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  1. Inaktiver User

    Kinderarbeit??

    Streit mit Städten: Wie die EU-Kommission Fair-Trade-Produkte verhindert - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

    Der zitierte Spiegel-Artikel hat bei mir die Frage aufgeworfen, ob ein allgemeines Verbot von Kinderarbeit wirklich wünschenswert und sinnvoll ist.

    Emotional ist die Antwort klar - Kinder sollten nicht ausgebeutet werden.

    Aber es stellt sich auch die sehr praktische Frage, warum Kinder in Entwicklungs- und manchen Schwellenländern überhaupt arbeiten:

    Natürlich kann man davon ausgehen, dass sie ausgebeutet werden, da man ihnen wahrscheinlich allgemein geringere Löhne zahlt als Erwachsenen. Und wahrscheinlich sind die Löhne auch dann zu niedrig, wenn man die geringere Produktivität (kleinerer) Kinder im Vergleichh zu Erwachsenen berücksichtigt.

    Aber es stellt sich mir auch die Frage warum diese Kinder arbeiten: Doch in sehr vielen Fällen, weil sie und ihre Familien auf das Geld angewiesen sind - egal wie gering die Löhne sind.

    Wenn man also die Kinderarbeit wirksam verhindert, dann gehen die Einkünfte der Familien zurück. Und der Rückgang wirkt sich direkt auf deren Überleben aus: Es geht ja nicht darum, dass sich die Kinder von ihrem Verdienst einen Gameboy oder etwas ähnliches leisten, sondern es geht ums nackte Überleben - gibt es genug zu Essen in der Familie.

    Natürlich würden die Jobs der Kinder zumindest teilweise von Erwachsenen übernommen, aber dies würde nicht unbedingt den betroffenen Familien helfen, denn die Arbeitslosigkeit ist dort, wo es Kinderarbeit gibt, viel zu hoch als dass jeder einen Job finden könnte.

    Es geht ja in den meisten Fällen auch nicht darum, dass die Kinder, wenn man sie aus den ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen "befreien" würden, statt dessen zur Schule gehen würden - oft gibt es keine schulen, oder die für die Schule anfallenden Kosten sind für die Familien zu hoch.

    Gerade im landwirtschaftlichen Bereich (einschließlich Kaffeeplantagen) sollten wir vielleicht auch daran denken, dass noch vor ein paar Generationen bei uns jedes Familienmitglied bei der Ernte eingesetzt wurde, und dass die Herbstferien noch in der ersten Nachkriegszeit "Kartoffelferien" hießen, weil eben auch die Schüler auf den Feldern gebraucht wurden.

    Und in vielen Ländern der Dritten Welt ist die Situation sogar noch deutlich "mittelalterlicher" als bei uns vor hundert oder gar 50 Jahren.


    Ich habe keine einfache Antwort, aber neben der emotionalen Frage stellt sich eben auch eine andere, eine pragmatische oder vielleicht sogar moralische Frage: Wie können wir es verantworten, dass es durch den Boykott von Kinderarbeit bei uns den Familien dort noch schwerer gemacht wird zu überleben.

    Ich habe keine Antwort - jedenfalls keine einfache.

    Und vielleicht ist es wert, dies einmal mit offenem Ausgang zu diskutieren.


    Wie gesagt: Auf den ersten Blick erscheint Kinderarbeit eindeutig schlecht, aber ist vielleicht doch ein zweiter Blick notwendig?



    Übrigens: Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass Kinderarbeit auch aus Konkurrenzgründen abgelehnt wird, weil sie Produkte aus anderen Regionen billiger macht ...

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    AW: Kinderarbeit??

