Da sprichst du was an, das ist eigentlich einen eigenen Strang wert:
Die Männer, die Helden, ob einsam, in der Gemeinschaft, immer da, um das eigene Leben für die Frau das Kind, die Familie, die Gemeinschaft, oder auch den Staat zu geben. Ob in John Wayne-Filmen, in Titanic, ob in Romanen, dieses Thema kehrt immer wieder zurück, seit 1000 Jahren immer gleich aktuell.
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Ergebnis 11 bis 20 von 24
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05.11.2010, 15:56
AW: Gab es unter den Opfern auch Deutsche?
Ich bin, also denke ich
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05.11.2010, 17:59Inaktiver User
AW: Gab es unter den Opfern auch Deutsche?
Wie oben schon ein paar mal geschrieben: Es geht darum, ob einige der Zuschauer oder Zuhörer sich Sorgen um ihre Angehörigen und Freunde machen müssen.
Ohne diesen Bezug sind "normale" Unfälle - egal ob mit Flugzeug, Bus oder Fähre - für uns eigentlich irrelevant.
Abgesehen davon, dass natürlich jedes Unglück schockiert. Und das ist unabhängig davon, ob der Nachbarsjunge sich den Arm bricht oder ob irgendwo in Timbuktu eine Fähre sinkt. Völlig unabhängig davon, ob Männer, Frauen, Kinder oder Deutsche betroffen sind.
Allerdings bewegt mich ein Unglück in meiner Nachbarschaft (oder mit Bezug auf meine Nachbarn) mehr als eines irgendwo anders auf der Welt. Auch heute gilt noch irgendwie die Szene aus Goethes Faust:
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen,
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried’ und Friedenszeiten.
Was uns bei einem Bericht über ein Unglück irgendwo bewegt ist entweder das Wissen, dass es uns wohl nicht betreffen kann (z.B. ein Vulkanausbruch) oder die Hoffnung, dass es uns und die Unsrigen nie betreffen wird.
Und deswegen eben auch die Frage "Sind Deutsche (als u.U. meine Nachbarn) unter den Opfern".
Das ist eine völlig berechtigte Frage, auch wenn das Leben jedes Menschen gleich viel wert ist: Ich kenne niemanden, der am Vulkan Merapi lebt, aber falls einer meiner Nachbarn gerade dort Urlaub machen oder arbeiten würde, würde mir dies weit näher gehen, als wenn es komplett Fremde betrifft.
Für Fremde kann man bestenfalls ein sehr abstraktes Mitleid empfinden (wenn es nicht sowieso ausschließlich Sensationslust ist), für potentielle Nachbarn (also "Deutsche" oder "Franzosen" oder "Türken" je nach eigener Herkunft) schon ein viel persönlicheres.
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05.11.2010, 19:20Inaktiver User
AW: Gab es unter den Opfern auch Deutsche?
ich habe mich früher auch immer empört über die aussage, keine deutschen unter den opfern - heute weiß ich aus eigener erfahrung, dass das eine info an die ist, deren menschen sich gerade in der region aufhalten.
das erklärt aber immer noch nicht, warum man immer unterscheidet zwischen erwachsenen und kindern - schlimm ist ein solches unglück immer.
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05.11.2010, 19:41
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05.11.2010, 19:48
AW: Gab es unter den Opfern auch Deutsche?
Erstens das. Zweitens ...
Warum wird hier nach Gründen für diese Information gesucht? Es ist eine journalistische Information, die in eine Meldung gehört. Nicht mehr, nicht weniger. Das lernt man auf jeder Journalistenschule und in jeder Redaktion. Die Wertung legen andere hinein.
Hat schon mal jemand darüber diskutiert, dass in einer Meldung stand "... kam ein Ehepaar um"? Warum stand da Ehepaar? Sollte das nun eine Wertung sein, besser als Lebensgefährten?
Quatsch. Information. Manchmal auch nur Füllwörter. Sonst nichts.
Ich habe zudem auch kein Problem damit zuzugeben, dass mir ein Zugunglück in Deutschland auch mental näher ist. So ein Stück "kann mir auch passieren" spielt da eine Rolle. Meldungen vom anderen Ende der Welt berühren uns oft aus diesem Grunde nicht so und ich finde es absolut normal. Wenn mein Mann im Ausland ist, verfolge ich Meldungen von dort auch mit einem offeneren Auge, da ich mir Sorgen mache. Ist er hier, begleite ich ihn in Gedanken auf der deutschen Autobahn. Ist das etwas Schlimmes, sich um das zu kümmern, was im persönlichen Umfeld ist oder das persönliche Umfeld beeinflussen könnte? Heißt das dann unweigerlich, dass einem der Rest egal ist? Nein, heißt es nicht. Wird hier nur gerne unterstellt.
Es ist menschlich.
Mein Mann dagegen verfolgt die Meldungen aus dem Teil der Welt, in dem er regelmäßig ist, mit anderen Augen als ich. Weil er dort Menschen kennt. Folgen eines Unglücks also mit Menschen, Gesichtern, Familien und Namen verbindet. Für mich absolut nachvollziehbar.Geändert von Tabetha (05.11.2010 um 20:00 Uhr)
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05.11.2010, 19:58
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05.11.2010, 21:42Inaktiver User
AW: Gab es unter den Opfern auch Deutsche?
Geändert von Inaktiver User (06.11.2010 um 19:17 Uhr)
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05.11.2010, 22:56Inaktiver User
AW: Gab es unter den Opfern auch Deutsche?
das mit der Information ist doch Humbug.
davon, dass da auch 2 Deutsche dabei waren, weiß ich doch nichts - da sind doch Tausende Deutsche gerade in der Region.
und "keine Deutschen dabei" sagt auch nicht wirklich etwas, denn das ist ja immer vorläufig.
und dann müsste ja auch jeder Autounfall, bei dem ein oder kein Deutscher verunglückt ist, gemeldet werden.
individuelle Information funktioniert anders - und wenn bekannt ist, dass zwei Deutsche darunter sind - dann ist auch bekannt, wer - und dann werden die benachrichtigt. Dazu brauche ich das nicht Millionen Leuten in den 5-Minuten-Nachrichten zu erzählen.
