Blautanne2
OT
In manchen Ländern verehrt man ebenso Quellen, Bäume, Berge, Jahreszeiten, Wale, Raven, Steine...
Den starken Naturbezug kenne ich aus vielen anderen Ländern.
In manchen Ländern braucht / hat man sogar zweifach Götter und ihnen geht es nicht besser (alles scheint wie immer in den letzten Jahren), zumindest denen, mit denen ich eng in Kontakt stehe z.B. nordamerikanische First Nations. Im Reservat, in dem meine Tochter und ich gewohnt haben, hängt Jesus, Mutter Gottes und Gott Vater an der Wand und daneben die indianischen Symbole. Man geht jeden Sonntag in die katholische Kirche und samstags oder an anderen Tagen zu den Zeremonien ins Longhouse und betet und metitiert Ich wohnte bei einem Chief of Chiefs. Bevor die drei Söhne morgens vom Schulbus abgeholt werden, liest er ihnen aus der Bibel vor. Sie bräuchten noch viel mehr Götter dort, so mein Eindruck. Wir respektierten die Traditionen, verstehen werden wir sie nie, noch weniger, weil wir uns jahrelang damit befassen und uns dort oft aufhielten. Die Sorgen und Nöte sind keinen
Deut besser geworden. Vielleicht helfen die Götter den Schmerz für einen kurzen Moment zu lindern,
aber nicht wirklich.
In den 90ern wurde mir eine Stelle in Tokio angeboten, meine Kollegin hat sie dann angenommen und
war ständig in Kontakt mit mir viele Jahre. Mein allererstes Mail ging nach Tokio. Mein Chef war meist der
Götterbote und Kollegen, die der Kollegin deutsche wichtige Gaben von mir brachten und ich bekam umgekehrt viele interessante Geschichten und Gaben zurück und kaufte viele Bücher und Journale über Japan. Heute bekamen wir eine Postkarte von einer Freundin aus Kyōto und warten auf die darauf angekündigten "megavielen" Berichten. Ich hörte von Wirtschaftsbossen vor Jahren, dass z.B. die
Koreaner die Kopierweltmeister wären, nicht mehr die Japaner. Die Koreaner würden das Beste
kopieren von diversen Marken. Ja, es wird viel geschrieben, gesagt, erlebt und jeder hat einen anderen
Bezug und andere Wahrheiten zu Japan.
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Thema: Die Ereignisse in Japan
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18.03.2011, 20:09
AW: Die Ereignisse in Japan
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18.03.2011, 20:13
AW: Die Ereignisse in Japan
julifrau, ich möchte dir für das posting danken. blautanne hat in dem leider gelöschten posting viel gefühl für das japanische volk rüpbergebracht, du es durch dein verständnis ergänzt. dazu gibt es nach meinem empfinden diesen thread. für die japaner. um ihnen gute worte zu schicken.
von tschernobyl weiss man, dass die geräte bei der starken verstrahlung sehr schnell kaputt sind. am ende kann nur mehr ein todesmutiger mensch helfen.Heute wurden Roboter für die Kraftwerke aus Deutschland angefordert. Da frage ich mich auch, warum erst heute? Warum müssen Menschen geopfert werden, wenn es doch möglicherweise andere Mittel gibt.
weil bei der strahlung jede mannschaft nur drei minuten arbeiten kann. um dauernd neue fünzig zu schicken, ist das " menschenmaterial" nicht da.Die Stromleitungen, an denen seit Tagen gebastelt wird, auch hier: was passiert, warum schleppt alles so dahin?
biete deine hilfe bitte an. es wird menschen geben, die kommen wollen.Wir haben überlegt, Menschen rüberzuholen, das ist im Moment noch keine Option. Keine Frasichu würde ihren Mann im Stich lassen, kein 'anständiger' Tokyoter seine Stadt verlassen, solange es noch diese Not im Norden gibt. "Ich kann doch nicht einfach gehen, wenn es anderen noch so viel schlechter geht". Das ist der große Konsens.
ja, danke für die worte!Natürlich herrscht Angst, wir wären blöd, wenn wir glaubten, dass keine Angst herrschte und Verzweiflung, aber ich glaube einfach und fast möchte ich darum bitten, lasst uns mit diesen Bewertungen aufhören, warum die Leute nicht fliehen bzw. sich evakuieren.
Außerdem frage ich mich trotz allem immer wieder, was wäre hier bei uns? Wie gingen wir miteinander um? Wäre eine Fortsetzung der Ellenbogenmentalität, wie wir sie kennen, auch die Fluchtmentalität der Deutschen. Würden die Panzer-Geländewagen auf der Autobahn dann die Kleinwagen überrollen? Oder würden wir teilweise vielleicht doch auch bleiben, weil wir eine alte Oma im Pflegeheim haben, weil unser Partner bleiben müsste und wir dann nicht wüßten, ihn jemals wiederzusehen.
