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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Ich finde eine Diskussion ausgehend von einer "gefühlten" Unsicherheit schwierig.

    So wie luciernago habe ich in den 80ern in einer deutschen Großstadt mit knapp über 110.000 Einwohnern studiert, habe aber ganz andere Erfahrungen. Die Mitbewohnerin meiner WG wurde in einem öffentlichen Verkehrsmittel von zwei Männern vergewaltigt. Beim Warten an einer Bushaltestelle im Stadtgebiet hat ein Mann an der Haltestelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite onaniert, während er mir ins Gesicht gegrinst hat. Ähnliches in der Straßenbahn erlebt. Am Bahnhof sehr früh am Morgen beim Start in den Urlaub kam ein Mann auf mich zu, zwang mir ein Gespräch auf und als ich das nicht wollte, packte er mich am Arm. Dann ein Fest am Marktplatz, mitten am Tag im Vorbeigehen gegrölte Kommentierungen aus einer Männergruppe zu meinem Körperbau. Das hat mir alles eher kein Gefühl von Sicherheit gegeben. Das gilt umso mehr, als in der schwäbischen Kleinstadt, in der ich aufgewachsen bin genügend Vorfälle dieser Art bekannt waren.

    Mir war jetzt keine Region im öffentlichen Raum bekannt, vor der besonders gewarnt wurde. Gewarnt wurde allgemein zu besonderer Vorsicht. Man hat sich auch offen ausgetauscht zum Thema Pfefferspray und Ähnliches. Was man davon halten will, bleibt jedem überlassen, aber gefühlt gab es Sicherheit nicht.

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mir damals dachte, wie unglaublich es ist, dass eine Einstellung, die zu solchen Vorfällen beiträgt, in den 80ern noch so verbreitet ist und sich die Gesellschaft damit abgefunden zu haben scheint. Seitdem sind ein paar Jahrzehnte vergangen und ich bin enttäuscht, wie wenig sich in den Köpfen verändert hat. Das zeigt auch ein Blick in die Kommentarspalten zu den hier erwähnten Beiträgen. Diskussionen, bei denen die Verantwortung von den Tätern zum Opfer hingelenkt werden, wurden damals wie heute geführt, auch Sündenböcke wurden gesucht. Und auch damals hieß es, die jungen Frauen sind jetzt aber anders und lassen sich nicht alles gefallen.

    Wenn geschrieben wurde, dass sich bezogen auf männliche Rollenbilder etwas ändern muss, kann ich nur zustimmen. Das gilt aber ebenso für weibliches Rollenverständnis, nachdem nach wie vor auch von Frauen diskriminierendes Verhalten allzu verbreitet heruntergespielt wird, sei es nun aus dem Wunsch heraus, dass es nicht so schlimm ist oder man sich schon so daran gewöhnt hat, dass es als „ist nun mal so“ hingenommen wird oder um sich bei Männern anzubiedern.

    Geholfen hat mir damals als junge Frau eine Beschäftigung mit dem Thema, die bei mir aber ohnehin auch beruflich relevant war und eben zu unterscheiden zwischen dem Gefühl und der tatsächlichen Gefahrenlage. Dass die größte Gefahr für Mädchen Frauen von ihrem privaten Umfeld ausgeht, Verwandte, Partner, Vertrauenspersonen ist mittlerweile bekannter als damals, wird aber nach meiner Erfahrung auch in Nebenklageverfahren oft immer noch nicht ausreichend gesehen.

    Was mir an der hier genannten Berichterstattung nicht gefällt, sind – auch wenn meist mit einem Fragezeichen versehen – eine angebliche Vergleichbarkeit mit Städten in anderen Ländern, die mir reißerisch vorkommt. Und ich meine, dass jede Diskussion über eine „gefühlte" Lage weg von der tatsächlichen Lage, für die man unter anderem die Statistiken des BKA heranziehen könnte, dazu führt, Nebenkriegsschauplätze zu finden oder sich der Illusion einer guten alten Zeit hinzugeben.

    Oder um es mit den Worten von nur_so zu sagen:
    "Dann müsste man Belästigung und Bedrohung von Frauen ernster nehmen und bislang macht man das nicht."
    Das galt damals wie heute.

