In Deutschland müssten bei einem Super-GAU die Kraftwerksbetreiber nur einen kleinen Teil der Schäden tragen - den Rest würde der Staat übernehmen. Das macht die Kernkraft für die Konzerne so lukrativ
Derzeit regelt die Pariser Konvention, wie die Betreiber von Atomkraftwerken im Schadensfall haften. Das Abkommen sieht für die Unterzeichner eine Deckungspflicht zwischen 70 und 700 Millionen Euro vor. In Deutschland ist das Fünffache dieses Betrags vorgeschrieben; seit 2001 gilt eine Deckungsvorsorge von zweieinhalb Milliarden Euro. 255,6 Millionen werden über eine Haftpflichtversicherung abgedeckt, der Rest über gegenseitige Zusagen der Betreibergesellschaften. Eingeschlossen ist dabei auch die Gefährdungshaftung - für Schäden also, die wie im Fall Fukushima-1 nicht vom Betreiber selbst verursacht werden.
Mit der hohen Deckungssumme gehöre Deutschland zu den Vorreitern, sagen Schwarze und seine Kollegen. Und trotzdem "erscheint der Deckungssatz angesichts eines möglichen Schadens viel zu gering". Die Schäden nach der doppelten Naturkatastrophe in Japan werden derzeit auf mindestens 100 Milliarden Euro geschätzt - die Folgen eines möglichen GAUs nicht eingerechnet.
Dass Zerstörungen durch Erdbeben auch in Deutschland nicht unmöglich sind, berichtet Rainer Kind vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. "Die Atomkraftwerke hier sind auf Kante genäht", sagt er. [B]"Es sieht so aus, als ob Erdbeben, die mehrere Jahrhunderte zurückliegen, nicht ausreichend berücksichtigt würden." [B]Als Beispiel nennt er das Beben von Basel 1356. "Das ist lange her, aber geologisch nicht zu vergessen", so der Forscher. Auch in Japan hätten die Seismologen nicht mit einem Beben dieser Stärke an dieser Stelle gerechnet.
Die Ökonomen an seiner Seite plädieren ebenfalls für eine Erhöhung der Haftpflichtdeckung. Schwarze spricht vom "Faktor 100". Solche Summen in der privaten Versicherungswirtschaft aufzutreiben, wäre nicht das Problem, sagt er. "Wir versichern weitaus größere Schäden auf dem internationalen Markt." Alles eine Frage der Prämie. Anstelle der Haftpflichtversicherung stehen derzeit Gewährleistungszusagen der Konzerne. Würden die Schäden diese Summe - 2,5 Milliarden - übersteigen, spränge der Staat ein.
Wagner spricht von "impliziten Subventionen" für die Kernenergie durch die unvollständige private finanzielle Abdeckung möglicher Schäden. Diese gelte es zu diskutieren - ähnlich wie die direkten Unterstützungsleistungen für erneuerbare Energien. Eine Erhöhung der Haftpflichtsumme hätte natürlich Folgen für die Prämien: "Es kann heißen, dass Kernkraft sehr teuer wird", sagt Wagner.
Quelle: "Katastrophe mit beschränkter Haftung", SZ
Antworten
Ergebnis 1.311 bis 1.320 von 2350
Thema: Die Ereignisse in Japan
-
20.03.2011, 10:40Inaktiver User
AW: Die Ereignisse in Japan
-
20.03.2011, 11:41
-
20.03.2011, 12:22Inaktiver User
-
20.03.2011, 14:26
-
20.03.2011, 14:46
AW: Die Ereignisse in Japan
aus dpa-Ticker
[06:00] +++ Munich Re hält Atomunfälle für nicht versicherbar +++
Eine Versicherung für Atomunfälle ist aus Sicht des weltgrößten Rückversicherers Munich Re für Versicherer und Kraftwerksbetreiber nicht tragbar. «Grundsätzlich gibt es für jede Versicherung einen Preis. Bei großer Unsicherheit der Berechnung ist er aber außerordentlich hoch», sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard der «Welt am Sonntag».
-
20.03.2011, 14:51
AW: Die Ereignisse in Japan
schlechte Technik
>
schlechte Laune
-
21.03.2011, 06:32
AW: Die Ereignisse in Japan
Das meinte ich mit der geschickten Wahl der Frau Merkel mit den 3 Monaten:
Die Leute haben genug von der japanischen Katastrophe und in den Nachrichten wird Knut wichtiger.
Mal sehen, wie lange es braucht, bis alles beim Alten ist.
-
21.03.2011, 08:36
AW: Die Ereignisse in Japan
Das glaub ich weniger. Knut interessiert Berliner, die wahrscheinlich einige Tage zu seinem ehemaligen Gefängnis pilgern. Aber dem Rest Deutschlands ist Knut doch ziemlich egal.
Ich glaube, dass Merkel nicht ohne Blessuren zurückrudern kann mit ihren Entscheidungen gegen die Abschaltung einiger AKWs. Sie wird in 3 Monaten 2-3 AKWs abgeschaltet lassen, die restlichen wieder weiterlaufen lassen als wäre nichts passiert. Sie kann sich auch nicht so stark gegen ihre eigene Partei stellen. Und es melden sich immer mehr CDU-CSU-Politiker (auch aus den Ländern), die eine Abschaltung für falsch halten.
Hier in BW (wenigstens mal in Südbaden) glaube ich rauszuhören, dass auch eher konservative Menschen Merkel, Mappus und der CDU nicht mehr trauen.Ich bin, also denke ich
-
21.03.2011, 09:26Inaktiver User
-
21.03.2011, 09:32Inaktiver User


Zitieren
