parteien keine klar verständlichen Positionen vertreten, und/oder weil die Positionen - wenn sie mal klar sind - wenig sinnvoll erscheinen: Steuersenkungen bei der FDP oder Abschalten der AKWs bei den Grünen sind entweder nicht glaubwürdig odr von der Realität überholt. Ähnlich ist es bei allen anderen Parteien. Die Grünen sind erfolgreich, weil sie sich von der Position einer reinen Umweltpartei gelöst haben und querbeet Positionen vertreten, die gut klingen. Ob sie umgesetzt werden, müsste sich erst erweisen - beim letzten Mal war es ja nicht so erfolgreich.

    Die fast 50% Nichtwähler suchen - wenn sie denn überhaupt noch suchen - Positionen, die ihren Gefühlen entsprechen, und die überzeugend rübergebracht werden.

    Die etablierten Parteien und deren Personal überzeugen nicht (*).

    Wenn also eine charismatische Persönlichkeit wie vorzeiten Haider in Österreich sich anbieten würde, würde der (oder die) wohl einige der noch aktiven Wähler gewinnen, sicher aber einen beträchtlichen Teil der Nichtwähler.

    Zumindest bis auch bei so einer Organisation die Phantasie sich an der Realität messen lassen muss.



    (*) Ich bin überzeugt, dass die meisten unserer Politiker - auch die, deren Positionen ich nun gar nicht teile - sich bemühen, das zu tun, was ihnen als das Beste für unser Land erscheint. Das Problem ist, dass wir - nicht nur bei uns - nicht unbedingt die besten Leute in politischen Spitzenpositionen finden. Und dass viele politische Entscheidungen kaum noch frei sind: Politik und Wirtschaft sind weltweit derart komplex verknüpft, dass es kaum einfache und klare Lösungen gibt.

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    AW: Landtagswahl MeckPomm

    Die fast 50% Nichtwähler suchen - wenn sie denn überhaupt noch suchen - Positionen, die ihren Gefühlen entsprechen, und die überzeugend rübergebracht werden.

    Die etablierten Parteien und deren Personal überzeugen nicht (*).

    Wenn also eine charismatische Persönlichkeit wie vorzeiten Haider in Österreich sich anbieten würde, würde der (oder die) wohl einige der noch aktiven Wähler gewinnen, sicher aber einen beträchtlichen Teil der Nichtwähler.
    Das sehe ich auch so, aber ich befürchte, dass selig Haider, Geert Wilders und Konsorten zwar knackige Versprechen von sich geben können, aber in der Realität scheitern müssen (zum Glück). Man war ja auch in den neuen Bundesländern von den "blühenden Landschaften" so begeistert, dass 1990 die letzte extrem hohe Wahlbeteiligung bei den ersten freien Wahlen erreicht wurde. Die nachfolgende Realität sah erst einmal ganz anders, nämlich düster aus. Inzwischen, so finde ich, blühen die Landschaften im Osten schon, aber das nützt der CDU heute auch nix mehr.

    Die Erwartung der heutigen Nichtwähler ist immer auf sehr kurzfristigen persönlichen Vorteil oder Veränderung der eigenen Lebenssituation ausgerichtet. "Wenns mir nicht am Montag nach der Wahl sofort deutlich besser geht, bin ich enttäuscht".
    Geändert von Opelius (07.09.2011 um 11:53 Uhr)
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  4. Inaktiver User

    AW: Landtagswahl MeckPomm

    Das Problem mit Populisten ist, dass sie erst einmal einen Vertrauensvorschuss von ihren Wählern bekommen, zumindest nach dem Motto "schlechter als die anderen können sie kaum sein", und auch wenn sie dann vor derselben Realität stehen wie die "Etablierten" sich eine Weile damit rausreden können, dass sie ja nicht allein bestimmen.


    Ich sehe gegenwärtig keinen Ansatz für eine populistische Partei bei uns - es fehlt die Führungspersönlichkeit.

    Aber das kann sich schnell ändern ...


    Wie du richtig schreibts: Es hat sich im Osten sehr viel getan, fast alles ist besser als früher, und trotzdem sind die Menschen nicht zufrieden.