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von nur_so Beitrag anzeigen
    Jetzt würden mich schon die Daten aus Lima interessieren. Irgendwie glaube ich nicht, dass da „schlechte Beleuchtung“ als Grund für Unsicherheit auftaucht. Dafür halte ich die Bedingungen in Peru für Frauen als viel zu schlecht.

    Man sollte diese Daten allein auf Deutschland beziehen. Die Frage ist doch nur, ob man das Problem auch wirklich ernst nehmen und verändern möchte. Dann müsste man Belästigung und Bedrohung von Frauen ernster nehmen und bislang macht man das nicht.
    Plan hat ja keine Umfrage im herkömmlichen Sinn gemacht/in Auftrag gegeben, sondern Angaben von anonymen Teilnehmer/innen gesamelt, die auf einer im Internet für alle zuänglichen Karte Pins setzen konnten, und Kommentare dazu abgegeben haben, wobei weder Alters- noch Geschlechtsangaben stimmen mussten und "Angaben von männlichen Teilnehmern waren auf den Online-Stadtkarten zwar nicht sichtbar, wurden aber trotzdem in der Statistik erfasst." (aus dem Download-Link von Monalina). Ein Blick auf die Detail-Angaben aus den verschiedenen Städten zeigt, dass internationale Vergleiche verschiedener dieser Maps kaum belastbar sein dürften. Beispiel Hamburg und Lima: Der Anteil der Hamburger/innen an der Gesamteinwohnerzahl beider Städte liegt bei gut 17 Prozent, aber von den in beiden Städten gesetzten Pins sind 22 Prozent aus Hamburg. Noch deutlicher wird es bei Berlin und Delhi, wo der Bevölkerungsanteil der Berliner/innen 16,6 Prozent, der der Pins aber nur 2,15 Prozent ausmacht.

    Für mich ist dieses Plan-Projekt ein eindeutiges Zeichen dafür, dass es höchste Zeit ist für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, nach über 15(!) Jahren wieder eine wissenschaftlich fundierte Studie zu dem Thema in Auftrag zu geben, aus deren Ergebnisse dann endlich mal ressortbergreifend Taten folgen müssen.
    Starke Frauen sind leicht zu erkennen.
    Sie bauen sich gegenseitig auf, statt sich gegenseitig fertig zu machen.

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von Zwekke Beitrag anzeigen
    Für mich ist dieses Plan-Projekt ein eindeutiges Zeichen dafür, dass es höchste Zeit ist für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, nach über 15(!) Jahren wieder eine wissenschaftlich fundierte Studie zu dem Thema in Auftrag zu geben, aus deren Ergebnisse dann endlich mal ressortbergreifend Taten folgen müssen.
    Ja, da stimme ich dir absolut zu.
    Das dumme an Halbwahrheiten ist, dass man meist die falsche Hälfte glaubt

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von luciernago Beitrag anzeigen
    Ich kann zu dem Thema gefühlte Unsicherheit nur meine persönlichen Erfahrungen wiedergeben.

    Als ich anno 1980 studiert habe, bin ich des öfteren abends mit den Öffis nach Stuttgart gefahren und zu einer Freundin gelaufen, die mitten in einem Rotlichtviertel wohnte. ...

    Ich konnte mich dort überall bis in die Morgenstunden völlig ungehindert udn ohne Belästigungen bewegen. ...
    Seit Mitte der 70er Jahre habe (nicht nur) ich, wenn ich abends allein in der sauerländischen Kleinstadt unterwegs war, meinen Schlüsselbund nur so in der Hand gehabt.
    Starke Frauen sind leicht zu erkennen.
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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Ist das hier der Strang in dem es um wechselnde aktuell-politische Dinge geht/gehen darf?

    In welchem man sich z. B. zu den aktuellen News austauschen darf? Da gibt es ja zur Zeit noch ein klein wenig mehr als Covid-19. Demos in Leipzig, Navalny und die Gaspipeline 2, bloß nicht noch mehr Corona...
    Make love - not war!

