Inzwischen wurde das Internet gekappt, Telefon und sms sind häufig nicht mehr möglich. Sogar Gottesdienste wurden teilweise verboten (Das wären dann nicht die Montagsdemos, die wir ja schon aus unserem Lande kennen, sondern Freitagsdemos). Langsam wird es ernst für Mubarak.
Aber wie kann man denn solche Demos in Städten wie Kairo verhindern. Das sind vielleicht 15-18 Mio Menschen in einer Stadt. Dort geht man zu den Nachbarn und redet. Durch Abschalten der gesamten Telekommunikation macht sich das Regime nur noch unglaubwürdiger. Mehr wird dadurch nicht erreicht.
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28.01.2011, 10:04
AW: Tunesien, Ägypten und was dann?
Ich bin, also denke ich
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28.01.2011, 10:26Inaktiver User
AW: Tunesien, Ägypten und was dann?
Was machen die Europäer? Sie müssen sich entscheiden, ob sie in Middle East... stabile Diktaturen... weiterhin unterstützen wollen oder ob sie auf unsichere, sich entwickelnde Demokratien setzen.
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28.01.2011, 10:30
AW: Tunesien, Ägypten und was dann?
Alinghi, das ist ja das Verlogene an unserer (EU, USA) Politik.
In dem einen Fall sagt man: "Das ist eine Diktatur, der Diktator muss weg".
Und in dem anderen Fall sagt man: "Das ist eine Diktatur, die muss bleiben".
Gerade, wie es am besten passt.
Diese verlogene Haltung fördert bei uns die Politikverdrossenheit und in anderen Ländern den Hass auf uns und die USA.Ich bin, also denke ich
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28.01.2011, 10:34
AW: Tunesien, Ägypten und was dann?
ich denke nicht, dass wir Europäer da viel machen sollten. Wir werden so oder so mit den sich überschlagenden Ereignissen und Ergebnissen leben müssen.
Das heißt für mich, weder Diktaturen aktiv unterstützen und schon garnicht fundamentalistisch agierende Regierungen zu unseren Intimfeinden machen. Wir beanspruchen für uns, dass andere Länder die von uns gwählten Regierungen akzeptieren und wir müssen wohl oder übel das auch für die arabischen Länder akzeptieren.
Wenn wir die Menschen dort ernst nehmen wollen, müssen wir sie auch nicht sofort fallen lassen, wenn sie andere an die Macht demonstrieren. Nur einfacher wird es dadurch nicht.
Und immer den USA die Schuld geben, bringt uns kein Stück weiter.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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28.01.2011, 10:35Inaktiver User
AW: Tunesien, Ägypten und was dann?
Früher oder später wird das Mubarak-Regime fallen.
Ob das, was danach kommt, besser für Ägypten und die Welt ist, kann niemand abschätzen.
Ich sehe die große Gefahr, dass die Moslembruderschaft und ähnliche Organisationen ganz schnell
wichtige Posten ergattern und wahlweise raffiniert oder mit heftigem Druck ihre von Gott abgesegneten
Ansprüche durchsetzen. Sie erhalten dabei Unterstützung aus dem Ausland.
Ob freie Wahlen in einem Land wie Ägypten funktionieren?
Ich kann es mir kaum vorstellen.
Alinghi:
natürlich kann das, was gerade im Libanon passiert ist, auch in Ägypten/Tunesien/Libyen passieren - wird es meiner
Meinung sogar.
Denn nur die Fudamentalisten sind gut genug organisiert, haben gemeinsame Ziele und wissen, wie man sich
Einfluss verschafft. Die Demostranten, die jetzt in Ägypten auf die Straße gehen, sind sich über ihre Ziele nicht einig:
einiges geht es um Freiheit, den nächsten um weniger Arbeitslosigkeit, manchen um Religion, andere wollen billigere Lebensmittel. Ich glaube, sie sind verführbar(wie jedes Volk in so einer Situation), ausser sich, wirken emotional sehr aufgebracht und schnell bereit, denen zu glauben, die ihnen schnelle und vor allem gottgewollte Lösungen anbieten.
Wie solche Regime mit Andersdenkenden umgehen, konnte man gut im Iran beobachten: die werden ganz schnell niedergeknüppelt, freie Wahlen werden gefaked, es gibt kaum noch eine Chance, die Herrschaften los zu werden.
Und wehe, wer sich nicht "gottgewollt" benimmt: Frauen, die ehebrechen, droht die Steinigung - Hinrichtungen werden wie bei uns im Mittelalter ein öffentliches Spektakel, man bespitzelt sich gegenseitig - es herrscht eine Atmosphäre der Angst...
Die Welt schaut hilflos zu, ist dauerbetroffen und schimpft ab und zu mal auf den Machthaber des Iran - den das nicht sonderlich juckt. Er hasst den Westen weiterhin lauthals - sehr medienwirksam und unter dem Beifall etlicher geistiger Brüder.
Er sitzt wohl ziemlich fest im Sattel.
Ein ähnliches Szenario droht nun auch in Nordafrika.
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28.01.2011, 10:36
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28.01.2011, 11:37Inaktiver User
AW: Tunesien, Ägypten und was dann?
Auch ich stimme zu.
