Ich sehe es genauso wie Du.
Vor einiger Zeit habe ich einen Bericht gesehen über eine Textilfabrik in Indien, die geschlossen werden mußte, weil es öffentlichen Druck auf den Abnehmer, Ikea, gab, wegen der Kinderarbeit.
Die arbeitslos gewordenen Kinder prostituieren sich nun ....![]()
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Thema: Kinderarbeit??
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18.11.2010, 10:15Inaktiver User
AW: Kinderarbeit??
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18.11.2010, 11:31Inaktiver User
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18.11.2010, 12:43
AW: Kinderarbeit??
Ich glaube, dass djgm von manchen falsch verstanden wurde. Seine Intention war ja nicht, Kinderarbeit grundsätzlich zu erlauben, sondern die Probleme aufzuzeigen, die ein Kinderarbeitsverbot mit sich bringt.
Vor einigen Wochen sah ich einen Film über den Weg der Diamanten. Von der Buddelei bis zum Verkauf.
Z.B. Sierra Leone, Ghana... Dort wird u.a. von Kindern nach Diamanten gegraben. Arme Familien buddeln an der Oberfläche und in kleinen selbstgegrabenen Stollen nach den begehrten Steinen. Kinderarbeit ist dort an der Tagesordnung. Die Diamanten landen dann irgendwann mal in Indien. 95 Prozent der Diamanten werden dort geschliffen und poliert, weil der Preis für diese Arbeit in Indien sehr niedrig ist. Viele dieser Diamanten werden irgendwann mal in Deutschland verkauft. Von einem deutschen Juwelier in einen Ring eingepasst. Super, deutsche Wertarbeit, keine Kinderarbeit in Deutschland! Ach ja, in Indien gibt es etwa 20.000 Kinder, die diese Diamanten schleifen und polieren. 7 Tage die Woche, täglich etwa 15 Stunden.
Streuner, du bist nicht gemeint, wenn ich jetzt sage, dass viele Frauen, die einen Diamantring haben, ein Stück Kinderarbeit am Finger tragen.
Kinderarbeit gibt es in vielen Bereichen des Lebens in Entwicklungsländern, auch dort, wo man sie nicht vermutet. Da werden Tiere gehütet, da werden Geschwister versorgt, weil die Eltern arbeiten, da werden auch mal Fußbälle zusammengenäht, T-Shirts produziert oder auch Teppiche geknüpft. Es bringt auch nichts, @Siebenbürgen, diese Produkte ab sofort wieder in Deutschland produzieren zu lassen. Diese Länder brauchen ihre Exporte im Rahmen des globalen Handels.
Die Fragen, die ich mir stelle, sind:
1. Kann man diese Kinderarbeit überhaupt verhindern,
2. Muss man diese Kinderarbeit verhindern, und
3. Falls wir es schaffen, die Kinderarbeit zu verhindern, welche Konsequenzen kommen auf uns zu.
Zu 1: Kinderarbeit kann in manchen Fällen verhindert werden. Z.B. beim Zusammennähen von Fußbällen darauf zu achten, keine Kinder zu beschäftigen. Diese Kinder werden aber nicht in die Schule gehen. Sie werden weiterhin arbeiten, evtl sogar in noch schlechteren Beschäftigungsverhältnissen. Kinderarbeit kann nicht selektiv verhindert werden, sondern nur in der gesamten Gesellschaft. Solange dies nicht möglich ist, hat ein selektives Kinderarbeitsverbot wenig positive Auswirkungen.
Zu 2: Muss Kinderarbeit verboten werden? Hier sage ich eindeutig ja. Da wir es aber mit den Ärmsten der Armen zu tun haben, was Staaten betrifft, als auch Menschen, komme ich sofort zum Punkt 3:
Zu 3: Auswirkungen eines generellen Kinderarbeitsverbots: Da Kinderarbeit zur Existenz und zum Überleben einer Familie in vielen Fällen beiträgt, müssen wir, da wir Kinderarbeit verhindern wollen, uns Gedanken darüber machen, wie wir das Überleben dieser Menschen, ihren Kindern ermöglichen können. Hierzu zählt für mich ein menschenwürdiges Leben und nicht ein Dahinvegetieren. Hier muss doch angesetzt werden. Das Nachplappern von Kinderarbeitsverbotsphrasen hilft da gar nichts, wenn wir nicht für den Lebensunterhalt dieser Menschen garantieren wollen. Von unseren frommen Wünschen werden diese Menschen und ihre Kinder nicht satt.
