Danke Dolci.
So komplikationslos wünschte ich mir Umgang generell in Diskussionen
Zum Problem Selbstbehalt in der GKV.
Was in PKV einfach zu machen ist, da jedem Beitrag zumindest eine Kalkulation zu grunde liegt (liegen sollte), geht in der GKV noch lange nicht so einfach.
Bsp.
Fam. Hinz ist GKV versichert durch das beitragzahlende Elternteil A.
Von 2000 brutto werden ca. 160€ abgezwackt. Selbst zusammen mit Arbeitgeberanteil kommt man grade so auf ca 300€ GKV Beitrag.
Würden Hinz nun 15% aus dem Arbeitnehmer Beitragsanteil erlassen, d.h. 24€ p.Monat/288€ im Jahr/ so wird die Familie schwerlich gut fahren dabei, wenn sie fürderhin 15% aus jeder Arztrechnung selbst übernehmen müsste. Jahres- Gesundheitsgesamtkosten müssten unter 1900€ bleiben. Möglich, aber unwahrscheinlich für Familie.
Noch extrem unvorteilhafter sähe es bei echten Geringverdienern aus.
Herr Schulz, ledig, zahlt demgegenüber -wie viele - Höchstbeitrag.
Bemessungsgrenze 3750€ p.m. macht 296,25€ Maximalbeitrag für AN,den er abführt.
15% Einsparung wären im Monat ca.44€, im Jahr 528€.
Normalerweise zahlt er in Konsequenz dann gerne 15% der Behandlungskosten selbst, da er erst bei roundabout 3500€ Arztrechnungen im Jahr schlechter fahren würde als ohne Selbstbeteiligung. Gewöhnlich kommt er für sich alleine mit ca.1000€ hin. Herr Schulz nähme also dankend die neue Regelung an.
Wir sehen:
Eine simple Selbstbehaltregelung wie bei PKV hätte massive Asymmetrien bei Begünstigung der GKV-Versicherten zur Folge.
(Was übrigens durch Einführung von so etwas wie Kopfpauschale abwendbar wäre. Stellt sich nur die Frage wie dann die Kopfpauschale sozial(neutral)verträglich einzuführen wäre?)
Nun könnte man sagen, daß es ok sei wenn Herrn Schulz die Chance auf eine gewisse Einsparung gegeben würde, trägt er doch auch eine überdurchschnittliche Last am Beitragsgesamtaufkommen.
Wenig perfekt wäre es aber, wenn man Geringerverdienenden nicht auch Tarif-Möglichkeit anbieten würde, die kostenminderndes Verhalten belohnen würde.
Gesucht: Wege aus dem Dilemma!
(die Frage ist echt. Ich hab selbst noch nicht weiter drüber nachgedacht)
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Thema: Rösler`s Gesundheitsreform
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13.10.2010, 16:20
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
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13.10.2010, 17:33Inaktiver User
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
Diese Rechnung stimmt nur unter der Voraussetzung, dass das dem privat zahlenden Patienten berechnete Honorar dasselbe ist, das der GKV berechnet würde.
Dem ist aber nicht so. Ich verweise auf einen Artikel bei SPON, wonach diesen Patienten das 2,3fache der GOÄ (GOZ) berechnet werden und es den Dottore nur sehr peripher tangiert, was der Versicherte hinterher erstattet bekommt.
Es kann ja auch gar nicht anders sein. Kein Arzt würde für eine Fallpauschale von 20-30 Euro im Quartal(!) einem Patienten auch noch eine Privatrechnung stellen. Da wäre ja der Aufwand der Administration teurer als die Honorarforderung.
Schon allein deshalb ist dieser Vorstoß Röslers nur wieder mal eine cerebralen Flatulenz unseres Gesundheitsministers.
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14.10.2010, 12:12
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
den zusammenhang mit meinem Text sehe ich auf die schnelle nicht.
die Rede war von GKV. Dort wird nach EBM abgerechnet.Ich verweise auf einen Artikel bei SPON, wonach diesen Patienten das 2,3fache der GOÄ (GOZ) berechnet werden
Selbst wenn es Faktoraufschläge gäbe (was bei EBM nicht der Fall ist)
wäre das kein Problem. Arzt müsste wie bei PKV bisher auch schon sich mit Patienten über Preise/Preisakzeptanz verständigen.
Natürlich ist Arzt an erstattungsfähiger Rechnungstellung interessiert. Patient ist Kunde und soll ja nicht nur 1x kommen.
Ich lese bei Wiki zu EBM von 900-1020 Punkten a ca. 5,11 Cent als Quartalspauschale, Stand 2005. Das machte damals schon 45-51 €, mithin ca doppelt soviel wie du angibst!?Es kann ja auch gar nicht anders sein. Kein Arzt würde für eine Fallpauschale von 20-30 Euro im Quartal(!) einem Patienten auch noch eine Privatrechnung stellen. Da wäre ja der Aufwand der Administration teurer als die Honorarforderung.
