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  1. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wer braucht Ratingagenturen?
    Jede größere Bank, jedes Versicherungsunternehmen beschäftigt bestens ausgebildete Leute, die wissen, woher sie Informationen über den Wert von Beteiligungen, etc. herbekommen können und wie diese zu bewerten sind.
    So entsteht gezwungenermaßen der Verdacht, dass Ratingagenturen deshalb öffentlich auftreten, weil sie mit ihren Bewertungen großen Einfluss ausüben und entsprechend den Erwerb und Verkauf von Staatsanleihen, Aktien u.a.m. steuern
    Interessant ist ja auch, dass die vier größten Ratingagenturen alle in den USA sitzen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Eine geradezu absurde Äußerung hörte ich in einer anderen Sache, nämlich, nachdem bei Christie's das Bild eines ungarischen Malers weit überbewertet worden war: ein Mitarbeiter des renommierten Auktionshauses meinte, man habe sich überall erkundigt und daraus den Schluss gezogen, der angegebene Ausrufungspreis sei realistisch.
    Es ging offenbar weniger um die Qualität des Gemäldes sondern darum, welcher Preis irgendwo vielleicht bezahlt worden wäre.
    So funktioniert der Kunstmarkt generell. Es gibt keine klaren Kriterien für "gute Kunst", auch im Kunstmarkt funktioniert alles nach kapitalistischen Regeln.
    Beispielsweise kaufen Sammler junge Künstler relativ preiswert ein und leihen die Werke dann an renommierte Museen aus (die selbst nur noch sehr geringe Ankaufsetats haben). Eine Präsentation im Museum erhöht wiederum den Marktwert des Werkes, anschließend kann es im Auktionshaus mit einer hohen Rendite weiter verkauft werden. Der dort erzielte Preis beeinflusst dann auch alle anderen Werke des jeweiligen Künstlers. So werden Kunst und Künstler gemacht.

    Amüsanterweise sind diese Mechanismen den meisten Leuten immer noch nicht bekannt. Auf der Art Basel hörte ich Besucher, die ernsthaft zu glauben schienen, die Intention dieser Messe sei, möglichst gute Kunst zu zeigen Dabei ist es ein wild gemischter Basar, auf dem es nur ums Verkaufen geht.
    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mir fällt auf, dass seit einigen Tagen da und dort und auch von ExpertInnen geäußert wird, Griechenland müsse gerettet werden, auch für den Fall, dass es seine Schulden nicht zurückzahlen könne.
    Genau solche statements wurden - es ist nicht lange her - wie der leibhaftige Gottseibeiuns weit weggewiesen.
    Was sagt uns diese leise tropfende Gehirninfusion? Soll am Ende den SteuerzahlerInnen klargemacht werden, was jene, die es vehement bestritten, ohnehin schon lange wissen.........?
    Natürlich. Sie können das "Kreditereignis", das unabsehbare Folgen haben könnte, nur dadurch abwenden, dass sie den Steuerzahler belasten.
    Die Finanzwirtschaft hat sich ja bestens abgesichert: sobald sie mit zahlen müssen, gilt das ebenfalls als Pleite Griechenlands. Mich würde mal interessieren, wer sich diese geniale Konstruktion ausgedacht hat.

  2. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zu Ratingagenturen ein Artikel in der FTD den ich unterschreiben würde:

    Stoppt die Ratingclowns

    Daraus:

    Ratingagenturen sind überflüssig, weil sie Wissen über Staaten vorgaukeln, das sie nicht haben. Weitaus gefährlicher aber sind jene deutschen Politiker, die ihnen blauäugig folgen.
    von Thomas Fricke

    Es ist schon erstaunlich, was Ratingagenturen mit Verve so über den Zustand ganzer Länder von sich geben - in einer einzigen Note. Da ist Griechenland seit über einem Jahr vom Markt genommen, und vor lauter Panik kauft ohnehin kein Mensch mehr freiwillig griechische Anleihen. Trotzdem notet Standard & Poor's weiter vor sich hin: Jetzt wurde Griechenland von Schrott- auf Noch-mehr-Schrott-Niveau herabgestuft. Und die schweifende Erklärung könnte auch vom Stammtisch kommen.

    Die neue Note heißt bei der Agentur "CCC". Das haben sonst nur Länder wie Jamaika und Pakistan, gegenüber denen Griechenland - ganz im Ernst - hoch entwickelt ist.
    Solch ein groteskes Urteil bewirkt im Zweifel vor allem eins: dass es für Griechenlands Regierung trotz Radikalkur noch schwerer wird, bei Anlegern den Hauch eines neuen Vertrauens aufzubauen - und im Land noch Verständnis für weitere Reformen zu wecken.

    Noch grotesker ist aber, wie demütig jedes noch so absurde Urteil demokratisch ungewählter Ratingagenturen gerade von jenen Abgeordneten aus Deutschland mitgenommen wird, die seit Monaten klagen, dass sie bei Rettungseinsätzen von Staaten künftig mehr mitbestimmen wollen - weil das sonst undemokratisch sei. Was ist hier der größere Skandal?

