@ Nalini
Es ist dir aber schon klar, dass seit 1990 die Bevölkerung in Afrika weiter dramatisch gewachsen ist?
In Ostafrika (Tansania/Ruanda/Burundi) stieg sie von 36 Millionen 1989 auf 60 Millionen 2008, in Nigeria von 115 auf 148 Millionen im gleichen Zeitraum.
Es ist eine beachtenswerte Leistung, dass der Hunger dort nicht noch weiter zugenommen hat!
Was die Vielfalt der Sorten angeht, so kannst du bei uns viele der alten Sorten immer noch kaufen - allerdings zu einem horrenden Liebhaberpreis.
Bewahrt werden sie, wie gesagt, insbesondere auch von den Saatgutzüchtern. Das gilt übrigens auch für Reis, wo das Internationale Institut für Reisforschung auf den Philippinen laut Wikipedia Saatgut von 109.000 verschiedenen Reissorten lagert. Bei Mais hat vor recht langer Zeit die Firma Syngenta damals bereits einige Zigtausend Varianten gelagert.
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08.11.2010, 15:18Inaktiver User
AW: Saatgut und Ernährungssicherheit
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08.11.2010, 17:18
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08.11.2010, 18:00Inaktiver User
AW: Saatgut und Ernährungssicherheit
Die Arche Noah ist offenbar in Österreich aktiv.
In der Schweiz gibt es noch die Stiftung Pro Specie Rara.
Und dann gibt es noch das Versandunternehmen Manufactum, das eine Gartenabteilung für seltene Sorten hat (Rosen, Stauden, etc., aber auch Obstgehölze sowie Sämereien alter Gemüsesorten). - Website: manufactum.de
.Geändert von Inaktiver User (08.11.2010 um 18:16 Uhr)
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08.11.2010, 18:18Inaktiver User
AW: Saatgut und Ernährungssicherheit
Danke, Inspirom, für die Unterstützung!
In einem Bereich habe ich auch einige Sympathie für die Skeptiker hier, nämlich da, wo es um das Risiko von Oligopolen geht, denn die können in manchen Fällen tatsächlich Innovationen erschweren. Allerdings sehe ich im Saatgutbereich gegenwärtig kein Risiko, denn es gibt reichlich Mitspieler auf diesem Markt.
Ich sehe auch einige Probleme bei einzelnen Firmen. Nicht wegen ihres Profitwunsches - der ist völlig berechtigt - aber wegen einer oft sehr inkompetenten Kommunikation. Dabei ist Monsanto (im technischen und wissenschaftlichen Bereich eine hochkompetente und verantwortungsbewusste Firma) ein Negativbeispiel. Sie waren (und sind?) weitgehend auf die technischen (und rechtlichen) Aspekte ihrer Produkte focussiert. Aber sie haben es versäumt, die positiven Eigenschaften ihrer Produkte nicht nur den Bauern, also ihren direkten Kunden, sondern auch der verarbeitenden Industrie und den Konsumenten zu vermitteln und haben den Kritikern damit das Feld überlassen. Als Folge davon traut sich gegenwärtig kein Lebensmittelhersteller in Europa gentechnisch veränderte Produkte zu verwenden, die er ja kennzeichnen müsste. Und diese Kennzeichnung wird wegen der fehlenden Kommunikation durch die Monsantos dieser Welt als Warnung, nicht als Qualitätshinweis verstanden.
Eine Folge davon ist, dass in Europa ganz allgemein gentechnisch veränderte Pflanzen praktisch keine Rolle in der Landwirtschaft und auf dem Markt spielen.
Wir brauchen sie hier auch nicht unbedingt, aber in anderen Teilen der Welt sind verbesserte Nutzpflanzen - auch solche, bei denen Gentechnik angewendet wird, unerlässlich.
Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich halte es für einen ganz zentralen Punkt in dieser Diskussion:
Seit Anfang des vorigen Jahrhunderts hat sich die Weltbevölkerung von etwa 1.6 Milliarden auf fast 7 Milliarden Menschen mehr als vervierfacht - die Ackerfläche ist aber in etwa gleich geblieben. In den nächsten Jahrzehnten wird die Bevölkerung weiter wachsen, die Nutzfläche aber eher schrumpfen.
Ohne Verbesserung der landwirtschaflichen Produktivität - Düngung, Bewässerung, Pflanzenschutz, Mechanisierung, und eben auch optimiertes Saatgut können wir diese wachsende Bevölkerung (bald irgendwo zwischen 9 und 11 Milliarden) nicht ernähren.
