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    AW: Oslo heute - und morgen?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    "Gutmensch" war für mich immer das: ein Mensch, der öffentlich und mit grosser Geste Gutes tut - für Afrika spenden, sich für arme Migranten einsetzen etc - und aber nicht-öffentlich genauso egoistisch und menschlich ist, wie Menschen eben sind.

    grüsse, barbara
    Woher weisst du denn, wie genauso egoistisch eine beliebige Person in ihrem Privatleben ist? Das ist doch eben der Teil ihres Lebens, der nicht einsehbar ist? Wieso ist für Afrika einsetzen oder sich für Arme (Migranten oder nicht) einsetzen eine grosse Geste? Von den meisten Menschen weiss ich nicht, ob und für wen sie spenden, ich frage auch nicht da es mich ja nichts angeht.

    "Gutmensch" ist für mich der Begriff, den abgehärtete Sozialdarwinisten, denen noch nichts wirklich Zerstörendes in ihrem Leben begegnet ist, verwenden für Andere, die sich noch nicht so ein dickes Fell gegen menschliches Leid zulegen konnten. Oder das dicke Fell verloren haben. Kurz vor seinem Tod sind meinem Vater viel die Tränen gekommen, wenn ihm etwas Trauriges zu Ohren oder zu Augen gekommen ist. Irgendwie hat er glaube ich begriffen, dass das wirklich eine Welt ist, seine Welt.

    Bei mir ist es auch immer wieder so, dass ich zufällig herausfinde, wie "arm" gewisse Migranten tatsächlich sind. So habe ich anlässlich eines Trauerfalles mitbekommen, wie jemand eine Somali fragte, ob sie nicht auch ein Kind verloren habe? Oder waren es zwei? "Drei" sagte sie resigniert, "in Kenja". Die Frau ist mir nie besonders arm, sondern warmherzig, zufrieden und stark erschienen. Immerhin hat sie alleine und ohne zu klagen drei Kinder grossgezogen. Wenn Respekt für solche Leute einen zum "Gutmenschen" machen, wieso nicht.

  2. gesperrt

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    AW: Oslo heute - und morgen?

    Zitat Zitat von Andalusiana Beitrag anzeigen
    Woher weisst du denn, wie genauso egoistisch eine beliebige Person in ihrem Privatleben ist?
    wenn wir mal beim typischen einheimischen intellektuellen Linken gucken: sie sind ja schon sozial und so, und setzen sich für Gleichstellung und Ausländer ein, aber wenn es um ihre eigenen Kinder geht, dann schicken sie sie lieber auch nicht in die Schule im Kleinbasel mit 80% Ausländeranteil. Dann ziehen sie ins Grüne, wo die Schweizer immer noch in der Mehrheit sind.


    Zitat Zitat von Andalusiana Beitrag anzeigen
    Wieso ist für Afrika einsetzen oder sich für Arme (Migranten oder nicht) einsetzen eine grosse Geste?
    muss es nicht sein, aber manche machen das schon sehr ostentativ: seht her wie tugendhaft und nett ich bin.

    oft geht damit einher ein Denken im Opfer-Täter-Schema, wobei die Opfer grundsätzlich als hilfsbedürftig und unmündig noch einmal geopfert werden. Es sind nicht alle so, aber ich bin schon diversen Menschen begegenet, die das so halten, und es ekelt mich.


    Zitat Zitat von Andalusiana Beitrag anzeigen
    "Gutmensch" ist für mich der Begriff, den abgehärtete Sozialdarwinisten, denen noch nichts wirklich Zerstörendes in ihrem Leben begegnet ist, verwenden für Andere, die sich noch nicht so ein dickes Fell gegen menschliches Leid zulegen konnten.
    du weisst ja auch nicht, was dem Neonazi oder dem Topmanager schon alles in seinem Leben begegnet ist.




