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    Ist die Politik für das Attentat von Arizona verantwortlich?

    Die meisten Kommentare scheinen sich einig zu sein: Stil und Härte der (partei)politischen Auseinandersetzung sind hauptursächlich für den Amoklauf von Tucson. Ich meine, das stimmt so nicht.

    Der Attentäter hat an der politischen Auseinandersetzung gar nicht teilgenommen, vermutlich hat er sie nicht einmal wahrgenommen. Er hat auch nicht in dieser realen Welt gelebt, sondern in seiner eigenen, und das war die virtuelle, die 'Netzwelt'.

    Was die Akteure in der politischen Auseinandersetzung so von sich geben, ist oft ungehörig, unangemessen und unanständig. Aber - wenn sie sich äußern, tun sie dies als identifizierbare Figuren, und das setzt Grenzen. Keine Grenzen kennt dagegen das Volk der anonymen Figuren.

    Was im Schutze der Anonymität alles geschrieben wird an hasserfüllten, überheblichen und menschenverachtenden Beiträgen, das ist um ein Vielfaches schlimmer. Und was noch hinzukommt: es prasselt im nicht enden wollenden Stakkato auf diejenigen nieder, die buchstäblich in solchen Netzwerken leben und den Kontakt zur realen Welt längst verloren haben. Wenn all das keine Wirkung haben sollte auf Psyche und Verhalten eines Menschen, dann weiß ich nicht, was überhaupt noch eine Wirkung haben kann.

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    AW: Ist die Politik für das Attentat von Arizona verantwortlich?

    Nein, ich stimme Dir nicht zu.

    1.) Die Wahl des Opfers ist nicht zufällig oder unpolitisch gewesen.

    2.) Das von Dir so genannte Volk der anonymen Figuren hat diese hasserfüllte Form der Auseinandersetzung nicht erfunden. Sie sind nur das Echo und die Multiplikatoren dessen, was sie von der Spitze der Konservativen Bewegung und ihrer medialen Verbreiter vorgebrüllt bekommen.
    schlechte Technik > schlechte Laune


  3. Inaktiver User

    AW: Ist die Politik für das Attentat von Arizona verantwortlich?

    Ich würde sagen, es ist beides, Tailor.

    Ich glaube schon, dass der Anfang in der Virtualität zu suchen ist. In der Realität wurde es wiederum allgemein salonfähig gemacht, um es in der Virtualität wieder zu potenzieren.

    Der "Zwischenschritt" in Deutschland wird hier in einem anderen thread diskutiert ...

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    AW: Ist die Politik für das Attentat von Arizona verantwortlich?

    Zitat Zitat von Mr_McTailor Beitrag anzeigen
    Nein, ich stimme Dir nicht zu.

    1.) Die Wahl des Opfers ist nicht zufällig oder unpolitisch gewesen.

    2.) Das von Dir so genannte Volk der anonymen Figuren hat diese hasserfüllte Form der Auseinandersetzung nicht erfunden. Sie sind nur das Echo und die Multiplikatoren dessen, was sie von der Spitze der Konservativen Bewegung und ihrer medialen Verbreiter vorgebrüllt bekommen.
    Zustimmung. Das Attentat war genauestens im voraus geplant und die Zielperson stand fest - entsprechende Aufzeichnungen wurden in Loughners Zimmer/Wohnung gefunden. Als einen rein politischen Attentäter mit einer eigenen gefestigten Ideologie würde ich Loughner dennoch nicht sehen, hier greift eher Tailors Punkt 2.

    Übrigens war der Täter keineswegs halbdebil wie so häufig dargestellt, die Bücher, die er in seinem (inzwischen entfernten) My Space Account als seine Lieblingsbücher angibt, lassen durchaus auf eine "normale" jugendliche Lektüre schließen: Animal Farm, Brave New World, The Wizard Of OZ, Aesop Fables, The Odyssey, Alice Adventures Into Wonderland, Fahrenheit 451, Peter Pan, To Kill A Mockingbird ... (Quelle hier: Jared Lee Loughner Identified As Gabrielle Giffords Shooter (INFO, VIDEOS))

    Mittlerweile frage ich mich, ob auch die angebliche mentale Verwirrtheit nicht irgendwie inszeniert wird.

    Aber - wenn sie sich äußern, tun sie dies als identifizierbare Figuren, und das setzt Grenzen.
    Diese Grenzen kann ich hier schon lange nicht mehr erkennen. Das ist aber nicht erst seit gestern so - Bush läßt grüßen.