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08.11.2010, 18:23Inaktiver User
AW: Saatgut und Ernährungssicherheit
Das müssen wir uns ein wenig genauer ansehen.
Es ist unmittelbar ersichtlich, dass die Weiterentwicklung der von dir genannten Technologie-Produkte eine Verbesserung der Produkteigenschaften bedeuten - größere Leistungsfähigkeit, höherer Komfort, zusätzliche Funktionalität.
Was aber ist besseres Obst, besseres Gemüse oder besseres Getreide?
Aus Sicht der Hersteller sind das Produkte, die höhere Erträge abwerfen. Punkt.
Von einem besseren Geschmack und höherem Vitamingehalt ist meines Wissens zu keinem Zeitpunkt die Rede. Ganz im Gegenteil - zumal die Vielfalt der Einfalt gewichen ist.
So gibt zwar Hunderte (!) von Mobiltelefongeräten und eine unübersehbare Auswahl an Autos und Fernsehern zu kaufen, aber an Paprika bekommt man bei den meisten Einzelhändlern rund ums Jahr genau 3 Sorten (2 unterschiedliche Sorten Spitzpaprika, sowie die grassierende Holland-Paprika in 3 schicken Farben). Äpfel: aus den Hunderten von Sorten sind regelmäßig 4-5 im Supermarkt erhältlich, an Auberginen: 1 Sorte, Zucchini: 1 Sorte, Möhren: 1 Sorte, Tomaten: 2 oder 3 Sorten, usw. ...
Viele Menschen haben nicht den Schimmer einer Ahnung, was ihnen an geschmacklicher Vielfalt entgeht.
Wobei das Beispiel der Kartoffelsorte Linda zeigt, dass selbst hohe Qualität und große Beliebtheit beim Kunden keine ausreichende Motivation für den Anbau sind, zumal wenn der Patentschutz abläuft und keine Patentgebühren mehr kassiert werden können. Nur ungewöhnlich hohes Engagement der Konsumenten und ein Trick haben dafür gesorgt, dass dieses qualitativ hochwertige Produkt überhaupt noch gehandelt werden darf (wenn auch zunehmend seltener zu finden ist). - Siehe *Linda*
.Geändert von Inaktiver User (08.11.2010 um 18:42 Uhr)
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08.11.2010, 18:32Inaktiver User
AW: Saatgut und Ernährungssicherheit
Svalbard Global Seed Vault ? Wikipedia
Der Svalbard Global Seed Vault sammelt seit seiner in Betriebnahme Samenproben von möglichst allen Varianten aller Kulturpflanzen - im Ergebnis rechnet man mit bis zu 4.5 Millionen Samenproben von verschiedenen Pflanzen und Sorten.
Organisiert und verwaltet wird diese Sammlung vom Global Crop Diversity Fonds, der u.a. von der Gates-Stiftung, der Rockefeller-Stiftung, Monsanto, Syngenta, DuPont-Pioneer, und der Consultative Group on International Agricultural Research (CGIAR), die u.a. auch von Deutschland mit finanziert wird.
Dazu kommen eine Vielzahl von anderen "Samenbanken" an Forschungsinstituten, in einzelnen Staaten, bei der Industrie und unter der Ägide der FAO. Und dazu kommen natürlich auch die relativ kleinen Initiativen, die hier schon erwähnt worden sind.
Es ist also keineswegs so, dass das Thema der möglicherweisen schrumpfenden Diversität im Nutzpflanzenbereich wie auch in der Tierzucht übersehen wird.
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08.11.2010, 18:38Inaktiver User
AW: Saatgut und Ernährungssicherheit
@ Blautanne
Natürlich und ganz wichtig steht die Ertragssteigerung im Vordergrund.
Aber glaubt irgend jemand, dass in den wohlhabenden Ländern Bauern es sich leisten können, allein auf Menge zu setzen? Sie sind darauf angewiesen, dass wir Verbraucher ihre Produkte kaufen, und dies nicht nur um unseren Hunger zu stillen.
Ein ganz bekanntes Beispiel zu Verbesserung des Vitamingehaltes ist die Entwicklung des "Golden Rice" durch das Reisforschungsinstitut auf den Philippinen. Diesem Reis ist die Eigenschaft zugezüchtet worden, Beta-Carotin zu bilden (deswegen die "goldene" Farbe), das im Körper in Vitamin A umgewandelt wird.
Vitamin A Mangel ist eines der größten Gesundheitsprobleme weltweit.
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08.11.2010, 18:49Inaktiver User
AW: Saatgut und Ernährungssicherheit
Es gibt, was es gibt.
