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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    aber für die Schlachthöfe in den Großstädten ist das keine Lösung.
    es gibt keine kommunalen Schlachthöfe mehr. Vor mehr als 50 Jahren begann die Abwickelung. Es war so ziemlich die erste Privatisierung öffentlicher Aufgaben.

    Am Anfang wurden die neuerrichteten Großschlachthöfe gerne auf Landesgrenzen gesetzt, so dass die zuständige Veterinärämter nur je einen halben Betrieb durchleuchten konnten. Das ist heute nicht mehr nötig. Diese Ämter wurden zusammengespart und erscheinen nur noch nach Ankündigung.

    In Deutschland sind laut der Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) derzeit 4.177 Betriebe für die Schlachtung von Schweinen, 3.878 für die Schlachtung von Rindern und 238 Unternehmen für die Schlachtung von Geflügel zugelassen.
    Proplanta

    Marktführer Tönnies konnte seine Position mit 16,60 Mio. geschlachteten Schweine im vergangenen Jahr ausbauen, ein Plus von 2,5 Prozent. Dieses ist insbesondere auf den Ausbau des Standortes in Schleswig-Holstein zurückzuführen. Der Schlachthof in Kellinghusen wird Schritt für Schritt modernisiert und die Kapazitäten sollen auf jährlich 1,7 Mio. Schweine aufgestockt werden.
    agrarheute

    Die Konzentration auf die 10 größten Schlachtbetriebe liegen bei den Lebensmittelketten Edeka, Aldi, Lidl und Konsorten. Sie brauchen die Billigangebote.
    Geändert von Opelius (20.06.2020 um 14:44 Uhr)
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  2. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    es gibt keine kommunalen Schlachthöfe mehr. Vor mehr als 50 Jahren begann die Abwickelung. Es war so ziemlich die erste Privatisierung öffentlicher Aufgaben.
    Von kommunalen Schlachthöfen sprach ich auch nicht, sondern von Schlachthöfen in Großstädten. Natürlich gibt’s beispielsweise in München noch einen Schlachthof, in der Zenettistraße.

    Proplanta
    agrarheute
    Die Konzentration auf die 10 größten Schlachtbetriebe liegen bei den Lebensmittelketten Edeka, Aldi, Lidl und Konsorten. Sie brauchen die Billigangebote.
    Das aus deinem Link (danke dafür) bezieht sich übrigens ausschließlich auf Schweine. Rinder gibt es ja auch noch.


    Au weia, ich glaube, gleich kriegen wir Haue, weil es ja einen separaten Schlachthof Strang gibt. Mir geht es aber wirklich um die Bedingungen der Arbeiter und die möglichen politischen Lösungen für die Arbeitsbedingungen. Und Wohnbedingungen.

  3. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Über die unbezahlten Überstunden/Nachtzuschläge/Urlaubstage und die "Netto-Abzüge", mit denen der Mindestlohn in der Fleischindustrie gedrückt wird, ist in der letzten Zeit mindestens so oft berichtet worden wie über die katastophale Unterbringung der Arbeiter in den Bruchbuden und die Wuchermieten für dieselbigen. Dass es Leute gibt, die es nicht mitbekommen haben, wundert mich nun sehr.

    Hier eine kleine Auswahl der "Netto-Abzüge" für: Schutzkleidung, Arbeitsschuhe, Arbeitshandschuhe, Helme, Kaution für Werkzeuge, Instandhaltung der Werkzeuge, Benutzung des Pausenraumes (plus dessen Reinigung) ...

    Selbst wenn der Zoll bei Kontrollen auf solche Missstände aufmerksam wird, sind ihm die Hände gebunden. „Dadurch, dass Beträge vom Nettolohn abgezogen werden, hat der Zoll keine Zuständigkeit mehr“, erklärt Brümmer. Der Zoll verweise hier auf eine zivilrechtliche Klage und gehe dem Verstoß nicht weiter nach. Die Verträge, die oft einen einwandfreien Mindestlohn ausweisen, würden überprüft, die Verdienstabrechnungen nicht. „Es ist üblich, dass der Mindestlohn nur auf dem Papier eingehalten wird“, betont Brümmer.
    Quelle

  4. User Info Menu

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Hier auch noch ein bericht vom WDR.

    Dass diese Subunternehmen die Wohnungen stellen, ist auch üblich. Eher ungewöhnlich sind aber die Mietverträge. So heißt es in einem Vertrag, der dem WDR vorliegt: "Im Falle eines Fernbleibens von der Arbeit wird dem Arbeitnehmer zusätzlich eine Nutzungspauschale von 10 Euro pro Tag für die Nutzung der Wohnung berechnet." Wer sich krank fühlt, könnte da lieber zur Arbeit gehen - in Zeiten von Corona ein fatales Signal.


    Es gab in NRW auch einen infektionsherd bei schlachtarbeitern, die in NRW wohnen, aber in den Niederlanden arbeiten. Es ist ein systemisches problem der gesamten branche.