    Zitat Zitat von Andalusiana Beitrag anzeigen
    Wenn Respekt für solche Leute einen zum "Gutmenschen" machen, wieso nicht.
    Der klassische Gutmensch hat keinen Respekt für die andern Leute, sondern fühlt sich über sie erhaben, in der Position eines Erziehers.

    grüsse, barbara

  3. Inaktiver User

    AW: Oslo heute - und morgen?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    setzen sich für Gleichstellung und Ausländer ein, aber wenn es um ihre eigenen Kinder geht, dann schicken sie sie lieber auch nicht in die Schule im Kleinbasel mit 80% Ausländeranteil. Dann ziehen sie ins Grüne, wo die Schweizer immer noch in der Mehrheit sind.
    Ich finde es nicht verwerflich, sondern menschlich, wenn man der "eigenen Brut" die Vorteile verschafft, solang das bestehende System sie anbietet.

    Verwerflich wird es, meiner Meinung nach, erst, wenn man einerseits Möglichkeiten anführt, die zu mehr Chancengleicheit führen, aber andererseits aktiv verhindert, dass dies umgesetzt wird.

    Meine Töchter sind auf dem Gymnasium, obwohl ich das Prinzip der Gesamtschule für chancengerechter halte (ich sagte das hier - in einem anderen thread - schonmal) daher würde ich mich einer generellen Umstellung des Schulsystems zur Gesamtschule hin, nicht in den Weg stellen.

    Ich glaube also nicht, dass ich zum "Gutmensch" abzuqualifizieren wäre, nur weil ich das Prinzip der Gesamtschule positiver bewerte, aber gleichzeitig noch, meine Kinder auf einem Gymnasium angemeldet habe.

    Ich muss mich nicht bei Kik einkleiden, bevor ich es obszön finden darf, dass für ein stinknormales T-Shirt in anderen Läden 500 Okken fällig werden, das aber im gleichen Land produziert wurde wie die Ware von Kik ...
    Geändert von Inaktiver User (31.07.2011 um 00:42 Uhr)

  4. Inaktiver User

    AW: Oslo heute - und morgen?

    Ich muss mich nicht bei Kik einkleiden, bevor ich es obszön finden darf, dass für ein stinknormales T-Shirt in anderen Läden 500 Okken fällig werden, das aber im gleichen Land produziert wurde wie die Ware von Kik ...
    *lach*
    Neulich in einem Interview der Architekt David Chipperfield, Planer eines total normal aussehenden Kaufhauses auf der Wiener Kärntner Straße:
    "....die heutigen Boutiquen erinnern an Wohnzimmer, an Salons oder zeitgenössische Galerien.
    Es geht nicht mehr ums Einkaufen, sondern um das Inszenieren von Welten und Emotionen.
    Der Neubau knüpft an eine Tradition an, die in den letzten Jahrzehnten verlorengegangen ist.
    Es gibt einen wichtigen Bezug zwischen Innenraum und Stadt....Man sieht nicht nur von der Straße ins Geschäft hinein, sondern vom Geschäft hinunter in die Straße.
    ..............
    Ich gehe wahnsinnig gerne Lebensmittel einkaufen......
    In Japan gibt es Supermärkte, da zahlen Sie für einen Pfirsich sechs Pfund................wahnsinnig viel Geld, dafür können sie sicher sein, dass der Pfirsich einfach perfekt ist........selten habe ich sechs Pfund so glücklich investiert wie in diesen wunderbaren japanischen Pfirsich. So schmeckt Leben........."

    Der Journalist fragt, ob Chipperfield jemals daran gedacht hat, Mode zu entwerfen.

    Darauf Chipperfield:" Ich habe.......sehr wohl das Bedürfnis schlichte, schöne, aber qualitativ hochwertige Kleidungsstücke kaufen zu können.............so wie das T-Shirt, das Sie tragen...............Wo ist das her?"

    Darauf der Journalist: "Das ist ein simples T-Shirt um zehn Euro."

    Chipperfield: "Solche Dinge meine ich................."