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06.11.2010, 08:39Inaktiver User
AW: Gab es unter den Opfern auch Deutsche?
Warum wird denn überhaupt über derartige Unfälle berichtet?
Doch offenbar nur um eine Zeitung zu verkaufen!
Denn wen interessiert es denn wirklich, ob in Timbuktu eine Fähre gesunken, ein Flugzeug abgestürzt oder ein Bus verunglückt ist?
Wer erinnert sich eine Woche später noch an derartige Meldungen?
Wer ist den wirklich "betroffen", wenn er solche Katastrophenberichte liest?
Es ist doch wirklich nur der Schauer des "ich bin nicht betroffen"(und werde hoffentlich auch nie betroffen sein), der uns berührt, nicht etwa echtes Mitgefühl.
Es ist eben, wie ich oben in dem Faust-Zitat schrieb: "Wenn hinten weit in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen" (oder in Timbuktu die Flugzeuge abstürzen), dann genießen wir unser Gläschn Wein, und die Erwartung, dass es bei uns friedlichist und bleiben wird.
Es ist vielleicht anders, wenn es um wirkliche Katastrophen geht - Erdbeben in Haiti, Tsunami im Indischen Ozean, ein Vulkanausbruch - besonders wenn die Zeitungsberichte erwähnen, dass ein großer Ausbruch des Merapi das Weltklima verändern kann.
Aber selbst da bin ich mir nicht sicher, ob es nicht auch die Tatsache ist, dass bei uns das Risiko von (relevanten) Erdbeben, von Tsunamis, Hurrikans oder Vulkanausbrüchen praktisch Null ist, wir uns also doch in erster Linie freuen, nicht betroffen zu sein und auch nicht befürchten zu müssen, dass es uns betreffen würde.
Die einzige Verbindung mit einer solchen Katastrophe ist, dass vielleicht doch Leute, die man kennen könnte, betroffen sind - also für uns in erster Linie Deutsche.
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06.11.2010, 09:04
AW: Gab es unter den Opfern auch Deutsche?
Als in Dortmund Tote zu melden waren, wurden die ausländischen Studentinnen aufgeführt (darf man Studentin melden, ist das eventuell auch eine Wertung oder Abwertung?).
Als ein Bus verunglückte, wurden die polnischen Toten gemeldet. Hätte man sie nicht melden sollen, weil die deutschen Unglücksopfer eventuell beleidigt sein könnten?
djgm01 will gar überhaupt keine Meldungen über Unglücke mehr. Nur noch eine mit Smileys versehene Zeitung, bitte über nichts Schlimmes mehr schreiben? Wenn Du sagst, dass es nur Effektheischerei ist, dann liest Du das falsche Medium und schaust den falschen Sender. Die Tagesschau informiert sachlich.
Du fragst, wer betroffen ist. Nachrichten sollen nicht betroffen machen. Sie sollen informieren.
Meldungen über größere Unglücke sind sehr wohl wichtig. Zum einen sagen sie öfter etwas über die Infrastruktur des Landes aus (in das man eventuell auch einmal reisen muss/möchte). Über das Umgehen damit. Zum anderen informieren sie in einer globalen Welt auch immer Menschen, dass ihnen vertraute Menschen gerade erschüttert sind. Und keiner muss denken, dass das in anderen Ländern anders ist. Geschäftspartner vom anderen Ende der Welt skypen mich an, ob bei mir alles in Ordnung ist, wenn sie von Amokläufen in D hören. Ist das so schlimm?
Zudem sind sie ganz schlicht und einfach Teil der Nachrichten. Die sind nicht immer nur gut und nicht immer nur böse. Sie umfassen auch nicht nur ein Thema. Nachrichten enthalten eine Vielzahl von Meldungen, auf die manch einer gerne verzichten würde. Was zu melden ist und was nicht, darüber gibt es immer mal wieder Diskussionen. Privatsenderfetischisten haben gemeinsam mit dem Privatsender Paris Hilton zu nachrichtentauglich erklärt. Andere sehen das anders. Ich kann auf diese Art von "Nachrichten" verzichten. Aber nicht auf Meldungen über den Flugverkehr o. ä.
Ich könnte vermutlich auch wie Leonie zuhause sitzen und mir denken "Die Polizei wird mich schon informieren, wenn mein Mann in XY abgestürzt ist". Ich verfolge dennoch die Nachrichten bzw. checke die Flughafenmeldungen. Von meinem Mann höre ich oft tagelang nichts, wenn er 10.000 km entfernt ist. Ich würde eine Information über ein Unglück erst Tage später erhalten. Ich persönlich möchte das nicht. Und kann mich tatsächlich erst ruhig meiner Arbeit zuwenden, wenn ich gesehen habe, dass der Flieger gelandet ist. Wenn ich etwas über ein Unwetter o. ä. in der Region erfahren würde, würde ich etwas machen, was ich normalerweise nie mache - ich würde versuchen ihn zu erreichen um mich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist.
Das ist aber nur mein rein persönlicher Aspekt. In erster Linie haben Nachrichten eine Aufgabe. Und die macht weder vor Unglücken noch vor Landesgrenzen halt.Geändert von Tabetha (06.11.2010 um 09:12 Uhr)




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das hat mich schon als kind (!) aufgeregt und ich hab mich das gleiche gefragt wie du!
