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  1. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Heute vor 60 Jahren wurde der iranische Premierminister Mohammed Mossadegh gestürzt.

    Mossadegh, im letzten Drittel des 19.Jhdts. in eine wohlhabende persische Familie mit weitverzweigten Verbindungen in einflussreiche Gesellschaftsschichten geboren, bereits im kindlichen Alter pro forma mit Ämtern betraut, die viel Geld einbrachten, verließ das Land, als seine Wohltäter an Macht verloren, ging zunächst nach Paris, wo er mit allerlei nicht ganz einwandfreien Zeugnissen und Bestätigungen als Gasthörer an Vorlesungen in einer Privathochschule teilnahm und zu Prüfungen zugelassen wurde.

    Mit den Prüfungsergebnissen der Pariser Hochschule immatrikulierte er an einer Schweizer Universität, studierte dort Rechtswissenschaften. Seine Dissertation ließ er von einem iranischen Experten verfassen.
    Zunächst arbeitete er in der Schweiz, 1914 kehrte er in den Iran zurück.
    Er besetzte allerlei politische Ämter, seine wirkliche Karriere begann, als der Vater von Reza Pahlewi (der Sympathien für die Nationalsozialisten bekundete) von den Alliierten zum Rücktritt gezwungen und Reza Pahlewi an die Macht kam.

    Mossadegh gründete eine Partei, die „Nationale Front“, die sich im Besonderen der Frage der Einnahmen aus den iranischen Erdölreserven widmete. Seit Beginn des 20.Jhdts. schöpften die Briten einen Großteil der Gewinne aus dem Erdölgeschäft ab.
    1951 enteignete Mossadegh das seit den 20er Jahren bestehende Ölkartell, das sich als Nachfolgerin eines britischen Konzerns aus mehreren ausländischen Konzernen gebildet hatte.
    Das Kartell verlangte eine britische Intervention. Die damals regierende Labour-Regierung zögerte. Auch die USA (Truman) lehnten einen Militäreinsatz ab. Alle britischen Experten verließen den Iran, der Ölverkauf wurde boykottiert, das Land schlitterte in eine Wirtschaftskrise.
    Die aus der Not erwachsene Annäherung des Iran an die UdSSR beunruhigte die Amerikaner so sehr, dass, als Eisenhower Präsident geworden war, die CIA eingeschaltet wurde, die unter der Leitung eines Enkels von Theodore Roosevelt mit Hilfe eines Putsches Mossadegh stürzen und so das „Erdölproblem“ aus der Welt schaffen sollte.

    Am 19. August 1953 wurde Mossadegh entmachtet, der Schah kehrte aus einem kurzzeitigen Exil zurück und das Kartell aus europäischen und US-amerikanischen Konzernen nahm die Ölförderung, die Verarbeitung, den Vertrieb und Verkauf wieder auf.

    In einem Brockhaus von 1980 steht: Die Enteignung der Anglo-Iranian Oil Company führte zu einem Konflikt mit Großbritannien….und zu einem Verfassungskonflikt zwischen Mossadegh und dem Schah. Nach dem Sturz Mossadeghs und der Beilegung des Konfliktes mit Großbritannien leitete der Schah Reformen ein….
    Die CIA ist kein Thema. Wussten die Leute bei Brockhaus nichts davon?
    Ob die CIA derzeit auch in Ägypten mitmischt? Und die Welt wird durch die NSA abgelenkt?
    Geändert von Inaktiver User (19.08.2013 um 22:01 Uhr)

  2. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Auch Diktatoren können irren:
    Als Pervez Musharraf im Frühling dieses Jahres aus dem Exil in Dubai nach Pakistan zurückkehrte, um an den Parlamentswahlen teilzunehmen, rechnete er wohl mit Unterstützung aus der Armee. Diese wurde ihm offenbar versagt. Er steht nun unter Anklage, an der Ermordung seiner Rivalin Benazir Bhutto beteiligt gewesen zu sein. Bhutto war Ende 2007 nach einer Wahlkampfveranstaltung in Rawalpindi Opfer eines Attentats geworden.
    Wer die Auftraggeber waren, wurde bis heute nicht geklärt.
    Nun steht Musharraf unter Mordanklage; wie immer der undurchsichtige Prozess ausgeht, in die Politik wird der frühere Militärherrscher wohl nicht mehr zurückkehren können.

