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    Über Wirtschaftsordnung, und wohin mit der Potenz

    Ich starte gänzlich unsystematisch, aus dem Bauch raus:

    Nur eine schnelle Vorabbemerkung zur Ausgangsbasis:
    Eine zunehmende Zahl von Menschen registriert ,daß zunehmend viel daneben läuft im Land. Quatsche jetzt ja keiner in brüderleicher Manier vonwegen "Rekord"Wirtschaftswachstum 2010 dazwischen!
    Diese Menschen bleiben handlungslahm, sogar stumm, weil sie nicht wissen was dagegen tun. Sie sind tief verunsichert, führungslos, ideenlos. Die bestehende Ordnung scheint ihnen so alternativlos.


    Ich selbst sehe viele Ursachen der Murksereien, und daß man diese auch beseitigen könnte. Auch relativ leicht zumeist. Allein groben Missbrauch und Trickserei verhindern würde schon sehr viel bringen.

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    Spontan und aktuell beschäftigt mich aber ein Punkt, der möglicherweise tiefer reicht, über den aber öffentlich kaum was zu lesen ist.

    Versuch einer kleinen Hinleitungs-Geschichte:
    Ich wohne also in der Stadt. Es gibt dort auch (wieder) viele Kleinhandwerker, Friseure, Schuster, Schneider etc.

    Ich gehe mit abgerissener oliver Billigjacke zum Änderungsschneider. Sichtlich schwul und migrationshintergründig lächelt der jüngere Schneider. Die total kaputte Aussentasche zu reanimieren würde kosten 3 €.
    Ich bin baff, bringe es aber fertig zu schweigen: "Erstmal sehen was er bei Abholung verlangen wird".
    Es bleibt bei 3 €, Arbeit perfekt und prompt ausgeführt.
    Ich verspreche Folgeaufträge (nicht zynisch gemeint).

    Dann begegne ich wieder mal dem Leiharbeiter im Treppenhaus, der von seiner vielgerühmten Zeitarbeitsfirma (Die Chefin sicher Entrepeneurin des Jahres XXXX) seit 10 Jahren an ein und denselben Arbeitgeber an ein und denselben Standort verschickt wird. Tag für Tag - 3 Schichtbetrieb.
    Nie krank, (wär auch unbezahlt bzw würde von seinem zwangsweise ständig üppig im Plus gehaltenen Arbeitszeitkonto abgehen), 27 Tage Urlaub, mit allen Wochenend- und Nachtzulagen, Überstunden...Frau, 1 Kind... bis zu ca.950 netto. Im Monat!!
    (basierend übrigens genau auf den Pseudo-Tarifverträgen mit jenen "Christlichen Gewerkschaften", die unlängst höchstrichterlich für unzulässig und unwirksam erklärt wurden. Er müsste ab sofort (und rückwirkend) wohl endlich mehr bekommen. Ich werde seine Lohnentwicklung beobachten.)

    Mal hat der ca. 50-Jährige kleine Deutsch-Usbeke dunklere Ringe unter den Augen, mal etwas weniger dunkle. Ich kenne ihn inzwischen: Kein Alkohol, Konstitution wie ein Tier.
    Seine dicke Frau kocht und backt hervorragend (russisch/usbekisch), findet immermal wieder ein Job, sooft der 1.FCN aufsteigt ungefähr, dessen Zweitligazeiten entsprechen in etwa ihren Zeiten der Arbeitslosigkeit. Sie kämpfen beide ständig an, der Club noch etwas glücklicher zuletzt.

    Klar, wunderbar.
    Ich, der bürgerliche Kunde, freue mich über die Tiefstpreise,
    die beiden Arbeitgeber des kleinen Mannes über die erhöhten Profite. O-Ton Zeitfirma zum kleinen Mann: Wir bieten dir 50€ Prämie für Beischaffung weiterer arbeitswilliger Tierchen deines Kalibers. Dringend gesucht!

    Nun auch klar, ich der bürgerliche Sozialist, denke wenn es nach Leistung ginge, müssten diese Leistungsträger mindestens 2-3 mal mehr verdienen. Was sich leicht anderswo abzwacken ließe, etwa bei Millionen an überflüssigen Sesselfurzern und Werbefuzzis, die das mehrfache zuviel einsacken.
    Soweit liegen die Dinge recht einfach und klar.