Aber es bedeutet in der Konsequenz, dass wir auch darauf verzichten, unsere Vorstellungen von Menschenrechten durchzusetzen: Akzeptanz islamistischer Regimes bedeutet, dass auch akzeptieren, dass in den entsprechenden Ländern die Scharia eingeführt und umgesetzt wird - einschließlich Steinigung "untreuer" Frauen und Hinrichtung von Menschen, die vom Islam zum Christentum (oder anderen Religionen) übertreten oder in irgendeiner Form "blasphemische" Äußerungen von sich geben. Oder ganz einfach die "normalen" Strafen wie Köpfen oder Abhacken der Hand, die ich nach dem Freitagsgebet auf dem Hauptplatz von Dschiddah habe beobachten "dürfen".
Es bedeutet in der Konsequenz auch, dass wir akzeptieren, dass - wie im Afghanistan der Taliban - Mädchen der Schulbesuch und Frauen die Berufsausübung verboten wird.
Und wenn wirklich eine größere Zahl von Ländern sich dem Islamismus zuwendet, bedeutet dies auch, dass das Konzept des Jihad gegenüber allen nicht- islamischen Ländern durchgesetzt wird. Denn im Islam wird eben grundsätzlich nur zwischen zwei Gebieten unterschieden, dem "Gebiet des Islam" als Zone des Friedens einerseits, und dem "Gebiet des Krieges", das alle anderen Länder umfasst, das gläubige Moslems verpflichtet sind zu bekämpfen und zu erobern.
Und der Islam kennt keine Religionsfreiheit: Das beste, was Nicht-Moslems in islamischen Ländern passieren kann, ist die Anerkennung als "Dhimmi", also Schutzbürger zweiter Klasse.
Ich denke also auch, dass wir uns aus den sich entwickelnden Konflikten heraushalten sollten, um zumindest eine Chance zu erhalten, dass es danach zu einem gedeihlichen Nebeneinander kommt. Aber uns sollte auch die Konsequenzen klar sein, von denen ich oben einige aufgeführt habe.
Denn es geht eben nicht darum, dass "normale" Moslems wie der Türke aus dem Gemüseladen an der Ecke, der seinen Islam mehr oder weniger moderat lebt, die Zukunft bestimmen,sondern eben Islamisten - Anhänger eines fundamentalistischen Islam.
Ich würde mich freuen, wenn ich mich irren würde und aus den beginnenden Unruhen eine echte Demokratie unter Achtung der "westlichen" Menschenrechte entstünde.
Aber ich halte es für nicht wahrscheinlich.
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28.01.2011, 11:55
AW: Tunesien, Ägypten und was dann?
Das machen wir doch schon. Schau doch mal Saudi-Arabien an. Dort sind Menschenrechte und Demokratie keinen Pfifferling wert, und unsere Politiker kriechen den Diktatoren dort in den A.....
Das was mich stört, ist, dass wir eine zwiegespaltene Politik betreiben: Die Staaten, mit denen wir gut zusammenarbeiten können, dürfen ihre Diktatur behalten, sie dürfen foltern etc. sie erhalten jegliche Unterstützung und Waffen (Türkei, Pakistan, Irak Saddam Husseins, bevor er geächtet wurde, etc), und die Regierungen, die nicht passen, werden bekämpft (z.B. Kuba, Iran, Irak (nach Ächtung Saddam Husseins)....)
Wir brauchen eine konsequente Politik. Die Menschen in solchen Ländern wissen doch gar nicht, was unsere ethischen und moralischen Vorstellungen sind. Sie wissen nur, dass der US-Geheimdienst, (möglicherweise auch europäische Geheimdienste), unsere offizielle Regierung etc. ihre Folterknechte und Diktatoren stützt. Dass sich da ein Hass auf den Westen entwickelt, ist nachvollziehbar.Ich bin, also denke ich
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28.01.2011, 12:06
AW: Tunesien, Ägypten und was dann?
Typisch Deutsch - wenn man stets versucht die Missstände in anderen Ländern - mit einer eigenen Mitschuld relativieren will.
WIE soll man sich denn mit Muslimischen Staaten überhaupt verständigen? Fast alle Muslimischen Staaten sind Diktaturen oder eingeschränkte Demokratien UND ALLE haben eingeschränkte Grundrechte hinsichtlich Meinungs- und Religionsfreiheit. Auch in Tunesien und Ägypten ist in der Verfassung festgeschrieben, dass NUR ein Moslem hohe Staatsämter begleiten darf - Untermenschen wie Christen ist dies verwehrt.
Aber vielleicht sollte man das Locker sehen, so MultiKulti oder so, die leben ihre Kulti und wir leben unsere Kulti - und dann Schnauze halten - denn jede Kritik ist Feindlichkeit, Besserwisserei und Einmischung in fremde Angelegenheiten - damit vermeidet man zumindest kurzfristig schmerzhafte Analysen und Problemlösungen ... auch eine "Lösung" ...
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28.01.2011, 12:10
AW: Tunesien, Ägypten und was dann?
Zum Thema Einmischung: Nachdem der Westen 30 Jahre lang gute Kontakte zu Mubarak gepflegt hat, sein Ägypten nach Israel der größte Waffenimporteur des Nahen Ostens für Waffen aus den USA und Europa ist, unsere Geheimdienste ihn unterstützen, glaubt doch wohl niemand, dass wir uns raushalten. Im Moment laufen doch die Telefone heiß, die Politiker des Westens werden nicht müde, die ägyptische Bevölkerung zu beschwichtigen und unsere Geheimdienste machen Überstunden, garantiert.
Ich bin, also denke ich


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