Ich halte die Zahl der angeblich zu zehntausenden fehlenden Ingenieuren auch für eine Legende. Viele Firmen besetzen offene Stellen doch gar nicht, nicht weil sie nicht können, sondern aus materiellen Erwägungen oder weil sie gar niemand brauchen. Viele Stellenausschreibungen dienen ausschliesslich der Imagepflege. Die astronomisch hohe Zahl kommt nur daher, dass es für eine tatsächlich freie Stelle mindestens zwanzig Stellenausschreibungen gibt, die der BDI dann zusammenzählt.
Beispiel Airbus. Arbeit ohne Ende, Lieferrückstände, Ärger mit dem Kunden, aber sämtliche Leiharbeiter wurden vor die Tür gesetzt. Und nicht nur die Worker, die ja auch Spezialisten im Fach sind, sondern auch die ganze mittlere Führungsebene, Arbeitsvorbereitung, Entwicklungsabteilung, Engeneering, die ja auch schon fast vollständig aus Leiharbeitern bestand.
Grund ist, dass die Leiharbeiter mit ihrem Equal-Pay zu teuer wurden. Jetzt ist man fleissig am verhandeln, den Equal-Pay abzuschaffen. Wenn die Stundenlöhne dann wieder bei den normalen Leiharbeiterlöhnen von 6.50 € entsprechen, stellt man vielleicht wieder ein.
Inzwischen werde ich täglich von Stellenangeboten bombardiert, die gaaaaanz dringend Fachpersonal für Ausstattung und Flightline suchen. Von Leihfirmen. Mindestens 20 Stellenangebote in der Woche. Ich bewerb mich natürlich fleissig, muss ich ja auch. Obwohl ich weiss, dass es die Stellen gar nicht gibt. Und lande in sämtlichen Stellenpools. Aber irgendwie müssen die Leihfirmen ja ihre Wichtigkeit nachweisen. Und die Mär vom Fachkräftemangel. Damit sich der BDI wieder hinstellen kann und Leute aus dem Ausland anfordern.
Das einzige Ziel von Unternehmen ist Profit. Soziale Belange, Befindlichkeiten von Mitarbeitern und Wünsche der Politik spielen da überhaupt keine Rolle. Und wenn die Buchhalterin in Rumänien billiger ist, dann geht das da hin. Und wenn sich morgen jemand findet, der das in China für dreissig Cent am Tag macht, dann geht das da hin. Und wenn sich Vietnamesen oder Phillipina oder Eskimos finden, die hier in Deutschland die Jobs machen sollen, die sich nun wirklich nicht exportieren lassen, dann nimmt man die. Warum wird eigentlich nicht der gesamte öffentliche Dienst outgesourced? Die fressen uns doch die Haare vom Kopf. Die paar Steuererklärungen könnte man doch locker in Indien machen lassen. Am besten wäre es natürlich, wenn man gar keine Arbeitskräfte mehr braucht. Wenn sich der Job sozusagen vollautomatisch erledigt. Oder die Leute arbeiten für lau oder noch besser, sie bringen noch Geld mit.
Binnennachfrage? Kaufkraft im Inland? Wozu denn? Was interessieren mich denn die paar popligen Deutschen, die eventuell einen Mercedes kaufen könnten, liesse man sie genug verdienen. Export, das ist die heilige Kuh, der alles geopfert wird.
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18.11.2010, 21:25Inaktiver User
AW: Fachkräftemangel in Deutschland
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18.11.2010, 21:36
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18.11.2010, 21:50Inaktiver User
AW: Fachkräftemangel in Deutschland
Du scheinst im Paradies zu arbeiten
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Ich gebe dir ja Recht, dass man nicht immer nur jammern kann. Aber für tiefgreifende Veränderungen braucht man Unterstützung von oben - also ein Management, das ein gewisses Maß an Kritikfähigkeit hat. Ist leider nicht in allen Unternehmen vorhanden.
Vielleicht ist es in kleineren oder familiengeführten Unternehmen etwas anders. Aber in einem internationalen Großunternehmen verselbständigen sich Fehlentwicklungen und sind nur schwer wieder auszubügeln. Schon garnicht von einzelnen Mitarbeitern - egal wie kompetent und hochbezahlt die sind.
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18.11.2010, 21:55Inaktiver User
AW: Fachkräftemangel in Deutschland
Es dient der Imagepflege. Um sich auf dem Markt zu empfehlen. Wir sind ja so wichtig und so erfolgreich, wir suchen 20, 30 100 Leute. Und können uns das leisten. Und wenn Airbus dann tatsächlich wieder mal jemand braucht, dann kann die Firma auf einmal 20-50 Leute aus dem Hut zaubern. Denkt sie jedenfalls. Da die Leute aber bei allen Firmen gleichzeitig im Stellenpool liegen, können sie auch nur einmal vermittelt werden.
Ich behaupte mal, 90% der Stellenangebote im Portal der Arbeitsagentur sind von Leiharbeitsfirmen für Stellen, die es gar nicht gibt.
Und so machen das die anderen Firmen auch. Da wird in jeder Zeitung, auf jedem Stellenportal, in jeder Fachzeitschrift inseriert, wie dringend sie doch Leute bräuchten. Und wenn man über Insiderkreise mal reinhört, ist eine Neueinstellung nie beabsichtigt.
Und die ganzen Stellen rechnet der BDI dann zusammen und jammert was von Fachkräftemangel.
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18.11.2010, 22:04Inaktiver User
AW: Fachkräftemangel in Deutschland