Und insbesondere in Deutschland sind die meisten Menschen auch gar nicht bereit für Lebensmittel Geld auszugeben und auf die Erzeuger und Importeure Druck auszuüben.
Da die Menschen sich zwar immer mehr Koch-Unterhaltungssendungen im TV ansehen, aber immer seltener selber kochen, haben die meisten Leute auch gar keine Ahnung, was ihnen genommen wird. Man kann nur vermissen, was man einmal erfahren hat, und den meisten Menschen ist nicht einmal bekannt, dass es von vielen Gemüsearten Hunderte von Sorten gibt - geschweige denn, dass sie sie selber gekostet hätten.
Wer kennt "Mieze Schindler" oder "Blauer Schwede"? - Frag mal in deinem Bekanntenkreis, ob die Leute überhaupt eine Vorstellung davon haben, worum es sich dabei handeln könnte.
.Geändert von Inaktiver User (08.11.2010 um 19:11 Uhr)
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08.11.2010, 19:10Inaktiver User
AW: Saatgut und Ernährungssicherheit
Du liegst, wie so oft, völlig daneben mit deinen Vermutungen, Blautanne!
Aber zum Thema:
Wenn, wie du feststellst, die meisten Menschen in Deutschland (und der Schweiz) nicht bereit sind, für Lebensmittel mehr Geld als nötig auszugeben, dann ist es für sie auch in erster Linie wichtig, dass die Menge stimmt - der Geschmack ist ihnen ziemlich egal.
Die Minderheit, die auf einen speziellen Geschmack wert legt, hat immer noch die Möglichkeit, viele seltene Sorten zu kaufen - zu einem logischerweise höheren Preis.
Und wenn die Nachfrage nach solchen Sorten steigt, werden sie auch wieder angebaut.
Was den besseren Geschmack einzelner Sorten betrifft, so ist dies selbstverständlich eine subjektive Entscheidung: Was du für wohlschmeckend hältst, muss mir noch lange nicht gefallen und umgekehrt. Oder siehst du das anders?
Deine Sortenbeispiele sind nun wirklich nicht relevant - man kann sie nachschlagen, muss es aber nun wirklich nicht. Wenn ich in meinem Bekanntenkreis nachfrage und die wissen nicht, was Mieze Schindler ist, müssen die sich dann schämen?
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08.11.2010, 19:22Inaktiver User
AW: Saatgut und Ernährungssicherheit
Und die Menge stimmt in der Tat - wie Gemüsehalden mit 1,99€-Ware deutlich zeigen.
Nur kann mir keiner erzählen, dass diese wässrige geschmacklose Substanz, die oft nicht einmal auf Erdsubstat sondern auf Holzwolle u.ä. gezogen wird, gesund sein soll.
Immer unter der Voraussetzung, dass diese Produkte überhaupt käuflich erworben werden können - und genau das ist immer seltener der Fall.Die Minderheit, die auf einen speziellen Geschmack wert legt, hat immer noch die Möglichkeit, viele seltene Sorten zu kaufen - zu einem logischerweise höheren Preis.
Völlig anders. Ob man Sorte A oder Sorte B vorzieht, ist im Großen und Ganzen sicher Geschmacksache. Aber wer "Mieze Schindler" kostet und behauptet, dass sie nicht aromatischer = intensiver schmeckt als entsprechende Supermarktware, der hat ein Problem, das nur ein Hals-Nasen-Ohrenarzt lösen kann.Was den besseren Geschmack einzelner Sorten betrifft, so ist dies selbstverständlich eine subjektive Entscheidung: Was du für wohlschmeckend hältst, muss mir noch lange nicht gefallen und umgekehrt. Oder siehst du das anders?
Statt "Blauer Schwede" hätte ich auch das "Bamberger Hörnle" erwähnen können, das in Geschmack, Kocheigenschaften und Aussehen extrem anders als der Blaue Schwede ist. - Es ist nicht wichtig, was du vorziehst. Es ist aber interessant zu wissen, was einem entgeht, wenn man mit Nullachtfuffzehn-Hochertragssorten vergleichsweise fade, schwacharomatische Einheitsware kauft.
Meine Beispiele sind Beispiele.Deine Sortenbeispiele sind nun wirklich nicht relevant - man kann sie nachschlagen, muss es aber nun wirklich nicht.
Beispiele für Hunderte von verschwundenen Sorten.
Beispiele für das, was du, der du Hollandware für qualitativ gute Ware hältst, nicht kennst und daher wohl auch gar nicht beurteilen kannst.
.Geändert von Inaktiver User (08.11.2010 um 19:55 Uhr)


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