Dass die Marktwirtschaft nicht mehr funktioniert, liegt mit Sicherheit nicht an den Linken."Vernichtung einer Marktwirtschaft"
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Thema: Schwarz-Gelber Schlingerkurs
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24.06.2011, 18:12Inaktiver User
AW: Schwarz-Gelber Schlingerkurs
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24.06.2011, 18:21
AW: Schwarz-Gelber Schlingerkurs
Ich möchte nur kurz auf diesen Punkt eingehen: den Mindestlohn.
Nehmen wir mal an, wir bekämen eine Regierung, die den Mindestlohn von 10 Euro durchsetzt. Wie hoch ist denn eigentlich der Lohn?
Nehmen wir mal an, monatlich 160 Arbeitsstunden, 10 Euro pro Stunde, dann hätte dieser Vollzeitarbeitnehmer brutto 1.600 Euro im Monat. Abzüglich Sozialabgaben und Steuern käme er vielleicht auf 1100 Euro. Ich habe es nicht exakt ausgerechnet, aber so könnte es hinkommen. Und nun meine Frage: Ist das wirklich so fürchterlich, wenn wir den Mindestlohn derart festlegen, dass ein(e) Arbeiter(in) monatlich bei einem Vollzeitjob 1.100 Euro in der Lohntüte hat? Wieviel weniger stehst du den Mindestlöhnern denn zu. Darf er auf 900 kommen?
Ich bin ja auch Marktwirtschaftler, wir sollten aber dafür sorgen, dass wir eine soziale Marktwirtschaft hinbekommen. Leider hat die SPD (seit Ende der 90er Jahre) begonnen, eine stark unsoziale Politik zu betreiben. Und jetzt, seit die SPD nicht mehr an der Regierung ist, macht die CDU genauso weiter.
Ehrlich gesagt, ich drücke den Linken die Daumen, dass einige Ihrer Ideen Gehör finden, auch wenn sie nicht an die Macht kommen.
Und 1100 Euro Lohn ist für mein Empfinden als Mindestlohn gerechtfertigt.Ich bin, also denke ich
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24.06.2011, 18:36Inaktiver User
AW: Schwarz-Gelber Schlingerkurs
Auch nur noch kurz:
Statt Mindestlöhne einzuführen, von denen der Arbeitnehmer sich ernähren kann, muss mit Hartz IV aufgestockt werden - das zahlt "die Gemeinschaft".
Hauptsache die Insdustriellen werden schön geschont.
Es ist eine "eigenartige" Welt geworden.
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24.06.2011, 19:05
AW: Schwarz-Gelber Schlingerkurs
Mindestlöhne machen dann Sinn - wenn diese zwischen Tarifparteien abgeschlossen werden. In Ba-Wü gibt es faktisch keine ausgebildeten AN die unter dem og. Mindestlohn verdienen - in ganzen Industriezweigen wie der Chemie-, Bank-, Auto- oder Elektronikindustrie ist dies ebenfalls Fakt.
Allerdings gibt es halt auch einfache Dienstleistungsberufe nahe der offenen Grenze zu Osteuropa - und da bedeutet ein hoher bundeseinheitlicher Mindestlohn die schnelle Vernichtung von Arbeitsplätzen.
Der "dritte" Weg den die Bundesregierung gewählt hat, also Mindestlöhne in Hoheit der Tarifpartner aushandeln und von der Politik als Allgemeinverbindlich bestätigen - ist sicherlich allgemein zielführender.
Übrigens werden von vielen "Tendenzstudien" gerne auch Azubis, Wehrdienstleistende, Praktikanten etc. einfach in die Rubrik "Geringverdiener" eingerechnet - auch wenn diese Gruppen bei Einführung eines Mindeslohnes immer noch weniger verdienen würden.
95 % der Beschäftigen in D ohne og. Ausnahmen, verdienen mehr als € 7,50/h (bei Umrechnung des Bruttoarbeitsentgeltes inkl. Urlaubs/Weihnachtsgeld etc. auf die geleisteten Arbeitsstunden).
Ob ich "will" das AN mehr verdienen und ob ich ihnen das gönnen würde ... Selbstverständlich! Jeder Mensch, der sein Geld in produktiver Gegenleistung verdient, soll so viel wie betriebswirtschaftlich möglich verdienen - immerhin ist er mit seinem Einkommen auch wieder ein Konsument den die Wirtschaft benötigt.
