Ein Unternehmer "darf" sich nicht einfach Gehalt nach Lust und Laune zahlen. Zahlt er sich zu viel Gehalt ist dies eine verdeckte Gewinnausschüttung und muss nachversteuert werden.
Man sollte auch wissen, dass ein Unternehmer auch DANN die vollen Steuersätze zahlt, wenn er sich kein Gehalt zahlt. Einbehaltene Gewinne ändern also nichts an der Steuerpflicht! Dann sollte man auch immer den "gesunden Menschenverstand" als durchaus verbreitete Erscheinung im Mittelstand akzeptieren. Die Firma ist idR. sowohl Kapitalanlage, Arbeitsplatz und Altersvorsorge. Es macht also keinen Sinn, wenn "man" sich hohe Gehälter zahlt und dann die Firma Verluste schreibt - es gibt nur eine grosse Kasse. Auch sollte man die Haftung nicht unterschätzen. Wir hatten zu Beginn zBsp. ein Kontokorrentkreditrahmen (Dispo) von 50TD€ und mussten allein dafür JEWEILS mit 80TD€ bürgen. Für jeden weiteren Euro von der Bank werden idR. ebenfalls private Bürgschaften und Sicherheiten verlangt.
Was ist also nun ein "fairer" Unternehmerlohn in Fa. XY?
Investiertes Eigenkapital: 1 Million €
Bürgschaften: 0,5 Million €
Arbeitsleistung: Als Führungskraft
Gewinn: 0,1 Million €
Jetzt kann man natürlich "argumentieren": 100.000€ ist ein Spitzeneinkommen, fällt in den Spitzensteuersatz und weckt Begehrlichkeiten für Reichensteuer, Spitzensteuererhöhung, Bürgerversicherung etc. etc.
Man kann aber auch Gegenrechnen:
"normaler" Verdienst als vergleichbarer Angestellter in der freien Wirtschaft: 60 TD€
"normale" Kapitalrendite bei Anlage von 1 Million: 50 TD€
... und das ganze ohne Bürgschaften auf das Haus, ohne unternehmerisches Risiko, mit vollem Urlaubsanspruch ...
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25.11.2010, 15:55
AW: Löhne- werden Arbeitnehmer genügend am Aufschwung beteiligt ?
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25.11.2010, 15:58
AW: Löhne- werden Arbeitnehmer genügend am Aufschwung beteiligt ?
Ach ja ... die Verzinsung des investierten Kapitals muss eine Firma natürlich voll versteuern - also in og. Beispiel zum Spitzensteuersatz.
Ein Privatier zahlt nur 25 % pauschale Steuer auf sein Zinsgewinn.
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25.11.2010, 18:48
AW: Löhne- werden Arbeitnehmer genügend am Aufschwung beteiligt ?
Danke für deine Ausführungen hier und eins weiter oben.
Da sieht dann die Selbständigkeit schon nicht mehr so rosig aus.
Aber es gibt vielleicht ein paar Schmankerl, wie z.B. die Absetzbarkeit eines grösseren PKW, der für private Zwecke mitbenutzt wird ?
Worin liegt denn nun der Reiz für einen Mittelständler, sich die viele Arbeit aufzuhalsen ?
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25.11.2010, 18:58
AW: Löhne- werden Arbeitnehmer genügend am Aufschwung beteiligt ?
An dem, was ich im Selbstständigenforum immer betone: Unternehmer wollen unternehmen. Sie wollen "machen". Viel mehr, als sie es in einer abhängigen Beschäftigung könnten. Das Eigene ist auch sehr wichtig. Das erfordert immer mehr Einsatz. Und das ist das, was Angestellte gerne übersehen und unter den Tisch kehren.
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26.11.2010, 17:15Inaktiver User
AW: Löhne- werden Arbeitnehmer genügend am Aufschwung beteiligt ?
Aber es gibt vielleicht ein paar Schmankerl, wie z.B. die Absetzbarkeit eines grösseren PKW, der für private Zwecke mitbenutzt wird ?
Ja sicher aaaaaaber das ist natürlich auch nicht so einfach wie man jetzt denken möchte
Erstmal muss der Unternehmer 1% vom Netto Listenpreis versteuern . Also werden bei einem Mittelklassewägelchen mit sagen wir 40 Mille Netto LP erstmal 4.800.- Euro p.a. zum Einkommen addiert und versteuert .
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26.11.2010, 20:57
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26.11.2010, 21:00Inaktiver User
AW: Löhne- werden Arbeitnehmer genügend am Aufschwung beteiligt ?