    Kitty
    Geändert von Kitty1670 (14.01.2011 um 01:39 Uhr)
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  5. Inaktiver User

    AW: Ist die Politik für das Attentat von Arizona verantwortlich?

    Zitat Zitat von PeHa68 Beitrag anzeigen
    Der Attentäter hat an der politischen Auseinandersetzung gar nicht teilgenommen, vermutlich hat er sie nicht einmal wahrgenommen. Er hat auch nicht in dieser realen Welt gelebt, sondern in seiner eigenen, und das war die virtuelle, die 'Netzwelt'.

    Was die Akteure in der politischen Auseinandersetzung so von sich geben, ist oft ungehörig, unangemessen und unanständig. Aber - wenn sie sich äußern, tun sie dies als identifizierbare Figuren, und das setzt Grenzen. Keine Grenzen kennt dagegen das Volk der anonymen Figuren.

    Was im Schutze der Anonymität alles geschrieben wird an hasserfüllten, überheblichen und menschenverachtenden Beiträgen, das ist um ein Vielfaches schlimmer.
    Dem kann ich nicht folgen. Ganz im Gegenteil.

    Im Internet gibt es alles Mögliche - unappetitliche Sexvideos, Anleitungen zum Bombenbau, Verschwörungstheorien, UFO-Sichtungen, Kindesmissbrauch, islamistische Bekenner-Videos, Rezepte, Späßchen, u.v.m.
    Es gibt im Internet harmlose Spinner und gefährliche Spinner. Aber ihre Wirkung bleibt überschaubar.

    Wieso sollte anonyme Gewaltäußerung im Internet schlimmer sein, als Brachialrhetorik auf der offiziellen Bühne, in seriöser Aufmachung, aus dem Mund eines Abgeordneten, eines bekannten TV-Moderators, gar einer Präsidentschaftskandidatin?

    Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Politiker und Fernsehmoderatoren sind weit wichtiger Multiplikatoren, als irgendwelche Blogger im Internet. Das scheinbar seriöse Umfeld dient weit mehr der Indoktrinierung der Bevölkerung, als irgendwelche zwielichten Internet-Figuren, deren Blogs nur von wenigen Leuten gelesen und von noch weniger Leuten ernst genommen werden.

    Wenn demokratische Wahlbezirke mit einem Fadenkreuz gekennzeichnet werden, wenn "seriöse" Politiker öffentlich sagen können, man müsse Julian Assange (nein: nicht vor Gericht stellen, sondern:) erschießen, wenn eine Tea Party Vertreterin verkündet, es gäbe ein Recht sich mit Waffengewalt gegen die Regierung zu wehren, und wenn all das ohne strafrechtliche Folgen bleibt - dann kann man durchaus von einem gesellschaftlichen Klima der Gewalt sprechen.

    Dass es in diesem Fall keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Brachialrhetorik von Sarah Palin und dem Attentäter gibt, ändert nichts daran, dass sie und ihre Politikerkollegen es sind, die Hass und Zorn in die politische Auseinandersetzung gebracht haben, und nicht etwa irgendwelche anonyme Blogger und Leserbriefschreiber.

  6. User Info Menu

    AW: Ist die Politik für das Attentat von Arizona verantwortlich?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wieso sollte anonyme Gewaltäußerung im Internet schlimmer sein, als Brachialrhetorik auf der offiziellen Bühne, in seriöser Aufmachung, aus dem Mund eines Abgeordneten, eines bekannten TV-Moderators, gar einer Präsidentschaftskandidatin?
    Weil es eine andere Wirkung hat auf diejenigen, die es lesen und hören wollen, immer wieder, und die gleichzeitig die Realitäten ausklammern. Und weil es Allmachtsillusionen fördert, also die Vorstellung, man könne etwas in seinem Sinne ändern, wenn man nur entschlossen genug vorgehe. Wie damals bei der RAF.

    Brachialrhetorik in der öffentlichen Diskussion dagegen führt eher dazu, dass die Leute abstumpfen - auch den Protagonisten solcher Rhetorik gegenüber.

  7. Inaktiver User

    AW: Ist die Politik für das Attentat von Arizona verantwortlich?