    Zum Problem.
    Was würden diese Leute mit dem Geld machen?
    Schulden macht der kleine DeutschUsbeke übrigens aus Prinzip nicht.
    Deshalb allein lebt er auch noch, schätz ich mal. Ok, grade so noch.

    Welchen Weg würde die zu ihrer Verwendung angespeicherte Potenz (ich rede von Geld) letztlich nehmen?
    In irgendeiner Form gespart würde erstmal werden, sicher. Hierauf lauert und zählt die Finanzmafia.
    Auto für die Tochter vielleicht mal, ein alter Familientraum. Der Alte selbst wurde nämlich voll abgezockt von dt. Führerscheinbürokratie/administration oder wie das Konsortium heisst. Nach 2 gescheiterten Versuchen den kompletten dt. FS-Prozess zu bewältigen, weil ihm sein usbekischer FS nix angerechnet ward, war er ca.7000€ ärmer und hatte es aufgegeben.

    Aber zurück zur Frage...
    Würden diese einfachen Leute diese Potenz letztlich sinnvoll zum Einsatz bringen? was heisst schon sinnvoll?
    Sinnvoller als die, die es jetzt haben, es tun zumindest? Jene Mittelschichtler, die sich von den Werbeagenturen und Trendsetter-Companien jeden Mist andrehen lassen und ab den mittleren bzw ländlicher angesiedelten Kasten sogar Häuser bauen dürfen. Häuser zum davonlaufen.
    Dazu Autos bauen müssen nach dem vermeintlichen kasteneigenen Anforderungsprofil, diese also auch kaufen dürfen und müssen hernach. Quasi alternativlos.
    Diese Autos fahren zwar tatsächlich, scheinen aber ebenfalls mehr zum davonlaufen "designed".


    Mein Vortrag wirft die Frage auf
    wieviel Fürsorge , wieviel an-die-Hand-nehmen, Bevormundung des Bürgers mit relevantem Einkommen nötig ist um die ihm zugesprochene Geldpotenz irgendwann gut eingesetzt zu finden?
    ++ Ökonomisch, Ökologisch, ästhetisch ... "gut" ++

    Ich ahne, daß nicht nur kommunistisch-maoistische Strategen jetzt jubilieren werden ob dieser meiner Fragestellung.

    Nein, im kapitalistischen System sind es die Ölquellenerschließer ala Maschmeyer, die sich so rechtfertigen (natürlich nur im kleinen Kreis):

    "Leuten, die zu blöd sind auf ihr Geld aufzupassen, zu vertrauensduselig, sollte man es am besten schnell wegnehmen.
    Erstens bevor es andere tun.
    Zweitens weil sie eh nur Bibbifax damit anzustellen wüssten.
    Wir dagegen wissen wie Jachten auszusehen haben.
    Besser wir managen das, und lassen die weiter ungestört arbeiten."
    Geändert von hombre (24.01.2011 um 12:52 Uhr)

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    AW: Über Wirtschaftsordnung, und wohin mit der Potenz

    Zitat Zitat von hombre Beitrag anzeigen
    Mein Vortrag wirft die Frage auf
    wieviel Fürsorge , wieviel an-die-Hand-nehmen, Bevormundung des Bürgers mit relevantem Einkommen nötig ist um die ihm zugesprochene Geldpotenz irgendwann gut eingesetzt zu finden?
    ++ Ökonomisch, Ökologisch, ästhetisch ... "gut" ++
    Gar keine.

    Wer entscheidet, was ästhetisch ist? Du?

    Jachten können z.B. sehr ästhetisch sein,
    Beim letzten Urlaub dümpelten einige vor meinem Balkonfenster - herrlich: Sonne, blaue See, weiße Jachten, rote Fahnen, Wolken ...

    Und der migrante Schneider würde sich von seinem Mehrlohn sicher gern ein dolles Motorrad kaufen - ist das nun ökologisch?

    Kitty
    Coat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
    Mae West: Goodness had nothing to do with it...