  3. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Soweit man die Rolle von Rating Agenturen überhaupt für sinnvoll hält, ist die Einstufung Griechenlands als CCC durchaus gerechtfertigt: Ohne die Hilfszusagen von IWF und EU wäre das Land schon längst pleite, also bei einem Rating von D.

    Und die Zusagen sind ja auch bisher noch nicht fest - wenn es nach der Meinung von Vielen hier ginge, würde gar nichts mehr bezahlt.

    Auf jeden Fall ist es richtig, dass unser Parlament bei den Zusagen für Hilfen an Krisenstaaten schon mitbestimmen sollte, denn immerhin ist das Budgetrecht das vornehmste Recht jedes Parlaments.


    Natürlich haben die Agenturen aufgrund ihrer Untersuchungen midestens dasselbe Recht Griechenland als (mehr oder weniger) pleite, jedenfalls als ein ziemlich schlechtes Risiko darzustellen, wie es die meisten der Diskutanten hier ja auch tun.

    Griechenland ist einfach ein schlechtes Risiko.


    Und man sollte nicht vergessen, dass neben der (teilweise) korrupten Oberschicht ja auch die Bevölkerung insgesamt von dem geliehenen Geld durch Löhne und Renten profitiert hat, die sich das Land ohne Kredite offensichtlich nie hätte leisten können ....



    Ob es sinnvoll ist, die Rolle der Agenturen zu überprüfen und/oder eine europäische Agentur den Amerikanern zur Seite zu stellen, ist eine separate Frage, genau wie es die Frage ist, ob die Agenturen wirklich mehr bieten, als es manch kompetenter Banker und Wirtschaftsexperte auch könnte.

    Die Agenturen bieten nun mal den Service an, die anderen Experten nicht.

  4. gesperrt
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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Ratingagenturen sind ziemlich ungenau. Der Schuldenstand wird nicht einbezogen. Und je mehr Schulden ein Land macht, desto besser ist die Bewertung. Italien müsste beispielsweise eine wesentlich schlechtere Einschätzung bekommen. Bei dem Schuldenstand gelten sie als PIG und haben eine gute Rating-Bewertung.

    Von daher tut man gut daran, diese Bewertungen als ungefähren Richtwert zu sehen. Wirtschaftsexperten lassen den Schuldenstand eines Landes usw. mit einfließen und können die Lage somit wesentlich besser beurteilen. Tatsächlich haben einige Abgeordnete überhaupt keine Ahnung, was sie beschließen müssen und was nicht. Daher wird diesen Agenturen ein hohes Maß an Beachtung zugestanden, was nicht berechtigt ist. Agenturen sollten nicht das Denken ersetzen, das geht schief.

    Edit zu Colonna: Spekulanten freuen die falschen Einschätzungen sehr. Mit den Infos sehe ich es ähnlich: Die meisten sind ihre Existenz nicht wert und müssen mehrfach nachgerprüft werden- einschließlich aller möglichen Interessen.
    Geändert von Kauder (20.06.2011 um 17:57 Uhr)

  5. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    @djgm
    Es wäre noch zu untersuchen, wie weit Ratingagenturen durch ihre Veröffentlichungen Einfluss ausüben, Zinserhöhungen und dadurch Steigerung von Schulden verursachen, und in weiterer Folge die so Geschädigten schlechter einstufen.
    Für den Aktienmarkt bedeutet eine niedrige Bewertung Kaufvorteile für clevere Makler, von denen wir nicht wissen, ob sie nicht Zugang zu Ratingagenturen haben und daher Bewertungen mitbestimmen oder sogar steuern.
    Eine undurchsichtige Geschichte und deshalb, nach meiner Auffassung, überflüssig - natürlich nicht für jene, die davon profitieren.

    @Micheline
    Manches an unserem Leben erinnert an den 1. Hauptsatz der Thermodynamik, nämlich: die Energie eines geschlossenen Systems bleibt unverändert.
    Wir leben in einer Zeit, in der ein Wust an Informationen verfügbar ist. Aber sind diese Informationen auch wirklich Wissen?
    Nein, oder, besser gesagt, nur in gebündelter, mit einander verglichener und in eventuell ergänzender Form.
    Im Klartext, die Stunden, Tage, die wir aufgrund leicht zugänglicher Information einsparen könnten, müssen wir deshalb aufwenden, weil häufig, was wir im Netz oder in Zeitungen finden, von minderer Qualität ist; wir sind daher gezwungen, akribisch vorzugehen, wollen wir wirklich wissen. Das kostet Zeit. Wir sind dort angelangt, wo wir vor dem Informationszeitalter waren, wir tappen zwar nicht mehr herum auf der Suche nach Erklärungen, dafür aber müssen wir jene vielen, die es gibt, auf ihren Gehalt abklopfen.
    Bekanntlich ist Zeit Geld, erst recht jene von PolitikerInnen. Sie, wie wir gewöhnliche BürgerInnen, suchen sich ebenfalls im Internet, in den Zeitungen und Zeitschriften, über Radio und TV schlau zu machen, und das möglichst schnell, so kommt raus, was rauskommen muss:
    kaum streckt eine Ratingagentur den Daumen nach unten, erklären schon Abgeordnete, wie die Sachlage ist.
    Fast noch ein Glück, dass der Informationsfluss nicht nur dick sondern auch schnell ist, am nächsten Tag kann schon alles anders sein, deshalb sind (hoffentlich) manche unfundierte Ansagen von wichtigen Menschen ohne nachhaltige Wirkung.