  3. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Übermorgen, am 11.9., jährt sich zum 40. Mal der Todestag des chilenischen Präsidenten Salvador Allende.
    Nach dem Militärputsch unter Führung Augusto Pinochets beging Allende angeblich Selbstmord.
    Allende hatte seit den Wahlen 1970 versucht, Chile zu einem sozialdemokratisch geführten Staat umzuwandeln.
    Leider verkannten die USA den Trend zu einem demokratischen Sozialismus(Kissinger:„Ich sehe nicht ein, weshalb wir zulassen sollen, dass ein Land marxistisch wird, nur weil die Bevölkerung unzurechnungsfähig ist.“), boykottierten das Land und seine Wirtschaft unter tatkräftigem Beistand Westeuropas, bis die Zustände tatsächlich so prekär geworden waren, dass sie "reif" für einen Militärputsch schienen, der dann auch gelang.
    Hundertausende Menschen wurden gefoltert, viele verschwanden für immer.
    Geändert von Inaktiver User (09.09.2013 um 12:49 Uhr)

  4. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Mit Spannung wird die Rede des iranischen Präsidenten Rohani vor der UN-Vollversammlung erwartet.
    Angeblich hat er von Ali Khamenei das nötige Grüne Licht ("heroische Flexibilität") für seinen Auftritt erhalten.
    Wie wichtig die Ausstrahlung von Persönlichkeiten für die nationale und internationale Politik ist, zeigt sich nicht nur an der bislang erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit Rohanis sondern auch an der sich vermutlich anbahnenden Freundschaft zwischen dem US-Außenminister Kerry und seinem russischen Amtskollegen Lawrow, der neuerdings in besser geschnittenen Anzügen auftritt, beides - die Freundschaft wie auch die Kleidung - ist womöglich zum Teil der nicht geringen Begeisterung in den Social Media zu verdanken.
    All das kann auch nicht durch das Geunke eines jungen (!!) israelischen Politikers getrübt werden; er meinte sinngemäß, Rohani sei nur an die vorderste Front gestellt worden, um den USA und Europa "Honig um's Maul" zu schmieren und ihr berechtigtes Misstrauen einzuschläfern.
    Muss nicht sein. Es kann durchaus pragmatische Gründe haben, dass der Iran sich öffnen will. Ein paar Leute kapierten eben, dass das Überleben der politischen Kaste Hand in Hand mit einer prosperierenden Wirtschaft geht. Und ein paar Leuten liegt vielleicht auch das Wohlergehen der iranischen Bevölkerung am Herzen.
    Geändert von Inaktiver User (24.09.2013 um 11:32 Uhr)

  5. Moderation

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Vor lauter darüber weiß ich gar nicht, wohin mit dem Thema und stell's mal bei Tomsten unter:
    Italien - Enrico Letta gewinnt Vertrauensabstimmung - Politik - Süddeutsche.de

    Das wäre ja das Oberding gewesen, hätte Berlusconi quasi schon mit halbem Bein im Knast das Land in noch größere Turbulenzen als so schon stürzen können. Was Neuwahlen gekostet hätten, wie sie das Land wieder für Tage hätten lahmlegen können und was danach gekommen wäre - gar nicht auszudenken.
    Eigentlich bleibt Italien gar nix anderes übrig als zur Vernunft zu kommen, aber das hat man früher auch schon mal für zwingend gehalten, und dann war's Essig damit.
    *
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  6. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Ich war ausgesprochen erleichtert, als ich in den Nachrichten hörte, dass nicht alle von Berlusconis Partei auf den Kopf gefallen sind.
    Normal geht es dort jedenfalls nicht zu. Ein ganzes Land lässt sich von einem derartigen Mann in Geiselhaft nehmen. Wieso kein EU-Politiker einmal ordentlich Klartext gesprochen hat, lässt sich ebenfalls schwer nachvollziehen.

    Übrigens habe ich erst neulich irgendwo gelesen, dass die Gelder, die von der Union an Italien überwiesen werden, um den Flüchtlingen, die hauptsächlich auf Lampedusa stranden, zugute zu kommen, zum großen Teil in dunklen Kanälen verschwinden.
    Ich, hätte ich etwas zu sagen, würde glatt vor Ort ein EU-Flüchtlingshilfebüro einrichten, und von da aus die Verteilung mit von mir ausgewählten Leuten koordinieren, und nicht nach Rom überweisen, von wo aus es naturgemäß recht weit in den Süden ist.

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wieso kein EU-Politiker einmal ordentlich Klartext gesprochen hat, lässt sich ebenfalls schwer nachvollziehen.
    Na, die trauen sich halt nicht.
    Und wenn sich mal einer traut mit 'Klartext' - der noch nicht mal in der ersten Reihe von EuPolitikern steht - dann wird es ja auch kritisiert ... siehe Steinbrücks Äußerungen.
    Besonders verlogen ist es dann, wenn kritisiert wird, dass über Belusconi kein Klartext geredet wird, und dieselben Leute sich dann ebenso entrüsten, WENN dann mal Klartext geredet wird.

