Ernst gemeinte Frage: können die, die von Ausbeutung bei Tönnies und anderen Schlachtfabriken sprechen, mal sagen, inwiefern die Arbeiter dort ausgebeutet werden? Werden dort die Arbeitsschutzgesetze nicht eingehalten, und wenn ja, in welcher Form? Liberta, du hast beispielsweise davon geschrieben, aber auch andere.
Dass die Wohnbedingungen katastrophal sind, habe ich verstanden, das ist aber ja ein anderes Thema, das man abstellen muss, wobei ich mich frage, wie das gehen soll. Muss es dann für jede Wohnung in jedem Bundesland Deutschlands einen Belegungsplan geben und eine Zahl, ab der die Wohnung dann überbelegt ist? Denn selbst wenn die Osteuropäer alle beim Schlachtbetrieb selbst angestellt sind, verbessert das deren Wohnsituation ja nicht unbedingt. Die können sich immer noch privat in einer Kaserne einmieten und dort zu zehnt in einem Zimmer hausen.
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20.06.2020, 10:30Inaktiver User
AW: Politik- und Gesellschaftstalk
Geändert von Analuisa (20.06.2020 um 11:22 Uhr) Grund: Beitragsüberschrift nach Verschiebung angepasst
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20.06.2020, 11:13Inaktiver User
AW: Politik- und Gesellschaftstalk
Ja, im ersten Impuls hat er das getan, wobei ich denke, dass er eben durch bestimmte Mechanismen in der Öffentlichkeit derzeit sehr unter Druck steht.
Da es ein Halbsatz ist und er danach andere Gründe nennt die in der Diskussion unterschlagen werden, er diesen Halbsatz zurück genommen bzw. erläutert hat (natürlich wird Pressefreiheit die jetzt wieder gilt die Eindämmung des Virus schwieriger machen), finde ich die Aufregung künstlich und unfair.
Aber so läuft Politik halt derzeit.
Ich verstehe, dass sich das kaum wer mehr antun will.Geändert von Analuisa (20.06.2020 um 11:22 Uhr) Grund: Beitragsüberschrift nach Verschiebung angepasst
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20.06.2020, 11:19
AW: Politik- und Gesellschaftstalk
Moderationshinweis
Einige Beiträge aus dem Strang "Die Grosse Koalition in der Legislaturperiode 2018-2021" wurden hierher verschoben.
AnaluisaModeration in der Religion, der Politik und im Glücklicher Leben.
... und seit dem 16.11. unter demselben Nick bei Be Friends Online unterwegs
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20.06.2020, 11:30Inaktiver User
AW: Politik- und Gesellschaftstalk
Jemand, der sich da wirklich gut auskennt, weil er seit Jahren darauf aufmerksam macht und dagegen ankämpft ist der Lengericher Pfarrer Peter Kossen: klick
Geändert von Inaktiver User (20.06.2020 um 11:37 Uhr)
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20.06.2020, 11:42
AW: Politik- und Gesellschaftstalk
Das Problem in allen Schlachthöfen ist zu vorderst: die dort arbeitenden Rumänen, Litauer, Moldavier, Bulgaren und andere Nationalitäten, sind keine Angestellten des größten Fleischbetriebes Deutschlands. Sub- und Sub-Sub-Unternehmer heuern die Leute in ihren Heimatländern an. Sie sind die Arbeitgeber dieser Gruppen. Sie vermieten ihre Arbeitnehmer an Tönnies, der angeblich den Mindestlohn zahlt. Die Sub-Sub-Unternehmer bringen auch ihre Mitarbeiter unter in schnell angemieteten Wohnungen, bis zu 4 Mann in einem Zimmer und selbst in der Küche zu je 350 € pro Bett. Nein, die Überbelegung wird nicht erfasst.
In dem Video über die Werkskantine sitzen die Leute eng an eng und nehmen das Kantinenessen ein, aber genau dieselben Bedingungen herrschen am Arbeitsplatz: Mann neben Mann zerteilen und zerschneiden das Fleisch bei gut gekühlten Temperaturen. Was offensichtlich eine Ausbreitung einer Viruserkrankung begünstigt.
Clemens und Robert Tönnies liegen sich seit Jahren in den Haaren, wer das Sagen hat. Beide Onkel und Neffe sind Multimillionäre.
Das Prinzip Schlachter und Zerleger aus Osteuropäischen Ländern anzuheuern ist in allen großen Schlachtbetrieben üblich. Und es ist auch üblich, dass das Anwerbung und Betreuen des Personals von Sub-Unternehmer erfolgt.
Heute früh hatten die Sanitätssoldaten und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes unter den 5000 Angestellten, die in Rheda-Wiedenbrück arbeiten 803 Infizierte ermittelt, aber erst die Hälfte des Personals ist durchgetestet. Die Erkrankungen sind allerdings auch auf andere Mitarbeiter der Firma übergesprungen. Bei uns im Kreis Lippe waren Anfang der Woche nur ein Erkrankten noch gemeldet. Inzwischen ist die Zahl auf 10 hochgeschnellt. Ähnliches passiert in ganz Ostwestfalen, es betrifft Städte wie Hamm, Bielefeld, Paderborn und Gütersloh. Alle Krankenhäuser haben die Corona-Intensiv-Stationen wieder eröffnet. In Gütersloh wurden vom Landrat Adenauer alle Kitas und Schulen wieder geschlossen.