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Streit mit Städten: Wie die EU-Kommission Fair-Trade-Produkte verhindert - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

    Der zitierte Spiegel-Artikel hat bei mir die Frage aufgeworfen, ob ein allgemeines Verbot von Kinderarbeit wirklich wünschenswert und sinnvoll ist.
    Bei mir wirft der artikel nur die frage auf, ob geld wirklich der einzige masstab sein darf; in der wirtschaft und anderswo.
    Es geht ja in den meisten Fällen auch nicht darum, dass die Kinder, wenn man sie aus den ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen "befreien" würden, statt dessen zur Schule gehen würden - oft gibt es keine schulen, oder die für die Schule anfallenden Kosten sind für die Familien zu hoch.
    Deshalb ist es umso wichtiger, dass genügend geld bei den betroffenen ankommt - zur gründung von schulen, unterstützung der schüler und ihrer familien.
    Und in vielen Ländern der Dritten Welt ist die Situation sogar noch deutlich "mittelalterlicher" als bei uns vor hundert oder gar 50 Jahren.
    Der weg aus dem 'mittelalter' führte auch in Europa über bildung.
    Wie gesagt: Auf den ersten Blick erscheint Kinderarbeit eindeutig schlecht, aber ist vielleicht doch ein zweiter Blick notwendig?
    Auch der zweite blick sagt mir, dass durch kinderarbeit einfach nur wertvolle ressourcen verschwendet werden.
    Geändert von daggy5gram (14.11.2010 um 21:57 Uhr)
    nichts ist wie es scheint

  3. gesperrt

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    AW: Kinderarbeit??

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Streit mit Städten: Wie die EU-Kommission Fair-Trade-Produkte verhindert - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

    Der zitierte Spiegel-Artikel hat bei mir die Frage aufgeworfen, ob ein allgemeines Verbot von Kinderarbeit wirklich wünschenswert und sinnvoll ist.

    Emotional ist die Antwort klar - Kinder sollten nicht ausgebeutet werden.

    Aber es stellt sich auch die sehr praktische Frage, warum Kinder in Entwicklungs- und manchen Schwellenländern überhaupt arbeiten:

    Natürlich kann man davon ausgehen, dass sie ausgebeutet werden, da man ihnen wahrscheinlich allgemein geringere Löhne zahlt als Erwachsenen. Und wahrscheinlich sind die Löhne auch dann zu niedrig, wenn man die geringere Produktivität (kleinerer) Kinder im Vergleichh zu Erwachsenen berücksichtigt.

    Aber es stellt sich mir auch die Frage warum diese Kinder arbeiten: Doch in sehr vielen Fällen, weil sie und ihre Familien auf das Geld angewiesen sind - egal wie gering die Löhne sind.

    Wenn man also die Kinderarbeit wirksam verhindert, dann gehen die Einkünfte der Familien zurück. Und der Rückgang wirkt sich direkt auf deren Überleben aus: Es geht ja nicht darum, dass sich die Kinder von ihrem Verdienst einen Gameboy oder etwas ähnliches leisten, sondern es geht ums nackte Überleben - gibt es genug zu Essen in der Familie.

    Natürlich würden die Jobs der Kinder zumindest teilweise von Erwachsenen übernommen, aber dies würde nicht unbedingt den betroffenen Familien helfen, denn die Arbeitslosigkeit ist dort, wo es Kinderarbeit gibt, viel zu hoch als dass jeder einen Job finden könnte.

    Es geht ja in den meisten Fällen auch nicht darum, dass die Kinder, wenn man sie aus den ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen "befreien" würden, statt dessen zur Schule gehen würden - oft gibt es keine schulen, oder die für die Schule anfallenden Kosten sind für die Familien zu hoch.

    Gerade im landwirtschaftlichen Bereich (einschließlich Kaffeeplantagen) sollten wir vielleicht auch daran denken, dass noch vor ein paar Generationen bei uns jedes Familienmitglied bei der Ernte eingesetzt wurde, und dass die Herbstferien noch in der ersten Nachkriegszeit "Kartoffelferien" hießen, weil eben auch die Schüler auf den Feldern gebraucht wurden.

    Und in vielen Ländern der Dritten Welt ist die Situation sogar noch deutlich "mittelalterlicher" als bei uns vor hundert oder gar 50 Jahren.


