Frankreich und skandinavische Länder zeigen, dass das nicht stimmt.
In Frankreich oder Belgien ist es selbstverständlich, dass eine Frau, die arbeiten möchte, ihre Kinder entsprechend unterbringen kann. Und arbeiten möchten viele Französinnen, da sie der typisch deutsche Muttertier-Mythos nicht belastet.
Flexible Beschäftigungsmodelle zur Vereinbarung von Familie und Beruf sind wesentlich verbreiteter als in Deutschland. Und der Staat entlastet Familien mit Kindern steuerlich so dramatisch, dass Kinderkriegen kein finanzielles Risiko darstellt.
Für die Demographie bedeutet das: Fertilität in Frankreich 2,0 gegenüber Deutschland 1,4.
In Skandinavien sieht es ganz ähnlich aus. Dazu kommt noch eine ausgeprägter Akzeptanz von Frauen in "Männerberufen".
Nochmal:
Ich spreche mich nicht generell gegen Zuwanderung aus, falls das aus demographischen Gründen wirklich notwendig werden sollte. Vor allem habe ich keine Ressentiments gegen Ausländer.
Aber erstens bezweifle ich, dass die Arbeitgeber, die sich in 2010 für Zuwanderung aussprechen, dabei demographische Probleme von 2025 im Sinn haben.
Zweitens sehe ich die Potenziale des riesigen europäischen Arbeitsmarkts, inklusive Frauen und ältere Fachkräfte, als bei weitem noch nicht ausreichend genutzt.
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21.09.2010, 14:20Inaktiver User
AW: Gehen Deutschland die Arbeitskräfte aus ?
Geändert von Inaktiver User (21.09.2010 um 14:27 Uhr)
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21.09.2010, 14:28Inaktiver User
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21.09.2010, 14:38
AW: Gehen Deutschland die Arbeitskräfte aus ?
Aha. Was mag das für ein Buch gewesen sein?
Ja gut, aber wieviele der heutigen Renterinnen oder Rentner ab vielleicht 60 Jahren könnten beispielsweise Deinen Job denn überhaupt machen? Oder gar den eines 25-Jährigen Ingenieurs oder Monteurs mit aktuellen und marktrelevanten Fachkenntnissen? Und ohne diese Tätigkeiten geht früher oder später buchstäblich das Licht aus oder der Wasserhahn bleibt trocken. Mal abgesehen von den steigenden Krankheits- und Pflegekosten, die ältere Erwerbstätige gegenüber jüngeren Erwerbstätigen aufzuweisen haben.
Das Problem ist ja, dass die Geburtenzahlen vermutlich nicht mal für den Erhalt der jetzigen Altersstruktur und Bevölkerungszahl ausreichen: "Zur Reproduktion einer Bevölkerung mit Sterblichkeitsverhältnissen, wie sie z. B. in Deutschland vorliegen, ist es demgegenüber erforderlich, dass jede Frau im Durchschnitt rd. 2,1 Kinder zur Welt bringt (TFR 2,08)." Und momentan haben wir statt Zuwanderung auch noch eher Abwanderung. Ehrlich gesagt ist mir nicht klar, wie da IAB-Forscherin Sabine Klinger ernsthaft von "heilender Wirkung der demografischen Entwicklung" sprechen kann:
Momentan scheint es eher auf die Blatt-Variante hinauszulaufen. Immer weniger und immer ältere Menschen.Geändert von Alaska (21.09.2010 um 15:00 Uhr)
"...und gibt's auch kein Wiedersehn, einmal war es doch schön."
(Peter Kreuder et al, Sag beim Abschied leise 'Servus')
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21.09.2010, 14:59
AW: Gehen Deutschland die Arbeitskräfte aus ?
Mag sein, aber ich halte das inzwischen auch für Augenwischerei:
"Die Daten aus Norwegen deuten an», schreibt die Bevölkerungswissenschaftlerin Marit Rønsen in einem Papier des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, «dass ein zunehmendes Angebot von Betreuungsplätzen einen schwachen positiven Effekt auf dritte Geburten haben dürfte."
Das Problem liegt also darin, dass sich überhaupt erstmal genügend Paare finden müssen, die wenigstens ein oder gar zwei Kinder bekommen wollen.