Ich lehn mich jetzt mal aus dem Fenster und behaupte mal, 75% seiner Arbeitszeit verbringt ein leitender Angestellter in einem Grossunternehmen mit Imagepflege und Statusgerangel. Nochmal 10% mit Sachen, die eigentlich sein Vorgesetzter verbockt hat.
Ein Mann in einem Heißluftballon hat die Orientierung verloren. Er geht tiefer und sichtet eine Frau am Boden. Er sinkt noch weiter ab und ruft: „Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich habe einem Freund versprochen, ihn vor einer Stunde zu treffen; und ich weiß nicht wo ich bin."
Die Frau am Boden antwortet:
„Sie sind in einem Heißluftballon in ungefähr 10 m Höhe über Grund. Sie befinden sich auf dem 49. Grad, 28 Minuten und 11 Sekunden nördlicher Breite und 8. Grad, 28 Minuten und 58 Sekunden östlicher Länge."
„Sie müssen Sachbearbeiterin sein" sagt der Ballonfahrer.„Bin ich", antwortet die Frau, „woher wissen Sie das?"
„Nun", sagt der Ballonfahrer, „alles was sie mir sagten ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll, und Fakt ist, dass ich immer noch nicht weiß, wo ich bin. Offen gesagt, waren Sie keine große Hilfe. Sie haben höchstens meine Reise noch weiter verzögert."
Die Frau antwortet: „Sie müssen in der Geschäftsführung tätig sein."
„Ja", antwortet der Ballonfahrer, „aber woher wissen Sie das?"Geschrieben von: Markus Delhey
„Nun", sagt die Frau, „Sie wissen weder wo Sie sind, noch wohin Sie fahren. Sie sind aufgrund einer großen Menge heißer Luft in Ihre jetzige Position gekommen. Sie haben ein Versprechen gemacht, von dem Sie keine Ahnung haben, wie Sie es einhalten können und erwarten von den Leuten unter Ihnen, dass sie Ihre Probleme lösen. Tatsache ist, dass Sie nun in der gleichen Lage sind, wie vor unserem Treffen, aber merkwürdigerweise bin ich jetzt irgendwie schuld!"
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18.11.2010, 22:05
AW: Fachkräftemangel in Deutschland
Mag sein, aber hüte dich davor selbst zu entscheiden was eine gewollte und was eine Fehlentwicklung ist. Nur das Management entscheidet das.
Hier im Forum wurde auch schon oft darüber diskutiert, dass ältere Mitarbeiter es schwer haben ihren Job zu behalten oder einen neuen zu finden. Das Argument gegen Ältere ist immer wieder mangelnde "Flexibilität". Weisst du, was Manager unter Flexibilität verstehen? Sie verstehen darunter z.B. die Einstellung der Mitarbeiter zur Verlagerung der Buchhaltung nach Rumänien oder der SW-Entwicklung nach Indien.
Junge Mitarbeiter sehen in solch einer Verlagerung nämlich oft eine Chance, freuen sich über mögliche Dienstreisen in diese Länder, machen bei der Verlagerung begeistert mit. Ältere Mitarbeiter dagegen maßen sich gelegentlich an die Entscheidung nicht mitzutragen. Sie sehen sie als Fehlentwicklung, boykottieren die Entscheidung des Management oder unterstützen sie zumindest nicht. Das ist gemeint mit mangelnder Flexibilität und das macht manche Ältere so problematisch.
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18.11.2010, 22:26Inaktiver User
AW: Fachkräftemangel in Deutschland
Also Entscheidungen, die dazu führen, dass wir weniger Produkte verkaufen halte ich für Fehlentscheidungen. Sieht unser Management übrigens genauso
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Das halte ich nun wirklich für ausgemachten Schwachsinn. Ich habe bisher nur sehr wenige Menschen getroffen, egal wie alt oder jung, die es für eine gute Idee halten, wenn Arbeitsplätze ins (billigere) Ausland verlagert werden.
Üblicherweise geht mit solchen Entscheidungen nämlich der Wegfall von Arbeitsplätzen am eigenen Unternehmensstandort einher.
Auch Manager fangen sicherlich nicht an, ihre eigenen Stellen nach Rumänien zu verlagern.
Ob diese Einstellung immer gerechtfertigt ist (im Sinne der Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens), steht auf einem anderen Blatt.
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18.11.2010, 22:58
AW: Fachkräftemangel in Deutschland
Wir haben ja bis jetzt über die Verlagerung der Buchhaltung oder der Entwicklung diskutiert. Kann mir nicht vorstellen, dass das Auswirkungen auf den Absatz hat. Sollte deine Firma allerdings den Vertrieb nach Rumänien verlagert haben, dann würde ich dir recht geben und auch von einer Fehlentscheidung reden.

Ansonsten kannst du meine Argumente als Schwachsinn betrachten, aber es sind allgemeine Management-Ansichten. Da bin ich bestimmt keine Ausnahme.
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18.11.2010, 23:03
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18.11.2010, 23:09Inaktiver User


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