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Ja, genau so

    Dies ist der Strang für alle Themen, die man mal kurz ansprechen und diskutieren möchte, und die in keinen vorhandenen Strang passen.

    Sollte sich aus einem solchen Einzelthema dann eine längere Diskussion entwickeln, behält sich die Moderation vor, diese in einen eigenen Strang auszulagern.


    Viele Grüße,

    Analuisa, Moderation
    Ich weiß noch, wie wir in Auschwitz in der Baracke saßen und uns überlegt haben,was wir den Deutschen antun würden. [...] es waren die schlimmsten Dinge, über die wir nachdachten. Aber dann sagten wir uns: Wenn wir das täten, dann wären wir genauso schlimm wie sie.
    Ruth Webber, geb. Rut Muszkies, zum Zeitpunkt ihrer Befreiung 9 Jahre alt


    Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.

  7. Moderation

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Belllatrix, ich schrieb weiter oben:

    Zitat Zitat von Analuisa Beitrag anzeigen
    Dies ist der Strang für alle Themen, die man mal kurz ansprechen und diskutieren möchte, und die in keinen vorhandenen Strang passen.
    (Hervorhebung nachträglich gesetzt)

    Die von dir angesprochene Aktion passt thematisch gut in den Migrationsstrang, weswegen ich deinen Beitrag jetzt dorthin verschiebe.


    Bitte guckt immer erst, ob es bereits einen Strang gibt, in den euer Anliegen passt.

    Analuisa, Moderation
    Ich weiß noch, wie wir in Auschwitz in der Baracke saßen und uns überlegt haben,was wir den Deutschen antun würden. [...] es waren die schlimmsten Dinge, über die wir nachdachten. Aber dann sagten wir uns: Wenn wir das täten, dann wären wir genauso schlimm wie sie.
    Ruth Webber, geb. Rut Muszkies, zum Zeitpunkt ihrer Befreiung 9 Jahre alt


    Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.

  8. Moderation

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Blila, ich schrieb weiter oben:

    Zitat Zitat von Analuisa Beitrag anzeigen
    Dies ist der Strang für alle Themen, die man mal kurz ansprechen und diskutieren möchte, und die in keinen vorhandenen Strang passen.
    (Hervorhebung nachträglich gesetzt)

    Die von dir angesprochene Aktion passt thematisch gut in den Strang "Die Regierung von Donald Trump", weswegen ich deinen Beitrag dorthin verschoben habe.


    Bitte guckt immer erst, ob es bereits einen Strang gibt, in den euer Anliegen passt.

    Analuisa, Moderation
    Ich weiß noch, wie wir in Auschwitz in der Baracke saßen und uns überlegt haben,was wir den Deutschen antun würden. [...] es waren die schlimmsten Dinge, über die wir nachdachten. Aber dann sagten wir uns: Wenn wir das täten, dann wären wir genauso schlimm wie sie.
    Ruth Webber, geb. Rut Muszkies, zum Zeitpunkt ihrer Befreiung 9 Jahre alt


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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Danke. ich hatte das Bild bewusst hier reingestellt, weil ich gar nicht (mehr) über Trump diskutieren mag, ich halte ihn für selbst erklärend. Aber der Einfall für diese Fotoperspektive hat mich (zugegeben auf niedrigem Niveau) amüsiert, mehr hier nicht; dafür wusste ich grad keinen passenden Strang. Es ist aber so unwichtig, dass mir auch wurscht ist, wo der link steht

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Ich habe heute früh auf 3sat einen ganz tollen Vortrag gesehen von Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier zum Thema Erosion des Rechtsstaates. Er war bis 2010 Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Und ich hoffe, das passt hier rein.

    hier

    Wenn nicht, vielleicht kann mein Posting verschoben werden. Hat mir auch so gefallen, weil alles so gut ausgedrückt war, dass selbst ich das verstehen konnte. Wirklich gut gemacht (und themenübergreifend, deshalb hier)

    Es ist allerdings ein Film von ca. 45 Minuten. Ansonsten kann man das auch ergooglen. Der Titel heißt "Die Warnung über die schleichende Erosion des Rechtsstaates" (SWR Tele-Akademie)
    Make love - not war!

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