Und gerade da sehe ich Frauenförderung als Problem: "Die immer höhere Bildung von Frauen, die etwa beim Abitur Männer inzwischen übertreffen, verknappt für gut ausgebildete Frauen und für schlecht ausgebildete Männer das Angebot an potentiellen Partnern (da Frauen bislang selten einen insoweit unterlegenen Mann und Männer selten eine insoweit überlegene Frau akzeptieren), noch verschärft durch die höhere Wanderungsneigung insbesondere gut ausgebildeter ostdeutscher Frauen."
Natürlich halte ich Frauenförderung in einer aufgeklärten und auf Selbstbestimmung basierenden Gesellschaft für selbstverständlich. Sogar wenn es bedeuten sollte, dass diese Gesellschaft sich dann halt im demografischen Wandel auflöst.
Auch das ist nicht das Problem. Frauen sind anders als Männer im Beruf und haben grob formuliert und verallgemeinert jeweils andere Vor- und Nachteile, die sich aber selten an der fachlichen Qualifikation ausmachen lassen. Dennoch ist es aber im Moment noch so, dass ein vollzeitberufstätiger Mann eher eine junge Familie miternährt, als eine vollzeitberufstätige Frau. Und da ich tatsächlich nicht zu denjenigen gehöre, die meinen, Arbeitsplätze liessen sich nach Belieben aus der Luft schnitzen, muss ich folgern, dass vollzeitberufstätige Frauen, die keine junge Familie miternähren, den demografischen Wandel noch beschleunigen."...und gibt's auch kein Wiedersehn, einmal war es doch schön."
(Peter Kreuder et al, Sag beim Abschied leise 'Servus')
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21.09.2010, 15:06Inaktiver User
AW: Gehen Deutschland die Arbeitskräfte aus ?
Auf die Schnelle im Internet gefunden:
So zählen etwa Deutschland und Österreich mit einer Gesamtfertilitätsrate von 1,33 (Deutschland) bzw. 1,31 (Österreich) zu den Ländern mit der niedrigsten Fertilität in Europa, während die nordischen Länder, Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland, sowie Frankreich mit einer Fertilitätsrate zwischen 1,71 und 1,89 zu den Ländern mit der höchsten Fertilität in Europa gehören.
Erstmal die Latte erreichen, die Frankreich und Skandinavien gelegt haben.
Dann sehen wir weiter.
Warum erwähnst du Frauenförderung als Problem, wenn du sie zugleich für selbstverständlich hältst?Und gerade da sehe ich Frauenförderung als Problem:
(...)
Natürlich halte ich Frauenförderung in einer aufgeklärten und auf Selbstbestimmung basierenden Gesellschaft für selbstverständlich.
Für mich ist Frauenförderung kein Problem.
Die Vorstellung, dass Frauen lieber Kinder kriegen sollen als zu arbeiten, ist so unterirdisch, dass eher derjenige ein Problem darstellt, der so denkt.
.Geändert von Inaktiver User (21.09.2010 um 15:09 Uhr)
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21.09.2010, 15:44
AW: Gehen Deutschland die Arbeitskräfte aus ?
Ja nun, die Bevölkerungswissenschaftlerin Marit Rønsen hat ja nun (siehe oben) darauf hingewiesen, dass die Anzahl der Kita-Plätze vielleicht nicht unbedingt kausal mit der leicht höheren Geburtenrate in Skandinavien korreliert ist oder zumindest nicht in dem Ausmaß, wie es hier behauptet wird.
Weil ich die Unzufriendenheit nicht geförderter Frauen für noch schlimmer halte, als die - zumindest von mir vermutete - sich daraus ergebende Beschleunigung des demografischen Wandels (siehe auch Biographische Theorie der Fertilität).
Klar.
Unterirdisch hin oder her: Kein Nachwuchs und auch keine Zuwanderung zusammen bedeuten früher oder später keine Arbeitskraft mehr und damit Ende im Gelände.
Das Problem ist, dass es immer mehr vollzeitberufstätige alleinstehende Frauen gibt, die Jobs machen, mit denen andere vollzeitberufstätige Männer eine Familie ernähren oder ernähren würden. Und diese vollzeitberufstätigen alleinstehenden Frauen finden immer weniger einen Mann, mit dem sie überhaupt eine Famile gründen wollten. Und einem Unternehmen ist das bei gleicher Befähigung und Qualifikation natürlich auch egal, wer den jeweiligen Vollzeitjob macht.Geändert von Alaska (21.09.2010 um 15:53 Uhr)
"...und gibt's auch kein Wiedersehn, einmal war es doch schön."