    Ein Nicht-Gutmensch versucht diverse Schlenker zu machen. Ein einfaches, überall zu sehendes (keineswegs hässliches) Kaufhausportal wird zur Neuheit, aus Geldmangel halbleere Läden, in denen frau/man Kleidungsstücke in passender Größe bestellen muss, werden zu Erlebnistempeln, aus denen frau/man "auf die Straße" sieht (mangels fehlender Ware der einzige Trost), ein Pfirsich, der hierzulande in jedem Weingarten vom Baum fällt und auf dem Boden verfault, kostet glücklich investierte 6 Euro, und am Ende, als der Journalist kein Problem damit hat, dem berühmten Architekten den Preis eines kaum teureren T-Shirts zu nennen, schafft jener es nicht mehr, die Heuchelei fortzusetzen, indem er über Ausbeutung spricht und angeblich in GB produzierte und deshalb preislich höhere Kleidung referiert, sondern gibt sich unbewusst geschlagen.
    Ein Mensch, der der Verlogenheit unserer Zeit, indem einfache, schon immer dagewesene Mauern zur Besonderheit hingeredet werden und berühmte Modelabels um das Überleben kämpfen und darum trendig KundInnen dazu zwingen, einen Part in diesem Spiel zu übernehmen, anstatt gewöhnlich einzukaufen, zwar Rechnung trägt, aber doch nicht ganz.
    Ein gewisser Trost.

    Für mich bedeutet übrigens "Gutmensch" weniger vorgetäuschtes Handeln und gegensätzliches Leben sondern eine Herabqualifizierung jener, die - möglicherweise in einer gewissen naiven Weltanschauung - verbessern wollen, durch jene, die ihre Gier und Selbstbezogenheit unter dem Mantel des Realitätssinnes verbergen und damit dem (selbstbeschädigenden) Egoismus offen Rechnung tragen.
    Ähnlich wie Chipperfield, der 500m²-Läden mit zehn Kleidungsstücken darin als Erlebnistempel gesehen haben will.

  5. gesperrt

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    AW: Oslo heute - und morgen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Chipperfield: "Solche Dinge meine ich................."

    Ein Nicht-Gutmensch versucht diverse Schlenker zu machen.
    ich finde, du tust Chipperfield unrecht. Ich kann sein Bedürfnis nach Qualität sehr gut verstehen. Einen perfekten Pfirsich habe ich hier in den Läden noch nie gefunden - die ganze Logistik, ihn perfekt reif vom Baum zum Kunden in der Stadt zu bringen, das kostet eben - und Japaner haben Sinn für Qualität, darum machen sie die Anstrengung und bieten solche Pfirsiche an. Viele Alltagsgegenstände hingegen, wie T-Shirts, müssen nicht teuer sein - aber es müssen einige Dinge bei der Herstellung beachtet werden, dass sie dienlich sind. Und dass ein Laden ein Laden sein soll, also ein Ort um einzukaufen, am liebsten mit gut strukturierten Regalen, sauberen Wagen und genügend Platz und genügend Kassen, und nicht ein Disney-Wunder-Land, das leuchtet mir sehr ein.

    Wenn Chipperfield das sagt:
    "Ich denke, wir produzieren in unserer modernen Gesellschaft zu viele Räume, die unverständlich und entfremdend sind. Sie geben uns nicht das Wohlbefinden, das wir als Individuen brauchen. Dabei sollte die Architektur genau dieses wieder einräumen. Ähnlich dem alten Renaissance-Gedanken, das Individuum in den Mittelpunkt zu stellen. Ich frage mich bei neuen Räumen immer, wie es wäre, dort zu sein. Wie fühlen sie sich an? Mein Ideal ist ein Wohlbefinden, das dem Einzelnen eine Position, einen Status gibt – und ihn nicht auf etwas Unbedeutendes reduziert."
    Designline Living - Im Gespräch: Interview mit David Chipperfield | designlines.de

    so leuchtet mir das sehr ein.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ein Mensch, der der Verlogenheit unserer Zeit, indem einfache, schon immer dagewesene Mauern zur Besonderheit hingeredet werden
    gerade die simpelsten, selbstverständlichchsten Dinge sind selten einfach. Das perfekte weisse T-Shirt, das perfekt gebackene Brötchen, das perfekte Messer... sind alle sehr schwer zu finden. Nicht, weil sie teuer sind oder sein müssten, sondern weil die Produzenten sich meist nicht so viele Gedanken machen, bevor sie etwas herstellen.