    Ansonsten: das könnte der Durchbruch gegen B. in Italien sein, was da nun passiert ist. Gut so.

    VanDyck
    Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
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    Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
    Daniel Kahneman

  8. Moderation

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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Sollte das die Aufgabe des EU-Parlaments sein, sich in die immerhin demokratische Regierungsbildung eines Landes einzumischen? Und sei's nur durch Appelle. Noch nicht, denke ich. Die Deutschen hätten sich das bei seinen Wahlen auch verbeten.

    Mir ist lieber, die Italiener regeln ihre Probleme durch eigene Klugheit.

    Was hat denn Steinbrück "Klartext" geredet? Ich kann mich nur an einen Nebensatz erinnern, in dem die "Clowns" fielen, was sich öffentlich nicht gehörte.
    *
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    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von ganda55 Beitrag anzeigen
    Was hat denn Steinbrück "Klartext" geredet? Ich kann mich nur an einen Nebensatz erinnern, in dem die "Clowns" fielen, was sich öffentlich nicht gehörte.
    Das mit dem Clown war ja auch nur die weichgespülte Version von dem, was man eigentlich sagen müsste zu B. - aber immerhin ... da hat der Steinbrück doch nur ausgesprochen, was jede Menge Regierungen über B. dachten und denken.

    Und Ja: es 'gehört' sich eben doch, bei einem Mann wie B. eben NICHT den Mund zu halten - es ist im Grunde genommen die moralische Pflicht demokratischer europäischer Politiker, den Mund aufzumachen, wenn in einem befreundeten Land etwas aus dem Ruder läuft.
    Das gleiche gilt im übrigen auch für Ungarn.

    VanDyck
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  10. Inaktiver User

    AW: Politik- und Gesellschaftstalk

    Zitat Zitat von VanDyck Beitrag anzeigen
    Besonders verlogen ist es dann, wenn kritisiert wird, dass über Belusconi kein Klartext geredet wird, und dieselben Leute sich dann ebenso entrüsten, WENN dann mal Klartext geredet wird.
    Also ich habe mich nicht entrüstet

    Zitat Zitat von ganda55 Beitrag anzeigen
    Sollte das die Aufgabe des EU-Parlaments sein, sich in die immerhin demokratische Regierungsbildung eines Landes einzumischen?
    Nun, es soll ja nicht gleich die Regierung abgesetzt werden, aber ein paar Worte z.B. zur Besetzung diverser politischer Posten mit Frauen, denen jegliche Qualifikation dazu fehlte, wären nicht unangebracht gewesen, zumal er die Bemerkung eines Journalisten dazu mit dem Satz, es seien ihm schöne Frauen lieber als hässliche Männer, quittierte.
    Oder die unwahre Auskunft über seine Beziehung zu Karima El-Mahroug (Ruby), als die Polizei bei ihm anrief, nachdem sie verhaftet worden war, hätte wohl eine Anmerkung verdient.
    Denn Berlusconi mag zwar Clown sein, aber er war italienischer Ministerpräsident, mit einem nicht zuletzt durch seine Machenschaften ausgeweiteten Macht- und Einflussbereich.
    Wer noch vor nicht allzu langer Zeit in Pompeji war, konnte sich ein beispielhaftes Bild vom Verfall der italienischen Kunstschätze, die die größten Tourismusattraktionen und einträglichsten Besitztümer des Landes sind, machen.
    Das Versagen des Staates springt dort geradezu ins Auge.
    Und der Süden mit seinen seltsamen Strukturen des Gebens und Nehmens wurde von Rom scheinbar ganz vergessen.
    Hier versagt der Staat ebenfalls, und da vor allem im Hinblick auf junge Menschen.
    Wenn ein Mann sichtlich Frauengeschichten an die erste Stelle seiner Interessen setzt und alles andere weit dahinter, falls es überhaupt noch anderes für ihn gab und gibt, dann sei ihm das als Privatunternehmer vergönnt, nicht aber als Premier eines großen Landes, das außerdem noch zur EU gehört.
    Dazu hätten sich PolitikerkollegInnen in der Union äußern müssen. Man/frau kann das schon so tun, dass es als ernste Kritik und nicht etwa als Neid auf den erfolgreichen Casanova gesehen wird. Vielleicht gab's aber doch verständnisvolles Schenkelklopfen in irgendwelchen Hinterzimmern, deshalb die Beißhemmung.

    Zitat Zitat von ganda55 Beitrag anzeigen
    Mir ist lieber, die Italiener regeln ihre Probleme durch eigene Klugheit.
    Dazu haben sie ein Weilchen gebraucht.

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