Wenn wir dort helfen wollen, müssen wir einen Teil unseres Wohlstandes dorthin transferieren (ob über generellen Transfairhandel, oder sonstige Transferzahlungen, sei jetzt mal dahingestellt). Ich frage euch, auch Streuner: Seid ihr bereit, 25 Prozent weniger Realeinkommen (auch Hartz4) zu bekommen, wenn ihr einen fairen Welthandel erreichen könntet.
Das wäre die Konsequenz.Geändert von Wolfgang60 (18.11.2010 um 12:46 Uhr)
Ich bin, also denke ich
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18.11.2010, 17:05Inaktiver User
AW: Kinderarbeit??
Weder bin ich bereit eine solche Argumentation pro Kinderarbeit ernst zu nehmen, noch halte ich es für zielführend als Alternative zur Kinderausbeutung die Alimentierung ganzer Völker ins Auge zu fassen.
djgm01 erwähnte, dass in den Regionen mit Kinderarbeit oft Erwachsenenarbeitslosigkeit herrscht. - Liegt hier die Alternative zur Kinderarbeit nicht überdeutlich auf der Hand?
Klar kosten erwachsene Arbeitskräfte ein bisschen mehr als Kinderarbeiter, aber das Bisschen kann sich jeder durchschnittliche westliche Konsument locker leisten. Ohnehin machen die Arbeitskosten bei Dritte-Welt-Produkten meist nur einen Bruchteil des Einzelhandelspreises aus.
.Geändert von Inaktiver User (18.11.2010 um 17:15 Uhr)
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18.11.2010, 17:23
AW: Kinderarbeit??
Ok, dann sind es nicht 25 Prozent, vielleicht sind es nur 10 Prozent.
Ich glaube nicht an die Mär von der Erwachsenenarbeitslosigkeit. In Ländern wie Indien wird jeder gebraucht, und wenn es nur drum geht, auf Müllkippen Plastik zusammenzusuchen.
Zudem kann man meine Argumentation ernst nehmen. Wer es nicht ernstnehmen will, darf gerne seine Alternativen gegen die Armut in der dritten Welt und die begleitende Not der Kinder darstellen.
Und wenn ich sage, dass wir einen globalen Fair-Trade benötigen, und du darunter verstehst, dass wir damit ganze Völker alimentieren würden, weiß ich auch nicht mehr weiter.Geändert von Wolfgang60 (18.11.2010 um 17:31 Uhr)
Ich bin, also denke ich
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18.11.2010, 18:12Inaktiver User
AW: Kinderarbeit??
Du verwechselst Ursache und Wirkung: Die Menschen sind nicht deshalb in Arbeit, weil sie auf Müllkippen Plastik suchen, sondern sie sammeln auf Müllkippen Plastik, weil sie keine Arbeit haben.
Das liegt doch auf der Hand:Wer es nicht ernstnehmen will, darf gerne seine Alternativen gegen die Armut in der dritten Welt und die begleitende Not der Kinder darstellen.
1. Ächtung von Kinderarbeit - wobei ich damit nicht das Aufpassen auf die Geschwister oder das Ziegenhüten meine, sondern Erwerbsarbeit in Fabriken, Manufakturen, schwere Feldarbeit, Arbeit im Bergbau und ähnliches.
2. Zahlung der Preise, die sich daraus ergeben, dass die Produkte von Erwachsenen statt von Kindern hergestellt werden.
Ich bezog mich auf diesen Satz: Das wäre eine Alimentierung.Und wenn ich sage, dass wir einen globalen Fair-Trade benötigen, und du darunter verstehst, dass wir damit ganze Völker alimentieren würden, weiß ich auch nicht mehr weiter.
.Geändert von Inaktiver User (18.11.2010 um 18:16 Uhr)
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18.11.2010, 18:32
AW: Kinderarbeit??
Irgendwie kommt es mir vor als würden wir aneinander vorbeireden.
Ich kann doch nicht Indien mit Deutschland vergleichen. In diesen armen Ländern schlagen sich die Familien gemeinsam durch. Jeder arbeitet (auch wenn in deinen Augen die Leute arbeitslos sind). Wenn die Eltern nicht nach Plastikflaschen suchen, tun es ihre Kinder. Die Eltern machen dann andere Dinge, die ein paar Rupien einbringen.
Wir müssen den Familien helfen. Ein Verbot von Kinderarbeit kann bei manchen Familien die wirtschaftliche Lage noch verschlimmern.
Ich bin ja auch gegen Kinderarbeit, denke aber, dass ein Boykott von Waren, die durch Kinderarbeit hergestellt wurden, nicht ausreicht. Den Kindern und ihren Familien ist damit nicht geholfen. Der Welthandel muss fairer werden. Die dritte Welt braucht zudem höhere Hilfen. Man kann dies in manchen Fällen auch als Alimentation bezeichnen.Ich bin, also denke ich
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18.11.2010, 18:49Inaktiver User
AW: Kinderarbeit??