    So hatte zum Beispiel das Gesundheitsamt in der Gemeinde Rhede im Kreis Borken erst nach nach Massentests in einem Hochhaus festgestellt, dass 21 Bewohner mit Corona infiziert sind - es handelte sich um Fleischarbeiter aus den Niederlanden. Ein Subunternehmen des niederländischen Fleischbetriebes Vion hatte die osteuropäischen Arbeiter dort untergebracht.
    WDR
    nichts ist wie es scheint

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Mehr Corona-Fälle bei Tönnies
    14:11 Uhr

    In der Fleischfabrik Tönnies gibt es mehr Infizierte als bisher bekannt: Der zuständige Landrat Adenauer teilte mit, dass es inzwischen 1029 Corona-positive Fälle gebe. Insgesamt lägen mehr als 3000 Befunde vor. Derzeit würden 1300 Adressen im Kreis Gütersloh aufgesucht, an denen Tönnies-Mitarbeiter wohnen.
    Tagesschau
    In den Lokalnachrichten um 17.00 Uhr wurde berichtet, dass die Firma Tönnies nicht in der Lage war, die Adressen ihrer Mitarbeiter herauszugeben. Mit richterlichen Beschluß hat die Kreisbehörde sich diese Unterlagen aus der Personalabteilung der Firma heute besorgt.

    Ergänzung:
    Auf einer Pressekonferenz vor einer Stunde hat sich Clemens Tönnies für die Vorfälle in seiner Firma entschuldigt. er erklärte, dass in den letzten Tagen im Krankenhaus behandelt wurde (nicht wegen Corona). Sein Neffe Robert, der seit Jahren gegen seinen Onkel prozessiert, ließ sich nicht blicken.
    In einem Nachbarstädtchen Verl wurde ein ganzen Wohnbezirk abgeriegelt.
    „Aufgrund der sich immer mehr zuspitzenden Lage“ hat sich die Stadt laut Bürgermeister Michael Esken dazu entschieden, Bereiche in Verl-Sürenheide, in denen viele erkrankte Tönnies-Mitarbeiter leben, unter Quarantäne gestellt. Betroffen sind der Zollhausweg, die Grillenstraße und Libellenstraße.
    Betroffen von der Abriegelung sind nicht nur die Mitarbeiter von Tönnies und ihre Familien, sondern alle Menschen in dem abgesperrten Gebiet – auch wenn sie mit der Firma Tönnies nichts zu tun haben.

    Allein in drei großen Wohnblöcken am Zollhausweg leben 363 Menschen – unter ihnen 250 Tönnies-Mitarbeiter. Während der Quarantäne-Zeit dürfen die betroffenen Anwohner das Gebiet nur mit einer Ausnahmegenehmigung verlassen"
    Westfalenblatt

    Ministerpräsident Laschet erwägt bei steigender Infektionszahlen ganz Ost-Westfalen-Lippe abzuriegeln und den erneuten Lock-Down anzuordnen.

    Da freue ich mich aber drauf!
    Geändert von Opelius (20.06.2020 um 18:31 Uhr)
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  6. VIP

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Kleiner geschichtlicher Exkurs über die Ausbeutung von Migranten in der Fleischindustrie (Hervorhebung durch mich):

    The Jungle,” a harrowing account of a Lithuanian immigrant’s experience laboring in Chicago’s meatpacking industry, was serialized in the Socialist magazine Appeal to Reason in 1905 before the installments were collected and published as a book in 1906. It came on the heels of exposés by the press and after months of reporting in Chicago’s Packingtown, as the neighborhood around the stockyards was known, by Sinclair himself.

    Upton Sinclair, Whose Muckraking Changed the Meat Industry - NYTimes.com
    Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
    Die Ärzte

  7. Moderation

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Den Roman habe ich vor Jahrzehnten mal gelesen - da musste ich neulich auch schon dran denken.
    Moderation in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.

    ... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs

  8. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    ...
    Ich weiß ja nicht, warum das nicht ankommt: ich glaube nicht, dass die meisten osteuropäischen Arbeiter das wollen würden. Die wollen nur was Billiges, in dem sie übernachten können, wenn sie zum Arbeiten hier sind, damit mehr für die Familie bleibt.
    Wenn aber die Unterbringung Bestandteil des Arbeitsvertrages ist, gibt es die Entscheidung nicht, wie die Leute wohnen wollen, sondern nur die Entscheidung, ob sie den Job haben wollen, oder nicht. Denn "was Billiges" sind die Wuchermieten für die meist abgeranzten Massenunterkünfte ja nun nicht. Wenn man sich den (noch gültigen) Mietspiegel für Gütersloh ansieht, würden drei Arbeiter, die sich eine 60 Quadratmeter große Wohnung teilen, durchaus günstiger wegkommen.

    Das Vermögen von Clemens Tönnies wird auf über zwei Milliarden Euro geschätzt. Der Mann könnte sehr, sehr viele Wohnungen bauen und günstig vermieten, ohne dass es ihm finanziell auch nur ein kleines bisschen weh täte.

  9. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Und du glaubst, Tönnies oder welche Schlachtfabriken auch immer würde einen Arbeitsvertrag abschließen, bei dem die Unterbringung Bestandteil ist? Warum sollten sie das tun?

  10. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und du glaubst, Tönnies oder welche Schlachtfabriken auch immer würde einen Arbeitsvertrag abschließen, bei dem die Unterbringung Bestandteil ist? Warum sollten sie das tun?
    Ich schrieb ja nur, Clemens Tönnies "könnte". Bei einem Mann, der nicht einmal soviel soziale Veratwortung besitzt, dass er den Behörden, die die Tests organisieren, die Adresslisten seiner Belegschaft nicht freiwillig überlässt, rechne ich damit überhaupt nicht.

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