ja.
Auch das, was als wissenschaftlicher Fortschritt gilt, ist zu einem nicht unterschätzenden Teil eine Modeerscheinung. Was werden unsere Urenkel über unsere Verirrungen lachen und über die seltsamen Bräuche des Jahres 2011 kichern und verständnislos den Kopf schütteln... genauso wie wir heute über Aderlass lachen und die Idee, dass Ärzte es einmal für falsch hielten, sich vor dem Operieren die Hände zu waschen.
Das, was wirklich bleiben wird und tatsächlich Verbesserungen brachte, ist relativ wenig: Hygiene, Notfallchirurgie, die Bekämpfung akuter Infektionen und anderer akuter Bedrohungen wie zB Herzinfarkt. Der Rest wird ziemlich sicher auf dem Müllhaufen der Geschichte landen, oder bestenfalls im Kuriositätenkabinett.
grüsse, barbara
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Thema: Off-Topic <--> Straus-Kahn
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23.07.2011, 12:06
AW: Strauss-Kahn
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23.07.2011, 12:14Inaktiver User
AW: Strauss-Kahn
@Bae
Dass Ärzte sich vor der Behandlung der PatientInnen die Hände nicht reinigten, hat damit zu tun, dass frau/man nicht wusste, woher Infektionen kamen. So was nenne ich Wissenschaft und nicht Kultur.
In der Medizin gibt es sicher einiges, worüber in hundert oder zweihundert Jahren der Kopf geschüttelt wird, aber doch wohl auch nur deshalb, weil dann das Wissen fortgeschritten ist.
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23.07.2011, 12:28
AW: Strauss-Kahn
Wissenschaft ist ein Teil unserer Kultur. Kultur ist das, was "gepflegt und verehrt wird, was angebetet wird, wofür gesorgt wird, worauf geachtet wird, was angebaut und gefördert wird", Kultur beschränkt sich nicht auf ein paar verstaubte Ölbilder in Museen...
mir scheint, das Wissen bewege sich eher spiralförmig fort: neue Entdeckungen sind dann super toll und begeistern, dabei gehen aber auch immer alte Techniken verloren, die sehr gute Resultate erzielen. Wenn alte Bäder ausgeschüttet werden, sind da sehr oft noch Kinder drin, die zu retten man vergessen hat. und meist etwas später, wenn nicht nur die Vorteile, sondern auch die Nachteile der neuen Entdeckungen sich schmerzhaft bemerkbar machen, kommt man wieder auf das Alte, Bewährte zurück und entdeckt, dass vieles gar nicht so übel war, und vieles im Gegenteil ganz hervorragend ist.
grüsse, barbara
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23.07.2011, 13:30Inaktiver User
AW: Strauss-Kahn
Ja, klar, Wissenschaft ist Teil unserer Kultur.
So gesehen ist sie natürlich Kultur. Aber hoffentlich im Sinne von PatientInnen nicht von Modeerscheinungen geprägt.
Dass manches alte Wissen vorteilhaft ist, kann nicht bestritten werden, allerdings nostalgisch verehren sollte frau/man es auch nicht.
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23.07.2011, 13:42
AW: Strauss-Kahn
mir scheint in vieler Hinsicht das nicht der Fall zu sein. Leider.
nein, aber mal angucken, prüfen und abwägen, das lohnt sich oft. Und wenn es nur ist, um herauszufinden, warum das Moderne so grossartig ist. Und wenn nicht, da gibt es noch viele Entdeckungen zu machen...
grüsse, barbara
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23.07.2011, 15:30Inaktiver User
AW: Strauss-Kahn
In Teilbereichen durchaus. Ich würde es nicht Modeerscheinungen nennen, sondern kulturelle Tradition. So schwanken je nach Land die Standards.