Jeder Betrieb und sei es der kleinste muss über jeden Rechnungsbetrag und sei es der kleinste einen Beleg/Rechnung erstellen. Wo soll da heute der Aufwand sein?
Die kompletten Daten zur Abrechnung sind eh beim Arzt im System vollständig vorhanden. Auf Knopfdruck wird daraus eine Abrechnung nach GOÄ(für Privatversicherte) erstellt.
Nach EBM könnte in Heller und Pfennig schon garnicht ausgestellt werden, weil erstmal Punkte und nicht Heller&Pfennig der Leistung zugewiesen sind, die erst später sich in Geld verwandeln wenn der Konvertierungswert feststeht (im obigen Bsp 5,11ct je Punkt). Was 4-6 Monate nach Quartalsende der Fall ist.
Wie bitte? welcher Vorstoss konkret?Schon allein deshalb ist dieser Vorstoß Röslers nur wieder mal eine cerebralen Flatulenz unseres Gesundheitsministers.
Natürlich ist es anmaßend von einem Newcomer und Greenhorn in kürzester Zeit durchgreifende Änderungen bewerkstelligen zu wollen.
Incl. Vollimplementation - irrwitzig, daß die Regierungskoa-Oberen das so laufen ließen. Und wohl u.a. auch Zeichen, daß sie selbst nicht ausreichend mit Materie vertraut sind.
Nachdenken in alle Richtungen ist dagegen stets erlaubt und willkommen.
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14.10.2010, 15:59Inaktiver User
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
Hier die Honorartabelle der KV BaWü
Den Bericht des SPIEGEL habe ich hier gefunden.
Ich bezweifle zutiefst, dass heutzutage ein Arzt um einen Patienten werben muss und möchte. Meine eigenen tagtäglichen Erfahrungen als Augenoptikermeister mit 7 Augenärzten hier am Ort und den derzeitigen Erfahrungen meiner Frau mit Gastroenterologen erlauben diese Hoffnung nicht.
Mit "Röslers Vorstoss" meinte ich seine "Anregung", das Erstattungsprinzip attraktiver zu machen.
Attraktiver wird es nämlich nur für die Ärzte, die die nicht vorauszahlenden GKV-Patienten zu Patienten 3. Klasse machen werden.
Aber die wollen es ja selbst nicht (als verpflichtende) Zahlweise haben, denn sie fürchten, dass die Patienten auf wundersame Weise plötzlich gesunden und den Praxen fernbleiben.
Anscheinend ist es doch noch lukrativ, nach Monaten Wartezeit auch mal einen Kassenpatienten dranzunehmen... :-((Geändert von Inaktiver User (14.10.2010 um 16:08 Uhr)
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15.10.2010, 12:48
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
Ok. Streng genommen darf sich das natürlich nicht "Honorartabelle" schimpfen. Die echte und einzige EBM-Tabelle vergibt nur Punkte und je nach Kassenlage und Abrechnungsanfall gibts mehr oder weniger Cash je Sammelpunkt. Ist also eine Momentaufnahme, die zudem prädestiniert ist den Laien zu täuschen.
Bsp.
Wäre ich GKV versichert anstelle PKV wäre mein Hausarzt entschieden besser gefahren mit mir. Ich visitierte ihn in 5 Jahren einmal. Rechnung so um die 20 oder 30€.
Als GKV Versicherter hätte ich ihm selbst in BW lt ach so schändlicher "Honorartabelle" mehr als 5x12x35 € eingespült. Also mehr als 2100€.
Derart mag es kommen, daß der Arzt PKV Versicherte gerne und oft begrüßen mag, GKV Versicherte dagegen möglichst garnicht. Bei ihnen interessiert nur ihr Schein, der im Ordner parken muss!
Wollen und brauchen tut er aber grade diese Scheine der GKV Versicherten. Liebstens der gesunden bzw arztbesuchsphoben
...womit du einige deiner realen Eindrücke und Beobachtungen möglicherweise besser in Einklang bringen kannst mit den zugrundeliegenden "Anreizsystemen", lieber Dolci
"Erstattungstarif" bei GKV!Den Bericht des SPIEGEL habe ich hier gefunden.
Was soll denn das nun wieder? als ob nicht genug Kuddelmuddel im System wäre. Nur noch Kopfschütteln hab ich.
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20.10.2010, 10:37
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
Wenn auf solche sicher spektakulären Gegenüberstellungen wie im letzten Beitrag jede Reaktion ausbleibt, muss ich mich schon fragen ob ich mich richtig verständlich mache? sollte ich besser noch mehr fett markieren, den Leser hinschubsen zum wesentlichen Inhalt..oder ists eh alles hoffnungslos.
Also nochmal in EvoII Layout Kommentare erbeten.
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Pflichterfüllend sammle und liste ich unverdrossen weiter.
Anknüpfen an den Satz..
