Das war ja vor einigen Monaten schon in der Diskussion. Ich meine, mich zu erinnern, dass es sowieso nicht genügend Studienplätze für Mediziner gibt. Bei einem Wegfall des NC könnten also mitnichten alle, die wollen, plötzlich Medizin studieren.
Außerdem wird man ja durch das NC-Verfahren nicht komplett vom Studium ausgeschlossen, sondern muss, je nach Notenschnitt, eventuell ein paar Wartesemester auf sich nehmen. Wer also wirklich aus tiefstem Herzen Arzt werden will, kann dies durchaus werden.
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Thema: Rösler`s Gesundheitsreform
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24.09.2010, 15:10
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
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24.09.2010, 16:00Inaktiver User
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
@Inspirom
Bei Vollkasko/Teilkasko muss der eine mit einem Holzbein leben, während der andere mit einer HiTec-Prothese rechnen darf.
Solche Zustände will -parteiübergreifend- niemand.
Man ist sich darüber einig, dass es beim Solidarprinzip bleiben muss, auch wenn die angekündigte Änderung der Regierung auf ein Mehrklassensystem hinausläuft.
Wir wollen vielmehr eine akzeptable und zumutbare Lösung für ein menschenwürdiges Leben Erkrankter (Stichwort "Leidensdruck"), was nicht ausschließt, dass man sich über eine private ZUSATZversicherung doch die HiTec-Prothese finanziert.
@Historia
Ja, das ist ein vernünftiges Argument. Tatsächlich stehen derzeit zuwenig Studienplätze für Medizin zur Verfügung.
Viele der Studenten (ca. die Hälfte) stehen nach Abschluss des Studiums nicht für kurative Zwecke in D zur Verfügung, sei es, dass sie in die Industrie oder ins Ausland gehen.
Hier müssen noch Mittel und Wege gefunden werden, die vorhandenen Kapazitäten an den Unis besser für die Versorgung der Bevölkerung zu nutzen.
Mythos Wartesemester:
Nachtrag @utopiaZu guter Letzt möchten wir noch mit einem ganz großen Mythos ein für alle Mal aufräumen. Wenn man sich über die ZVS auf einen dort angebotenen Studienplatz bewirbt, wird die Wartezeit nicht auf den NC angerechnet! Dies denken oft viele (”Jedes Semester macht den Schnitt um 0,1 besser.”). Das stimmt schlichtweg nicht. Wartezeit/Wartesemester und Numerus Clausus sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge, die nicht auf diese Weise in Verbindung stehen!
47% aller Krankheitskosten entfallen auf RentnerGeändert von Inaktiver User (24.09.2010 um 16:14 Uhr)
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24.09.2010, 18:51
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
[off topic]
Ich habe nie behauptet, dass sich die Note verbessert, wenn man wartet. Soweit ich das NC-Verfahren immer verstand und verstehe (und googeln hat mir bestätigt, dass es immer noch so ist), wird ein Teil der Plätze nach Note und ein Teil der Plätze nach Wartesemester (und ein Teil nach Auswahlgesprächen) vergeben.
Info für 2010:
In Medizin konnten selbst Bewerber mit 12 Wartesemestern nur bis zu einer Abiturnote von 3,7 ausgewählt werden. Für diejenigen also, die ihr Abitur danach mit einer Note schlechter als 3,7 abgeschlossen haben, war eine Wartezeit von 13 Semestern erforderlich, um in der Wartezeitquote (20 Prozent der Studienplätze) zugelassen zu werden.
Quelle: NC-Werte der ZVS für Medizin und Zahnmedizin im Sommersemester 2010
[/off topic]Geändert von Historia02 (24.09.2010 um 18:55 Uhr)
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24.09.2010, 19:12Inaktiver User
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24.09.2010, 19:23Inaktiver User
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25.09.2010, 10:37Inaktiver User
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
Sie sind sich aber schon darüber im Klaren, was das bedeuten würde?
Sie haben dann nicht nur für sich selbst die finanziellen Risiken bei Unfällen, schweren Krankheiten und teuren Behandlungen und Kuraufenthalten, sondern auch für Ihre hypothetischen 3 Kinder.
Wissen Sie, was ein spezielle Massage kostet? Meine Frau genießt derzeit so etwas und berappt für jede Sitzung 60 Euro. 10 Sitzungen muss sie absolvieren. Und das ist NUR die Massage nach einer Darmperforation. Sie hat in dieser Angelegenheit bisher fast 40.000 Euro überwiesen, davon allein für einen Rettungseinsatz (überflüssigerweise für mehrere Einsatzfahrzeuge) 1200 Euro.
Ein Bekannter von mir ist vor ein paar Monaten gestorben, da er nicht versichert und mittellos war. Er hat als Flugzeugingenieur sehr gut verdient, dann durch widrige Umstände alles verloren und ist gestorben, bevor er Sozialleistungen bewilligt bekam.
Natürlich - "Teilkasko" ist nicht gleich Privatversicherung, aber was machen Sie, wenn Sie Unvorhergesehenes nicht finanzieren können?Geändert von Inaktiver User (25.09.2010 um 10:41 Uhr)
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25.09.2010, 14:04Inaktiver User
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
Nö. - Und Sie auch nicht.
