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  1. Inaktiver User

    AW: Die Ereignisse in Japan

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich habe nie behauptet, Atomkraft sei bedenkenlos. Hingegen habe ich zwei-, dreimal dargelegt - jeweils zu Beginn meiner Beiträge, da ich davon ausging, man würde es da am wenigsten überlesen - dass ich auch für einen Ausstieg bin.

    Wenn immernoch nicht angekommen ist, dass es mir hier um etwas anderes geht, dann weiß ich auch nicht mehr.
    Balsamikatz, worum geht es Dir?
    Ich würde es gerne verstehen, ich habe nämlich gestern bei Lanz Ulrich Walter auch nicht verstanden, was er sagen wollte. Er klang ähnlich wie Du.

    Er kam mit dem Auto-Risiko an, durch das es 6000 Tote jährl. im Straßenverkehr gibt und das wir auch bereit sind zu tragen. Und ich glaube er hatte sogar Tränen in den Augen, weil das nicht kapiert wird, was er meint. Und er fing auch an, natürliche Umweltstrahlung zu erklären.

    Ich kapiere es auch nicht.

    Sind denn die Emotionen so verwerflich, die dahinter stehen, wenn jemand sagt, die Schäden an Mensch und Umwelt stehen in keinem Verhältnis bei einem GAU? Und selbst wenn es eine ethische Argumentation ist, ist die denn nicht nachvollziehbar für einen Naturwissenschaftler?

    Wenn ein Flugzeug abstürzt, was weniger Wahrscheinlich ist als ein Autounfall sind sofort ein paar hundert Menschen tot. Ja, wir fliegen trotzdem. Nichts ist ohne Risiko.
    Bei einem GAU sind es allerdings unschätzbar viele Menschen, die früher oder später geschädigt, krank werden, versterben PLUS die Umweltbelastung über zigtausend Jahre.

    Was hat denn die natürliche Strahlung mit einer Verstrahlung durch einen GAU zu tun?

    Ich würde es wirklich gerne verstehen.

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Nein, ich würde mich erhöhter Strahlung auch nicht aussetzen wollen. Ich habe nur den Eindruck, dass viele gar nicht wissen, was Radioaktivität eigentlich ist, und damit nichts weiter verbinden als "Pfui, gefährlich!"
    Vielleicht wissen das viele ziemlich genau, was Radioaktivität ist und dass sie sehr wohl unterscheiden zwischen natürlicher Strahlung plus Röntgenaufnahmen + Flugreisen in einem Leben und eben einem Atom-GAU? Letzteres ist doch eine ganz andere Nummer.

    Wie gesagt, ich würde es gerne verstehen:

    Zitat Zitat von RomiaSophia Beitrag anzeigen
    Ja, das geht anscheinend . Prof. Ulrich Walter verglich die Risiken, die Kernkraftwerke mit sich bringen, eben bei Markus Lanz mit den Risiken, die der Straßenverkehr mit sich bringt - und auf Autos verzichten wir schließlich auch nicht. Und die radioaktive Verseuchung nach einem Atom-Gau brachte er mit der natürlichen Strahlenbelastung, die uns umgibt, zusammen.
    Geändert von Inaktiver User (16.03.2011 um 10:21 Uhr)

  2. Inaktiver User

    AW: Die Ereignisse in Japan

    Zitat Zitat von Charly03 Beitrag anzeigen
    Machen wir weiter wie bisher, Hauptsache uns geht's gut, die Nachwelt geht uns einen Dreck an
    Machen Sie bloß nicht den Fehler, sich eine kollektive "Wir-Schuld" anzueignen. Damit tun Sie nämlich genau das, was der widerwärtige Trick ist: Die gewollte sozialisierung von Schuld und Kosten. Profitiert haben in erster Linie meist die Charakterschweine, denen sonst nichts Ferner als ein "Wir" ist.

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    AW: Die Ereignisse in Japan

    Zitat Zitat von bounty56 Beitrag anzeigen
    ich war immer gegen AKWs und habe entsprechend gewählt, nützt leider wenig.
    Doch - nützt doch was, wenn auch nicht unbedingt genauso, wie vielleicht wir beide uns das ganz konkret vorstellen.

    Das überhaupt ein westliches Industrieland aus der Atomenergie aussteigen will und nun aktuell zumindest die schrottigsten Reaktoren abschalten wird, haben wir im wesentlichen den seit 35 Jahren mehr oder weniger andauernden Protesten zu verdanken.

    Wären all die Hunderttausenden (bzw. Millionen) in den letzten 35 Jahren mit den Protesten und Demos NICHT da gewesen, dann würden nun NICHT die Schrott-AKW's abgeschaltet und im Übrigen ständen in diesem Land schon längst mindestens 50 Reaktoren und nicht 17.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Machen Sie bloß nicht den Fehler, sich eine kollektive "Wir-Schuld" anzueignen. Damit tun Sie nämlich genau das, was der widerwärtige Trick ist: Die gewollte sozialisierung von Schuld und Kosten. Profitiert haben in erster Linie meist die Charakterschweine, denen sonst nichts Ferner als ein "Wir" ist.
    Bin ganz deiner Meinung.