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    AW: Über Wirtschaftsordnung, und wohin mit der Potenz

    Zitat Zitat von Kitty1670 Beitrag anzeigen
    Gar keine.
    Sorry, zu billige Antwort.
    Daß ein System ala "absolute Vertragsfreiheit. Herr/Frau Listen- und Kenntnisreich beutet beliebig und legal Herrn/Frau Einfachmensch aus" es nicht sein kann, unterstelle ich als selbstverständlich. Es geht um die Frage wieviel Schutz ein Rechtssystem herstellen soll, nicht ob.
    Wer entscheidet, was ästhetisch ist? Du?
    ich hab da meine Vorstellungen, ja.
    Vielen anderen Leuten scheinen die abzugehen. Oder sollte es so sein, daß sie einer abweichenden, gar antagonistischen Ästhetik anhängen?

    Jachten können z.B. sehr ästhetisch sein,
    Was gibts da zu grinsen? Ich führte das ja gerade als Bsp an.
    Und der migrante Schneider würde sich von seinem Mehrlohn sicher gern ein dolles Motorrad kaufen - ist das nun ökologisch?
    Erst mal bräuchte er in Bürokratenland einen speziellen Führerschein.
    Den er sicher nicht hat. Und den zu bekommen sicher nicht einfach bzw nicht billig sein wird. Für ihn. Siehe Usbeke-Kollege.

    Ökologisch betrachtet bietet die Zweiradtechnik viele prinzipielle Vorteile.


    Ich will (Motor)rad mal als erstbeste Idee eines sinnvollen Wunsches unseres Proletariers aufnehmen.
    Wie kann eine Rechts- und Wirtschaftsordnung ihm die Erfüllung dieses Wunsches möglich machen ?

    Antwort a,
    Indem sie ihm möglichst fair Kaufgegenwert für seine eingebrachte Arbeitsleistung verleiht (=fairen Lohn/fairen Preis bezahlt).

    Antwort b,
    Indem sie seine Kaufkraft schützt vor Zugriff anderer Geldnachsucher, die sein Geld liebstens ständig dezimieren würden, auf dass er es schwer oder nie schaffe seine Motorradinvestition zu tätigen.

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    AW: Über Wirtschaftsordnung, und wohin mit der Potenz

    Würde mich mal interessieren, was der Schneider und der usbekische Leiharbeiter seinen Kindern sagt.

    Sagt er wohl, bitte liebes Kind, werde Sozialist und bekämpfe zusammen mit allen anderen Sozialisten die reichen Sesselfurzer, damit es allen Schneidern und Leiharbeitern in Zukunft besser gehe? Oder sagt er vielleicht, bitte liebes Kind, sei gut in der Schule und mach was aus deinem Leben, dann wirds dir mal besser gehen?

    Hast du die beiden mal gefragt, warum sie ihre Heimat verlassen haben und nach Deutschland gekommen sind?

  5. Inaktiver User

    AW: Über Wirtschaftsordnung, und wohin mit der Potenz

    Zitat Zitat von Inspirom Beitrag anzeigen
    Würde mich mal interessieren, was der Schneider und der usbekische Leiharbeiter seinen Kindern sagt.

    Sagt er wohl, bitte liebes Kind, werde Sozialist und bekämpfe zusammen mit allen anderen Sozialisten die reichen Sesselfurzer, damit es allen Schneidern und Leiharbeitern in Zukunft besser gehe? Oder sagt er vielleicht, bitte liebes Kind, sei gut in der Schule und mach was aus deinem Leben, dann wirds dir mal besser gehen?

    Hast du die beiden mal gefragt, warum sie ihre Heimat verlassen haben und nach Deutschland gekommen sind?

    Daß es ihnen in ihrer Heimat NOCH schlechter ging ist noch lange kein Prädikat für ihre neue Heimat.

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    AW: Über Wirtschaftsordnung, und wohin mit der Potenz

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Daß es ihnen in ihrer Heimat NOCH schlechter ging ist noch lange kein Prädikat für ihre neue Heimat.
    Um besser/schlechter ging es mir gar nicht. Ich kenne selbst auch einige Migranten aus osteuropäischen Ländern. Diese sind ausgewandert weil sie und ihre Kinder bei uns frei sein können, nicht primär wegen der wirtschaftlichen Vorteile. Wäre D ein sozialistisches Land, wären sie bestimmt nicht gekommen.

    Ich denke, die Menschen, für die Hombre hier das Wort ergreift, wussten was sie bei uns erwartet. Sie kommen meistens, weil sie eine bessere Zukunft für ihre Kinder wollen, nicht ein besseres Leben für sich selbst. Und unter besserer Zukuft stellen diese Menschen sich gewiss nicht eine sozialistische vor.