Denn was das konkret bedeuten würde, hängt von der Ausgestaltung eines solchen Systems ab.
So werden in der Schweiz Zahnbehandlungen nicht von der Grundversicherung übernommen, es sei denn, sie sind Folge eines Unfalls o.ä. - Grund: jeder kann selbst für seine Zahngesundheit Verantwortung übernehmen.
Außerdem ist jeder Bürger versicherungspflichtig, egal ob er Generaldirektor oder Freiberufler oder Arbeiter ist (vgl. "Bürgerversicherung").
Jeder Erwachsene und jedes Kind zahlt einen eigenen Beitrag (vgl. "Kopfpauschale"); sozialer Ausgleich gegebenenfalls über die Steuer.
Es gibt mehrere Modelle der Selbstbeteiligung; niemand bekommt alles bezahlt.
Ich halte das Schweizer System insgesamt für wesentlich besser als das deutsche. Es hält zu mehr Selbstverantwortung und zu mehr Kostenbewusstsein an.
Das Konzept der "Piratenpartei" die Pharmaunternehmen massiv zu belasten und im Gegenzug die Ärzte zu päppeln ist aus meiner Sicht auch nicht besser als die Nähe der FDP zu den Apothekern. Beides kostet Geld, und beides lehne ich ab.
In Deutschland gibt es weniger Krankenpflegepersonal als in vielen anderen Ländern.
Dagegen gibt es mehr Ärzte als in anderen Länder in Europa, und deutlich mehr als im OECD-Durchschnitt.
Angesichts dieser Situation brauchen wir natürlich dringend noch mehr Ärzte. *ironie*
Bei Jörg Blech kann man nachlesen, dass die Gesundheitskosten mit der Anzahl der Ärzte wächst, denn Ärzte befriedigen nicht nur Bedürfnisse - als Wirtschaftsakteure schaffen sie auch Nachfrage. Sogar manche Operation nützt nur den Operateuren ...
Wir können das Thema hier nicht vertiefen, auf jeden Fall bin ich dem Ärztestand gegenüber nicht weniger skeptisch als den Apothekern gegenüber. Ihr Konzept überzeugt mich nicht. Es ist zu offensichtlich, wer daran mitgeschrieben hat und wer im Gegenzug außen vor gelassen wurde.
.Geändert von Inaktiver User (27.09.2010 um 10:34 Uhr)
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25.09.2010, 18:50Inaktiver User
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
Ich habe beinahe den Eindruck, als KÖNNE man Sie gar nicht von einer anderen als der schweizerischen Lösung überzeugen.
Ausländische Modelle als die besseren hinzustellen (es gibt auch Befürworter der schwedischen, englischen und amerikanischen Lösung), ist immer mit der Vorbedingung verbunden, dass man gleiche Gesellschafts- und Sozialstrukturen vorfindet.
Im Übrigen haben Sie mich falsch interpretiert. Gerade wir möchten keinesfalls die "Ärzte päppeln"! Im Gegenteil! Wir wollen Wettbewerb unter den Ärzten (deshalb u.v.a. die Beweislastforderung, deshalb die Subventionierung der Praxen für Neugründungen, deshalb die Freigabe der Niederlassungsbeschränkungen, deshalb die Forderung nach Anwendung des BGB-Rechts als Lex generalis wie bei jedem anderen (Versicherungs-)Vertrag), denn nur, wer es nötig hat, zu verdienen, wird seinem Patienten keine 9-monatige Wartezeit zumuten, wird daran interessiert sein, seine Patienten zufriedenzustellen.
Es ist auch unzulässig, zu behaupten, es gäbe genügend Ärzte. Vom relativen Ärztemangel habe ich bereits geschrieben, der lt. Kopetsch übrigens auch deshalb zunimmt, weil ÄrztINNEN nicht in gleichem Umfang den Patienten zur Verfügung stehen, wie die männlichen Kollegen, aber trotzdem eine ganze Planstelle besetzen.
Wichtiger aber: Hinzu kommt, dass der derzeitige Altersschnitt niedergelassener Ärzte bei knapp 55 Jahren liegt. Im Alter von 67 Jahren (derzeitige Regelung; die CDU möchte das evtl. ändern) erlischt die Kassenzulassung.
Das heißt, dass allerspätestens in 12 Jahren ein derartiger Ärztemangel eintreten wird, dass es einer Katastrophe gleichkommt, wenn wir wegen des langen Studiums nicht hier und heute reagieren.
Gleichzeitig geraten starke Jahrgänge bis dahin ins Rentenalter und belasten die Solidargemeinschaft zusätzlich. Und gleichzeitig steigt die Lebenserwartung bis dahin noch ein weiteres Mal an und man wird noch länger am Leben gehalten, als man das vielleicht selbst will.
Wie bereits erläutert, verlassen viele deutsche Medizinstudenten nach dem Studium den kurativen Bereich oder sogar Deutschland.