(Peter Kreuder et al, Sag beim Abschied leise 'Servus')
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21.09.2010, 16:53Inaktiver User
AW: Gehen Deutschland die Arbeitskräfte aus ?
Das ist nun echt unterirdisch.

Und überhaupt: War die These nicht, Deutschland gingen die Arbeitskräfte aus ?
Da kann man doch froh sein, wenn Frauen gut bezahlte Jobs ausüben, mit denen sie Hausfrauenehen oder alleinerziehende HartzIV-lerinnen alimentieren, durch Spitzensteuersätze z.B.
Und falls es Dir noch nicht aufgefallen sein sollte: Die vollzeitberufstätigen MÄNNER sind es, die sich dem Kinderkriegen verweigern, jedenfalls zu einem erheblichen Prozentsatz.
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21.09.2010, 17:16
AW: Gehen Deutschland die Arbeitskräfte aus ?
Tut mir leid, das ist aus meiner Sicht die Realität: Du wirst deutlich mehr Partnerschaften und Familien finden, in denen ein vollzeitberufstätiger gut qualifizierter Mann mit einer etwas weniger gut qualifizierten Frau zusammen lebt, als umgekehrt. Plakativ formuliert: Du findest mehr Bereichsleiter, die mit einer Marketing-Assistentin eine Familie gründen, als Bereichsleiterinnen, die mit einem Marketing-Assistenten eine Familie gründen. So lange sich das nicht ändert, besteht zwischen Männern und Frauen in der Gesellschaft, der Arbeitswelt und dem Partnermarkt eine grundlegene Asymmetrie.
Ja genau, in den Bereichen, in denen auch nach Mobilisierung von Frauen, Älteren und Geringqualifizierten noch Lücken bestehen.
Stimmt, das ist natürlich ein Ausgleich.
Ja, das stimmt vermutlich. Vielleicht, weil sie immer weniger Frauen finden, die bereit sind, für Kinder beispielsweise auf ihre Vollzeitarbeit zu verzichten. Was natürlich für beide auch ein materieller Nachteil wäre. Und wenn sie in ihrem Job bereits mehr verdient als er, wird es oft sowieso nichts Dauerhaftes, siehe oben."...und gibt's auch kein Wiedersehn, einmal war es doch schön."
(Peter Kreuder et al, Sag beim Abschied leise 'Servus')
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21.09.2010, 17:25Inaktiver User
AW: Gehen Deutschland die Arbeitskräfte aus ?
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21.09.2010, 18:38
AW: Gehen Deutschland die Arbeitskräfte aus ?
Die Unterschiede sind aber nicht nur auf auf dem Gebiet der Kinderbetreuung oder der Familienfinanzierung zu finden.
Wären dies die entscheidenden Punkte, müßte Ostdeutschland mit seiner sehr gut ausgebauten Betreuungsinfrastruktur deutlich höhere Geburtenraten haben als die alten Bundesländer, was nicht der Fall ist.
Es gibt kein europäisches Land, das seine Bevölkerungsgröße aus eigener Kraft stabil hält, alle sind mittel- und langfristig auf Einwanderung angewiesen, auch Frankreich und Skandinavien.
Deutschland hat im Unterschied zu den meisten anderen westlichen Ländern noch eine starke Industrie und damit einen anders strukturierten Arbeitsmarkt als etwa die skandinavischen Länder.
In Schweden sind gut 3/4 aller Beschäftigten im öffentlichen Dienst, der zudem einen deutlich höheren Anteil am BIP hat als in Deutschland, Frauen.
Das bedeutet, eine große Anzahl schwedischer Frauen hat sichere Arbeitsplätze beim Staat, die zunehmend auch in Teilzeitstellen umgewandelt werden.
Unter solchen Voraussetzungen fällt die Entscheidung für Kinder wohl leichter als im immer noch stark industrialisierten Deutschland mit seinen oft unsichereren Arbeitsplätzen.
All das spielt mit rein, wenn man Deutschland mit den hochgelobten skandinavischen Ländern vergleicht (vom reichen Öl-Protz Norwegen will ich gar nicht erst anfangen).




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