Die vielen Erdbeer- und Spargelbauern in unserer Region haben ebenfalls Hunderte von Erntehelfer aus Osteuropa angeheuert. Diese Saisonkräfte werden von den bauern selbst untergebracht. Bisher hat es bei denen keine Coronaerkrankungen gegeben. Dafür sind beide Produkte auch sehr viel teurer als im Vorjahr.
Noch glauben die Tönnies, dass sie durch Lobbyarbeit mehr Kontrollen und das Abschaffen des Subunternehmertums vermeiden können. Ich hoffe, dass kein Politiker mehr ihre Wünsche erfüllen wird. Das ganze Fleischverarbeitungssystem muss sehr gründlich reformiert werden - mit der fürchterlichen Auswirkung für die Grillfans, dass ein Kilo Grillfleisch nicht mehr für 1,99 zu haben ist.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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20.06.2020, 12:00Inaktiver User
AW: Politik- und Gesellschaftstalk
Erstmal danke an Zwekke, lese ich gleich noch.
Auch danke an Opelius, habe ich gelesen.
Es geht mir aber um die Ausbeutung, die hier und in der Presse immer wieder angeprangert wird und die angeblich in den Schlachtfabriken seit Jahren stattfindet. Die kann ja nur am Arbeitsplatz stattfinden, nicht bei der Unterbringung. Dass es nicht in Ordnung ist, die Corona Vorschriften am Arbeitsplatz nicht einzuhalten, muss natürlich entsprechend verfolgt werden, aber angeblich wurden die Arbeiter ja früher schon, vor Corona, ausgebeutet. Wie denn, das wüsste ich mal gerne. Auch der FAZ Artikel spricht von Ausbeutung, benennt aber nicht wie das vonstatten geht. (Bitte nicht falsch verstehen: das soll jetzt nicht heißen, dass ich nicht glaube, dass in den Schlaftabletten heute gelesen, ich hätte nur gerne gewusst und verstanden in welcher Form das passiert.) Ich glaube nicht, dass die weniger verdienen als Mindestlohn. Bei unseren Gesetzen haftet der Auftraggeber (die Fleischfabrik) dafür, dass den Mitarbeitern Mindestlohn bezahlt wird und bei denen schaut man auch als erstes hin, weil man da besonders misstrauisch ist.
Ich frage mich eben auch, wie man das abstellen soll, dass die Osteuropäer zu zehnt in einem Zimmer hausen. Wie ich oben schon sagte, wenn sie in Zukunft bei den Schlachtfabriken selbst angestellt sind, was ändert sich dann? Dann mietet eben einer von denen ein Apartment oder eine Kaserne und sie hausen zu zehnt pro Zimmer. Wo ist dann der Unterschied? Die wohnen doch so, weil sie dann möglichst viel Geld sparen können, um damit ihre Familien in ihren Herkunftsländern ernähren zu können. Jedem von denen könnte man ein Hotelzimmer anbieten das würden die nicht bezahlen wollen, seht Ihr das anders? Ich kann doch niemandem verbieten, in Deutschland „schlecht“ zu wohnen?Geändert von Inaktiver User (20.06.2020 um 12:07 Uhr)
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20.06.2020, 12:17
AW: Politik- und Gesellschaftstalk
@ BlueVelvet06
Wenn die Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen "normal" wären, fänden auch Inländer dort ein Auskommen. Außer den Meistern in den Betrieben (und den Angestellten in der Verwaltung) arbeiten in dem eigentlich Schlachtbetrieb und an den Zerlegebänken keine Inländer. Es wird im Akkord gearbeitet.
Die Osteuropäer stehen unter der Fuchtel ihrer eigenen Brigadeführer. Die werben sie zu Hause an, transportieren sie in schrottreifen Bullis und Bussen zu den Zerlegebetrieben und bringen sie wieder nach Hause gegen entsprechende Gebühren. Sie mieten den Wohnraum an und überbelegen ihn. Aber das interessiert die Besitzer der Schlachtbetriebe nicht.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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20.06.2020, 12:26
AW: Politik- und Gesellschaftstalk
Da der Schlachtbetrieb seinen Auftrag an den Subunternehmer vergibt, ist er nicht mehr für die Arbeitssicherheit und Einhaltung der Arbeiterrechte verantwortlich, denn die hat er ja abgegeben. Wer kontrolliert Arbeitszeit und Pausen? Wer ist bei Nicht-Einhaltung verantwortlich? Deutsche oder bulgarische Gerichte?
Bei dem Subunternehmertum gibt es viele Lücken, die Ausbeutung zulassen.Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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20.06.2020, 12:27Inaktiver User
AW: Politik- und Gesellschaftstalk
Was kann man tun, um das zu verhindern? Das geplante Gesetz, dass Schlachtfabriken die Leute direkt anstellen müsse, ändert daran doch nichts?
Ich zitiere mich mal selbst „ Ich frage mich eben auch, wie man das abstellen soll, dass die Osteuropäer zu zehnt in einem Zimmer hausen. Wie ich oben schon sagte, wenn sie in Zukunft bei den Schlachtfabriken selbst angestellt sind, was ändert sich dann? Dann mietet eben einer von denen ein Apartment oder eine Kaserne und sie hausen zu zehnt pro Zimmer. Wo ist dann der Unterschied? Die wohnen doch so, weil sie dann möglichst viel Geld sparen können, um damit ihre Familien in ihren Herkunftsländern ernähren zu können. Jedem von denen könnte man ein Hotelzimmer anbieten das würden die nicht bezahlen wollen, seht Ihr das anders? Ich kann doch niemandem verbieten, in Deutschland „schlecht“ zu wohnen?“
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20.06.2020, 12:30Inaktiver User


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