Wollen und brauchen tut er (der Arzt) aber grade diese Scheine der GKV Versicherten. Liebstens der gesunden
...lässt sich trefflich folgender Artikel von PANORAMA zu plötzlich veränderten Krankenbefunden (20% mehr chronisch Kranke über Nacht!) aufgrund Abrechnungssystemänderungen bei Kassen
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27.10.2010, 10:37
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
mit weniger Worten wiederhole ich nochmal das Beispiel zum Systemvergleich:
Mein Hausarzt kostete mich (bzw meine Private Kranken Versicherung, die diese Kosten mir normalerweise erstattet, im Zeitraum 2005 bis 2009
30€ (in Worten: dreissig Euro).
In dem Zeitraum hatte ich zb auch einen schweren Unfall, der ambulant von Krankenhauschirurgie behandelt wurde. Und war dutzendmal zur PZR beim Zahnarzt. Das tut aber nichts zur Sache Hausaztabrechnung. Ich erwähne es nur, damit nicht der Eindruck entsteht ich sei ein Roboter.
Wäre ich demgegenüber gesetzlich versichert gewesen, hätte mein Hausarzt eine kopfpauschale Entlohnung erhalten dafür, daß mein Schein in seinem Schrank eingelagert ist, in Höhe von deutlich
> 2000€ (in Worten: mehr als zweitausend Euro).
Dies zu Lasten der GesetzlichenKrankenVersicherung.Geändert von hombre (27.10.2010 um 10:41 Uhr)
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27.10.2010, 10:53
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
ohne das Bsp aus Vorbeiträgen ad acta gelegt wissen zu wollen,
schreite ich fort mit Protokollierung des Dilettantismus:
Röslers Stümperei allein zum Wohle des Bürokratismus
Den letzten Satz wiederholt die TAZ zu Recht:Er steht versinnbildlichend dafür was passiert, wenn die Machwerke hyperaktiver Schwarz-Gelber Regieraktivisten auf die zukünftige Wirklichkeit treffen. Wie sie mittels Einsatz von etwas Intelligenz vorhersagbar ist:"In 15 Jahren hat jeder Anspruch auf den Sozialausgleich"
Für mich folgt zwingend daß Leute wie Rösler handeln zum Schaden des Volkes.Bei jährlichen Kostensteigerungen von knapp zwei Prozent, so Lüngen, hätte "in 15 Jahren jeder gesetzlich Versicherte Anspruch auf den Sozialausgleich".
Gesundheitsökonom Markus Lüngen
Ob mangels Durchblick oder aber aus Böswilligkeit, sei dahingestellt.
Einen Minister darf Dummheit ( in eigener Resort-Sache) nicht vor Strafe schützen.
----Sie schworen aber auf die Bibel das Gegenteil! ----
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17.11.2010, 23:48
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
warum herrscht hier Stille, wo doch gerade Röslers Truppe ihr Werk getan??? (und Rösler ist selbst "die Truppe" der PKV-Lobbyisten)
Als ich Ergebnisse in Nachrichtensendung vernahm , dachte ich die meinen meinen Signaturtext konterkarieren zu müssen

Vielleicht zuviel der Ehre, und ich laß ihn also dennoch stehen.
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05.12.2010, 15:30
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
Hallo, hombre,
Ihre Argumente gegen die PKVen verstehe ich gut, sehe da aber kaum Veränderungsmöglichkeiten, solange das Beihilfesystem für die Beamten nicht grundlegend reformiert wird.
Abschaffen können Sie private Krankenversicherungen sowieso nicht, denn es herrscht schließlich Vertragsfreiheit, und jeder kann sich versichern, gegen was und wo er will. Vielleicht ist es sogar ganz gut, dass die beiden Systeme nebeneinander existieren - aber bitte schön! ohne Rosinenpickerei. Im Sinne von 'best practice' könnten sie vielleicht voneinander abgucken.
Ich selbst bin immer in der GKV geblieben, obwohl ich schon vor langer Zeit hätte wechseln können. Insofern finde ich Ihre früher angeregte Diskussion. über eine Selbstbeteiligung interessant. Ich wäre sehr dafür. Meine Hausratsversicherung habe ich schon vor Jahren gekündigt, weil ich partout keine Versicherung mit Selbstbeteiligung finden konnte. Ich bin nämlich der Meinung, dass man bei kleinen Risiken sehr wohl 'Selbstversicherer' sein kann, und möchte eigentlich nirgendwo im Club derjenigen sein, die eine Vollkasko-Versicherung übermäßig ausnutzen. Nur, die Krankenversicherung kann man halt nicht einfach aufgeben.
Selbstbeteiligung bei der GKV - das schreiben Sie auch - geht nicht mit für alle geltenden Festbeträgen. Aber wie wäre es denn, wenn der Selbstbehalt und die Rückerstattung sich am individuellen KV-Beitrag orientieren würden? Also, wer in einem Jahr Arztrechnungen bis zur Höhe von zwei AN-Beiträgen selbst bezahlt, bekommt nach Ablauf des Jahres einen vollen (AG+AN) Beitrag zurück.



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