    Zitat Zitat von PeHa68 Beitrag anzeigen
    Weil es eine andere Wirkung hat auf diejenigen, die es lesen und hören wollen, immer wieder, und die gleichzeitig die Realitäten ausklammern. Und weil es Allmachtsillusionen fördert, also die Vorstellung, man könne etwas in seinem Sinne ändern, wenn man nur entschlossen genug vorgehe. Wie damals bei der RAF.
    Das ist eine völlig unausgegorene Behauptung.
    Alles, was du da schreibst, kennzeichnet nicht die Blogger und Leserbriefschreiber, sondern die Tea Party und ihre Anhänger.
    Und anders als irgendwelche Blogger haben die Republikaner und Tea Party Aktivisten sogar einen Fernsehsender, der täglich aus vollen Rohren die Hassbotschaft gegen Demokraten hinausschreit.


    Brachialrhetorik in der öffentlichen Diskussion dagegen führt eher dazu, dass die Leute abstumpfen - auch den Protagonisten solcher Rhetorik gegenüber.
    Ach ja? Kommt dir die US-amerikanische Öffentlichkeit derzeit abgestumpft vor?
    Der zuständige Sheriff in Arizona ist gegensätzlicher Meinung.

    Dass Giffords' Büro verwüstet wurde, nachdem - und weil - sie der Gesundheitsreform zugestimmt hat, das hast du dann wohl auch nicht mitbekommen. Sie war übrigens nicht die einzige. Mehrere demokratische Abgeordnete berichteten im Zusammenhang mit der Abstimmung über die Gesundheitsreform von eingeschlagenen Fensterscheiben und Morddrohungen. Einen Bericht dazu habe ich seinerzeit im Obama-Strang zitiert oder verlinkt.
    .
    Geändert von Inaktiver User (14.01.2011 um 17:42 Uhr)

  8. Inaktiver User

    AW: Ist die Politik für das Attentat von Arizona verantwortlich?

    Zitat Zitat von PeHa68 Beitrag anzeigen
    Die meisten Kommentare scheinen sich einig zu sein: Stil und Härte der (partei)politischen Auseinandersetzung sind hauptursächlich für den Amoklauf von Tucson. Ich meine, das stimmt so nicht.

    Der Attentäter hat an der politischen Auseinandersetzung gar nicht teilgenommen, vermutlich hat er sie nicht einmal wahrgenommen. Er hat auch nicht in dieser realen Welt gelebt, sondern in seiner eigenen, und das war die virtuelle, die 'Netzwelt'.

    Was die Akteure in der politischen Auseinandersetzung so von sich geben, ist oft ungehörig, unangemessen und unanständig. Aber - wenn sie sich äußern, tun sie dies als identifizierbare Figuren, und das setzt Grenzen. Keine Grenzen kennt dagegen das Volk der anonymen Figuren.

    Was im Schutze der Anonymität alles geschrieben wird an hasserfüllten, überheblichen und menschenverachtenden Beiträgen, das ist um ein Vielfaches schlimmer. Und was noch hinzukommt: es prasselt im nicht enden wollenden Stakkato auf diejenigen nieder, die buchstäblich in solchen Netzwerken leben und den Kontakt zur realen Welt längst verloren haben. Wenn all das keine Wirkung haben sollte auf Psyche und Verhalten eines Menschen, dann weiß ich nicht, was überhaupt noch eine Wirkung haben kann.
    Du argumentierst so, als wären die virtuelle Welt und die reale Welt mit ihren politischen Auseinandersetzungen getrennte Sphären ohne Berührungspunkte. Aber in Wahrheit sind in beiden Sphären dieselben Protagonisten unterwegs. Die hasserfüllten Beiträge im Internet spiegeln den Hass in der politischen Auseinandersetzung wieder.

    Deshalb ist die Vorstellung, dass der Täter vom vergifteten politischen Klima nichts mitbekommen hat, unrealistisch.

  9. User Info Menu

    AW: Ist die Politik für das Attentat von Arizona verantwortlich?

    Zitat Zitat von PeHa68 Beitrag anzeigen
    Brachialrhetorik in der öffentlichen Diskussion dagegen führt eher dazu, dass die Leute abstumpfen - auch den Protagonisten solcher Rhetorik gegenüber.
    In Deutschland vielleicht.
    Jeoch nicht in den USA - hier wird Brachialrhetorik oft dankend angenommen - ist einfach zu verstehen und man muss nicht selbst sein Gehirn anstrengen.

    Kitty
    Coat check girl: Goodness! What lovely diamonds!
    Mae West: Goodness had nothing to do with it...

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