Du sagst es: "sie schlagen sich durch". Das ist etwas sehr anderes als "Arbeitsplatz haben".
Das ist nicht das, was ich mit "Arbeitsplatz" meine.Wenn die Eltern nicht nach Plastikflaschen suchen, tun es ihre Kinder. Die Eltern machen dann andere Dinge, die ein paar Rupien einbringen.
Nein. Diese "Logik" akzeptiere ich nicht.Wir müssen den Familien helfen. Ein Verbot von Kinderarbeit kann bei manchen Familien die wirtschaftliche Lage noch verschlimmern.
Wenn die Arbeitgeber Kinder in Fabriken beschäftigen, in Bergwerken, fulltime auf Baumwollfeldern und Kaffeeplantagen, oder ähnliches, dann tun sie das nicht etwa, weil sie sonst händeringend nach Arbeitskräften suchen müssten, sondern weil Kinder ein paar Cents weniger kosten.
Wenn sie Erwachsene beschäftigen wollen, finden sie für jeden Finger der Hand 10 Menschen, die das gern tun würden. Es muss halt existenzsichernd sein. Und genau da muss man ansetzen:
Kinderarbeit - NEIN
Erwachsenenarbeit - korrekt, d.h. existenzsichernd bezahlen
Keine Alimentierung über Entwicklungshilfe, die ein Fass ohne Boden wäre und die vorhandene Schieflage erst recht zementieren würde, sondern reguläre Arbeit, reguläre Bezahlung, unsererseits konsequenter Boykott der Produkte, die nicht auf faire Weise hergestellt werden.
Auch kein Akzeptieren unhaltbarer Zustände bis zum seligen Sankt Nimmerleinstag, wenn es einen global wunderbar gerechten Handel gibt.
Dieser m.E. unsägliche Strang, der letztlich Kinderarbeit beschönigt und zur Notwendigkeit verklärt - zumindest bis zu dem Tag, an dem sich die Welt geändert hat und Löwe und Lamm beieinander liegen werden - dieser Strang also, er hatte ein Gutes: ich werde mich ernsthafter mit dem Thema Fairtrade beschäftigen und versuchen es konsequent in mein Kaufverhalten zu integrieren.
Ich gebe gern zu: bisher hatte ich darauf keinen Fokus.
.Geändert von Inaktiver User (18.11.2010 um 18:59 Uhr)
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18.11.2010, 19:20
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18.11.2010, 20:28Inaktiver User
AW: Kinderarbeit??
Zur Kinderarbeit: es ist doch ganz einfach: die Erwachsenen so bezahlen, dass sie ihre Kinder einigermassen durchbringen können. Dies ist resp. wäre die Verantwortung der Industrienationen resp. der Firmen, von denen die Insustrienationen ihre Güter beziehen. Ich frage mich, ob es dann überhaupt noch notwenidig wäre, die Kinderarbeit zu verbieten. Dass Kinder mal bei der Ernste helfen oder ihre Geschwister hüten, finde ich kein Problem. Das mussten meine Jahrgänge auch noch und es hat uns nicht umgebracht.
Die Entwicklungsländer haben jedoch auch eine eigene Verantwortung. Vielleicht könnte man mal bei der Bevölkerungsexplosion ansetzen. Oder ein anderes Beispiel: Im Kongo hätte ein sagenhaftes Wirtschaftswachstum starten können. Der Coltanabbau hätte das Land sagenhaft reicht gemacht. Hätte... Offenbar wurden mit den gleichen Flugzeugen, mit denen das Coltan gen Norden transportiert wurde, Waffen gen Kongo transportiert.
Wenn man sich für die Thematik interessiert, lohnt es sich auch mal, Einheimische anzuhören.
Die Ökonomin Dambisa Moyo ist ein Beispiel. Sie bezweifelt im Buch "Death Aid" den Sinn von Entwicklungshilfe. Oder Vandana Shiva. Sie schreibt z.B. dass die Globalisierung wesentlich zur Armut in Indien beigetragen habe. Natürlich werden in globalisierungsfreundlichen Schriften nur die wenigen Beispiele gebracht, die von der Globalisierung profitieren konnten.
Jean Ziegler, UNO-Sonderberichtserstatter für das Recht auf Nahrung wäre eine weitere empfehlenswerte Quelle.
Oder auch nur ein Bekannter... Wie mein indischer Bekannter mal erzählt hat, hat der Staat durchaus genügend Geld, um jedes Kind zu bilden und zu ernähren. Es versickere halt eben durch die Korruption in den Taschen weniger.



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