  6. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Colonna,

    deiner Meinung nach sollte also jede Bank und jeder Investor sich selbst ein unabhängiges Bild von der Lage eines Landes oder eines Unternehmens machen.

    Grundsätzlich hast du natürlich Recht. Aber in der Praxis sehen viele der Institutionen diesen Aufwand als nicht gerechtfertigt an, da ja die Agenturen schon eine professionelle Bewertung abgeben.

    Was sie ja in sehr vielen Fällen auch tun.

    In meinen Augen ist das Problem nicht so sehr die Qualität der Bewertungen der Agenturen, sondern die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen, die dieses Oligopol hat. Und die Tatsache, dass vielleicht sogar die Fachleute in den Agenturen, sicher aber viele ihrer Nutzer durch die Masse der Daten überfordert sind (wie du es ja auch an Micheline geschrieben hast).

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    In meinen Augen ist das Problem nicht so sehr die Qualität der Bewertungen der Agenturen...
    ...sondern die Folgen...? Bei hoher Qualität der Bewertungen müsste man kaum um die Folgen Angst haben. Mit der Aussage die Qualität der Bewertungen sei nicht das Problem habe ich eins. Die Qualität ist geringfügig und die Folgen bisher deprimierend.

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Interessant ist ja auch, dass die vier größten Ratingagenturen alle in den USA sitzen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt
    Die USA als größter Währungskonkurrent der EU beeinflusst die Zukunft des Euros. Ein Grund mehr, sich nicht auf diese Rating-Agenturen zu verlassen.

  9. gesperrt
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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Zu Ratingagenturen ein Artikel in der FTD den ich unterschreiben würde:

    Stoppt die Ratingclowns
    Daraus möchte ich auch etwas einbringen:
    Als die Krise um Griechenland Ende 2009 losging, urteilte S&P noch, dass man Griechenland von "A-" auf niedliches "BBB+" herunterstufen müsse - und dass dessen Zukunft davon abhänge, ob die griechische Regierung einen detaillierten Konsolidierungsplan vorlegt und umsetzt. Unterton: Schaffen die ohnehin nicht. Dann hat die Regierung genau die Reformen durchgezogen, die EU und Internationaler Währungsfonds wollten. Das Ergebnis: Jetzt hat Griechenland bei denselben Agenturclowns die mieseste Note "CCC". Im Land schwindet angesichts solch eindrucksvoller Belohnung das Verständnis für Reformen - verständlicherweise.
    In Wirklichkeit hat das Konsolidieren zum Einbruch von Konjunktur und Steuereinnahmen geführt - was die Ratingagenturen vollkommen falsch prognostiziert hatten. Es sind jedoch die Griechen, die nun dafür zahlen müssen, nicht die Agenturen.
    Auch hier wieder Qualität der Beurteilung und das resultierende Leid.
    Geändert von Kauder (20.06.2011 um 18:40 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Amüsanterweise sind diese Mechanismen den meisten Leuten immer noch nicht bekannt. Auf der Art Basel hörte ich Besucher, die ernsthaft zu glauben schienen, die Intention dieser Messe sei, möglichst gute Kunst zu zeigen
    @visual
    *schäm* das habe ich auch gedacht. Allerdings richtet mich auf, dass ich noch nie auf der Baseler Kunstmesse war.

    @djgm
    Ich bin überzeugt, dass große Finanzinstitute ihr Wissen über den Finanzmarkt aus eigenen Quellen beziehen, über ihre Computer, im Sekundentakt, die benötigen keine Ratingagenturen, jedenfalls nicht für ihre Entscheidungen, vielleicht aber entscheiden sie bei denen mit.
    Ach, ich würde mir einen schönen Krimi im Stil der späten 60er wünschen, in dem all die Verwicklungen mit Hilfe attraktiver Stars aufgelöst werden, nicht ohne vorherige minutiöse Darlegung zum Verständnis des werten Publikums.
    Der Krimi kommt bestimmt, irgendwann, vielleicht dann, wenn der Plot nicht mehr so interessant ist, so wie uns die SoziologInnen, die lange selbst verwirrt dem Internet folgten, nun in großer Zahl erklären, was leider, leider ohnehin schon jede(r) weiß.
    Geändert von Inaktiver User (20.06.2011 um 19:23 Uhr)

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