    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    eine Herabqualifizierung jener, die - möglicherweise in einer gewissen naiven Weltanschauung - verbessern wollen, durch jene, die ihre Gier und Selbstbezogenheit unter dem Mantel des Realitätssinnes verbergen und damit dem (selbstbeschädigenden) Egoismus offen Rechnung tragen.
    David Chipperfield gehört für mich zu jenen, die die Welt - ein bisschen - zu einem besseren Ort machen. Ich würde auf alle Fälle sehr gerne eine Nacht in einem Zimme wie diesem verbringen:
    KAP Forum für Architektur / Technologie / Design in Köln - 9

    grüsse, barbara

  6. User Info Menu

    AW: Oslo heute - und morgen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Für mich bedeutet übrigens "Gutmensch" weniger vorgetäuschtes Handeln und gegensätzliches Leben sondern eine Herabqualifizierung jener, die - möglicherweise in einer gewissen naiven Weltanschauung - verbessern wollen, durch jene, die ihre Gier und Selbstbezogenheit unter dem Mantel des Realitätssinnes verbergen und damit dem (selbstbeschädigenden) Egoismus offen Rechnung tragen.
    Ähnlich wie Chipperfield, der 500m²-Läden mit zehn Kleidungsstücken darin als Erlebnistempel gesehen haben will.
    Für mich, Colonna, ist die GutmenschIn das, was der GutmenschIn die RechtspopulistIn ist.

    Und das Binnen-I.

    Ich rechne halt mit dem grundsätzlichen Egoismus der Menschen, der Christen und der Muslime, der Agnositiker und der Gläubigen, der "Aufgeklärten" und der Dumpfbacken usw.

    Auch mit meinem eigenen.

    Der Egoismus der Gutmenschen ist nicht geringer als der der Rechtspopulisten.

    Sie rationalisieren ihn nur anders, begründen ihn anders und halten sich dabei für weiß Gott wie gut, les bonhommes (für die, die glauben, das sei ein Nazibegriff).
    Geändert von arouet58 (31.07.2011 um 12:31 Uhr)
    Cum grano salis

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    AW: Oslo heute - und morgen?

    Zitat Zitat von arouet58 Beitrag anzeigen
    Der Egoismus der Gutmenschen ist nicht geringer als der der Rechtspopulisten.

    Sie rationalisieren ihn nur anders, begründen ihn anders und halten sich dabei für weiß Gott wie gut, les bonhommes (für die, die glauben, das sei ein Nazibegriff).
    Jetzt musst du dein trübes ideologischen Süppchen auch noch auf dem Rücken von 80 massakrierten Jugendlichen kochen?
    Denn hier wurden die jungen Gutmenschen hingerichtet vom Rechtsradikalen. Doch du spielst auch hier wieder mit der latenten Gleichsetzung von Gutmenschen und Rechtsradikalen, wie schon so oft.

    Du selbst erweist dich damit einmal mehr als Mitglied der geistigen Brandstifter.

    Wollen wir mal nicht hoffen, dass du solche Sprüche jemals in Anwesenheit von Eltern der ermordeten Jugendlichen anbringst.

    VanDyck
    Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
    dann durchfluten sie mich wie Regen ...
    American Beauty
    Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
    Daniel Kahneman

  8. Inaktiver User

    AW: Oslo heute - und morgen?

    Hab in "Politik- und Gesellschaftstalk" noch mal was zu "Gutmensch" geschrieben.

    Ist vielleicht auch für dich interessant, arouet58

  9. gesperrt

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    AW: Oslo heute - und morgen?

    Jetzt musste ich doch mal eben auf die Überschrift schielen. Ja das soll tatsächlich der Thread über Oslo sein. Wow.

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    AW: Oslo heute - und morgen?

    "Geistige Brandstiftung" ist eine Erfindung geistiger Feuerlöscher.

    ...praeter gallum, qui cantat.

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