    Ich habe keine einfache Antwort, aber neben der emotionalen Frage stellt sich eben auch eine andere, eine pragmatische oder vielleicht sogar moralische Frage: Wie können wir es verantworten, dass es durch den Boykott von Kinderarbeit bei uns den Familien dort noch schwerer gemacht wird zu überleben.

    Ich habe keine Antwort - jedenfalls keine einfache.

    Und vielleicht ist es wert, dies einmal mit offenem Ausgang zu diskutieren.


    Wie gesagt: Auf den ersten Blick erscheint Kinderarbeit eindeutig schlecht, aber ist vielleicht doch ein zweiter Blick notwendig?



    Übrigens: Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass Kinderarbeit auch aus Konkurrenzgründen abgelehnt wird, weil sie Produkte aus anderen Regionen billiger macht ...


    Man könnte jetzt sagen, ein Mensch, der von Kind auf lernt, dass man nur überleben kann, wenn man arbeitet,
    wird auch als Erwachsener nichts anderes tun, als zu arbeiten.
    Da mögen sich manche darüber freuen.

    Manche Kinder mögen vielleicht so funktionieren - aber eben nicht alle.
    Ist es nicht auch so, dass man sich als Kind oft gedacht hat, "wenn ich mal erwachsen bin..., dann mache ich alles ganz anders!"?

    Hat nicht jeder von uns (zumindest versucht) es anders gemacht (zu machen)?
    Und das zurecht!

    Nicht ERST dafür sorgen, dass Alle genug haben UND DANN die Reise zum Mars beginnen!
    Beides zusammen!!!
    Auch der Letzte darf mit.

  4. gesperrt

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    AW: Kinderarbeit??

    Da müssen wir alle zusammenhelfen.
    AAAAber!!!
    Niemandem mehr aufbürden als er tragen kann!
    Und aufZWINGEN schon gar nicht!!!
    Niemandem etwas aufzwingen

  5. gesperrt

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    AW: Kinderarbeit??

    Bleib ganz Du!
    Bleib bei Dir.

    Wenn Du friedlich bist, darfst Du zu mir

  6. Inaktiver User

    AW: Kinderarbeit??

    Egal wie lange ich darüber nachdenke, ich komme immer zum gleichen Ergebnis.

    Kinderarbeit muß überall zurüchgedrängt und beendet werden. Ohne wenn und aber.
    Djgm01, du schreibst richtigerweise von den Kartoffelferien und das Kinder in Deutschland früher auch arbeiten mußten.

    Aber wir haben das zum Glück überwunden. Und ich denke wir müssen alles dazu beitragen um das auch den Kindern in anderen Ländern zu ermöglichen.

    Es kann und darf nicht sein das das überleben einer Famile von der Arbeit der Kinder abhängt.
    Tut mir leid, aber da läuft was schief.

    Meiner Meinung nach sollten alle Kinder dieser Welt eine Kindheit ohne Arbeit erleben dürfen.

  7. Inaktiver User

    AW: Kinderarbeit??

    Vielleicht ist es nötig, einige hier daran zu erinnern, dass es in den Ländern, wo Kinderarbeit üblich ist, keinen Anspruch auf Hartz IV gibt.

    Wer weder arbeitet, noch erfolgreich bettelt oder stiehlt, der hungert.

    Egal ob Erwachsener oder Kind.

    Langfristig hat daggy5gram Recht, dass man die Situation dadurch verbessern kann, dass mehr Geld in die richtige Richtung fließt. Und in der Tat ist Bildung der Königsweg.

    Nur, bis dahin sind die Kinder und ihre Eltern möglicherweise verhungert oder kriminell geworden. Und Schulen für die Kinder gibt es auch noch für eine lange Zeit nicht ausreichen.

    Kinderarbeit ist schlimm, aber Hunger ist noch schlimmer.

    Ich fürchte, es gibt keine einfachen Lösungen, aber ein Verbot von Kinderarbeit ist vielleicht doch zu einfach.

    FairTrade produkte sind möglicherweise ein guter Weg für die Zukunft, aber auf jeden Fall ein sehr langer und langsamer Weg.