Allerdings fahren aber auch Busse von Berlin nach Polen - um dort billigere Dienstleistungen zu konsumieren. Dann geht man zum Friseur, kauft zollfreie Zigaretten, geht zur Apotheke und zum Schumacher - WEIL es "drüben" viel billiger ist ...
Dies kann nun beurteilen wie man will - aber die Lohndifferenz, die vergleichbare Arbeitsqualität und die offene Grenze einfach ignorieren - das wäre töricht ...
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24.06.2011, 19:29
AW: Schwarz-Gelber Schlingerkurs
Dann sollten wir auch mal über die Idee Europas reden.
Wenn wir eine europäische Marktwirtschaft wollen, sollten wir auch akzeptieren, dass manches in unseren Nachbarländern günstiger produziert werden kann als in Deutschland. Und das sollte doch wenigstens marktwirtschaftlich denkenden Menschen so recht sein. Wir können doch nicht immer, wenn in Europa mal etwas günstiger zu haben ist, versuchen, es noch billiger zu produzieren, und wenn der Lohn bei uns dann so niedrig ist, dass der Staat mit Sozialhilfe aushelfen muss. Das ist eine falsch verstandene Subvention. Dann unterbieten wir die Arbeitskosten in Polen, in Frankreich, in Spanien und auch noch in Griechenland..... und machen Europa, den Euro und die europäische Idee kaputt.Ich bin, also denke ich
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24.06.2011, 20:06Inaktiver User
AW: Schwarz-Gelber Schlingerkurs
Irgendwie wird man eine Statistik wahrscheinlich so hinbiegen können, dass 95% der Ganztagsbeschäftigten mindestens 7,50 € Stundenlohn erhalten. Wobei da ja wohl auch noch zum Lebensunterhalt aufgestockt werden muss.
Aber ein sehr großes Problem sind meiner Ansicht nach die 400-Euro-Jobs.
In ganzen Berufs-Zweigen sind die Arbeitsplätze ja in 400-Euro-Jobs umgewandelt worden, man denke da z. B. an den Einzelhandel.
Bevor ein Arbeitsuchender gar nicht arbeitet, weil er keinen Ganztagsjob bekommen kann, nimmt er wenigstens einen 400-Euro-Job an, von dem alleine er natürlich nicht leben kann.
Und bei 400-Euro-Jobs wird ganz bestimmt nicht in 95% der Fälle mindestens 7,50 / h gezahlt.
Ich habe keine Statistik dazu, aber ein Blick in den Stellenmarkt ist da eigentlich auch ausreichend.
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24.06.2011, 20:16
AW: Schwarz-Gelber Schlingerkurs
#wolfgang60
Es geht hier nur um "grenznahe Dienstleistungen".
Es gibt WELTWEIT kein einziges Beispiel, das der Situation an der Deutsch-Österreichischen Ostgrenze nahekommt. Überall auf der Welt ist die Lebenssituation zwischen benachbarten Ländern ENTWEDER auf vergleichbarem Nivau ODER die Grenze wird mehr oder weniger streng überwacht (zBsp. USA - Mexico)
Die Lebensverhältnisse werden sich sicherlich anpassen - allerdings werden die Deutschen einen Teil der Kosten tragen MÜSSEN. Ob dies nun über subventionierte Löhne oder eine höhere Arbeitslosigkeit oder Wegzug von Arbeitskräften erfolgt ist die politische Entscheidung. Nicht "ob man den AN in D nicht höhere Löhne gönnt" ...
Volkswirtschaftlich gesehen werden die Bürger dem günstigeren Angebot folgen - und mir ist ein Laden in Görlitz mit gezahlter Miete, der damit verbundenen Stabilisierung des Wohnumfeldes UND einer Angestellten mit 6€Lohn zzgl. 2,50€ Aufstockung lieber - als ein leerstehender Laden und eine Arbeitslose Angestellte mit 7€ H4-Anspruch. Der nächste Friseur in Polen liegt da fussläufig 300 m entfernt ...
In Ba-Wü soll sie ruhig 10 oder 15 € verdienen dürfen - hier sind die Nachbarländer Schweiz und Frankreich mit einem vergleichbaren Lohnniveau und einer Grenze die seit Jahrhunderten keine starken Wohlstandsunterschiede kennt - und wenn diese entstehen dann wird eben gewandert - von Deutschland in die Schweiz´und von Frankreich nach Deutschland.