  7. Inaktiver User

    AW: Über Wirtschaftsordnung, und wohin mit der Potenz

    Zitat Zitat von Inspirom Beitrag anzeigen
    Um besser/schlechter ging es mir gar nicht. Ich kenne selbst auch einige Migranten aus osteuropäischen Ländern. Diese sind ausgewandert weil sie und ihre Kinder bei uns frei sein können, nicht primär wegen der wirtschaftlichen Vorteile. Wäre D ein sozialistisches Land, wären sie bestimmt nicht gekommen.

    Ich denke, die Menschen, für die Hombre hier das Wort ergreift, wussten was sie bei uns erwartet. Sie kommen meistens, weil sie eine bessere Zukunft für ihre Kinder wollen, nicht ein besseres Leben für sich selbst. Und unter besserer Zukuft stellen diese Menschen sich gewiss nicht eine sozialistische vor.

    Wie definierst du in diesem Fall -sozialistisch- ?

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    AW: Über Wirtschaftsordnung, und wohin mit der Potenz

    Zitat Zitat von Inspirom Beitrag anzeigen
    Würde mich mal interessieren, was der Schneider und der usbekische Leiharbeiter seinen Kindern sagt.

    Sagt er wohl, bitte liebes Kind, werde Sozialist und bekämpfe zusammen mit allen anderen Sozialisten die reichen Sesselfurzer, damit es allen Schneidern und Leiharbeitern in Zukunft besser gehe? Oder sagt er vielleicht, bitte liebes Kind, sei gut in der Schule und mach was aus deinem Leben, dann wirds dir mal besser gehen?
    die Tochter des Leiharbeiters macht schon ganz gut in der Schule..

    aber was willst du damit andeuten?

    Etwa, daß Fabrikarbeiter, HandwerkerInnen aller Art, Landarbeiter, Bauern, etc in Zukunft nicht mehr benötigt würden... ihre Beschäftigungen als individuell wirtschaftlich unvorteilhaft, folglich unattraktiv, aussterben werden, nach simpler Logik des freien Marktes, hier betreffend Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt...?

    Oder mit anderen Worten...
    Wenn nur erst jeder mittels entsprechender Bildungswillen-Anstrengung sein Fachabi auf xtem Bildungsweg in der Tasche hat, gibt es keine Problemzonen mehr auf dem Arbeitsmarkt, die früheren schlechtbezahlten Arbeitsplätze wurden abgeschafft. Knöpfe werden nicht mehr angenäht, sondern per Internet neues Textil aus Fernost bestellt, innert 7 Tagen frei haus geliefert. Überhaupt wird alles in China hergestellt, Brötchen zb per Tiefkühlkette auf den Tisch gebracht... no prob.

    Ich frage nicht rhetorisch, sondern weil ich denke in diesem wundersam dummen Land D gibt es hinreichend viele Leute, die weder bis 3 sehen geschweige denken können, und sowas tatsächlich glauben.
    Manche davon dürfen sogar in großen Zeitungen schreiben.
    Oder führen akademische Titel und schreiben Bücher.

  9. User Info Menu

    AW: Über Wirtschaftsordnung, und wohin mit der Potenz

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wie definierst du in diesem Fall -sozialistisch- ?
    sozialistisch = ... abzwacken ... etwa bei Millionen Sesselfurzern und Werbefuzzis

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    AW: Über Wirtschaftsordnung, und wohin mit der Potenz

    Zitat Zitat von hombre Beitrag anzeigen
    aber was willst du damit andeuten?
    "Problemzonen" im Arbeitsmarkt muss es immer geben, um einen Anreiz zu haben diese zu verlassen. Wenn es allen prächtig ginge, also auch denen die nur können, was keiner braucht und nicht können, was gebraucht wird, gäbe es keinen Fortschritt.

    Die von dir aufgelisteten Fabrikarbeiter, HandwerkerInnen aller Art, Landarbeiter, Bauern, etc. gehören allerdings m. E. nicht dazu. Denen geht es gar nicht so schlecht, wenn sie es clever anstellen, was die meisten Menschen dieser Berufsgruppen die ich kenne auch tun.

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