NOCHWir gehennicht in den japanischen Schuhen, und wir können darüber gerade verdammt glücklich sein.
nochmals danke!Geändert von legrain (18.03.2011 um 20:39 Uhr)
lg
legrain
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18.03.2011, 20:35Inaktiver User
AW: Die Ereignisse in Japan
Erst liest man jahrelang so gut wie gar nichts über Japan, und jetzt irre viel.
Zum Beispiel das hier:
* Hier * geht's weiter.Tokio ist mit seinem Ballungsraum nicht nur die größte Megacity der Welt - Delhi mit knapp 28,6 Millionen und Mumbai mit 25,8 Millionen Einwohner sind deutlich kleiner (...)
Das BIP entspricht dem von ganz Großbritannien. Jeder Zentimeter Baugrund ist in der am dichtesten besiedelten Stadt der Welt kostbar - Fahrschüler absolvieren ihre Übungsstunden auf Hausdächern, Urnen auf dem Friedhof rotieren nach dem Prinzip von Autoparkdecks, und Menschen wohnen in Acht-Quadratmeter-Häuschen, deren Fassaden als blinkende Werbeplattform benutzt werden.
Gerade dieser Zwang zur höchsten Verdichtung hat japanische Architekten zu wahren Raumkünstlern werden lassen. Selbst winzige Wohnflächen können bei ihnen großzügig erscheinen, das Spiel, mit dem Auflösen der Grenzen zwischen innen und außen weiteren Raum zu gewinnen, beherrschen sie meisterhaft. Entwürfe von Architekturbüros wie Bow-Wow oder Sanaa sind so in den vergangen zehn Jahren zum Inbegriff des modernen Bauens geworden. Ihre Konzentration auf den Umgang mit knappem Raum ist nicht zuletzt dem Platzmangel des eigenen Landes zu verdanken.
Doch gerade diese extreme Verdichtung ist bei Katastrophen hochgefährlich. Eine geordnete Evakuierung ist allein aus Platzmangel nicht möglich. Ganz zu schweigen davon, dass keiner weiß, wie und wo in der Schnelle für Millionen Menschen Unterkünfte geschaffen werden sollen.
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18.03.2011, 20:51Inaktiver User
AW: Die Ereignisse in Japan
Auf entscheidende Weise ist Japan aber nicht alleine auf der Welt - hier besonders als Verursacher haben sie sogar eine gesteigerte Verantwortung. Wenn "Spezialisten" oder wer auch immer wochenlang an mehreren Meilern herumbasteln, ohne vielleicht wirklich etwas zu bewirken oder bestimmte nötige Dinge unterlassen, mag die Folge, nämlich u.a. Fallout etc für die Restwelt durchaus von Bedeutung sein. Ab dem Punkt geht es die gesamte Welt etwas an. Es ist doch dasselbe, als wenn sich Tepco "eine Einmischung" verbitten würde - Restjapan ist dennoch betroffen. Es sind lediglich verschiedene Dimensionen. Wenn eine "Einmischung" gegenüber den Menschen aus Rücksicht auf deren Mentalität? Autonomie? unerwünscht ist -okay, ist deren Entscheidung, aber das darf sich doch nicht auch auf alles andere erstrecken.
Zitat von Inaktiver User
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18.03.2011, 21:09Inaktiver User
AW: Die Ereignisse in Japan
Julifrau, danke!
Das hier hab ich soeben auch dazu gefunden, sozusagen die Grammatik der japanischen Gefühle.
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18.03.2011, 21:18
AW: Die Ereignisse in Japan
zur flucht möchte ich hier persönliches beitragen. eine mir bekannte familie gehörte zu den nach dem krieg heimatvertriebenen. sie wurde damals als ziemlich letzte auf staatliche veranlassung hin ausgesiedelt. obwohl alles von oben organisiert war dauerte es wochen, bis alle flüchtlinge in lagern in österreich oder deutschland untergebracht waren. ein waggon mit verzweifelten menschen wurde über zwei wochen auf verschubgleisen abgestellt, weil die infrastruktur bei der belastung versagte. bereits auf der flucht begann das sterben der säuglinge, schwachen und kranken an an ansteckenden krankheiten und seuchen. bei bremsungen erdrückte es leute in der enge.im lager angekommen, wurde ein teil der verbliebenen menschen durch ruhr oder cholera weggerafft. es war unmöglich, die grosse zahl von heimatlosen ausreichend mit nahrung und frischem trinkwasser zu versorgen.danach kamen als weitere plage für die überlebenden parasiten hinzu. als abhilfe dagegen pulverte man sie von kopf bis fuss mit ddt ein. das gift schädigte das nervensystem.die toten konnten kaum mehr verscharrt werden, weil man keinen platz dafür hatte. es war fast unmöglich, einen platz für den abort zu finden, jedes eckchen wurde für die obdachlosen menschen gebraucht. decken und unterkünften waren rar. manche der neuankömmlinge sassen wochen im freien, in regen, in schnee, bis irgendwo jemand wegstarb und eine pritsche frei wurde.