Wenn jemand im Sterben liegt, gibt es Kriterien, wie lange man welche Reanimationsmaßnahmen versuchen muss. In D wird absolut gnadenlos reanimiert. Auch dann, wenn man weiß, dass die Person sowieso sterben wird und man ihre Qualen verlängert. Weil die Nazis das lebensunwerte Leben ausmerzen wollten. Deshalb wird in D jedes Leben als gnadenlos lebenswert betrachtet, auch wenn es für den Betroffenen reinste Folter ist. Es ist z.B. ein riesiger Unterschied, ob du in Dänemark oder in D auf die Intensiv kommst. Glücklicherweise wird D jetzt auch lockerer.
Oder Transplanationsmedizin: In D musst du der Organentnahme zustimmen, in vielen anderen Ländern widersprechen. In D musst du hirntot sein, in diversen anderen Ländern reicht es, wenn dein Herz stehengeblieben ist.
Es gibt Länder, in denen Homöopathie verboten ist, z.B. Schweden.
In Japan ist die Anti-Baby-Pille verboten. Etc., etc.
Hat aber alles mit DSK nichts zu tun.
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23.07.2011, 16:22Inaktiver User
AW: Strauss-Kahn
Sehr schön. Sehr schön. - Guter und sehr seriöser Link übrigens

Aber du machst es genau wie Sarrazin: in Anbetung von Statistiken und unter Außerachtlassung des gesunden Menschenverstands jonglierst du mit Statistiken, d.h. du suchst dir exakt jene heraus, die dir in deine Ideologie passen, während du alle, die dir nicht ins Konzept passen, ignorierst.
Zum Beispiel die Wählerschaft der NSDAP. Du behauptest, dass 1933 etwas mehr Frauen als Männer Hitler gewählt haben.
Zum einen kann es ja wohl nicht dein Ernst sein, dass du die Wahlergebnisse einer einzelnen Kleinstadt auf Deutschland hochrechnest.
Zum anderen: nehmen wir an, dies wäre nicht nur in Rosenheim, sondern deutschlandweit so gewesen. Was würde das besagen?
Es haben weitaus mehr Protestanten als Katholiken Hitler gewählt. Deutschlandweit. Was wollen wir daraus denn bittesehr ableiten? Vielleicht sollte man protestantische Gemeinden unter Extremistenverdacht stellen? den Katholizismus als wahren Hort der Demokratie verkünden?
Und dann noch was: In deinem Link heißt es:
Aktive Mitglieder der NSDAP waren vor allem jüngere Männer. Nur 7,8 Prozent der Neuzugänge zwischen 1925 und 1932 waren Frauen.
Knackige Zahlen, die es schwer machen die Machtergreifung Hitlers den Frauen in die Schuhe zu schieben.
Wenn Frauen diese Männerbünde unterstützt haben, heißt das nur, dass sie in der gleichen Welt gelebt haben wie die Männer, ähnlichen Einflüssen und Einflüsterungen ausgesetzt waren und leider nicht die besseren oder klügeren Menschen sind.
Wenn du den Frauen besondere Verantwortung für das Nazitum zuschieben willst, muss aber leider gesagt werden, dass die gesamte Macht und die gesamte Verantwortung im NS-Staat (wie auch im Kaiserreich) in den Händen der Männer ruhte.
.Geändert von Inaktiver User (23.07.2011 um 18:01 Uhr)
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23.07.2011, 16:44Inaktiver User
AW: Strauss-Kahn
Du verwechselst Fortschritt und Zeitgeistigkeit.
Natürlich gab es in der Medizin in den letzten 100 oder 200 Jahren enorme Fortschritte. Sofern sich daraus Verhaltensvorschläge ergaben, so immer aus der wissenschaftlichen Erkenntnis heraus - zum Beispiel in Fragen der Hygiene, der Ernährung, der gesunden Lebensweise.
Aber in der Psychologie/Psychiatrie (bzw. in Teilaspekten davon) war der Weg umgekehrt, also ausgehend von der gesellschaftlichen Entwicklung hin zu den normativen Definitionen der Psychologie und Psychiatrie. An einem solchen Weg kann ich keine Wissenschaftlichkeit erkennen. Das ist bloßer Zeitgeist.
.Geändert von Inaktiver User (23.07.2011 um 17:54 Uhr)
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23.07.2011, 16:52Inaktiver User
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23.07.2011, 17:37Inaktiver User



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