    Hinzu kommt noch, dass immer ausgerechnet die AKW-Gegner danach gefragt werden, wo man denn bei einem raschen Ausstieg die alternativen Energie-Resourcen herkriegen will - wo doch genau die Befürworter durch ihr Tun dafür gesorgt haben, die Entwicklung alternativer Energiebeschaffungen massiv zu blockieren.

    VanDyck
    Geändert von VanDyck (16.03.2011 um 10:27 Uhr)
    Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
    dann durchfluten sie mich wie Regen ...
    American Beauty
    Nothing in life is as important as you think it is, while you are thinking about it.
    Daniel Kahneman

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    AW: Die Ereignisse in Japan

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Machen Sie bloß nicht den Fehler, sich eine kollektive "Wir-Schuld" anzueignen.
    Ich werde das jetzt auch mal einstellen.
    Besser ist das.
    Ich war noch nie dafür. Ich habe mein Leben lang so gewählt, dass ich die Partei abhängig machte von dieser Frage. (Wobei Trittin ja auch einiges versaubeutelt hat )
    Und nein, ich bin nicht stolz darauf, "Recht" gehabt zu haben.

    Sollen den Bauchknoten doch die kriegen, die ewig das Teufelszeug als alternativlos verteidigt haben.
    Das Leben ist wie ein Duschvorhang. Kann schimmeln, muss aber nicht.

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    AW: Die Ereignisse in Japan

    Es geht mir nicht um die "Wir Schuld", es geht auch nicht um das Rechthaben.

    Es geht darum, dass jeder seinen Teil dazu beiträgt.

    In Sachen Atom stehen wir einer übermächtigen Allianz von Atomlobby und willfährigen Poltikern gegenüber
    Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde, das erklärt manches.
    Mark Twain (1835-1910)

  6. Inaktiver User

    AW: Die Ereignisse in Japan

    Zitat Zitat von bounty56 Beitrag anzeigen
    kann ich auch nicht verstehen wie nach Tschernobyl überhaupt noch Menschen für Atomkraft sind!
    Auch damals wurden Menschen VERHEIZT, Tausende, kein irgendwie koord. Vorgehen im Katastrophenfall, weil es schlichtweg nicht möglich ist, Kernschmelzen aufzuhalten.
    Ja, ja, aber in Tschernobyl ging man von einem minder qualifizierten Reaktorpersonal aus, von qualitativ schlechten AKW mit schlechter Organisation.
    Man ging davon aus, dass so etwas im Westen nicht passieren würde.
    (Jene Physiker aus meiner Verwandtschaft finden das recht amüsant, denn graphitmoderierte AKW gab es damals auch bei uns.)

    Mit Fukushima trifft es aber erstmals ein hochtechnisiertes Land mit höchsten Ausbildungs- und Sicherheitsstandards und hoch disziplinierten Belegschaften.
    Wäre diese Tragödie anderswo in der Welt passiert - in Brasilien oder Bulgarien zum Beispiel, dann gäbe es bei uns zwar ebenfalls Anti-AKW-Demos, aber bei weitem nicht eine derartige Erschütterung des Glaubens an die Sicherheit dieser Technologie.

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    AW: Die Ereignisse in Japan

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Schon von Anfang an hatte ich den Eindruck, dass bei aller Hilfsbereitschaft das falsche Verständnis für das Land besteht.

    Beispiel: THW. Die Japaner haben die ausländischen Katastrophenhelfer wieder heimgeschickt. Es ist, wie ich vermutet hatte: die Japaner haben selber genügend hervorragende Leute, aber nun mal eine zusammengebrochene Infrastruktur. Wie ich schon vor Tagen sagte: Jeder ausländische Katastrophenhelfer, der nicht selber für seine Logistik (Transport) sorgen kann und noch nicht mal ansatzweise die Landessprache beherrscht, ist nur Balast und keine Hilfe. Er kann nichts tun, was japanische Katastrophenhelfer nicht mindestens genauso gut könnten.

    Der Vorsitzende des Deutschen Katastrophenschutzes hat gestern gesagt, das japanische Katastrophenschutzsystem gehöre zu den besten der Welt, und wenn jemand die Menschen aus Tokio evakuieren könne, dann sie selber. Aber selbst das ist angesichts einer Zahl von mindestens 35 Millionen Menschen im Großraum Tokio nicht realistisch. Und derzeit auch gar nicht nötig.

    Die Japaner sind zu dem Schluss gekommen, dass hier Höflichkeit nicht weiterhilft und dass es am besten ist selber zu bestimmen, welche Hilfe sie brauchen und welche nicht. Sie haben Brüssel gebeten ihnen "in einer abgestimmten Aktion" (also nicht jedes EU-Land quer durcheinander) Hilfen aus einer detaillierten Liste zukommen zu lassen. Das sind v.a. Decken, Matratzen, Wassertanks.
    Außerdem haben sie das Hilfsangebot der USA und Kanadas angenommen Ärzte zu schicken, um die Katastrophenopfer zu betreuen.