Genauso isses. Jedenfalls was das Fettgedruckte betrifft.
Was Angestellte übersehen, weiß ich nicht, klingt mir ein bisschen arrogant - kann ich mich täuschen. Ich denke, Angestellte sehen das schon.
Wobei Freiberufliche ebenfalls in Abhängigkeiten leben. Es sind halt andere Abhängigkeiten.
Ich denke, als Angestellte könnte ich auch unternehmen wollen/können. Vielleicht sogar sehr gut, wenn der Rahmen und ich übereinstimmen.
.Geändert von Inaktiver User (26.11.2010 um 21:08 Uhr)
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27.11.2010, 13:45Inaktiver User
AW: Löhne- werden Arbeitnehmer genügend am Aufschwung beteiligt ?
Ich habe nicht gerne Unternehmer, die meinen, sie alleine würden arbeiten. Der Unternehmer könnte nichts ohne seine Angestellten machen. Dass ein Unternehmer "machen" will, stimmt so auch nicht unbedingt. Ich glaube, es ist eher eine Frage des Charakters und des angestrebsten Berufes.
Eine Frau, die mit Leib und Seele Sekretärin ist, wird sic nie selbständig machen, eine Frau, die von Berufung wegen Lehrerin ist, ebenfalls nicht. Andere Berufe eigenen sich wieder sehr für die Selbständigkeit. Und wegen des Gehaltes: ich neide keinem Unternehmer, wenn er das doppelte, dreifache, 10fache eines Angestellten verdient. Ich bin nur auf astronomische Summen (sagen wir ab 2 Mio.) allergisch, weil die der ganzen Gesellschaft schaden. Solche Summen werden aber meist bei sehr grossen Firmen dem gehobenen Management bezahlt.
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28.11.2010, 16:42
AW: Löhne- werden Arbeitnehmer genügend am Aufschwung beteiligt ?
Ich schätze mal das in Deutschland WENIGER als 1000 Angestellte mehr als 2 Millionen Euro verdienen. Man bedenke aber nur mal die Gehälter von Fussballspielern - bei Bayern verdient sicherlich kein Stammspieler weniger - dann der Trainer, der Manager, der Vorstandsvorsitzende ... alles Angestellte.
WENN man die absolute Grösse von Gehältern verurteilt - sollte man die Relationen beachten.
Wenn Bayern München nun 350 Millionen Euro im Jahr umsetzt, das Stadion fast bezahlt ist, sonst keine Schulden vorliegen ... was spricht gegen die Aufteilung der Gewinne auf die "führenden Angestellten"?
Wenn nun der Industriebetrieb A mit der Produktion an einer bestimmten Maschine 100.000 Euro im Jahr verdient - ist dies ok? Und wenn nun der Industriebetrieb B - 20 dieser Maschinen besitzt - dann schadet er der Gesellschaft?
ALSO wenn eine AG zBsp. 5 Millionen Euro Vorsteuergewinn in Deutschland erwirtschaftet - dann zahlt die Firma ca. 40 % direkte Steuern. Werden die verbliebenen 3 Millionen Euro nun ausgeschüttet - müssen ALLE Aktionäre diese Summe nochmals mit 25 % pauschal versteuern. Die verbleibenden 2,25 Millionen fliessen nun in den Konsum - mit Mehrwertsteuer, Tabaksteuer, Mineralölsteuer etc..
WAS wäre also wenn diese Firma nun NICHT "der Gesellschaft schaden würde" und keinen Gewinn ausweisen würde? Ein Gewinn für die Gesellschaft? Mit dieser Logik muss es ja einem Land, in dem alle Firmen Verluste ausweisen am Besten gehen ...
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28.11.2010, 17:14Inaktiver User
AW: Löhne- werden Arbeitnehmer genügend am Aufschwung beteiligt ?
Die ganz genauen Zahlen habe ich nicht mehr im Kopf, aber 10 % der Österreicher sollen angeblich ca. 70 % des Vermögens besitzen. Klar, es gab immer Arme und Reiche und wird es immer geben. Aber im Moment geht die Schere eher auf als zu (Einkommen und Vermögen). Wenn du dies so rattenscharf findest, nehme ich an, dass du entweder nicht in die Zukunft denken kannst oder einfach von diesem System profitiert.
Eine gesellschaft, die einigermassen gleich ist (und ich meine einigemassen und nicht vollkommen!) funktioniert nun mal besser.


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