Bei einer einzigen Fabrik in Karlsruhe sind zBsp. von 1.200 Beschäftigten - 850 Elsässer (Franzosen) und trotzdem ist die Grenzregion sowohl in Deutschland als auch in Frankreich mit relativ wenigen Arbeitslosen belastet. Diese Entwicklung braucht aber Zeit - und in der Zwischenzeit benötigt man strukturerhaltende Massnahmen - und die erhält man nicht wenn die Jugend abwandert oder Langzeitarbeitslos wird.
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24.06.2011, 20:37
AW: Schwarz-Gelber Schlingerkurs
@boriba,
benutzer181145 hat es schon angesprochen. Ein großes Problem sind auch die 400 Euro-Jobs, oder besser die 399,99 Euro-Jobs. Ich denke, das Problem sind a) die über Hartz4 subventionierten Arbeitsplätze und die 400 Euro-Jobs wie oben beschrieben. Wenn wir eine Verbesserung der Lebensverhältnisse direkt an der Grenze nach Polen erreichen wollen, müssen wir das über andere Wege versuchen, nicht über 400 Euro-Jobs etc.
Wir müssen aufpassen. Auch in anderen europäischen Ländern wird wie bei uns diskutiert. Und da heißt es bestimmt oft genug: "Die Deutschen drücken uns gegen die Wand". Und das stimmt. Wir haben innerhalb Europas ein solches Exportübergewicht, dass wir eher etwas abgeben müssen, als durch marktwidriges Verhalten noch zu verstärken.
Was bestimmte Regionen (z.B. Guben, Frankfurt....) betrifft, so gebe ich dir Recht. Auch Gebiete wie das Saarland wurden über Jahrzehnte hinweg subventioniert. Und das ist noch nicht vorbei. So müsste es auch im Osten Ostdeutschlands funktionieren.Ich bin, also denke ich
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25.06.2011, 10:10Inaktiver User
AW: Schwarz-Gelber Schlingerkurs
Das ist doch Quatsch hoch drei.
Erstens ist es keine Steuererhöhung, wenn ich durch Gehaltserhöhungen netto mehr in der Tasche habe. Das gilt auch dann, wenn der Grenzsteuersatz sich erhöht.
Zweitens gibt es keine Spielräume, um die kalte Progression tatsächlich zu beseitigen. Um einen erheblichen Teil der Bevölkerung steuerlich wirklich substanziell zu entlasten, müsste man nämlich anderen etwas wegnehmen. Wenn die FDP-Knallchargen plus Kauder behaupten, sie wollten die "unteren und mittleren Einkommen" entlasten, kann das Geld nur von zwei Quellen kommen: entweder durch entsprechende Neuverschuldung (Steuerentlastung auf Pump!!) oder durch Belastung der Gutverdiener, was gerade Schwarz-Gelb wohl kaum ernstlich in Erwägung ziehen. Es wird also keine substanzielle Entlastung geben können, sondern noch eine Portion Pommes, mit oder ohne Mayo.
Drittens wird die Steuersenkung damit argumentiert, dass die Steuereinnahmen höher seien als erwartet. - Das ist das dämlichste Argument überhaupt, denn diese Steuerentlastung müsste man nach dieser Logik in wirtschaftlich schlechten Zeiten entsprechend zurücknehmen (und damit eine schwache Konjunktur zusätzlich abwürgen), oder müsste sie in wirtschaftlich schlechten Zeiten auf Pump finanzieren.
Zusätzliche Steuereinnahmen durch eine florierende Konjunktur können für eine verantwortungsvolle Politik nur bedeuten, dass man die Neuverschuldung drastisch reduziert und den Schuldenabbau beschleunigt. Wenn die Schulden abgebaut sind und daher nicht mehr so viel Steuergeld in die Zinszahlungen fließt, ergeben sich automatisch Spielräume für die Steuerentlastung.
Aber doch nicht jetzt, wenn wir viel zu hohe Schulden haben!
Und einen Umbau der Energieversorgung planen!
Und eine kriselnden Euro, der uns noch uneingeplantes Geld kosten kann!
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25.06.2011, 10:14
AW: Schwarz-Gelber Schlingerkurs
Deutschland hatte in der EU in den letzten 10 Jahren das kleinste Wirtschaftswachstum, die Exporte ausserhalb der EU steigen stärker und die stärksten Exportnationen pro Einwohner sind Norwegen, Niederlande, Schweiz und Österreich ...
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