Zwar drängen vor allem asiatische und rumänische Ärzte zu uns, aber leider nicht in bald erforderlicher Anzahl.
Ich nehme an, dass die zugewanderten Ärzte ihre Befähigungsnachweise erbringen müssen, um hier praktizieren zu dürfen, aber meine Frau wurde bereits einmal in einer REHA von einer Rumänin "betreut", die noch nicht einmal genug Deutsch beherrschte, um ein Anamnese-Formular richtig auszufüllen.
Andererseits haben wir hier zwei rumänische Zahnärztinnen, die als sehr gut und sanft in ihren Behandlungsmethoden bewertet werden, aber genauso wie die deutschen Kollegen versuchen, die Patienten mit IGeL abzuzocken. Eine davon ist bereits selbstbewusst genug und weigert sich, Kassenpatienten Amalgam-Füllungen einzusetzen.
In Rumänien verdienen Ärzte 400 Euro/Monat.
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25.09.2010, 21:51Inaktiver User
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
Die schweizerische Lösung ist m.E. nicht unbedingt das beste System der Welt, aber - wie ich schrieb - erheblich besser als das deutsche Gesundheitssystem, und das ist ja auch schon was wert.

Das Schweizer System kann man durchaus mit deutschen Modellen vergleichen - deshalb mein Hinweis auf Bürgerversicherung und Kopfpauschale.
Ihre diesbezüglichen Ausführungen überzeugen mich nicht.Im Übrigen haben Sie mich falsch interpretiert. Gerade wir möchten keinesfalls die "Ärzte päppeln"! Im Gegenteil!
Ach woher. Wenn wir derzeit eine Überversorgung haben, wenn außerdem das medizinische Studium so attraktiv ist, dass die medizinischen Studiengänge "ausgebucht" sind - trotz eines sehr strengen numerus claususWichtiger aber: Hinzu kommt, dass der derzeitige Altersschnitt niedergelassener Ärzte bei knapp 55 Jahren liegt. Im Alter von 67 Jahren (derzeitige Regelung; die CDU möchte das evtl. ändern) erlischt die Kassenzulassung.
Das heißt, dass allerspätestens in 12 Jahren ein derartiger Ärztemangel eintreten wird, dass es einer Katastrophe gleichkommt, wenn wir wegen des langen Studiums nicht hier und heute reagieren.
- dann bin ich sehr zuversichtlich, dass wir auch in 12 Jahren weit von einer "katastrophalen Unterversorgung" entfernt sind.
Wenn die Piratenpartei angesichts eines eingebildeten Ärztemangels die Schleusen öffnen möchte, sehe ich massive Kosten auf das Gesundheitssystem zukommen. Denn diese Ärzte wollen natürlich auch von ihrer Arbeit leben. Und wenn man will, findet man an jedem Arztbesucher genügend zu diagnostizieren und zu behandeln. Der Dienstleistungsanbieter 'Arzt' schafft sich notfalls die entsprechende Nachfrage.
Insgesamt finde ich Ihr Konzept nicht sonderlich attraktiv. Die Pharmaindustrie zurückzudrängen würde Ihnen noch weniger gelingen als es CDU und SPD gelungen ist. Eine von Ihnen angestrebte Zunahme an Ärzten finde ich alles andere als wünschenswert. Und an echten strukturellen Reformen ist Ihnen gar nichts eingefallen.
Ich klinke mich an dieser Stelle aus der Diskussion aus. Für mich ist das gesundheitspolitische Konzept der "Piratenpartei" - soweit Sie es hier dargelegt haben - bei weitem nicht attraktiv genug, um mich damit weiter zu befassen.
.Geändert von Inaktiver User (25.09.2010 um 22:01 Uhr)
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26.09.2010, 11:52Inaktiver User
AW: Rösler`s Gesundheitsreform
@ Dolcinianer
Da du dich hier zuallererst als Mitglied und Mitbegründer der Piratenpartei vorgestellt hast, verstehe ich deine Beiträge in erster Linie als Werbung für deine Partei.
Und zu dem Punkt Wahlwerbung für die Piratenpartei nach wie vor:
Euch zu wählen, wäre bei eurer begrenzten Themenauswahl für mich wie die Katze im Sack kaufen.
Über die Gesundheitsreform auf der Basis von Werbung für die Piratenpartei zu diskutieren, gefällt mir überhaupt nicht, denn die Piratenpartei zu wählen ist für mich aus den erklärten Gründen absolut indiskutabel, und ich kann da z. B. auch _maddins Unmut und Unlust, mit dir zu diskutieren, ganz gut verstehen (da du ja eh nur Wahlwerbung machen willst - und dann auch noch ausgesprochen schlechte, indem du kritische Gegenüber runterputzt.)
Also noch einmal ganz deutlich:
Wegen der Wahlwerbung für die Piratenpartei kommt bei mir erst gar nicht die Lust auf, hier mitzudiskutieren.
Mein Rat:
Sich als Partei zuerst einmal positionieren - dann darf auch gerne die Werbung folgen, zu der jeder dann ganz konkret Stellung beziehen kann.



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