  8. gesperrt

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    AW: Kinderarbeit??

    Zitat Zitat von daggy5gram Beitrag anzeigen
    Bei mir wirft der artikel nur die frage auf, ob geld wirklich der einzige masstab sein darf; in der wirtschaft und anderswo.
    Nein! Nirgendwo!
    Zitat Zitat von daggy5gram Beitrag anzeigen
    Deshalb ist es umso wichtiger, dass genügend geld bei den betroffenen ankommt - zur gründung von schulen, unterstützung der schüler und ihrer familien.
    Ich würde Geld durch Hilfe ersetzen.
    Ansonsten hast Du Recht
    Zitat Zitat von daggy5gram Beitrag anzeigen
    Der weg aus dem 'mittelalter' führte auch in Europa über bildung.
    Ja, Bildung hat viele Vorteile gebracht.
    Aber auch viele Nachteile, das musst Du zugeben.
    Denke nur mal an die Natur.
    Aber das kann man reparieren - am besten, indem man sie einfach in Ruhe lässt. Mehr müssen wir nicht tun:
    Lasst die Natur einfach ruh'n - dann heilt sie sich von alleine
    (niemand kann das besser als sie selbst )
    Zitat Zitat von daggy5gram Beitrag anzeigen
    Auch der zweite blick sagt mir, dass durch kinderarbeit einfach nur wertvolle resourcen verschwendet werden.
    Das klingt herzlos, auch wenn es stimmt
    Das Herz darf nicht fehlen, wenn man an Kinder denkt

    ...und das tut Frau Merkel
    Geändert von Streuner (14.11.2010 um 21:52 Uhr) Grund: "Frau Merkel!... ist für Sie"

  9. Inaktiver User

    AW: Kinderarbeit??

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Vielleicht ist es nötig, einige hier daran zu erinnern, dass es in den Ländern, wo Kinderarbeit üblich ist, keinen Anspruch auf Hartz IV gibt.
    Das ist mir absolut bekannt.
    Wer weder arbeitet, noch erfolgreich bettelt oder stiehlt, der hungert.

    Egal ob Erwachsener oder Kind.
    Auch das ist nichts neues, macht es aber nicht wirklich besser, oder ?

    Langfristig hat daggy5gram Recht, dass man die Situation dadurch verbessern kann, dass mehr Geld in die richtige Richtung fließt. Und in der Tat ist Bildung der Königsweg.
    Natürlich ist das der Weg.

    Nur, bis dahin sind die Kinder und ihre Eltern möglicherweise verhungert oder kriminell geworden. Und Schulen für die Kinder gibt es auch noch für eine lange Zeit nicht ausreichen.

    Kinderarbeit ist schlimm, aber Hunger ist noch schlimmer.
    Umso dringender das wir darüber nachdenke wie wir die Situation positiv verändern können.
    Im Endeffekt ist das sogar eine der wichtigsten Verpflichtungen die wir haben.

    Ich fürchte, es gibt keine einfachen Lösungen, aber ein Verbot von Kinderarbeit ist vielleicht doch zu einfach.
    Ein sofortiges Verbot ist nicht nur nicht zielführen, es ist auch unmöglich.
    Aber eine sofortige Ächtung ist möglich und angeraten.
    FairTrade produkte sind möglicherweise ein guter Weg für die Zukunft, aber auf jeden Fall ein sehr langer und langsamer Weg.
    Das sehe ich genau so. Und natürlich ist das nicht von heute auf morgen gemacht.
    Aber anfangen müssen wir schnell.

  10. Inaktiver User

    AW: Kinderarbeit??

    @ Coeur-de-lion

    Ich stimme dir vollkommen zu.

    Nur hat es bei uns Jahrhunderte gedauert, bis die meisten Kinder hier eine Kindheit ohne Arbeit erleben konnten.

    Es wird auch in den betroffenen Ländern nicht von heute auf morgen möglich sein, und bis dahin müssen wir sehen, wie man das Problem abmildern kann.

    Eine Schwarz-Weiß-Lösung wird es nicht geben.

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