    Wir müssen - anders als in Haiti u.ä. Ländern - davon ausgehen, dass die Japaner ein gutes Urteilsvermögen haben und selber am besten wissen, was sie brauchen und wann sie wie evakuieren. Sie sind uns in nichts, in absolut nichts unterlegen. Im Gegenteil.
    Sieh dir nur an, was in Deutschland passiert, wenn mal 20 cm Schnee fallen. Überleg mal, wie die USA in New Orleans versagt haben. Die Japaner - denen man tatsächlich außerordentliche Lernfähigkeit attestieren kann haben aus der Tragödie von Kobe sehr viel gelernt und ihren Katastrophenschutz perfektioniert, was ihnen jetzt zugute kommt.

    Und was den Wunsch zur Evakuierung betrifft: Selbst diejenigen Japaner, die intensive Auslandskontakte oder gar binationale Familien haben, schicken im Augenblick allenfalls ihre Frauen und Kinder weg, aber sie selber bleiben da. Sie werden gebraucht, jetzt mehr denn je - an ihrem Platz im Supermarkt, hinter dem Lenkrad von Linienbussen, in der Fabrik, die für den Export produziert ....
    .

    Ich geb Dir recht, was den Stand Japans angeht. Sie sind gut aufgestellt, sie haben gut ausgebildete Menschen und sie haben die Mentalität vieles zu bewältigen.

    Im Moment ist die Lage aber so, dass die Menschen (verbarrikadiert in ihren Wohnungen) vor Ort nichts ausrichten können. Und so sie denn ihr Land retten wollen, müssen sie sich erstmal selbst retten. Wenn die Zeit reif ist und sie gesund sind, können sie ihr Land wieder aufbauen.

    Jetzt laufen sie große Gefahr verstrahlt zu werden und schwer zu erkranken bzw. sogar zu sterben. Deswegen kann im Moment nur die Flucht (Evakuierung) mit weltweiter Hilfe vorangetrieben werden.

    Welche Möglichkeiten ausgeschöpft werden können (was sagt der Kaiser? bleibt oder rettet Euch?!, was sagt TEPCO, was rät der Ministerpräsident?), wieviele Menschen man noch herausholen kann, dass mag ich nicht beurteilen.
    Nur so ist es nicht in Ordnung und ich glaub nicht, dass eine junge japanische Mutter ihr Baby oder ihr Kleinkind dem gerne aussetzt bzw. nicht die Chance wahrnehmen würde zu verschwinden. Die Supermärkte sind quasi leer! Es gibt kein Benzin und Strom ist rationalisiert.


    Sollte es noch zu einem Stillstand in dem AKW kommen, könnten diese Menschen zurückkehren und helfen. Im Moment gefährden sie sich selbst. Und ich glaub auch, dass die japanische Bevölkerung das weiss.

    punkix

  8. Moderation

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    AW: Die Ereignisse in Japan

    Entschuldige, Punktix, ich wollte dir eben zeitnah auf dein eines Posting mit dem Thema Hilfe antworten, aber wir hatten grade eine Stunde Stromausfall.
    Blautanne hat dann aber genau das geschrieben, was ich auch sagen wollte.

    Zudem ich von Vielen höre und lese, die einfach noch nicht evakuiert werden wollen (selbst Australier nicht, die dort leben und mithelfen wollen - und die sind zwar nicht so aufgeklärt wie die Deutschen, aber auch nicht ganz so ahnungslos).
    "I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

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    AW: Die Ereignisse in Japan

    Zitat Zitat von Charly03 Beitrag anzeigen
    Es geht darum, dass jeder seinen Teil dazu beiträgt.
    Inwieweit trage ich einen Teil dazu bei?
    In Sachen Atom stehen wir einer übermächtigen Allianz von Atomlobby und willfährigen Poltikern gegenüber
    Das ist ja jetzt vorbei.
    Das Leben ist wie ein Duschvorhang. Kann schimmeln, muss aber nicht.

  10. Inaktiver User

    AW: Die Ereignisse in Japan

    Zitat Zitat von punkix Beitrag anzeigen
    Im Moment ist die Lage aber so, dass die Menschen (verbarrikadiert in ihren Wohnungen) vor Ort nichts ausrichten können.
    Die Leute verbarrikadieren sich keineswegs, im Gegenteil: 90-95% der Menschen arbeiten wieder.
    Die Firmen haben für diejenigen Mitarbeiter, die angesichts unregelmäßiger Zugverbindungen nicht pendeln können, Schlafräume eingerichtet. Das Leben könnte in Tokio gar nicht weitgehend normal weiter gehen, wenn es nicht so wäre.

    Die Supermärkte sind quasi leer! Es gibt kein Benzin und Strom ist rationalisiert.
    In Tokio u.a. Städten in Zentral- und Nord-Honshu herrscht Knappheit und Benzin sowie Strom sind rationiert. Ja. Aber die Supermärkte werden beliefert. Man kommt zurecht.
    Problematisch ist es dagegen für die Evakuierten aus den zerstörten Gebieten. Für sie fehlt es an Decken, Essen und Wasser.
    Geändert von Inaktiver User (16.03.2011 um 10:51 Uhr)

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