ähnliches ist bei jeder massenverbringung von menschen in andere landesteile und unterbringung in lagern oder hallen zu erwarten.
warum fliehen sie jetzt nicht alle, die millionen? weil massenflucht mehr todesopfer bringt als vernünftiges ausharren.
die leute haben eben nicht die wahl zwischen unglück und rettung, sie müssen zwischen der einen not und der anderen wählen, und dem einen tod und dem anderen, wenn es schlimm kommt.lg
legrain
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18.03.2011, 21:29
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18.03.2011, 21:33
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18.03.2011, 21:38
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18.03.2011, 21:39
AW: Die Ereignisse in Japan
Darüber habe ich auch nachgedacht. Aber es bleibt eigentlich nur abzuwarten und zu hoffen. Das meiste draüber hinaus ist mehr oder weniger Spekulation.
Meine erste Frage war auch, was kann ich tun? Ich weiß es immer noch nicht. Ich habe gespendet, mich nach meinen japanischen Bekannten erkundigt, Unterstützung angeboten und versuche mich weiter auf dem laufenden zu halten. Das wars. Mehr fällt mir nicht ein. Das ist ein bisschen deprimierend, denn wenn man Mitgefühl empfindet und sich sorgt, ist es natürlich kein schönes Gefühl, eigentlich kaum etwas tun zu können.
An einer Diskussion über die japanische Mentalität möchte ich mich nicht beteiligen, da ich dazu nichts sagen kann. Die Japaner, die ich kenne, eint nicht ein Merkmal, nach dem ich sagen könnte: so sind die Japaner. Ich könnte daraus keine Rückschlüsse ableiten, die irgendjemandem nützlich sein könnten.
Und auch das aktuelle Verhalten wirkt auf mich nicht befremdlich, wie "gefühlskalt" oder ähnliches. Für mich muss da nichts erklärt werden. Es gibt kein richtig oder falsch, sondern einen veränderbaren ist-Zustand, der sich für mich ganz selbstverständlich meiner (Be-)Wertung entzieht.
Ich hatte eine Weile überlegt, dass die Betrachtung des Shintoismus eventuell interessant für die Diskussion sein könnte. Aber "die Japaner" allein anhand dessen charakterisieren zu wollen, wäre für mich, als würden die Deutschen von außen mit einem Blick auf das Christentum analysiert. Das wird den Individuen nicht gerecht.
Fukushima ändert für mich persönlich bezogen auf die Atomenergie in Deutschland eigentlich gar nichts, da ich auch schon lange zuvor für ein Abschalten der AKW war und die Kernkraft auch ohne Katastrophen als unsicher eingeschätzt habe. (Als Wissenschaftlerin ist es mir fast unmöglich die Wissenschaftshörigkeit, oder den scheinbar unbedingten Glauben daran, einiger zu verstehen).
Der Unterschied ist nun nur, dass wir hier nun eventuell tatsächlich die Chance haben könnten, relativ schnell etwas zu bewegen, wenn wir das wollen. Sich jetzt hier zu engagieren, weil man denkt, dass man etwas tun könnte, finde ich nicht verwerflich. Darüber hinaus empfinde ich es als fruchtbar, sich auszutauschen wie z.B. hier, verschiedene Sichtweisen zu erfahren und auch Neues zu lernen und an Information zu gewinnen.
Das alles schmälert auch in keiner Weise das Mitgefühl mit der japanischen Bevölkerung. Ich glaube, das sollte man niemandem, der sich im Moment gleichzeitig mit der deutschen Lage beschäftigt, vorwerfen. Ich nehme auch an, die meisten machen das nicht erst seit einer Woche. Es ist vielmehr ein altes Thema und ein ganz anderes. Nun sind die Themen hier vermischt, aber ich finde den Strang dennoch interessant.
Ja.
Und manchmal dienen Ursachenforschung, Erklärungen und Abgrenzungen auch als Beruhigungsmittel. Wir grenzen uns oft ab und erheben uns mitunter auf subtile Weise. Ich denke, dass das häufig nicht einmal bewusst geschieht.




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