    Und das gilt genauso für Europa: Wenn ich an meine Jugend denke, mit Pass- und teilweise Visa-Pflicht bei Reisen zu den Nachbarn, Triptyks für jedes Fahrzeug und jedes Gerät, Zollkontrollen an jeder Grenze, und durch all die Kleinstaaterei Barrieren für den wirtschaftlichen Aufschwung - unser Europa heute ist, was ich mir damals erträumt habe. Und trotzdem höre ich viel mehr Leute mäkeln als loben.

    Ja, man kann vieles noch besser machen, aber sollte man nicht erst einmal davon ausgehen, dass es in den weitaus meisten Bereichen vieeeel besser ist als früher? Und dass es den allermeisten von uns vieeeel besser geht als vor Beginn der europäischen Integration in den 60ern?


    Und diese Unzufriedenheit mit dem Erreichten und dem Erreichbaren in allen Bereichen ist eben die Grundlage, die Extremisten und Populisten nutzen.

    Und sei es, dass sie auf der Wahlenthaltung so Vieler reiten, weil sie schon mit kleiner Stimmenzahl in Parlamente kommen - siehe u.a. die NPD in MeckPom (oder Sachsen). Oder Die Linke in Wessiland ...

  5. Inaktiver User

    AW: Landtagswahl MeckPomm

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Das sehe ich auch so, aber ich befürchte, dass selig Haider, Geert Wilders und Konsorten zwar knackige Versprechen von sich geben können, aber in der Realität scheitern müssen (zum Glück)
    Klar ... als Beispiel muss man da nichtmal Parteien oder Personal der Parteien vom Rand des politischen Spektrums nehmen.

    Man muss nur die (Bundes)FDP betrachten, die in der Opposition in einer Lautstärke tönte und mit breiter Brust durch die Thematiken trampelte, damit auch Erfolg hatte, aber sowie sie in der Realität der Regierungsverantwortung ankam, sich als einzige Luftnummer erwies.

    Ebenso sähe es mit einem Haider oder Wilders hier aus. Wollten sie, wären sie in Regierungsverantwortung, all das umsetzen was sie hinaus posaunt haben, müssten sie höchstwahrscheinlich zunächst umfassend das Grundgesetz und die Rechtslage auf den Kopf stellen.

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    AW: Landtagswahl MeckPomm

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Sie sind aus den verschiedensten Gründen frustriert. Unter anderem auch, weil in den Augen vieler Nicht-Wähler die etablierten Parteien keine klar verständlichen Positionen vertreten
    Das halte ich für eine glatte Fehlbeurteilung. Die Wähler wählen nicht, weil sie gar kein Interesse an Politik haben. Frag doch mal Menschen auf der Strasse, die meisten wissen noch nicht mal welche Partei an der Landesregierung ist, geschweige denn wer Ministerpräsident ist.

    90% aller Nichtwähler geht die Politik und das System sonst wo vorbei.

    Die meisten wählen nicht und interessieren sich nicht, weil es ihnen gut geht. Wir sind hier multiverwöhnt. Jede soziale Lage wird vom Staat aufgefangen, das einzige, worüber man meckern kann, ist die Höhe der Bezüge.

    Wenn man so verwöhnt ist und es nichts mehr gibt, wofür man kämpfen kann, wird man unheimlich frustriert.

    Es gibt kaum noch Stellschrauben, wo man an unserem Sozialstaat etwas drehen kann. Hier ein Gutschein, da eine Kinderbetreuung mehr, ein bisschen Kündigungsschutz und 10€ mehr für HarztV.

    Der Sozialstaat steht, die Marktwirtschaft auch, die Demokratie erst recht. Wofür wählen?

    Man kann meckern, man kann protestieren - tun die wenigsten - man kann laut rumbrüllen, alles ist erlaubt.

    Die häufigste Antwort auf die Frage: warum wählen Sie nicht? lautet: weil sich doch nichts ändert. Auf die Frage, was soll sich ändern? haben die wenigsten eine Antwort, meist kommt ich will mehr Geld (bei gleicher Nicht- oder Vollbeschäftigung).

    Wenn man sich für Politik und Wirtschaft interessiert, dann erkennt man, dass es noch 2 wichtige grosse Projekte zu stemmen gibt. Steuerreform und Reform des Finanzwesens.

    Mit der Agenda2010 und dem Atomausstieg von RotGrün waren 2 der wichtigsten Jetztzeitprojekte behandelt.
    An die Steuer traut sich niemand ran, und für eine Reform der Finanzwirtschaft braucht es eine stabile EU.
    Körperlich Distanz
    Sozial zusammen


    You'd have to be here
    I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
    It's northerly facing and close to an open fjord
    The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
    Calling so slowly from summer's before

    Kari Bremnes

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    AW: Landtagswahl MeckPomm

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich sehe gegenwärtig keinen Ansatz für eine populistische Partei bei uns - es fehlt die Führungspersönlichkeit.
    Warum drückst Du uns eigentlich im MeckPomm Strang ständig das Thema Rechtspopulist aufs Auge?
    Hättest Du gerne einen?
    Körperlich Distanz
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  8. Inaktiver User

    AW: Landtagswahl MeckPomm

    Weil mir die wachsende Wahlabstinenz Sorgen macht. Und die wurde bei der letzten Wahl einfach wieder besonders deutlich.


    Deine Argumentation für die Gründe nicht zu wählen teile ich nur begrenzt. Selbstverständlich geht vielen alles was mit Politik zu tun hat an der Sitzfläche vorbei.

    Aber warum war dann die Wahlbeteiligung bis Anfang der 90er Jahre so viel höher als jetzt?

    Unsere Parteien und unsere Politiker überzeugen nicht.

    Wenn ich die Diskussionen hier und in anderen Foren verfolge, so lese ich eigentlich nur Kritik an "unfähigen Politikern", an dem "Brüsseler Wasserkopf" usw.

    Ganz selten wird einmal einem Politiker Respekt gezollt.

    Ja, viele - alle - Politiker haben Schwächen. Niemand von ihnen ist perfekt.

    Aber jeder unserer Politiker - und da schließe ich sogar meine Lieblingsgegner von der Linken mit ein! - bemüht sich sein Bestes für seine Region, für unser Land, für Europa zu tun.

    Es passt uns nicht, weil wir nicht immer von allem profitieren.

    Aber vielleicht sollten wir uns doch gelegentlich einmal an John F. Kennedy's Mahnung erinnern:

    Denk nicht nur daran, was dein Land für dich tun kann, denk daran, was du für dein Land tun kannst!


    Kaum jemand ist bereit der Gemeinschaft etwas zu geben, aber jeder nimmt gerne von der Gemeinschaft!



    Und deswegen sehe ich das Risiko, dass jemand, der mit großen Worten viel verspricht, sein Süppchen auf dem Feuer des Populismus kochen könnte.

    Auch bei uns, nicht nur in Österreich, Holland, Belgien, Dänemark oder Finnland ...


    Und ich halte die für dumm und verantwortungslos, die vor dieser Gefahr die Augen verschließen!

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    AW: Landtagswahl MeckPomm

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und ich halte die für dumm und verantwortungslos, die vor dieser Gefahr die Augen verschließen!
    Ich sehe da keine reale Gefahr. Das sind doch meist nur Protestwähler die spätestens bei der zweiten Wahl wieder ins Nichtwählerlager wechseln.
    Man wird ja sehen wie die neue rechtspopulistische Partei in Berlin abschneidet.

  10. Inaktiver User

    AW: Landtagswahl MeckPomm

    Ich erwarte in Berlin keinen Erfolg der Populisten, weil sie dort niemanden mit Charisma haben.

    Und ohne einen solchen "Führer" lockt man kaum Wähler oder gar Nichtwähler hinter dem Ofen vor.

    Aber ich mache mir Sorgen dass irgendwann demnächst jemand mit gutem Aussehen und brillianter Rhetorik auftaucht und eine neue Partei gründet. Und dann sehe ich die Gefahr, dass die 15 - 20% erhält und allein durch ihren Erfolg auch die anderen großen Parteien nötigt, sich in ihre Richtung zu bewegen.

    Wie es sich ja - ohne dass ich ihnen Populismus unterstellen will - auch bei den Grünen gezeigt hat: Seit die Grünen politisch relevant geworden sind, haben alle Parteien grüne Positionen in ihre Programme aufgenommen. Ich denke, die meisten von uns halten dies grundsätzlich für gut.

    Aber genauso würde die Politik einer anti-europäischen, anti-islamischen, anti-Euro, anti-sonstwas Partei auf die Programme der anderen abfärben. Auch bei Dingen, die wir eher nicht so gut finden.

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